Brothers In Arms: Hell's Highway

Preview
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Gearbox Software
Genre
Shooter
PS3: Brothers in Arms: Hell's Highway

PS3: Brothers in Arms: Hell's Highway

Über 30.000 Soldaten starben zwischen dem 17. und 27. September 1944. Zerrissen von Granaten, zerfetzt durch Hochgeschwindigkeitsgeschosse und blutig mit einem Messer abgestochen, ließen sie ihr Leben auf den Feldern, Straßen und Städten Frankreichs, der Niederlande und Belgiens. Damit markierte die Operation Market Garden einen traurigen Höhepunkt im Kampf gegen die Nazis. Ein sinnloses Schlachten in den letzten Todeszuckungen einer Diktatur. Und ein erster Rückschlag beim Marsch auf Berlin.

Es waren vor allem Briten, die in den brutalen Gefechten ihr Blut vergossen. Nur die Luftlandedivisionen der USA stand den überforderten Tommys zur Seite. Sie versuchten, den Weg für die Panzerdivisionen freizuräumen und damit die alliierte Niederlage abzuwenden. Doch ihr Kampf war vergeblich. Dem Verband gelang es nicht den Rhein zu überqueren und die Wehrmacht sammelte sich zu einer letzten Offensive.

Es ist eine verzweifelte Zeit, die den letzten Veteranen noch immer den Schlaf raubt. Es ist wie der gesamte zweite Weltkrieg eine menschliche Tragödie, der man sich nur schwer in Form eines Videospiels nähern kann. Erst Gearbox ist dies mit ihrer Brothers in Arms-Reihe, der Geschichte der 101. Airborne und ihrem neusten Kapitel Hell's Highway eindrucksvoll gelungen.

Filmisch wurde das Thema schon mehrfach aufgearbeitet. Ob in „Saving Private Ryan“, „Die Brücke von Arnheim“ oder „Band of Brothers“, immer standen die Menschen im Vordergrund, ihre Träume, Wünsche und Ängste. Bei den meisten Spielen geht es dagegen nur um das Eine: Kämpfen. Austauschbare, langweilige Charaktere, ein Feind, der nur aus einer Masse blutrünstiger Bösewichter bestand und eine Geschichte, die sich in zwei Absätzen zusammenfassen lässt, prägten all die Medal of Honors und Call of Dutys da draußen.

Gearbox wählte ganz bewusst einen anderen Weg: Mehr Realismus, echte Charaktere und eine mitreißende Story. Ein Ziel, das ihnen mit den ersten beiden Teilen, trotz einiger Mängel und technologischer Restriktionen, recht überzeugend gelang. Doch erst mit dem dritten Teil und den Möglichkeiten der Next Generation erreicht die Serie ihre Bestimmung. Unsere Vorabversion zeigt: Brothers in Arms: Hell's Highway ist trotz des ausgelutschten Szenarios ein Lehrstück für hervorragende Taktik-Shooter-Kost. Hier und da muss es sich zwar noch mit ein paar technischen Mängeln herumschlagen, aber allen Unkenrufen zum Trotz scheint Gearbox nach vielen Verschiebungen endlich ein echter Hit gelungen zu sein.

Da die Rahmenhandlung durch die historischen Begebenheiten festgelegt ist, erzählt Gearbox die Geschichte eines eingeschworenen Haufens, der in der 101. seinen Dienst fürs Vaterland bestreitet. Der Spieler schlüpft dabei in der Rolle des Sergeant Baker, der sich mit seinen Freunden und Kameraden seit der Landung in der Normandie durch Frankreich geschlagen hat. Wie schon zuvor wird nur eine kurze Zeitspanne von wenigen Tagen abgehandelt. Alles dreht sich um die Operation Market Garden und die Rolle der 101. Luflandedivision. In einzelnen Missionen wird die verlustreiche Landung bei Eindhoven, die unerbittliche Schlacht um die Stadt und das brutale Gefecht um das niederländische Dorf Veghel nachgespielt. Zwischen den Missionen lernt man dagegen die Soldaten kennen, erlebt Freude und Trauer, sieht, wie sie mit Verlust und Hoffnung umgehen.

Dank der hervorragenden Umsetzung und der stimmigen Geschichte ist diese Erzählweise der eigentliche Höhepunkt von Hell's Highway. Sie reichert das taktische Geballer mit einem emotionalen Hintergrund an und zeigt ungeschminkt die schreckliche Fratze des Krieges. Scheinbar wahllos verlieren die Hauptfiguren lieb gewonnene Menschen, ihren Verstand und am Ende sogar ihr eigenes Leben. Würdevoll, spannend, glaubwürdig und ein wenig theatralisch hebt sich der Titel damit schon mit seinem dramatischen Flashback zu Beginn von der versammelten Konkurrenz ab. Wir dürfen Euch zwar nur von den ersten 4 Leveln berichten, doch das Niveau hält sich bis zum bitteren Ende.

Vor dem Einstieg in das eigentliche Spiel bekommt man die Geschehnisse der ersten beiden Teile in einer schicken Zusammenfassung näher gebracht. Gearbox hat dazu die Schlüsselmomente mit der Unreal Engine 3 nachgebaut und perfekt in den Look und Feel des dritten Teils übertragen. Im ersten Level bekommt Ihr dann die Steuerung erklärt, die sich durch ein neues Feature stark gewandelt hat. Die Handlung springt dazu ein paar Tage nach vorne und Ihr erlebt in einem zerstörten Krankenhaus die traumatischen Erlebnisse in Eindhoven. Auch für Veteranen essentiell: Gearbox hat ein neues Cover-System eingebaut. Ganz wie bei Ghost Recon, Rainbow Six und Co. könnt Ihr nun hinter Deckung Stellung beziehen und so deutlich besser Euer Vorgehen planen.

Für die Brothers in Arms-Reihe ist dieses Feature ein Segen. Perfekt unterstützt es die taktische Vorgehensweise und verwandelt jedes Gefecht in ein komplexes Stellungs-Schach. Im Flashback-Level seid Ihr zwar nur mit Eurem Kumpel Red unterwegs, doch selbst ohne aktive Squads gewinnen die Gefechte durch dieses Element deutlich an Tiefe. Gerade weil manche Deckungen durch schweres Feuer oder Geschütze zerstörbar sind, kann man sich nur selten 100prozentig sicher fühlen.

Ein einfacher Lattenzaun lässt sich dabei mit einer schlichten Pistole zerlegen, während es bei massiven Kisten schon eine Maschinenpistole oder ein Gewehr sein muss. Sandsackbarrieren zeigen sich dagegen von Kugel unbeeindruckt und nur Handgranaten, Bazookas oder ein Panzergeschoss machen aus Deckung samt Gegnern Kleinholz.

Damit Ihr gegen die taktisch geschickt agierenden Gegner eine Chance habt, wurde auch das Lebensenergie-System über den Haufen geworfen. Musstet Ihr bisher auf Erste Hilfe-Kästen zurückgreifen, wird unter Beschuss diesmal die Wahrscheinlichkeit größer einen tödlichen Treffer zu erhalten. Im Endeffekt spielt sich der Titel so wie Halo und Co mit dem feinen Unterschied, dass sich Eure Gesundheit unter Beschuss deutlich langsamer regeneriert. Das Spiel belohnt so Teamspieler und macht es für Einzelkämpfer deutlich schwerer, ihre Egonummer abzuziehen.

Nach verstörenden Einstieg mit fiesen Cliffhanger springt das Spiel drei Tage zurück und Ihr müsst gemeinsam mit Eurer Truppe hinter den Stellungen der Deutschen landen. Am Anfang steht Euch nur ein Squad zur Verfügung, um Feinde unter Beschuss zu nehmen und so ein Vorrücken zu ermöglichen. Mit einem einfachen Knopfdruck befördert Ihr Eure Kameraden hinter eine Deckung und gebt ihnen den Befehl, Euch Feuerschutz zu geben.

Durch den Kugelhagel füllt sich ein roter Kreis langsam grau, bis die gegnerische Einheit unterdrückt ist. In diesem Zustand feuert sie nur noch sehr sporadisch und Ihr könnt versuchen, sie zu flanken. Leider machen Euch die intelligenten Gegner auf einen Strich durch die Rechnung. Konntet Ihr sie in den Vorgänger so recht leicht aus dem Weg räumen, wechseln sie diesmal einfach die Stellung. Gut, dass auch Eure Jungs dazugelernt haben und sich ganz von selbst richtig positionieren.

Überhaupt steht Abwechslung und taktische Vielfalt diesmal an erster Stelle. Nach Eurer Hatz durch die bekannten und verhassten Felder der Niederlande geht es diesmal vor allem in Straßenzügen, Industriegebieten und verlassenen Regierungsgebäuden zur Sache. Wie ein tödliches Stellungspuzzle müsst Ihr Maschinengewehrnester aushebeln, schwere Geschützstellungen umgehen und eingespielte Wehrmachts-Soldaten aus dem Weg räumen. Im späteren Verlauf werden diese schweißtreibenden Positionskämpfe durch Panzerangriffe und Scharfschützenmissionen aufgelockert. Gearbox gelingt es immer wieder Euch zu überraschen und die Spannungsschraube anzuziehen. Trotzdem ist und bleibt Hell's Highway ein Taktik-Shooter wie er im Buche steht, wer nur Ballern möchte, ist hier Fehl am Platz.

Gerade auf Konsole, wo Ihr nicht auf eine gut geölte Maus zurückgreifen könnt, ist eine gut überlegte Taktik von entscheidender Bedeutung. Selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad stellt Euch Hell's Highway vor eine knackige Aufgabe. Richtig hart wird es aber erst unter „Authentisch“.

Hier gibt es keinerlei Anzeigen auf dem Bildschirm und wenige Schüsse reichen aus, um Euch ins Nirwana zu befördern. Echte Profis, Militärausbilder und Simulations-Fans werden aber ihre heile Freude damit haben. Es gibt wohl keine bessere Variante, den Ernstfall ohne Verletzte und Tote zu simulieren. Gearbox und Col. Antal könen stolz auf sich sein.

Die Steuerung ist leider nicht der einzige Unterschied zur PC-Fassung. Auf der Xbox sieht das Spiel deutlich schlechter aus, was vor allem an den nachladenden Texturen liegt, die in der Vorabversion nur sehr zögerlich auf dem Bildschirm erscheinen. Wie schon bei Mass Effect stört dieses Problem die einmalige Atmosphäre der Zwischensequenzen.

Im eigentlichen Gefecht tauchen diese Probleme nur selten auf, dafür muss sich die Konsolenvariante auch bei den Textur-Qualität geschlagen geben. Auf dem PC sieht der Titel wirklich prächtig aus und verwandelt in großen Auflösungen das Kampfgeschehen in ein schrecklich-schönes Gemälde des Todes.

Hässlich ist Hell's Highway auf der Xbox 360 trotzdem nicht. Insbesondere die amerikanischen Figuren wurden fantastisch umgesetzt und machen die schauspielerische Leistung glaubwürdig. Nur die geklonten Gegner-Modelle, die mittelprächtigen Effekte und die recht kargen Innenräume scheinen im ersten Moment nicht zur Unreal Engine 3 zu passen. Angesichts der langen Entwicklungszeit ist diese Diskrepanz aber leicht verständlich, schließlich wurden die ersten Assets vor über drei Jahre vorgestellt. Die PS3 Variante konnten wir dagegen nur auf den Ubidays bestaunen und waren wenig angetan.

Der Mehrspieler-Modus lud mangels Mitspieler leider nicht zum ausprobieren ein. Mit 20 Spieler Gefechten, taktischen Runden a la Counter-Strike und den unterschiedlichen Waffenklassen scheint es diesmal aber noch taktischer Sache zu gehen. Schön, dass die Spieler in kleine Feuerteams a drei Personen eingeteilt werden, denen der Squad-Leader Ziele zuweisen kann. Der Titel bewegt sich damit und mit dem Einsatz von Panzerfahrzeugen deutlich in Richtung Battlefield. Ein Schritt, den man nur Begrüßen kann und der dem direkten Konkurrenten Call of Duty 5 Feuer unter dem Hintern macht. Schade, dass es keinen Coop-Modus gibt, damit hätten man dem Activision-Herausforderer komplett die Suppe versalzen können.

Nach der etwas enttäuschenden Vorstellung im Januar war ich positiv überrascht. Gearbox hat sich gerade mit der Story selbst übertroffen. Die Gefechte sind damit keine lose Aneinanderreihung von taktischen Baller-Sequenzen, sondern brutale, gefühlsgeladene Auseinandersetzungen verzweifelter Gegner. In Kombination mit dem neuen Cover-System und der schicken Grafik ist der Titel auf meiner Wunschliste ein ganzes Stück nach vorne gerutscht. Nun noch ein frisches Szenario ohne deutsche Bösewichter und Gearbox bekommt von mir meinen persönlichen Taktik-Shooter Orden verpasst.

Leider plagen die Konsolen-Version noch ein paar technische Probleme, wie die deutlich zu langsam nachladenden Texturen. Wenn diese nicht bis zum Release überarbeitet werden, dürfte die PC-Fassung das Rennen machen. Die PS3-Variante sah sogar noch ein wenig schlechter aus, wobei man sich ohne finale Test-Version noch kein abschließendes Urteil erlauben kann. Mit anderen Kleinigkeiten, wie minimalen Ki-Aussetzern, etwas eintönigen Gegner-Modellen und zum Teil asynchronen Voice-Over-Animationen muss man wahrscheinlich wohl oder übel leben. Nichtsdestotrotz sollte sich jeder Taktik-Shooter-Fan, der mit dem Szenario leben kann, den Release-Termin dick anstreichen. Brothers in Arms: Hell's Highway erreicht locker den Zweite-Weltkriegs-Shooter-Thron und wird auch von Call of Duty 5 nur schwer zu schlagen sein.

Brothers in Arms: Hell's Highway erscheint am 3. Oktober für PC, Xbox 360 und PS3.

 

 

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