Gesamtwertung9/10 |
Es kann gar nicht oft genug gesagt werden. Auch eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung von Der Herr der Ringe Online: Die Schatten von Angmar grenzt es immer noch an ein kleines Wunder, wie gelungen die Tolkien-Welt als Online-Rollenspiel umgesetzt wurde. Turbines Werk fühlt sich mehr an wie ein Directors Cut vom Buch als ein simples Spiel. Wer nach tausend Seiten Mittelerde nicht genug hat und noch eine Portion braucht, wird hier definitiv mehr als fündig. Die Designer haben die Vorlage bis aufs Letzte ausgeleuchtet, ausgebaut und dann mit viel Feingefühl in ein lebendiges MMO-Mittelerde verwandelt. Jeder, der das Buch kennt, fühlt sich hier sofort zu Hause (auch wenn das Haus runde Türen hat). Die erste Erweiterung Die Minen von Moria öffnet jetzt, wie man vielleicht ahnen kann, die Türen zu Kahzad-Dum, den gigantischen Zwergenminen von Moria. Und wieder erzählt Turbine dabei die Geschichte der Spielercharaktere im Bezug auf das große Ganze, sprich Frodo und den Ring. Nachdem sich die Gefährten durch Moria gekämpft haben und sich im Moment in Lothlorien von Cate Blanchett beraten lassen, ist die statische Ruhe des einst verlassenen Zwergenkönigreiches ordentlich aufgewühlt worden. Die Zwerge haben nach dem Tod des Balrogs beschlossen, ihr Moria wieder zum Leben zu erwecken, während diverse dunkle Fraktionen durchaus ähnliche Ansprüche an den Tag legen. Nur mit etwas unpazifistischeren Mitteln. Die Fortsetzung der Geschichte ist ausschließlich für hochstufige Spieler. Schon die Moria vorgelagerte (und traumhaft schöne) Region Eregion ist von Level 48 Halb-Orcs und ähnlich unfreundlichen Einwohner besiedelt. Bevor man also Stufe 50 erreicht hat, lohnt es sich kaum, hier anzutreten. Für die zahlreichen Spieler, die in den letzten eineinhalb Jahren die Maximalstufe erreicht haben, aber um so mehr. Und nachdem man eine etwas störend wirkende Questreihe durchlaufen hat, kann man dann endlich „Freund“ sprechen und eintreten. Da schon so Legenden beladene Orte wie Bruchtal und das Auenland hervorragend umgesetzt wurden, dürfte die hohe Qualität der Minen eigentlich nicht überraschen. Trotzdem ist der erste Eindruck atemberaubend. Moria ist ein mehrstöckiges, verschachteltes Labyrinth, voller verlassener Städte und unerforschter Höhlen. Ein Ort, mitten in einer existenziellen Umwälzung. Monsterscharen haben sich hier niedergelassen und warten unter riesigen Zwergenstatuen, am Ende von endlosen Treppen auf die ahnungslosen Helden. Die Bedrohung springt einem an jeder Ecke an und wer alleine und unvorsichtig durch die Höhlen zieht, wird schnell an seine Grenzen stoßen. Moria schafft dabei das große Kunststück, sich gleichzeitig vertraut, feindselig und unberechenbar anzufühlen. Und neben aller Abwechslung wirkt es nie wie ein designter Dungeon, sondern wie eine echte Stadt unter einem Trillionen tonnenschweren Berg. Die neuen Quests passen sich zum Glück der visuellen Qualität an. Turbine hat aus der Vergangenheit gelernt und konzentriert sich auf seine Stärken. Die Story um den entbrannten Konflikt fließt direkt in die meisten Aufgaben ein und die werden mit der Zeit immer nur besser. Angefangen mit altbekannten Kill-Quests, gibt es diesmal mehr und grandiose Solo-Instanzen. Zum Teil mit Rätselelementen und manchmal sogar mit gesteuerter Kamera für ein zusätzliches Plus an Atmosphäre. Mit anderen Worten, die neuen Inhalte sind zahlreich, abwechslungsreich und kommen geballt daher. Für jeden, der dem Szenario nicht komplett abgeneigt ist, dürften die Abenteuer in den Minen zu dem Besten gehören, was es im Moment in einem MMO zu erleben gibt. Pflichtaufgabe erfüllt, kommen wir zur Kür. Generell gilt ja, dass Neuerungen in Online-Rollenspielen immer dann als Erfolg bezeichnet werden können, wenn sie von der harten Konkurrenz kopiert werden. Und ich würde meine letzten Goldstücke darauf wetten, dass das neue legendäre Waffensystem genau so ein Feature ist. Die Idee ist folgende: Oft besitzt ein ernst zunehmender Held eine ikonische Waffe. Ein Schwert, ein Bogen oder ein Zauberstab mit einer eigenen Geschichte und Herkunft. Und für gewöhnlich hat er diese Waffe schon früh in seiner Karriere bekommen und gemeinsam haben sie zahlreiche Schlachten gewonnen und Probleme gelöst. Im Online-Rollenspiel ist das eigentlich genau umgekehrt. Der Held hat meistens ein ganzes Arsenal an Waffen (je nach Situation und Gegner) und die werden auch noch sofort weggeworfen, verkauft oder versteigert, sobald es nur eine bisschen bessere Alternative gibt. Damit ist jetzt Schluss. Die neuen legendären Waffen leveln selbstständig mit. Sie besitzen eigenen Erfahrungspunkte, erlernen neue Fertigkeiten und über die 30 Stufen, die ein solcher Gegenstand besitzt, können sie noch mittels anderer Items zusätzlich aufgewertet werden. Das Ergebnis ist nicht nur eine Art Beziehung zwischen Eurem Charakter und seiner Waffe, auch steigen die Variationsmöglichkeiten um ein Vielfaches. Nach nur wenigen Leveln und Spezialisierung verändert die Waffe schon deutlich ihre Ausrichtung und es entsteht ein neuer, individueller Gegenstand. Unabhängig vom ganzen High-Level Inhalt bietet die Minen von Moria dann noch zwei neuen Charakterklassen: der Runenbewahrer und der Hüter. Auf neudeutsch könnte man beide Vertreter als Hybrid-Klassen bezeichnen. Heißt, sie kombinieren zwei verschiedene Aufgaben in einer Person. Der Runenbewahrer ist eine Mischung aus Nuker und Heiler. Die jeweilige Gewichtung seiner Fähigkeiten wird dabei über eine Bildschirmanzeige dargestellt. Jeder Angriffszauber lässt den Balken nach links wandern (Richtung rot) und jede Heilung nach rechts beziehungsweise Richtung grün. Zwischen den Kämpfen pendelt das Ganze sich schnell wieder in der neutralen Mitte ein. Und jetzt kommt der Trick: je mehr der Balken in eine Richtung schlägt, zum Beispiel grün, umso wirkungsvoller sind die Heilzauber. Aber dafür können diverse Angriffszauber nicht mehr ausgeführt werden. Bei kurzen Kämpfen spielt das kaum eine Rolle, aber in langen Gefechten entsteht so eine neue Dynamik und der Spieler muss den Verlauf des Kampfes aufmerksam beobachten, taktisch vorausdenken und entsprechend handeln. Und jeder weiß, was passiert, wenn dem Heiler ein Fehler unterläuft. Also keine Klasse für Anfänger. Genauso wenig wie der Hüter. Er ist wahlweise defensiver Tank oder nur Schaden-Austeiler. Seine Mechanik funktioniert dabei über Kombos. Auch hier gilt, was am Anfang nette Spielerei ist, wird ab Level 20 zu einer anspruchsvollen, aber hoch taktischen Kämpferklasse. Mitten im Gefecht kann und muss der Hüter Kombos addieren und ändern, um der Schlacht die finale positive Wendung zu geben. Das ist komplex und nicht immer einfach, aber eine gelungene Erweiterung des manchmal etwas langweiligen Kampfsystems, bei dem man sonst die immer gleichen fünf Tasten in der immer gleichen Reihenfolge drückt. Und scheinbar hat man so viel Energie in die beiden neuen Helden gesteckt, dass das Sounddesign etwas vernachlässigt wurde. So klingen die Runenzauber wie Plastik-Laserschwert aus dem Discounter und diverse Warden-Angriffe erinnern an wilde Topfschlagen-Duelle auf Kindergeburtstagen. Ein kleiner Wermutstropfen, denn beide Klassen bieten ansonsten durchaus genug Elemente, um die altbekannten Startgebiete auf ein Neues zu durchqueren. Auch wenn mir nicht ganz klar ist, warum man seine erste Erweiterung kurz nach ‚Wrath of the Lich King’ herausbringt, die Minen von Moria müssen sich hinter niemandem verstecken. Tolkiens Geschichte wird mit neuen, atmosphärischen Quests anspruchsvoll weiter erzählt, das legendäre Waffensystem ist der Tipp für das MMO-Feature des Jahres und die beiden neuen Klassen bieten die erhoffte Abwechslung im Kampfsystem. Die Minen selber sind mehr Erlebnis als „nur“ eine neue Gegend und zeigen erneut, in wie guten Händen des Quellenmaterial bei Turbine ist. Denn das ultimative Lob bleibt: auch die erste Erweiterung ist ein neues Kapitel im ausführlichen Directors Cut, für alle die, denen das Buch nicht reicht. So steht neben der Freude über die unterhaltsamen, weiteren Stunden in Mittelerde (oder besser gesagt unter Mittelerde) auch die Vorfreude auf das, was noch kommt: Isengard, Rohan, Gondor. Eigentlich geht es jetzt erst richtig los. Der Herr der Ringe Online: Die Minen von Moria sind überall im Handel erhältlich.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Der Herr der Ringe Online: Die Minen von Moria im Test.
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