Demigod

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Stardock
Entwickler
Gas Powered Games
Genre
RPG
PC: Demigod

Gesamtwertung

7/10

PC: Demigod

Kreative Weiterentwicklung oder simples Plagiat? Diese Frage muss sich der neue Echtzeitstrategietitel Demigod gefallen lassen, schließlich bedient er sich, zum Teil beträchtlich, bei der WarCraft 3-Modifikation Defense of the Ancient (DotA). Beziehungsweise bei dem noch älteren Age of Strife. Entstanden aus der Ursuppe der Mod-Community, ist es der erste Versuch, das ungewöhnliche Spielprinzip in bare Münze zu verwandeln. Ende des Jahres folgt dann League of Legends: Clash of Fate von den DotA Allstars-Machern.

Unter den wachsamen Augen von Echtzeit-Legende Chris Taylor, entstand bei Gas Powered Games ein grafisch erstklassiges Update, das laut Entwicklern vor allem Neueinsteiger ansprechen soll. Doch genau diese werden mit dem Titel zu Beginn einige Probleme haben. Ohne Tutorial wird der Spieler direkt ins kalte Wasser geworfen. Nur mit einigen Single Player-Partien und einem Studium des Handbuchs gelingt es Anfängern, sich aus den Untiefen des Spielprinzips heraus zu ziehen und genug zu lernen, um nicht bei der ersten Online-Partie mit Haut und Haaren gefressen zu werden. Ein erklärendes Video findet Ihr bei uns (siehe erstes Video), aber leider nicht im Spiel.

Auch was Bugs angeht, lief der US-Launch nicht gerade ideal. Verbindungsprobleme und überlaufene Server sorgten für lange Gesichter und unzufriedene Kunden. Ausnahmsweise können die Europäer froh sein, dass die Box-Version hierzulande erst am 14. Mai erscheint. Inzwischen wurden die schlimmsten Probleme aus dem Weg geräumt und es wird fleißig um den Einzug ins Pantheon gekämpft. Der Spielmodus, der Demigod vom Vorbild abheben und dank persistenten Gegenständen für monatelangen Spielspaß sorgen soll.

Doch vorab ein paar Infos für alle, die mit dem Defense of the Ancients-Gameplay noch nicht vertraut sind. Das Spielprinzip ist recht einfach: Auf unterschiedlich großen Multiplayer-Karten treten zwei Fraktionen an, um sich gegenseitig in den Allerwertesten zu treten. Auf der einen Seite die Kräfte des Lichts, auf der anderen die der Dunkelheit. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Helden, die getreu einem Rollenspiel mit getöteten Gegnern nach und nach immer stärker werden.

Jede Figur kann dabei unterschiedliche Fähigkeiten erlernen, die sowohl destruktiver als auch unterstützender Natur sind. Ihr werft mit mächtigen Zaubern um Euch, befehligt beschworene Kreaturen und versucht gemeinsam, die Front stetig in Richtung Feind zu verschieben. Neben der Erfahrung erhaltet Ihr für jeden getöteten Gegner Gold, um Euch mit magischen Gegenständen noch mächtiger zu machen. Gleichzeitig werden vom Computer gesteuerte Einheiten produziert, die Euch beim Kampf zur Seite stehen. Euer Ziel: Die feindliche Zitadelle vernichten und so die Schlacht für Euch entscheiden.

Im Gegensatz zu Defense of the Ancients wurde ein Element von Age of Strife reaktiviert. In der Zitadelle könnt Ihr nun Eure NPC-Einheiten stärken und Eure Verteidigungstürme aufrüsten. Gleichzeitig wurden die Helden in zwei unterschiedliche Kategorien aufgeteilt. Neben den Assassinen, die - wie der Name schon erläutert - als Attentäter fungieren, bietet Demigod auch vier Generäle. Diese Klasse ist in der Lage, unterstützende Einheiten herbeizurufen, die Ihr direkt kontrollieren könnt. Im Kampf gegen die Basis-Verteidigung eine hervorragende, fast lebenswichtige Unterstützung.

Wie beim Vorbild finden sich auch Item-Shops ein, in denen Ihr gegen Gold spielentscheidende Gegenstände erstehen könnt. Die umfangreichen Gegenstands-Rezepte, die DotA so komplex machten, wurden weg rationalisiert. Stattdessen offeriert man Euch in der Heimatbasis Standardware, wie etwa beschleunigende Stiefel, Mana-regenerierende Kronen, Teleport-Rollen, Gesundheits-Tränke und Waffenschaden erhöhende Handschuhe.

Zusätzlich könnt Ihr auf der Karte verteilte Artifakt-Shops nutzen, die Euch den Zugriff auf mächtige Spezialgegenstände ermöglichen. Diese müssen aber, wie die unterschiedlichen Flaggen mit Boni auf Gesundheit, Mana, Erfahrungspunkte, Einheitenschaden und Goldminen, erst einmal erobert werden. Dazu stellt Ihr Euch wie bei Battlefield mit Eurem Demigod lange genug daneben, bevor Euch ein Gegner in die Quere kommt.

Abseits des bekannten Conquest-Modus, der in der Zerstörung der gegnerischen Zitadelle mündet, legt Euch Demigod noch drei Varianten nahe, die an reguläre Multiplayer-Shooter erinnern. In Dominate müsst Ihr die auf dem Spielfeld verteilten Flaggen einnehmen und für eine gewisse Zeit halten. Slaughter präsentiert sich dagegen als Deathmatch-Variante. Wurde eine bestimmte Anzahl gegnerischer Halbgötter erledigt, bekommt Ihr den Sieg zugesprochen. Beim letzten Modus, Fortress, müsst Ihr dagegen bestimmte Verteidigungsgebäude der Gegner vernichten, um den Sieg davon zu tragen. Online wird allerdings fast ausschließlich Conquest gespielt.

In der Spielpraxis vermisst man durch die neuen Spielelemente (Zitadellen-Upgrades, Flaggen) kaum die Gegenstands-Rezepte von DotA. Demigod bietet genug Komplexität, um auch erfahrene DotA-Spieler bei der Stange zu halten. Nur bei der Auswahl der Helden zieht die Neuauflage klar den Kürzeren. Während sich bei der WarCraft 3-Modifikation über 90 Figuren die Köpfe einschlagen, sind Demigod-Spieler auf vier Helden pro Seite begrenzt. Es wurde zwar Nachschub angekündigt, doch bis dahin müssen die acht Kämpfer wohl oder übel ausreichen.

Zum Glück wurden die vorhandenen Halbgötter fantastisch umgesetzt. Jede Figur strotzt nur so vor Details, brilliert durch ein ungewöhnliches Design und umgarnt Euch mit erstklassigen Animationen. Auf der Seite der Dunkelheit stehen als Assassinen die Unreine Bestie und der Fackelträger zur Verfügung sowie als Generäle Erebus der Vampir und die Königin der Dornen.

Die Seite des Lichts setzt dagegen auf die Attentäter Regulus den Bogenschützen und Rook das lebende Schloss, als Generäle traben die Shamanin Sedna und der Ritter Oak an. Jede Figur erfordert dabei eine ganz unterschiedliche Taktik. Während zum Beispiel Regulus vor allem aus dem Hinterhalt agiert und mit seinen Spezialschüssen über die halbe Karte hinweg Kills erzielt, ist die Unreine Bestie für den Nahkampf gemacht und sorgt mir ihren Giftattacken für fluchende Gegner.

Leider ist das Spiel auch nach drei Patches noch nicht ganz ausbalanciert. Gerade Erebus ist momentan noch etwas zu stark. Sein Hauptangriff „Biss“ zieht nicht nur eine große Menge Hitpoints ab, sondern heilt den Vampir auch um den gleichen Betrag. Außerdem kann sich der Recke bei Attacken jederzeit in Nebel verwandeln und wird so unangreifbar. In der Hand eines geübten Spielers ein furchtbarer Gegner.

Nur durch gutes Teamplay und geschicktes Taktieren lässt sich der Untote in die Knie zwingen – in 2vs2 Partien ein hoffnungsloses Unterfangen. Die meisten Paarungen glänzen aber durch spannende Kämpfe bis zum bitteren Ende, die schon mal über eine Stunde dauern können. Durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Gegenstände, den acht wirklich einmaligen Helden und den Aufrüstoptionen für Eure Zitadelle entsteht so eine taktische Vielfalt, die das Niveau des Vorbild erreicht.

Auch bei den Arenen hat sich Gas Powered Games selbst übertroffen. Dank der Supreme Commander-Engine könnt Ihr die zum Teil riesigen Karten aus der höchsten Zoomstufe bestaunen, auf denen sich gigantische Bauwerke und wahrlich göttliche Gebilde aus dem Nebel des Kriegs schälen. Steinerne Jünglinge kämpfen hier mit sich windenden Schlangen, auf deren Rücken die Demigod-Partie ausgetragen wird. Wasserfälle stürzen sich aus magischen Quellen in die Unendlichkeit. Pulsierende Lava-Ströme tauchen das Spielgeschehen in ein unwirkliches Licht. In puncto Atmosphäre und Grafik schlägt Demigod sein Mod-Vorbild also um Längen.

Ebenso wird ein rudimentärer Einzelspielerpart geboten, dessen KI-Gegner beim Ausfall eines Mitspielers die Lücke ausfüllen. Ohne richtige Hintergrundstory werdet Ihr Euch aber nach ein paar Skirmish-Partien und einem langatmigen Offline-Tournament schnell dem Kampf gegen menschliche Mitspieler widmen. Denn erst hier kann Demigod seine Klasse ausspielen.

Der Pantheon-Modus steht dabei klar im Vordergrund. Während Custom-Gefechte mit beliebigen Spieler- beziehungsweise Computer-Paarungen betrieben werden, befördert Euch in dieser Variante das Auto-Matchmaking in ein hartes Turnier um einen Platz an der Seite der Götter. Eure Vorgehensweise ist dabei immer gleich: Erst wählt Ihr eine Fraktion und den entsprechenden Demigod. Dann müsst Ihr in den Online-Partien gemeinsam mit Euren Mitstreitern insgesamt 1.000.000 so genannte Favor Points erzielen, um als bester Kämpfer für das Licht respektive die Dunkelheit in das Pantheon der Götter aufzusteigen.

Euer Erfolg wird anschließend in der Ruhmeshalle verewigt und Ihr dürft Euch, genug Selbstbewusstsein vorausgesetzt, Gott schimpfen. Die Favor-Punkte erhaltet Ihr durch Siege und das Sammeln von Achievements. In der nächsten Partie könnt Ihr diese Punkte wiederum in persistente Items investieren, die Euch zu Beginn einen kleinen Vorteil verschaffen. So könnt Ihr zum Beispiel Eure Sichtweite erhöhen, 10 Prozent mehr Erfahrung sammeln oder mit einem kleinen Geschwindigkeitsbonus starten. Ein weiterer Baustein für das komplexe Strategiegebilde Demigod, das den Titel so spannend macht.

Nach ca. 40-50 Partien kann ich die Frage aus der Einleitung beantworten: Demigod ist kein simples Plagiat. Als kreative Weiterentwicklung des Vorbilds kann es technisch und spielerisch überzeugen. Ob KI-Gegner, die im Notfall das Ruder übernehmen, die Integration von Flaggen als antreibendes Spielelement oder die taktisch anspruchsvolle Aufrüstung der Zitadelle, Demigod bietet genug Tiefe und eine ansprechende, aber genügsame Grafik, um auch echte DotA-Veteranen zu überzeugen. Nur in punkto Einsteigerfreundlichkeit, dem Balancing und dem Umfang muss sich Gas Powered Games Kritik gefallen lassen.

Mal ganz abgesehen davon, dass die propagierte Einsteigerfreundlichkeit ohne Tutorial oder umfangreiche Einstiegshilfen nur Schall und Rauch ist und noch tunlichst am Balancing gearbeitet werden muss, steht und fällt ein Spiel wie Demigod mit der Anzahl der unterschiedlichen Helden. Acht Halbgötter sind dabei wirklich die absolute Untergrenze und im Vergleich zur kostenlosen Konkurrenz leider viel zu wenig. Das Ergebnis: Schon nach einiger Zeit machen sich die ersten Ermüdungserscheinungen breit, während DotA über Monate, wenn nicht gar Jahre begeistert.

Hat man nämlich erst einmal alle Helden bis zur Genüge ausprobiert, sinkt die Motivation und das Spiel verliert schnell an Attraktivität. So bleibt mir trotz durchaus vorhandener Qualitäten zum jetzigen Zeitpunkt nichts anderes übrig, als schweren Herzens die 7 zu ziehen und darauf zu hoffen, dass Gas Powered Games baldigst ein Content-Package nachreicht. Mit einem Schwung mehr Recken steht der 8 auch nichts mehr im Wege.

Demigod erscheint am 14. Mai 2009 exklusiv für den PC.

 

 

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