Gesamtwertung5/10 |
Wer beim Namen Sarah Connor nur an die nasenbärige Pop-Trulla aus Delmenhorst denkt und sich deshalb vielleicht sogar via Google versehentlich auf diese Seite verirrt hat: Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!
Den Rest, ihr habt wahrscheinlich sehnsüchtig auf die Fortsetzung der Terminator-Filme und damit auf das zugehörige Spiel gewartet, begrüße ich herzlich zur Rezension von Die Erlösung.
„I'll be back“, hatte der Profi-Bodybuilder und heutige Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, im Jahr 1984 gesteiermarkt und nicht geahnt, wie vorausschauend diese Prophezeiung sein würde. 25 Jahre später gelangte der Film mit Christian Bale ins Kino – und das zugehörige Spiel in die PlayStation-3-, Xbox-360- und PC-Laufwerke.
Anders als beim cineastischen Vorbild kreuzt Arnie in der Software-Variante nicht auf. Ohnehin fehlt es an Anspielungen auf die alten Filme, die Fans sicher begrüßt hätten. Auch von Bale bekommt ihr kein digitales Abbild zu sehen. Zwar scheucht man Sarah Connors Sohnemann John in der Schulterperspektive durchs postapokalyptische Los Angeles – es besteht aber keine Ähnlichkeit zu dem Filmstar. Dieser wird kaum vergessen haben, sein Passbild bei den Entwicklern abzugeben, insofern steckt dahinter wohl schlicht Lizenz-Gedöns, was zur Folge hat, dass die Spieler in die Röhre gucken.
Obendrein folgt ihr nicht der Hintergrundstory des Kinostreifens. Die Handlung setzt zwei Jahre früher an, im Jahr 2016, behandelt die Vorgeschichte und erzählt Connors Werdegang zum Rebellenführer. Diese Entscheidung ist an sich gut, gab sie den Machern doch die Chance, einen eigenständigen Plot zu schaffen, statt einen komplett vorbestimmten nachzubeten. Dummerweise machen sie zu wenig draus.
Die schwedische Spieleschmiede Grin, zuletzt verantwortlich für Bionic Commando (eurogamer.de)und die Filmumsetzung Wanted (eurogamer.de), verpasste die Chance, etwas Eigenständiges zu schaffen. Sie hätte das Terminator-Universum erweitern und veredeln können. Neue Nebenfiguren mit Tiefgang formen, die einem ans Herz wachsen.
Indes liefern die englische Sprachausgabe und deutschen Untertitel ewig gleiche Sprüche, während die Münder nussknackergleich-mechanisch auf- und zuklappen. Spätestens beim dritten überspannten „Noch mehr Aerostats!“-Ausruf fühlt sich der Spieler ähnlich beeindruckt wie ein Erwachsener beim Kindertheater. „Da! Schau! Pass auf, Kasper, hinter dir: das Krokodil!“ Zzzzzzzzzzzzz.
Fest steht, dass man zu den Widerstandskämpfern kaum eine Beziehung aufbaut. Weil sie eindimensional bleiben, schablonenhaft, austauschbar. Zum einen wegen der belanglosen Zwischensequenzen, zum anderen, weil die Damen und Herren nicht lebendig aussehen. Sie sind steif animiert und präsentieren wächserne Gesichter. Manch leerer, starrer Blick erinnert an Stevie Wonder, der gerade „I just call to say I love“ trällert und seinen Kopf im Rhythmus wiegt. Ferner gehen dem Spiel die magischen Momente ab. Wie etwa richtige Bosskämpfe. Ich war nur einmal wirklich von einem der Stahlungetüme beeindruckt. Aber dann durfte ich dieses nicht mal zerlegen.
Action gibt es dafür eine Menge, während ihr an der Seite computergesteuerter Kampfgenossen in den Krieg zieht. Das Abenteuer führt euch durch das optisch hübsch gestaltete, in Trümmern liegende L.A. und dessen Untergrund. Da der Held abgesehen von Explosivkörpern nur zwei Schießeisen tragen darf, kommt eine erste interessante taktische Komponente ins Spiel. Wählt ihr Schrotflinte und Sturmgewehr, weil so weniger Engpässe bei der Versorgung mit Munition entstehen? Oder bevorzugt euer Alter Ego einen Raketenwerfer als Zweitwaffe, der mehr Schaden anrichtet?
Zwischenzeitlich warten Gefechte, bei denen ihr von Fahrzeugen aus mit Geschützen auf eure Gegner ballert. Die Vehikel selbst lenken, darunter einen Geländewagen und einen Schulbus, dürft ihr allerdings nicht. Außerdem wirken diese Abschnitte müde und uninspiriert. Zum Glück tröstet das prominente Feindgesindel etwas darüber hinweg. Das sind diverse aus den Filmen bekannte wandelnde, fahrende und fliegende Toaster und Androiden. Im Mittelpunkt stehen die T-800, Skelette aus Metall, die inklusive der bedrohlichen, packenden Filmmusik von Brad Fiedel heranmarschieren.
Ein weiteres taktisches Spielmerkmal betrifft den Kampfablauf. Weil einige der übel gesinnten Maschinen, spinnenartige Kolosse nämlich, besonders dickköpfig sind und normale Geschosse die Stahlpanzer nicht mal ankratzen, müsst ihr Schwachpunkte finden. Der Held von Welt versucht entweder, C3POs bitterböse Brüder mit einem Treffer ins Auge kurzzeitig bewegungsunfähig zu machen und schnell in ihren Rücken zu gelangen. Oder er baut auf seine Mitstreiter, die die Blechbüchse per Feuerschutz festnageln, und nimmt sie dann von hinten ran. Wermutstropfen: Diese Spielchen wiederholen sich schnell und vor allem oft, was auf Kosten der Abwechslung geht. Ihr seid beinahe mehr mit Flankenarbeit beschäftigt als es David Beckham je war und sein wird.
Die Erlösung beschert Actionfans wie erwähnt schon einige positive Aspekte. Aber reicht das, um einen kontinuierlich vor den Monitor zu fesseln? Die Antwort ist ein klares Jein.
Nur Ausnahme-Spiele schaffen es, so viel Atmosphäre zu versprühen, dass man das Gefühl hat, lediglich ein kleines Zahnrad in der todbringenden Mühle einer gewaltigen Schlacht zu sein. Allein Epic Games wagte es gar, eines seiner Babys nach diesen viel zitierten Zahnräder des Krieges zu benennen. Bis der wegweisende Shooter 2006 erschien – dessen Titel ich nicht nenne, weil ich die deutsche Jugend schützen muss – mochten folgende Fakten für einige überraschend gewesen sein: In einem echten Krieg würde man nicht seitwärts durch die Pampa hampeln, währenddessen wie ein Flummi hüpfen und dabei locker jeden Gegner treffen.
Das nicht namentlich erwähnte Actionspektakel definierte Bewegung in Shootern neu. Man huschte im Kugelhagel von Deckung zu Deckung, legte Sperrfeuer und schoss aus gesicherten Positionen. Weil das damalige Meisterwerk die Messlatte sehr hoch legte, müssen sich heutige Titel mit ähnlicher Spielmechanik daran messen und entsprechend bewertet werden. Wie eben Terminator: Die Erlösung. Deckungsarbeit steht folglich nicht nur bei Fußballern und Besamungstechnikern hoch im Kurs, sondern auch während der Duelle mit den Robotern des Computernetzwerks Skynet. Zwischen Autowracks, Kisten und Betonpfeilern herumzukriechen und -hechten, klappt ordentlich. Deshalb kommt bei den Feuergefechten auch gut Spaß auf … zumindest für einige Zeit.
Wer sich übrigens auf seine KI-Kollegen verlässt, fühlt sich zeitweise verlassen: Mit deren künstlicher Intelligenz ist es nicht allzu weit her. Wie gut, dass man die Kampagne auch zu zweit angehen kann. Zwar gibt es keinen Online-Modus, die kooperative Variante via geteiltem Bildschirm macht aber Laune. In diesem Fall übernimmt der andere Spieler die Pilotin Blair Williams.
Wer im gemischten Doppel spielt, kann sich gegenseitig fitspritzen, sollte die Lebensenergie gen Null tendieren. Einzelgänger „gehen gleich ex“, wie es Miesepeter Dr. House formulieren würde. Zum Glück winkt an Kontrollpunkten jeweils eine Wunderheilung. Einige Speicherstellen sind jedoch doof gesetzt, sodass ihr nach dem Dahinscheiden erst den Ladebildschirm und dann schlimmstenfalls wiederholt nicht abzubrechende Zwischensequenzen anstarren müsst.
Dass mein Pixelbube sich im Vergleich zur Genre-Konkurrenz etwas unflexibel bewegen lässt, störte mich kaum. Anders als Kollege Metzger, der in seiner Vorschau zu Terminator: Die Erlösung (eurogamer.de)unter anderem die fehlende Sprungfunktion kritisierte. In einem Punkt bin ich komplett seiner Meinung: Es wirkt irritierend, dass die Zicken Connor und Williams sich nicht hinter jede Deckung kuscheln mögen. Wenn es die Level-Designer an bestimmten Stellen nicht vorgesehen haben, geht es einfach nicht. Basta und aus.
Das größte Problem ist die mangelnde spielerische Abwechslung. Ihr quetscht euch durch ungemein enge Levelschläuche und ballert in Moorhuhn-Manier auf alles, was nach Blechheini oder Elektrogerät aussieht. Ich habe nichts gegen lineare Shooter, im Gegenteil. Wenn mir die Levelbegrenzungen nicht gerade ins Gesicht springen. Call of Duty 4 ist diesbezüglich ein Musterbeispiel, das mich mit zahlreichen toll geskripteten Ereignissen verwöhnt. Jene wie ein Film ablaufenden, vorberechneten Szenen, die durch eine bestimmte Aktion des Spielers ausgelöst werden, lenken hervorragend ab. Weil es ständig irgendwo rumst und bumst.
Terminator als kompletten Rohrkrepierer zu sehen, ist falsch. Der Titel hat aber deutliche Schwächen und entpuppt sich deshalb in der Summe nur als Durchschnittskost. Und: Die Erlösung, also das Ende des Abenteuers, kommt je nach Schwierigkeitsgrad und spielerischem Können bereits nach neun Kapiteln und maximal rund vier, fünf Stunden. Eindeutig zu kurz für den stolzen Preis.
Terminator: Die Erlösung ist für PlayStation 3, Xbox 360 und PC erhältlich. Für lockere 60 Euro.
Tauche ein in die Welt der Stars und bring Deine Fans auf der Bühne zum kochen. Neben Ruhm winkt einer der Megapreise im Gewinnspiel! zum Spiel...
Terminator: Die Erlösung im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von GRIN?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.