Gesamtwertung3/10 |
Das klang zu gut. Das musste eine dieser Geschichten sein, die einfach viel zu gut sind, um wahr werden zu können. Vor allem, sobald sich ein eher kleines Entwicklungshaus mit noch nicht so viel Erfahrungspunkten auf dem Konto daran versucht. Um es mal vorsichtig zu formulieren, denn eigentlich handelt es sich bei Damnation um Blue Omegas erstes Projekt und startete als Unreal-Studie für den „Make something Unreal“-Wettbewerb in 2004. Wo es immerhin Zweiter wurde.
Aber Zweiter in einem Mod-Contest reicht nicht immer. Es scheint definitiv nicht gut genug zu sein, um Shooter und Tomb Raider, Steampunk und Western, von allem dieses und von allem auch noch ein wenig jenes gleichzeitig zu stemmen. Nicht weniger probiert dieses Großkonglomerat vertrauter Genres. Und verhebt sich dabei ziemlich grandios.
Schon die Story hätte mit Leichtigkeit ein echter Gewinner sein können. Der amerikanische Bürgerkrieg zieht sich endlos hin, statt von den Blauen beendet zu werden. Über die Jahre findet es ein böser Rüstungsgigant viel interessanter, selbst zu herrschen als nur zu Handel zu treiben. Mit einer Armee aus dampfbetriebenen Robotern und drogensüchtigen Supersoldaten befriedet er die Lande, wie nur wahre, größenwahnsinnige Megalomanen so etwas vollbringen. Nur eine Handvoll Irrer stellt sich ihm entgegen. Ein stinksauerer US-Marshall. Ein spanischer Pistolero. Und eine indianische Schamanin mit Minigun und Minitanktop.
So weit, so gut, so wie erwartet. Plus das zugegebenermaßen stellenweise wirklich coole Steampunkdesign, fehlen jetzt eigentlich nur noch ein paar sinnvolle Zeilen zwischenmenschliches Geplänkel… Und hier beginnt es alles auseinanderzufallen. Irgendwo kommt dann noch ein zweiter Indianer dazu, der Bruder der Schamanin, dann der Professor, ehemaliger Freund des Bösen und Vater der linken Hand besagten Bösewichts, die eine Frau ist und gleichzeitig die lesbische Liebe der rechten Hand des Bösen, die als Spielzeug mit einem seltsamen Naziroboter um die Häuser zieht… Und die reden auch noch darüber!
Ok, hier hatte jemand definitiv zu viel Fantasie und konnte diese einfach nicht mehr einfangen. Die Gespräche machen absolut keinen Sinn, Monologe werden brutal aus jedem Zusammenhang gerissen und die drei kohärenten Brocken in diesem dramaturgischen Unfall gehen klanglos unter. Design allein reicht nicht, dieses Chaos einer Geschichte greift zu keinem Zeitpunkt.
Leider lässt das Spieldesign euch ebenfalls keine Verschnaufpause und versucht nicht einmal für fünf Minuten euch vorzugaukeln, dass ihr beim Shootern Spaß haben könntet. Das Zielen und das Waffenfeeling sind hierbei zwei der wichtigsten Aspekte und Damnation verbeutelt sie beide. Ich konnte an der Feineinstellung der Sensibilität drehen wie ich wollte, nichts davon fühlte sich richtig an. Es sprang dort, wo Genauigkeit gefragt war, und schlich, wo eigentlich eine schnelle Drehung hätte kommen müssen. Ja, blah, man kann sich dran gewöhnen und so weiter. Aber einzusehen, warum man sich darauf einlassen sollte, wenn 15 Jahre voller guter Shooter zeigen, dass es anders geht, fällt schwer.
Das Gefühl beim Feuern der Waffen unterbietet das allerdings noch locker. Zuerst werdet ihr euch fragen, was ihr falsch macht. Habt ihr die falsche Munition geladen? Ist die Waffe nicht in Ordnung? Nein, die Pistole fühlt sich einfach so an, als würdet ihr mit kleinen Plastikkugeln schießen. Klappriger Sound, null Feedback, und kein Wunder, denn Schaden verursacht das Ding auch nur minimal. Selbst ein Header auf kurze Distanz ist bei einem Standardfeind keine sichere Sache. Und die Pistole ist noch mit die beste Waffe, die ihr an die Hand bekommt. Danach geht es abwärts.
Das Sturmgewehr dürfte eine der wichtigeren Studien im Bereich der Verteilung von Zufallswerten sein und die Reichweite der Shotgun dürfte knapp unter der Faust liegen. Nur das Scharfschützengewehr und der Raketenwerfer schaffen es wenigstens in die Kategorie des langweiligen Standards. Glückwunsch.
Und auf was ihr da schießt, das glaubt teilweise kein Mensch. Das Grunddesign eines Steampunk-Roboters mit Cowboy-Outfit und Billy-Bowler geht in Ordnung, die Animationen nicht. So ein Geruckel und Gezuckel gab es schon lange nicht mehr. Sind Animationsphasen gerade teurer geworden und hier musste man sparen? Die KI kann das locker noch mal im Negativen toppen. Solltet ihr euch dem Feind von vorn nähern, geht er auf euch los wie ein tollwütiges Kaninchen. Seine Treffergenauigkeit verblüfft dabei. Selbst mit der Pistole sitzt auf Hunderte von Metern jeder Schuss. Oder ihr marschiert von hinten heran und er macht nichts. Gar nichts. Selbst nachdem ihr drei Mal, frei nach dem Motto "Ein schöner Rücken kann auch entzücken“, angelegt habt, bewegt er sich nicht.
Damit ihr wenigstens wisst, wo das Elend lauert, gab euch der Indianer die Macht, alle Feinde durch Wände hindurch zu sehen. Um diese, mit einer Wärmekamera vergleichbare Sicht zu nutzen, bleibt ihr kurz stehen und konzentriert euch per Knopfdruck. Ihr könnt jetzt zwar nicht laufen oder schießen, aber euch zumindest einen Überblick verschaffen. Und dabei sehen, wie zufällig und uninspiriert die Feinde verteilt wurden.
Zwei Dinge retten Damnation dann vor dem Absturz in ungeahnte 0-Wertungsregionen: der Tomb Raider–Anteil und der Multiplayer. Das Design der Level an sich zeigt sich gar nicht mal so verkehrt und ist in erster Linie auf vertikale Höhen ausgelegt. Ihr müsst in bester Croft-Manier viel klettern, hangeln und springen, und das funktioniert ordentlich bis – Überraschung – sehr gut. Netterweise kommen sich das Ballern und das Klettern nur selten in die Quere. Erst wird der Feind beseitigt, dann ein gangbarer Weg in luftige Höhen und abgründige Tiefen gesucht. Dank der zwar nicht immer intuitiven, aber weitestgehend präzisen Steuerung macht dieser zweite Teil des sich leider immer wiederholenden Ablaufs meist so etwas wie Spaß.
Seinen Teil trägt dazu das abenteuerliche Design der Örtlichkeiten bei. In diesem fiktiven Mittelwesten wird grundsätzlich in tiefen Schluchten und an hohen Bergen gebaut, das aber um so abenteuerlicher. Die zerstörten Ruinen erinnern partiell an Epics Vorzeige-Shooter, nur halt mit mehr Höhenmetern, wie einige wilde Kamerafahrten so gern verdeutlichen. Nur was diese aber auch zeigen, ist die Unfähigkeit des Spiels, so etwas auf der PS3 ohne zu viel Ruckeln – auf Xbox 360 läuft alles flüssig – ablaufen zu lassen.
Würde sich das auf Sequenzen beschränken, wäre es kein Thema, aber leider bricht die Framerate auf der Sony-Konsole auch bei Feuerkämpfen mitunter mal zusammen. Auf dem Insane-Schwierigkeitsgrad mit mehr Feinden bringt dies kurzfristige Ausflüge an die Grenze der Unspielbarkeit mit sich. Man bewegt sich hier wirklich nur selten am Abgrund, der zum Makel Gamebreaker führt, schön ist es trotzdem nicht.
Ein wirklich schöner Zug dagegen, der leider ein wenig im Spektakel der Verfehlungen untergehen wird, ist der Splitscreen-Koop. Frei nach der Devise, dass geteiltes Leid nur halbes Leid sei, zog ich mir einen Freund auf die Couch und siehe da: Es klappte. Das Gunplay bleibt furchtbar, nur gemeinsam nach dem Weg zu suchen, macht einfach noch mehr Laune. Und da es sowieso nicht viele Spiele mit einem geteilten Bildschirm gibt, sammelt Damnation fast automatisch ein paar Sympathiepunkte. Das geht jetzt weiß der Himmel nicht soweit, dass ich Zweierteams deshalb zu diesem Spiel raten würde. Aber sollte es sowieso im Haus sein, können sie sich damit trösten.
Am Ende könnt ihr sicher ein wenig Trost nach dem Kauf von Damnation gebrauchen. Ich zumindest hatte ihn dringend nötig, wurde hier doch meine Liebe zu Western, Steampunk und Shootern gleichermaßen mit Wucht in den Sand gesetzt. Das Szenario reizt, aber mit dermaßen dürftigen Shootereinlagen und einem solchen Satz von dummschwätzenden Vollpfosten als Charakteren – ich entschuldige mich nicht für diese Aussage, einer muss es ja sagen – geht es in den Abgrund. Auch ansonsten passt nicht viel.
Lediglich der Tomb Raider–Anteil, bevorzugt im Splitscreen-Koop, kann es ein wenig reißen. Nicht bis zu einem guten Spiel, aber zumindest weg von der totalen Katastrophe. Reicht das? Nicht mal annähernd. Ich wollte dieses Spiel schon allein wegen seines Settings lieben, aber Damnation mit seinem Sammelsurium an Beispielen, wie Shootern nicht funktioniert, macht es mir mehr als nur schwer. Normalerweise kommt bei mir zum Schluss, wem ich das Spiel empfehle. Nur fällt mir hier leider niemand ein.
Damnation ist ab sofort für PC, Xbox 360 und PS3 zu haben, wobei letztere ein Beispiel ist, dass Entwickler hier immer noch Probleme mit der Unreal Engine haben.
Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...
Damnation im Test.
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