Gesamtwertung7/10 |
Kaum ist das Blut von Dead Space am Joypad getrocknet, da kommt auch schon das nächste Schnetzelspiel daher, um Euren Magen zu testen. Ganz ohne Schockeffekte setzt Ninja Gaiden 2 auf die logische Fortführung des ersten Teils und liefert vor allem viel abgetrennte Gliedmaße. Wo Ninja Ryu Hayabusa hinschlägt, fliegen diesmal Arme, Beine und Köpfe durch die Luft. War der Vorgänger samt seiner Varianten eher eine knallharte Videospiel-Reifeprüfung, geht es beim zweiten Teil deutlich heftiger zur Sache.
Wer den ersten Teil nicht kennt, aber trotzdem ein Gefühl für dessen Schwierigkeitsgrad bekommen möchte, sollte einfach mal die Hand auf eine angeschaltete Herdplatte legen und sie erst wieder zurückziehen, wenn es anfängt zu riechen. (Bitte nicht wirklich ausprobieren!) Der Schmerz und die Brandblasen entsprechen in etwa dem Ergebnis von fünf Stunden Ninja Gaiden. Trotzdem zog die Neuauflage eines alten NES-Prüglers mit einem anspruchsvollen Kampfsystem, einer fantastischen Grafik und bockschweren, aber immer fairen Gegnern 2004 die Hardcore-Fans in ihren Bann.
Denn wer das digitale Folterwerkzeug auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad bestand, erarbeitet sich nicht nur zerschundene Hände, sondern auch den Respekt seiner Freunde. Ein Konzept, das sich fantastisch verkaufte und Hersteller Tecmo zu einem Ableger nötigte. Diese nur leicht veränderte Variante kam unter dem Namen Ninja Gaiden Black in den Handel und wurde später auch für die Playstation 3 umgesetzt. Dank kleinerer Verbesserungen, wie einem noch heftigeren Schwierigkeitsgrad und einer frei positionierbaren Kamera, wurde auch dieser Variante ein Erfolg und zur Wahl der Qual.
Angesichts des überschaubaren Änderungen der Black-Variante, ist es nicht verwunderlich, dass Tecmo auch beim zweiten Teil seiner Linie treu bleibt. Wie gehabt erwartet Euch ein ungewöhnlicher Mix aus Prügel-Spiel und Action-Adventure, bei dem die Betonung vor allem auf der Action liegt. Über weite Strecken erinnert Ninja Gaiden 2 an die Devil May Cry-Serie, ohne deren Rätselanteil zu erreichen. Im Zentrum steht damals wie heute die kunstvolle Vernichtung von sehr ungewöhnlichen Kontrahenten mit noch ungewöhnlicherem Mordwerkzeug.
Zur Story muss man nicht viele Worte verlieren. Es geht mal wieder dem Drachenclan samt Menschheit an den Kragen und böse Mächte hetzen Dämonen auf die ahnungslose Erdbevölkerung. Ray Hayabusa muss als letzter Kämpfer für das Gute die Welt retten, Kinder über die Straße bringen und anderen Blödsinn erledigen. Die Palette der saudämlichen Charaktere reicht von einer dickbusigen CIA-Agentin, über einen bösen Ninja bis hin zu dem alten, weisen Schwerthändler Murasama, der überall im Spiel seinen Shop aufgestellt hat. Als Höhepunkt hetzen die Entwickler einen vierarmigen Riesenwerwolf namens Volf auf Euch, der Euch als Beherrscher der Winde wegpusten möchte. Ein Wunder, dass nicht die drei kleinen Schweinchen um die Ecke kommen und nach der Großmutter suchen.
Interessanterweise passt der ganze Blödsinn, genau wie die übertriebene Gewaltdarstellung, zum Spiel. Wenn Ray nach einem blutigen Gefecht das Blut von der Mordwaffe schüttelt und man gerade zwei Dutzend fliegende Fische erledigt hat, gelingt es kaum, ein Lächeln zu verkneifen. Hauptverantwortlich für den enormen Spielspaß ist aber das, noch immer, unerreichte Kampfsystem. Auf den ersten Blick sehen die wirren Schlagkombinationen zwar nach heftigem Button-Smashing aus, verwandeln sich aber bei näherer Betrachtung in genau getimte Bewegungsabläufe.
Wer zum Beispiel nicht gerne blockt oder für den jeweiligen Gegner nach der richtigen Angriffstaktik sucht, wird schnell die Segel streichen. Haltet Ihr Euch dagegen an die Grundregeln, können auch weniger talentierte Knöpfchenakrobaten auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad den Titel in die Knie zwingen. Den Helden seht Ihr wie gewohnt in der Außenperspektive. Wie bei der Black-Variante könnt Ihr die Kamera jederzeit frei positionieren. Leider bleibt Euch dazu nur selten Zeit. Im hektischen Spielgeschehen müsst Ihr auf das Spielsystem vertrauen und das versagt mal wieder hoffnungslos.
Wird es eng und kuschelig, bleibt die Kamera ständig irgendwo hängen und Ihr verliert die Orientierung. Ein Problem, das schon beim Vorgänger genervt hat, aber mit dem es sich leben lässt. Das gleiche Bild beim Kampfsystem: Die Unterschiede zu den Vorgängern müsst Ihr mit der Lupe suchen. Wirklich neu ist nur ein Kontersystem, um auf Knopfdruck einen vernichtenden Gegenangriff auszulösen.
Mit acht verschiedenen Prügelwerkzeugen, wie Schwerter, Stäben und Sicheln, gilt es mit Dutzenden Kombos die sehr „phantasievollen“ Feinde zu zerlegen. Im Gegensatz zum Vorgänger geht es diesmal vornehmlich gegen Mutanten, Werwölfe und Roboter. Natürlich zeigt Euch auch ab und an der Ninja-Spinnenclan, wo der Shuriken hängt, doch wer den alten Stil lieber mochte, wird etwas enttäuscht sein.
Neben den erwähnten Schnetzelwerkzeugen finden sich zudem diverse Fernkampfwaffen ein, die sich in der Form des Drachenbogens sogar aufladen lassen. Aufgerüstet wird das ganze Zeug bei einem Händler, für besonders brenzlige Situation gibt es Magieattacken, die Euch immer wieder aus der Patsche helfen. Generalüberholt wurde das Lebensenergiesystem. Es sind zwar weiterhin Items zum Wunden flicken zugegen, dies ist aber nur während den eigentlichen Kämpfe nötig. Sind alle Gegner eines Abschnitts besiegt, lädt sich die Leiste nämlich bis zu einem gewissen Punkt wieder auf. Bei jeder Aufladung wird dieser Wert allerdings verringert. Wer sich allzu blöd anstellt, geht also trotzdem Hops.
So weit, so sinnvoll. Leider werden Ninja Gaiden-Veteranen mit dem Level-Design ihre lieben Probleme haben. Ärgert man sich auf der niedrigen Stufe kaum über schlecht platzierte Feinde und nicht abwehrbare Spezialattacken, verwandelt sich Ninja Gaiden 2 auf den höheren Schwierigkeitsgraden in eine Frust-Katastrophe. Das perfekte Timing des Vorgängers ist dahin, Hardcore-Fans werden pickiert die Nase rümpfen und Neueinsteiger nur irritiert den Kopf schütteln.
Eine Bewegung, die übrigens auch beim Gewaltfaktor unabdingbar mit dazu gehört. Wenn Ray die Gegner nach und nach filetiert, bleibt einem das Lachen ab und an mal im Halse stecken. Besonders wenn sich die Ninjas mit nur einem Arm auf die Beine wuchten und einhändig auf Euch eindreschen, huscht ein kurzer Moment der Verwunderung über Euer Gesicht, bis sich wieder das Grinsen abzeichnet. Ernst nehmen solltet Ihr den Titel auf keinen Fall.
Zum Abschluss noch ein paar Rahmendaten, die zu einem Test wohl dazu gehören: Der Umfang ist mit 14 Stages recht üppig, die beeindruckenden Endgegnerkämpfe wie gehabt fordernd und die Grafik dümpelt irgendwo im Mittelmaß herum. Die Animationen sind zwar über jeden Zweifel erhaben, Design und Technik aber nicht auf dem neusten Stand. Fans der Serie sehen das vermutlich ganz anders, werden sich dafür aber an so einigen Slow-Downs stören. Gebäude und Landschaften sind recht hübsch anzusehen und erfüllen so ziemlich jedes Klischee eines japanischen Action-Titels.
Szenarien wie ein japanisches Dorf, eine italienische Wasserstadt, griechische Säulenhallen und eine fliegende Festung zeugen nicht gerade vom Einfallsreichtum der Schöpfer, geben jedoch leidliche Schlachtfelder ab. Außerdem gibt es ein komplett neues Feature, das sich Ninja Cinema nennt. Damit könnt Ihr wie bei Halo 3 kleine Filmchen aufnehmen und mit der Community tauschen. Für Fans sicherlich eine nette Dreingabe.
Bei Ninja Gaiden 2 ergibt sich eine ungewöhnliche Testsituation. Der Titel wird in den ersten Stunden vor allem Anfänger begeistern oder Faulpelze wie mich, die eben nicht eine halbe Ewigkeit an einem Level sitzen wollen. Gerade auf der einfachsten Stufe geht es recht flott voran und spielt sich entsprechend leicht. Erst später zeigen sich hier echte Frustmomente, die einigen Nerven kosten. Trotzdem wird man vorzüglich unterhalten und kann immer wieder eine entspannte Metzelpartie wagen.
Ganz anders sieht es bei den Fans aus. Auch wenn der Titel im Kern der Alte geblieben ist, sorgt die schlechte Positionierung der Gegner und seltsame Angriffsformationen immer wieder zu nahezu unlösbaren Situationen. Kam es beim ersten Teil insbesondere auf den Skill an, spielt das Glück auf den höheren Stufen eine enorme Rolle. Der Titel verliert damit seine Funktion als schwere, aber faire Messlatte des eigenen Könnens. Besitzer des Vorgängers oder der PS3-Variante sollten Ninja Gaiden 2 also auf jeden Fall vor dem Kauf antesten. Spielerisch und optisch hat sich kaum etwas getan. Bis auf den höheren Metzelfaktor hat Tecmo das gleiche Ding noch einmal abgeliefert, ohne aber dessen Brillanz zu erreichen.
Ninja Gaiden 2 ist in Deutschland nicht erhältlich, da es keine USK-Freigabe bekommen hat. Wir haben die UK-Version getestet, die deutsche Untertitel mit sich bringt.
Ninja Gaiden 2 im Test.
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