Gesamtwertung6/10 |
Es gibt so Tage, an denen geht einfach nix! Man steht bereits mit dem linken Fuß auf, dann kreuzt der eigene schwarze Kater von Links und auf dem Weg zum Badezimmer stolpert man noch über den Müll, den man schon seit drei Tagen runterbringen wollte. Ein buchstäblicher Scheißtag oder einfach "Hell of a Day" wie man das in Disaster: Day of Crisis nennen würde. In Nintendos neuem Wii-Game ist das Ganze allerdings um das Zigfache potenziert. Der Tag des Helden Ray Bryce besteht aus nichts anderem als katastrophalen Unglücken und unglücklichen Katastrophen.
Ray durchlebt ein interaktives Abenteuer, das Euch wie ein Mischmasch aus ollen Hollywoodschinken a la "Flammendes Inferno", "Untergang der Poseidon", "Cliffhanger" und "Day After Tomorrow" vorkommen dürfte - aber alles in einem Film zusammen gemixt. Zusätzlich gibt es noch eine Prise "The Rock", schließlich darf neben all den Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Tsunamis und Feuersbrünsten auch das kriminelle Element nicht fehlen, und so stiehlt die ehemalige Spezialeinheit SURGE Nuklearwaffen und begründet dies mit moralisch fragwürdigen Zielen.
Unsereins würde bei all diesem Unheil sicher ganz fix das Weite suchen, Mr. Bryce dagegen steht als professioneller Retter in der Pflicht und zufälligerweise entführen die bösen Soldaten zu allem Überfluss auch noch die Schwester (Lisa) seines im Dienst tödlich verunglückten Partners Steve.
Ihr habt's schon gemerkt, Entwickler Monolith Soft hat sich alle Mühe gegeben, nur ja kein Katastrophen-Klischee auszulassen, und daher ist die schwülstige Story eines Mannes, der unbedingt einen alten Glückbringer an Schwester Lisa übergeben möchte und dafür sogar bereit ist, einen nuklearen Sprengkopf einzutauschen, ziemlich überflüssig. Zumal die oft langatmigen und hölzern-kitschigen Zwischensequenzen mit einem handlungsunfähigen US-Präsidenten ("Hat denn niemand eine Idee, wie wir aus diesem Schlamassel kommen?") optisch grenzwertig inszeniert sind. Insgesamt macht Disaster: Day of Crisis für Wii-Verhältnisse jedoch eine grafisch recht gute Figur, wenn man mal von den Cut-Szenen und den ebenfalls schwachen Vehikel-Missionen absieht.
So rennt Ihr also von einem Katastrophen-Szenario zum nächsten und steuert den heldenhaften Pechvogel dabei in der Regel aus der Schulterperspektive, die Wiimote und Nunchuk immer im Anschlag haltend. Die Entwickler haben sich augenscheinlich Mühe gegeben, das Geschehen so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten: Auf Eurem Weg durch zerstörte Städte oder U-Bahn-Stationen begegnet Ihr immer wieder verletzten oder eingeklemmten Personen. Die sehr lineare Struktur der Levels macht es fast unmöglich, diese zu übersehen. Nur selten sind die in Not geratenen Menschen in Seitenstraßen oder hinter Feuerwänden versteckt.
Je nachdem, in welcher Lage beziehungsweise Verfassung sich die Verunglückten befinden, werden Euch mehr oder weniger schweißtreibende Aktionen abverlangt. Meist handelt es sich dabei um spielerisch sehr simple Tätigkeiten, beispielsweise Erste Hilfe-Maßnahmen wie das Verbinden und Versorgen von Verletzungen oder gar Herzmassagen und ähnliche Wiederbelebungsmaßnahmen.
Da drückt Ihr ein bisschen auf den B-Knopf und sprüht Wasser auf Wunden, dreht den Control-Stick des Nunchuk und verbindet Wunden, beseitigt Hindernisse, indem Ihr auf den A-Button hämmert und dann die Wiimote hoch reißt. Oder lasst die Fernbedienung im Takt heruntersausen, um das Herz wieder in Gang zu bekommen. Ähnlich geht es zu, wenn Ihr euch selber retten müsst: Ihr sprintet mit beidhändigem Einsatz Feuerlawinen davon, weicht mit einfachen Gesten tödlichen Bedrohungen aus oder drückt schlicht den Z-Knopf, wenn Eure Lunge ein wenig Erholung benötigt. Das funktioniert alles reibungslos, stellt aber nie eine wirkliche Herausforderung dar und wiederholt sich zudem sehr häufig, inklusive unnötigem Backtracking.
Diese Hilfs- und Rettungsaktionen werden selbst in den haarigsten Situationen immer wieder unterbrochen von Actioneinlagen, bei denen Ihr Euch meist mit den SURGE-Schergen auseinandersetzt. Das Spielgeschehen schubst Euch dann in die Ego-Ansicht eines Lightgun-Shooters der Marke Time Crisis, wobei Ihr mit der Wiimote das Fadenkreuz über den Bildschirm dirigiert und den B-Button zum Feuern vewendet, während der Nunchuk zum Nachladen (Schütteln) und für den Zoom herhält.
Das Aiming funktioniert dabei in der Regel tadellos, sodass Ihr zum einen Feinde problemlos per Headshots plättet und zum anderen dafür auch noch Bonuspunkte kassiert. Diese Feuergefechte machen Spaß, sind aber zu statisch ausgefallen. Ihr bewegt Eure eigene Figur nämlich nicht selbstständig, sondern werdet vom Spiel von einer Baller-Position zur nächsten dirigiert, bis alle Widersacher ausgeschaltet sind. Ihr habt dabei lediglich die Kontrolle darüber, ob und wann Ihr Ray in Deckung gehen lasst, wo er nur von Raketen oder ähnlich dicken Geschossen Treffer einsteckt.
Mit all diesen Aktionen sammelt Ihr nebenbei Kampf- und Heldenpunkte, mit denen Ihr die Fähigkeiten Eures Charakters in homöopathischen Rollenspieldosen ein wenig ausbaut. Ihr kauft Euch neue, effektivere Waffen für einen der vier verfügbaren Slots (oder erhaltet sie als Belohnung für gute Leistungen am Schießstand) und erweitert die Leistungsfähigkeit des abenteuerlustigen Protagonisten, indem Ihr seine Tragekapazität, Widerstandskraft oder aber auch Kampffertigkeiten verbessert.
Auf diese Weise vergrößert sich beispielsweise die maximale Anzahl von Heil- und Ausdauergegenständen in Eurem Gepäck. Diese wiederum findet Ihr in herumliegenden Kisten und Fässern, die man höchst repetitiv und stupide zerkloppt. Dass sich diese Objekte selbst in den abstrusesten Umgebungen entdecken lassen, spricht nicht unbedingt für ein glaubwürdiges Szenario.
Ähnliches gilt übrigens auch für einige aufgesetzt wirkende seltene Adventure-Einlagen, wenn Ihr etwa nützliche Gegenstände sucht und fürs Vorankommen sinnvoll einsetzen müsst, dabei aber mit der Holzhammermethode auf die Lösungen aufmerksam gemacht werdet.
Bieten die Rettungs- und Ballereinlagen noch durchweg solide Unterhaltung und immerhin abwechslungsreiches Gameplay, kann der Titel bei den eingestreuten Fahrzeugmissionen kaum überzeugen. Das liegt vor allem an der eher schwammigen Steuerung, die beim Ausweichen vor tödlichen Hindernissen wenig hilfreich ist und dementsprechend frustrierende Erlebnisse bietet. Das gilt umso mehr, weil bei diesen Einsätzen schon der erste Fehler häufig zum virtuellen Ableben führt.
Glücklicherweise ist das Checkpoint-System durchaus gnädig ausgefallen und erlaubt einen guten Wiedereinstieg ins Spielgeschehen. Ziemlich nervig ist auf Dauer zudem das Soundgeflecht von Disaster: Day of Crisis ausgefallen, wobei sich vor allem die Laufgeräusche als äußerst unpassend und billig herausstellen, aber auch die Baller-Akustik einen äußerst schalen Beigeschmack hinterlässt. Im Vergleich dazu macht der Hintergrund-Soundtrack einen geradezu epischen Eindruck, wirkt stellenweise aber ein wenig beim Gladiator-Theme abgekupfert.
Eines kann man Disaster: Day of Crisis sicher nicht vorwerfen: mangelnde Abwechslung. Ständig passiert in diesem Katastrophen-Szenario etwas Unvorhergesehenes, bricht ein Vulkan aus, stürzt ein Wohnhaus in sich zusammen, wüten Feuersbrünste und überall gilt es, hilflose Menschen und letztendlich auch sich selber zu retten. Die dabei angewandten Spielmechaniken beim Ballern oder diversen Rettungsmaßnahmen sind zwar repetitiv, aber größtenteils tadellos umgesetzt - was andererseits sicher auch an ihrer Simplizität und der geringen Schwierigkeit liegt.
Das ist jetzt kein ganz großes Kino, aber durchaus solide Hausmannskost. Man kann es sogar mit einem Kino-Schinken wie Day After Tomorrow vergleichen, der zwar keine Oscar-reife Handlung bietet, letztendlich jedoch trotzdem gut unterhält. Die Mischung aus lebensrettenden Hilfseinsätzen, Lightgun-Shootouts a la Time Crisis und diversen anderen Spielelementen sorgt einige Zeit für Kurzweil, bevor man von der kitschigen und hölzern inszenierten Story genug hat und sich das Gameplay dann irgendwann abnutzt und zu sehr wiederholt.
Disaster: Day of Crisis ist im Handel für die Wii erhältlich.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Disaster: Day of Crisis im Test.
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