Turok

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Touchstone
Entwickler
Propaganda Games
Genre
Action
X360: Turok

X360: Turok

Früher war alles besser! Diesen Satz bekommt man häufiger Mal von einigen Leuten früherer Generationen zu hören. In den meisten Fällen würden wir dem aus heutiger Sicht wohl widersprechen, aber dann ist da ja auch noch Turok. Nach zwei guten Spielen sank die Qualität im dritten Teil schon ein wenig nach unten, dann folgte die Pleite von Acclaim. Das Ende für Turok? Nein, denn Touchstone Interactive sicherte sich die Rechte und produzierte einen weiteren Shooter. Bei dem Endresultat würde sich der Turok aus den alten Teilen aber wahrscheinlich im Grab umdrehen.

Es gibt gute Gründe dafür, warum weder auf der Verpackung noch im Handbuch irgendetwas zur Story erzählt wird, denn diese lässt sich wie folgt zusammenfassen: 08/15. Entwickler Propaganda Games verfrachtete die Geschichte in die Zukunft und zeigt Turok (mit Mr. T-Frisur) als Mitglied der Whiskey-Kompanie. An dieser Stelle ersparen wir uns aber irgendwelche Witze im Zusammenhang mit Whiskey und dem Storyschreiber. Turok und der Trupp müssen den alten Mentor des Indianers, Kane, zur Strecke bringen. Der ist nicht nur ein Kriegsverbrecher geworden, sondern bastelt - wie sich später herausstellt - nebenbei noch an Giftgas herum. Beim Anflug auf den Himmelskörper schießt Kane den Transporter der Whiskey-Kompanie dummerweise mit einer Rakete ab, was die Mission keineswegs vereinfacht.

Die Turok-Reihe ist ja seit Beginn für ihre Dinosaurier bekannt. Daher kann man von Glück reden, dass die Jungs auf einer Dschungelwelt umherirren, wo eben jene Kreaturen zuhauf vorhanden sind. Und die sehen sogar genau so aus wie früher auf der Erde. Warum das so ist, wissen wohl nur die Entwickler.

Die vorherrschende Farbe ist jedenfalls grün, da Ihr Euch ungefähr die Hälfte der Spielzeit (insgesamt knapp zehn Stunden) unter freiem Himmel herumtreibt. Abgesehen davon marschiert Ihr noch durch die andere oder andere, typisch militärisch grau gestaltete Anlage sowie einige langweilige Höhlen und erfüllt Missionsziele vom Typ "Erreiche diesen Punkt", "Halte die Position" oder "Finde einen Weg in die Basis".

Offen ist die Welt im Dschungel allerdings nicht. Zwar begegnen Euch hin und wieder mal ein paar größere Flächen, aber die eigentlichen Wege durch das Spiel sind stets strikt vorgegeben. Abgrenzungen erwarten Euch in Form mehrerer tiefer Abgründe oder verschlossener Türen. Leider hat es Propaganda Games dabei verpasst, sinnvolle Speicherpunkte zu setzen. Als passendes Beispiel kann man hier vor allem einen langsamen Aufzug nennen, mit dem Turok samt Begleiter ein ganzes Stück nach oben fährt.

Kurz vor dem Ende schließt sich der letzte Durchgang, weswegen Ihr erst die Sicherung dafür auf einer Ebene in Stücke sprengen müsst. Schafft Ihr das und sterbt daraufhin durch ein paar Gegner, startet Ihr wieder ganz von unten und fahrt erneut mit der lahmen Kiste. Und das ist nur ein Beispiel, viele Speicherpunkte hätte man einfach wesentlich sinnvoller oder in kürzeren Abständen platzieren können, nein, müssen.

Das Aiming in Turok macht die Sache alles andere als einfach. Dieses Problem kristallisierte sich bereits in der Demo heraus, da die Kontrolle aufgrund der Schnelligkeit wirklich sehr gewöhnungsbedürftig ist. Zwar lässt sich die Sensitivität ein wenig nach unten (oder sogar nach oben) regeln, aber von einer fast perfekten Konsolensteuerung á la Halo 3 ist Turok weit entfernt.

Immerhin dürft Ihr dafür mit einem umfangreichen Waffenarsenal hantieren. Von Standard-Schießeisen wie Pistole, Maschinengewehr, Schrotflinte oder Minigun über den Turok-typischen Bogen (mit Explosivpfeilen der Marke Rambo) bis hin zum futuristischen Impulsgewehr und dem explosiven Raketen- sowie Flammenwerfer wird jeder Geschmack bedient. Die Menge der gleichzeitig vorhandenen Wummen beschränkt sich allerdings auf vier Stück. Bogen und Messer sind (sofern aufgesammelt) stets verfügbar, die anderen beiden Knarren könnt Ihr beliebig austauschen und teilweise sogar beidhändig verwenden, etwa die Schrotflinte in der linken und die Pistole in der rechten Hand.

Darüber hinaus bietet jede Waffe noch einen alternativen Feuermodus an. Neben den explosiven Pfeilen für den Bogen verschießt die Schrotflinte beispielsweise Leuchtkugeln, die wiederum Dinos anlocken. Damit könnt Ihr die gefräßigen Riesenviecher bequem zum Gegner schicken und Euch das Spektakel anschauen. Ebenfalls vorhanden: Disruptor-Granaten beim Impulsgewehr, Napalm-Granaten für den Flammenwerfer oder ein mehrstufiger Zoom, um die Gegner mit dem Scharfschützengewehr aufs Korn zu nehmen.

Und wo wir gerade bei den Feinden sind. Optisch wird - speziell in Bezug auf die Soldaten - wenig Abwechslung geboten. Immerhin erkennt man somit aber nach einiger Zeit, welche Waffe die Klone.. äh.. Gegner tragen. Die Jungs mit der Schrotflinte im Gepäck sehen sogar aus wie die heimlichen Brüder der Helghast aus Killzone.

Mangelnde Abwechslung findet man ebenfalls bei den Dinos, meistens greifen Euch immer die gleichen Viecher an. Diese laufen aber wenigstens in mehreren Größenvariationen rum, mitunter selbst ein harmloser Pflanzenfresser. Zum größten Exemplar zählt ohne Frage der T-Rex. Logischerweise ist er entsprechend schwer zu knacken. Um ihn zu besiegen, müsst Ihr ihn so lange beackern, bis er auf den Boden fällt. Anschließend zückt Ihr Euer Messerchen und macht Euch am Kopf des Dinos zu schaffen.

Richtige Bosskämpfe absolviert Ihr - abgesehen von zwei T-Rex-Kämpfen - eher weniger. Das Gefecht gegen Obermacker Kane besteht gar nur aus einem kurzen Scharmützel mit vielleicht zwei Minuten Länge und anschließendem Quick-Time-Event. Mal was anderes als das übliche "Ballern bis der Arzt kommt", aber irgendwie trotzdem reichlich unspektakulär.

Kleinere Quick-Time-Events erwarten Euch auch, wenn Ihr von einem Dino angesprungen werdet. Um das Vieh loszuwerden oder zu töten, müsst Ihr dann lediglich mehrfach auf ein und die selbe Taste drücken. Das spannende daran ist aber, dass man vorher nie weiß, welcher Button dafür gewählt wird. Zur Auswahl stehen unter anderem beide Trigger, entweder einzeln oder gleichzeitig, und der linke Analog Stick, den Ihr dann immer schnell nach links und rechts bewegen müsst.

Oftmals werdet Ihr von den Echsen aber einfach nur von den Socken gehauen. Turok steht dann zwar von selbst wieder auf, speziell bei mehreren umherstreifenden Kreaturen kann das jedoch schnell mal ein wenig nervig werden, wenn Ihr alle paar Sekunden am Boden liegt. Dafür gibt es auch gute Gründe: Lasst Ihr das Aiming unverändert, bewegt sich das Fadenkreuz zu schnell und Ihr ballert die Munition im hitzigen Gefecht zumeist daneben. Stellt Ihr es jedoch langsamer, sind die Dinos teilweise so flink, dass man ihnen vor allem auf kürzere Distanz kaum folgen kann.

Die KI der feindlichen Soldaten ist größtenteils recht gut gelungen. Die Jungs suchen und wechseln öfter die Deckung, ziehen sich bei Beschuss zurück oder stürmen auch gerne mal nach vorne. Eher selten scheinen sie aber unter akuter Blindheit zu leiden, wenn sie Turok, obwohl er nur ein paar Meter vor ihnen steht, nicht erkennen.

Generell vertraut man in Turok sehr viel auf Skripte, sei es nun bei Feinden, Ereignissen oder sonstigen Begebenheiten. Explosive Fässer jagt Ihr etwa mit ein paar Treffern in die Luft, während Eure Kontrahenten dies leider vermissen lassen. Lediglich in einer Situation rollten sie ein brennendes Fass die Treppe hinunter, was allerdings nur dann ausgelöst wird, wenn man zuvor die Stufen hochsteigt.

Das Problem der Skripte ist jedoch, dass sie nicht konsequent genug eingesetzt werden. Ein Beispiel: Euer Begleiter rät Euch, das nahe stationäre Geschütz zu bemannen. Sobald Ihr das tut, kommen nacheinander vier Helikopter und laden neue Gegner ab. Wenn Ihr es aber sein lasst, bleiben sie wo sie sind und Ihr habt es mit weniger Gegenspielern zu tun. Mitunter erinnern die neuen Wellen an Soldaten oder Dinos sogar ein wenig an Spiele wie Serious Sam. Ihr könnt haufenweise Leute oder Viecher über den Haufen ballern, aus irgendeinem Loch oder per Helikopter erscheint immer Nachschub, bis das Spiel vorgibt, dass Feierabend ist.

Grafisch überzeugt Turok vor allem im Dschungel mit dichter Bewaldung und seinen hohen und weiträumigen Grasflächen. Als Grundgerüst dient die Unreal Engine 3, einmal mehr mit muskelbepackten Marines als Helden. Die militärischen Anlagen auf der fremden Welt wirken ebenfalls noch wie aus einem Guss, was aber spätestens bei den (zum Glück) wenig vorhandenen Höhlen aufhört. Ebenfalls sehr gelungen: Die geschmeidigen Animationen der Dinos und Soldaten. Gelegentlich fällt aber selbst in Turok das bekannte Problem der Unreal Engine 3 auf. Nach einem Ladebildschirm kann es passieren, dass einige Texturen noch nicht vollständig geladen worden sind. So häufig wie in Mass Effect tritt das allerdings nicht auf.

Für die Synchronisation hat man sich zahlreiche passende Sprecher ausgesucht, mit denen die harte und raue Soldatenart gut rübergebracht wird. Zugleich dürfte Euch - sofern Ihr Epics hauseigenen Xbox 360-Actiontitel gespielt habt - die Stimme des Hauptcharakters sehr vertraut vorkommen. Soundtrack sowie -effekte stehen der guten Übersetzung in nichts nach und leisten gute Arbeit.

Neben der kurzen Story hat Turok noch ein paar Mehrspieler-Modi zu bieten, darunter Standardkost á la Deathmatch, Team Deathmatch oder Capture the Flag. Außerdem dürft Ihr zwischen "Assault-CTF", eine Art erweitertes Capture the Flag mit wechselnden Angreifern und Verteidigern, "Gefecht" (mehrere Ziele, etwa Türme einnehmen/halten und gegnerisches HQ sprengen) sowie einem Co-Op-Modus wählen, in dem Ihr Euch mit Freunden einer KI-Armee entgegenstellt.

Schon die Demo von Turok konnte mich kaum begeistern. Kein Wunder, wenn das gute Stück mitten in einer dunklen, grauen und langweiligen Höhle anfängt. Im Spiel ist das zum Glück besser gelöst, allerdings kommt Turok wegen der banalen Story (könnte glatt aus einem 80er Jahre B-Movie stammen), dem vermurksten Aiming und fehlender spielerischer Höhepunkte keineswegs über den Status eines mittelmäßigen Shooters hinaus.

Das Potential zu einem guten Spiel ist auf der technischen Seite sicherlich vorhanden, allerdings fehlt es an einer originellen Geschichte, gerne auch mit ein paar Wendungen. Es fehlen Aha-Momente und ein wenig Mut zur Kreativität im Hinblick auf das Design der Dinosaurier. So gesehen ist Turok leider nur okay, aber nicht gut.

Ein guter Tipp aus dem Ladebildschirm des Spiels: "Dinosaurier fressen Fleisch. Sie sind Fleisch. Laufen Sie weg!"

 

 

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