Gesamtwertung4/10 |
Zunächst einmal und nur damit hier keiner auf dumme Ideen kommt: Sich auf ein Katapult zu setzen und über hundert Meter durch ein Hindernis gespicktes Stadtareal zu schleudern, ist KEINE gute Idee. Glaubt mir das, erste Selbstversuche zeigten da ganz deutliche Ergebnisse.
Und eigentlich habe ich Euch damit auch schon den gesamten Spielinhalt von Pain verraten. Ihr schleudert Jarvis, der sich aus irgendeinem Grunde freiwillig auf ein Katapult setzt. Richtet das Gerät aus, Bäm, Jarvis fliegt los und tut sich kurz danach so richtig weh. Das ist es. Darum geht es. Mehr passiert hier für 10 Dollar nicht.
Ursprünglich begann PAIN als schlichte Demo für die Möglichkeiten der Havoc-Physikengine. Irgendwo auf dem Weg ging diese einfache Intention verloren und Idol Minds baute für Sony immer mehr Features und Spielereien ein, so das es jetzt sogar fast zu Recht als richtiges Spiel verkauft wird. Fast, wohlgemerkt.
Damit Ihr all diese zahlreichen Möglichkeiten auch ja nicht ignoriert, werdet Ihr erst einmal durch das wahrscheinlich nervigste Tutorial aller Zeiten geschickt. Nicht nur, dass einige der Lernübungen durchaus schwer zu meistern sind, dürft Ihr auch keinen einzigen Modus anwählen, bevor Ihr das gesamte, eine gefühlte Ewigkeit dauernde Lehrprogramm vollständig absolviert habt.
Das ist kein Scherz, sondern erschreckende Tatsache. Ihr MÜSST da durch, ansonsten dürft Ihr in dem Spiel, das Ihr für Euer Geld auf Eure Konsole geladen habt und mit dem Ihr Eure Zeit verbringt, NICHTS tun! Wow, selbst im Kindergarten hatte ich mehr Empowerment! Es ist dreist und unverschämt, macht Euch aber wenigstens mit der überkomplizierten Steuerung vertraut.
Der Abschuss an sich ist einfach, zumal das Katapult auch fest an einem einzigen Punkt des Areals steht. Spannen, zielen und los, kein Problem. Als nächstes wird Euch gezeigt, wie Ihr die Flugrichtung ein wenig ändern könnt. Auch kein Problem. Dann kommt ooch! dazu. Und mit ooch! beginnen die Probleme. Nachdem Ihr Euer initial angepeiltes Ziel getroffen habt, darf sich Jarvis in offensichtlichen Schmerzen in eine Richtung werfen. Dies funktioniert sehr relativ.
Mal gibt er sich wirklich einen Schubster in die mittels Digitalkreuz zu bestimmende Richtung, mal wird es auch nur ein kleines Keuchen und ein Zucken, ohne sichtbare Auswirkungen. Da die Aufgaben, welche Ziele zu treffen sind, schon im Tutorial ein gutes Maß an Präzision verlangen, werdet Ihr schnell ob der Unzuverlässigkeit von ooch! fluchen. Und zwar nicht zu knapp.
Super ooch! rettet das Schmerzensmalheur ein ganz klein wenig. Durch Schütteln des Sixaxis während des Fluges lädt es sich auf und ergibt ein beherzteres und sinnvolleres Zucken in die gewünschte Richtung. Neben alledem dürft Ihr dann noch in acht verschiedenen Posen pro Spielfigur durch die Luft segeln. Beispielsweise gespreizten Beinen, wagemutig via Arschbombe oder während des Fluges einen Salto schlagend. Wahlweise ohne Verkleidung oder im Kuhkostüm.
So, noch mal bildlich: In den entscheidenden Sekunden nach dem Abflug und dem darauf folgenden Aufprall werdet Ihr mit dem Analogstick steuern, mit weiteren Tasten posieren, Super ooch! aufladen, ooch! steuern und noch ein oder zwei andere Dinge tun. Oder es zumindest versuchen. Mal ehrlich, wie kann es sein, dass eine so simple Spielidee eine solch überladene und unintuitive Steuerung verpasst bekommt?
Und merken müsst Ihr Euch das auch noch alles, wenn Ihr den Hauch einer Chance in einigen der Spielmodi haben wollt. Als Sologamer werdet Ihr sicher die meiste Zeit im 'PainDemonium' verbringen. Keine Aufgaben, keine Ziele, nur das Katapult und der Punktezähler für das Ausmaß an angerichteten Schäden. Simpler Fun. Für eine halbe Stunde.
Die restlichen verfügbaren Sachen werden Euch ein Lächeln für ein paar Minuten schenken, zumindest wenn es Euch erfreut, mit einem Typen in furzende Paviane zu rauschen und sie von einem Gebäude zu stoßen. Im Mehrspielerteil sieht es ein wenig besser aus und vor allem 'Horse' macht durchaus für ein Weilchen Laune. Spieler 1 sucht sich ein Ziel, Spieler 2 muss es überbieten. Ganz nett. Für eine kurze Zeit.
Was also versucht Sony, damit all diese kurzen Vergnügungen Euch nicht schon nach einer Stunde maximal einschlafen lassen? Sie schicken Euch auf Trophäenjagd. Ob Ihr allerdings wirklich in Eurem Leben die Trophäe für 5000 angewendete ooch! braucht, müsst Ihr mit Euch selbst ausmachen. Mein Leben geht auch ohne gut weiter. Also, was gibt es noch?
Das Zauberwort lautet Downloadcontent. Angesichts des spärlichen und vor allem einzigen Areals und der Tatsache, dass gerade mal zwei Charaktere zum Schleudern mitgeliefert werden, macht das wohl Sinn. Viel gibt es noch nicht, aber das was da ist, wirft die Frage auf, warum es nicht von vornherein dazugehörte.
Zwei Weihnachtscharaktere – Weihnachtsmann und Weihnachtsbunny - zu je 99 Cent könnt Ihr erwerben. Sie haben ein paar neue Posen und Soundeffekte. Wow, das verlängert sicher meinen Spaß an dem Spiel…NICHT! Kein neues Terrain ist bis jetzt in Sicht und auch wenn 10 Dollar nicht die Welt sind, hätte mindestens ein zweites sowieso dazugehört. Wie eigentlich auch die beiden Weihnachtstypen. Schließlich ist es Weihnachten. Oder bald. Egal, sie hätten dabei sein müssen.
Im Onlinebereich wird es dann besonders peinlich. Über einen eigenen Menüpunkt könnt Ihr die Community-Website aufrufen. Diese zeigt Euch tolle Sachen, wahrscheinlich auch Videos und ähnliches, nur ganz sicher bin ich mir da nicht. Das liegt zum größten Teil daran, dass das zentrale Element der Seite ein Plugin für den Browser voraussetzt, welches nicht standardmäßig aktiviert ist. Ok, danke, weg hier.
PAIN hätte eine Gratisdemo sein sollen. Vielleicht ein kleiner Spaß für 3 Dollar. Es macht, den nötigen kruden Humor und einen Hauch von Sadismus vorausgesetzt, schon ein Stündchen Laune, Jarvis durch die Stadt zu schmeißen. Danach hängt es stark davon ab, wie oft Ihr über einen Typen lachen könnt, der sich im freien Flug den Kopf irgendwo anstößt. Für das Partygame, das es sein müsste, geriet die Steuerung zu komplex. Für das Solospiel, das es sein will, gibt es zu wenig Substanz. Für die geforderten 10 Dollar gibt es kaum eine Rechtfertigung. Ooch.
PAIN ist derzeit nur auf dem US-Playstation Store für 9,99 Dollar zu haben. Im deutschen Store wird es in Kürze verfügbar sein. Die Charakter-Addons kosten 99 Cent pro Figur.