Colin McRae: DiRT 2

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Codemasters
Entwickler
Codemasters
Genre
Andere
PC: Colin McRae: DiRT 2

Gesamtwertung

8/10

PC: Colin McRae: DiRT 2

Rallye ist hart und einsam. Manchmal seht ihr das ganze Rennen kein anderes Auto. Nur ihr, die Piste, Natur und die beruhigende Stimme des Beifahrers. "60, hart links, über Klippe, in die Schlucht". Wem das zu eintönig ist, der kann ja zu Colin McRae: DiRT 2 greifen. Rallye? Das war mal. Früher. Die Colin-McRae-Serie stand zumindest am Anfang, und als der Meister selbst noch lebte, für das Beste, was es im Bereich des ernstzunehmenden Rallye-Sports auf Konsolen gab. Das flaute im Laufe von fünf Teilen ab und letztes Jahr kam dann der Next-Gen-Reboot – wunderbare Floskel, damit wurden ganze Marketingabteilungen reich – in Form des schon deutlich gelockerten DiRT.

Der Fokus des Nachfolgers liegt noch weiter ab von der reinen Lehre der Simulation und vielleicht noch in einem Viertel der Events hört ihr die vertraute Stimme eines Kopiloten, der euch sagt, wo ihr gleich in den Acker rasen werdet. Diese wenigen Rennen von Punkt zu Punkt, in denen ihr allein unterwegs seid und nur die Zeit entscheidet, sind selten geworden und vor allem extrem kurz. Epische Langstrecken fehlen vollständig, alles ist auf kurze, schnelle und harte Rennen getrimmt.

Die größte Zahl der Rennen schickt euch in Varianten, die nicht ganz zu dem passen, mit dem der Name McRae eigentlich assoziiert wird. Gegen einen bis sieben Konkurrenten, je nach Rennart, geht es in einem ganz normalen Rennen auf die Piste. Alle lassen an der Startlinie die Motoren heulen, Flagge, Signal, auf geht’s. Rad an Rad, bis der erste über die Linie gewinnt. Das hat nicht viel mit Ralley zu tun. Liebhaber dieses Sports und der Serie werden es auch bemängeln, dass es genügt, wenn der Untersatz es nur noch mit wenigen beweglichen Einzelteilen über die Linie schafft. Es gibt keine Notwendigkeit für Reparaturen nach dem Rennen mehr und auch zwischendurch lassen sich viele Kurven wunderbar nehmen, indem ihr mit der Konkurrenz Autoscooter spielt. Klar, ein Scheinwerfer weniger, die Frontscheibe ist hin, aber was soll es, wenn es drei Sekunden spart.

So weit also, so wenig Rallye. Die Steuerung und das Fahrgefühl blieben bei diesem Crossover von allem, was Offroad heißt, nicht verschont und die Tendenz steuert eindeutig in Richtung des Arcade-lastigere GRID. Momentum und Masse in der Kurve fühlt man jetzt deutlich mehr, was auch daran liegt, dass die Bremsen schwächer anziehen. Man bleibt halt auf Sand nicht gleich stehen und so erinnert das Fahrgefühl nun ein wenig mehr, wenn auch nicht ganz, an das Beste in SEGA Rallye. Nicht Simulation, nicht Arcade, irgendwo dazwischen, aber genau auf der Linie, die viel Fahrspaß verheißt. Und das ist die gute Nachricht. Findet ihr euch damit, ab, dass es eben kein reines Rallye-Spiel mehr ist, hat DiRT 2 einiges zu bieten.

Zum Beispiel die vielleicht derzeit schönsten Rennstrecken. Meist ist es heiß und staubig und da das mit allen Effekten gespickt und poliert wurde, die es so gibt, fühlt man es schon fast in den eigenen vier Wänden. Und wer hätte gedacht, dass sich selbst Kleinigkeiten wie Lens-Flare-Effekte so schön darstellen lassen, dass man nicht umhin kommt, sie zu loben. Angesichts all dieser Schönheit möchte man eigentlich gar nicht in das Innere des Wagens schalten, auch wenn sich diese Ansicht nicht weniger gut lenkt als beim halben Ziehvater GRID und für sich selbst auch keineswegs hässlich daher kommt. Aber durch eine nach dem Crash geborstene Scheibe lässt sich halt nicht so gut die in der dritten Fassung der EGO-Engine zelebrierte Pampa bewundern. Das einzige, was sich rarmacht in all dem Glanz, sind Wettereffekte. Kein Tropfen Regen, kein Nebel, nichts. Eitel Sonnenschein, wohin der Tourkalender euch auch führt.

Dieser selbst, oder vielmehr seine optische Gestaltung, – und das ist wirklich eine rein subjektive Meinung – gefällt mir weit weniger als noch in DiRT. Statt des weißen, eleganten und aufgeräumten Menüs wird hier das Trailerpark-Leben zelebriert. In euerem leicht angeranzten Wohnwagen wählt ihr die Optionen und Rennstationen aus, in einem fließenden Schwenk geht es nach draußen zur Fahrzeugauswahl. Das ist alles hübsch, weit weniger aufdringlich als beispielsweise bei NFS Pro Street, aber trotzdem: Die reine Schönheit des Vorgängers lag mir mehr. Ich bin aber gerne bereit, andere Meinungen anzuerkennen und zu sagen, dass auch dieser Aspekt von DiRT 2 zumindest technisch über jedem Zweifel erhaben ist.

Passen tut es zu den Fahrzeugklassen und dem erfrischend soliden Hardrock-Songensemble ja auch ganz gut. Während ihr zu Rise Against, Bloc Party oder den Eagles of Death Metal mitwippt, sucht ihr euch einen passenden Untersatz für das nächste Rennen aus. Klassische Rallye-Fahrzeuge, Buggys, Offroadtrucks, Crossrallye-Wagen und ein paar Sachen irgendwo dazwischen kommen zwar auf stolze sieben Kategorien, allerdings mit gerade mal etwas mehr als 30 Fahrzeugen ingesamt. Nichts für Sammler also, aber fahren tun sie sich alle nicht nur hervorragend und wie oben beschrieben, sondern auch unterschiedlich genug, dass die Kategorien und deren Aufteilung auf die Events wirklich Sinn macht. Nur die Unterschiede der Wagen innerhalb einer Klasse hätte man etwas deutlicher herausarbeiten können. Gerade zwischen den drei Klassenersten hätte es mehr Differenzen auch im Verhalten geben können. So läuft es ein wenig zu sehr auf euren Geschmack hinaus.

Je nach Schwierigkeitsgrad dürft ihr bis zu fünf Mal pro Rennen nach einer besonders versiebten Aktion die Zeit etwa 10 Sekunden zurückspulen und im nächsten Versuch dann doch noch rechtzeitig einschlagen oder bremsen. Ist inzwischen nichts Neues mehr, kennt man genau so aus GRID und es funktioniert perfekt.

Der Aufbau der Solokarriere ähnelt ebenfalls dem Rang-System GRIDs, nur dass ihr hier dank der im Übermaß hereinströmenden Dollars sehr schnell mit den besten Autos aller Klassen ausgestattet seid. Dass ihr schnell weiterkommt, heißt aber nicht, dass ihr auch schnell alles gesehen haben werdet. Die schiere Masse von über 100 Events auf der ganzen Welt – Wüste in Kalifornien, Schotter-Rallye durch Kroatien, Stadtkurse in London und Tokio, Dschungel in Thailand und noch mehr – sorgt dafür. Und die Gefahr hängenzubleiben, ist gleich null. Irgendwo geht es immer weiter und notfalls schaltet ihr den Schwierigkeitsgrad nach unten. Mehr als milde Abzüge bei Erfahrungspunkten fürs Weiterkommen und ein paar weniger Dollars gibt es dabei nicht zu befürchten.

Die neue Liebe zu Rundkursen und normalen Rennen bringt im Bereich des Multiplayers gewaltige Vorteile mit sich. Verließ sich DiRT noch komplett auf seine Leaderboards, war Codemasters diesmal nicht faul und lässt euch mit bis zu acht Fahrern loslegen. Wirklich revolutionäre Modi sucht man vergeblich, dafür erfindet man aber gern von Zeit zu Zeit neue Flüche. Das legere Schadensmodell verleitet schnell dazu, den Gegner nicht zu übertrumpfen, sondern lieber in die Bande zu schieben. Ohne rettendes Replay kann euch das viele Rennen einbringen, in denen ihr seht, dass ihr ohne Foulplay weit besser als der Sieger da gestanden hättet. Also, Stressball daneben und das nächste Mal revanchiert. Naturgemäß fairer geht es in den echten Rallye-Events zu, schon allein deshalb, weil man sich ja so selten sieht. Da sich die Lags absolut in Grenzen hielten, kann man DiRT 2 einen guten Einstand in die weite Welt echter Onlineauseinandersetzungen bescheinigen.

Verabschiedet euch von der reinen Rallye-Welt. Zugunsten der Zugänglichkeit ging alles über Bord, was ein zu schwerer Anker im Hardcoresektor gewesen wäre und niemand muss sich vor DiRT 2 fürchten. Es ist GRID, nur neben der Straße. Das ist nicht schlecht und so macht DiRT 2 vom ersten Motorenaufheulen bis zum letzten seiner vielen Events Spaß. Dafür sorgt das saubere, wenn auch deutlich lockere Fahrgefühl, die phänomenale Optik, der verzweigte und nie langweilige Aufbau des Solomodus und der Spaß, den ihr online haben könnt. Es ist ein Arcade-Offroad und in dieser Kategorie mit das Beste, was euch derzeit passieren kann.

Was jedoch fehlt, ist Eigenständigkeit. Der Markt für Offroad-Racer ist nicht so klein. Auch wenn DiRT 2 dort definitiv zur Spitzengruppe zählt, reiht es sich brav in diese Spaß-Renner ein. Ich vermisse den alten Anspruch auf die Krone der Ralley. Der richtigen, simulierten, weniger „extremen“ und ernst gemeinten Krone. Dafür stand der Name Colin McRae und mit seinem viel zu frühen Ableben scheint dies vergessen.

Colin McRae: DiRT 2 ist ab sofort für 360 und PS3 erhältlich. Eine PC-Version folgt noch in diesem Jahr. Die Wii-Version konnten wir leider nicht testen, genausowenig wie die ebenfalls ab sofort erhältlichen Unterwegs-DiRTs für PSP und DS.

 

 

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