League of Legends

Review
Plattform
PC
Entwickler
Riot Games
Genre
Strategie
PC: League of Legends

Gesamtwertung

8/10

PC: League of Legends

Schweren Herzens habe ich WarCraft 3 samt Modifikation Defense of the Ancients nach vielen glücklichen Jahren von meiner Festplatte verbannt. League of Legends hat es trotz einiger Anfangsschwierigkeiten geschafft, mich von dieser einmaligen Strategie- und Rollenspielmischung loszureißen. Eine echte Leistung, auch wenn League of Legends auf den ersten Blick wie eine simple Kopie wirkt. Entwickelt von Riot Games, greift es im Gegensatz zum Konkurrenten Heroes of Newerth das Spielprinzip nur auf und liefert neben neuen Karten auch neue Helden. Außerdem wurde eine Beschwörer-Metagame integriert, das den Free-to-play-Ansatz mit Runen und Meisterschaftspunkten auf die nächste Ebene befördert. Ein spannender, komplexer Ansatz.

Am grundlegenden Gameplay hat sich aber nichts geändert: Zwei Gruppen von Helden treten gegeneinander an und müssen die feindliche Festung in Grund und Boden rammen. Beide Seiten produzieren NPC-Einheiten, die in der Mitte von bis zu drei Wegen aufeinandertreffen. Mit Hilfe von Verteidigungstürmen negieren sich die Truppen und würden bis zum Ende aller Tage einen aussichtslosen Kampf ausfechten. Genau hier kommen die Helden ins Spiel: Bis zu fünf dieser mächtigen Kämpfer greifen in diesen Kampf ein und versuchen, die Balance zu verschieben.

Mit jedem getöteten NPC beziehungsweise jedem erledigten Helden bekommen sie Erfahrungspunkte, die sie im Level aufsteigen lassen und ihre Zauberkräfte stärken. Falls ihr auf einem der Wege keine Chance habt, könnt ihr euch um neutrale Monster kümmern, die euch sogar einen Buff verschaffen.

Ihr selbst steuert nur euren Champion, wählt seine Ziele, wirkt mächtige Zauber und kauft ihm entsprechende Ausrüstung. Im Gegensatz zu dem recht ähnlichen Demigod könnt ihr die NPCs nur aufrüsten, wenn ihr einen gegnerischen Inhibitor zerstört. Dann bekommt ihr auf dieser „Lane“ Super-Vasallen, die mächtig austeilen und euch bei eurem Kampf unterstützen. Teamplay ist hier von entscheidender Bedeutung. Zum Teil ergänzen sich die Kämpfer nahezu perfekt. Wer nicht zusammenarbeitet, wird auseinandergenommen. Der Kampf wiegt hin und her, manchmal ist es nach einer halben Stunde vorbei, manchmal aber auch erst nach ein bis zwei Stunden.

Bei den Helden hat sich Riot Games stark von DotA inspirieren lassen. Es gibt Damage-Dealer, Heiler, Tanks, Nah- und Fernkämpfer. Jeder einzelne hat vier Kräfte, die er gegen die Feinde einsetzen kann und die sich wiederum ergänzen. Bei den meisten Figuren kostet jeder Einsatz Mana. Nur wenige Ausnahmen, etwa die Assassine Katarina, müssen nur auf den Cooldown ihrer Kräfte warten. Hier ein kleines Beispiel, wie diese Kräfte zusammenwirken: Der Pirat Gangplank setzt auf einen einzelnen Pistolenschuss, der ihm bei einer Tötung zusätzliches Gold bringt.

Er kommt so deutlich schneller an stärkere Gegenstände, von denen er aber extrem abhängig ist. Um an der Front zu überleben, kann er Zitrusfrüchte essen, die seinen Skorbut heilen und schadhafte Zauber entfernen. Und auch seine dritte Fähigkeit setzt auf Snyergien: Per Moralanstieg visiert er einen eigenen NPC an, erschießt diesen und verleiht so allen umstehenden Helden einen gewaltigen Geschwindigkeitsschub.

Erledigt werden feindliche Helden aber mit seinem stärksten Zauber, dem Kanonensperrfeuer. Jeder Held besitzt solch einen Ultima-Zauber, der erst ab Level 6 freigeschalten wird. Bei Gangplank wird ein Areal mit einer Artillerie-Salve belegt und jeder Treffer verlangsamt die entsprechenden Einheiten. Da ihr diese Fähigkeit über das gesamte Spielfeld einsetzen könnt, ist sie ideal, um angeschlagenen Gegnern den Todesstoß zu versetzen. Außerdem hat Gangplank eine vergiftete Klinge, die ihm zusätzlichen Schaden verschafft. Solche passiven Extrakräfte besitzt jeder Held, ein kleiner aber entscheidender Unterschied zu DotA.

Außerdem kommen mit steigendem Level eure Beschwörer-Fähigkeiten ins Spiel. Ihr als Spieler symbolisiert eines dieser fast gottgleichen Wesen, die wie in einem MMORPG mit jedem Sieg oder Niederlage Erfahrungspunkte erhalten. Diese könnt ihr in passive Verbesserungen eurer Champions investieren und später durch Ruhmpunkte oder Mikropayment noch über spezielle Runen erweitern. Diese beschleunigen zum Beispiel etwas eure Manaregeneration oder eure kritischen Treffer, sind aber nicht so stark, dass sie das Balancing gefährden.

Am wichtigsten sind aber zwei Zauber, die ihr zu Beginn auswählt. Diese könnt ihr alle paar Minuten einsetzen und sie entscheiden über Sieg oder Niederlage. Neben einfach Heilsprüchen, stehen Teleportationskräfte, eine verstärkte Turm-Verteidigung, Manaregeneration oder das Aufdecken der Karte im Programm. Durch dieses Metagame bekommt League of Legends eine Spieltiefe, die im ersten Moment schwindelerregend ist.

Doch im Gegensatz zu DotA, in dem ihr Rezepte und die Position der verschiedenen Shops auswendig lernen musstet, schlägt euch League of Legends zumindest auf dem Spielfeld passende Gegenstandskombinationen vor und hilft euch so beim eigentlichen Kauf. Ihr braucht zwar trotzdem noch eine ganze Weile, um die komplexen Zusammenhänge aus Schaden, Lebensenergie und die für euch wichtigen Verstärkungen zu erlernen, doch der Einstieg fällt deutlich harmloser aus. Außerdem wurde die Steuerung etwas vereinfacht und jeder Held nutzt die gleichen Hotkeys. Zusätzlich werden die Zauberreichweiten angezeigt. Ideal, um den eigenen Angriff genau zu timen.Ein Segen für ambitionierte Spieler.

Bei den Karten bietet Riot Games momentan noch Altbewährtes. Die Kluft der Beschwörer ist eine nahezu Eins-zu-eins-Kopie der DotA-Karte. Alternativ wurde eine 3vs3-Map namens "Der gewundene Wald" integriert. Nach und nach wird die Auswahl aber erweitert. Wenn man der Übersicht vertrauen kann, wird es bis zu zwölf unterschiedliche Schauplätze geben.

Genug Material für die nächsten Monate oder gar Jahre. Und auch bei den Helden klotzen die Entwickler mit einer breiten Palette. Schon jetzt wurden 40 Kämpfer integriert. Die Zahl soll aber noch gehörig wachsen. Kein Vergleich zu Demigod, bei dem mit gerade mal acht Halbgöttern schnell Langeweile aufkam.

Doch League of Legends möchte ja nicht nur das eigentliche Gameplay aufmotzen, auch das System dahinter wurde an die Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst. Neben einem recht gut funktionierenden Matchmaking-System wurden auch Freundeslisten integriert, die momentan leider immer noch Probleme bereiten. Die Technologie hinter dem Frontend nennt sich Adobe Air und ist eine Art Flash. Leider werden momentan selten anwesende Freunde angezeigt, deshalb muss man auf Übungsspiele ausweichen. Da der Titel sich momentan aber noch in der Pre-Season befindet – später gibt es ein Online-Turnier mit Preisen – und kostenlos ist, sind solche Anfangsschwierigkeiten aber noch zu verkraften.

Auch die Grafikqualität erreicht nicht ganz den aktuellen Strategiestandard. In der Beta war das Spiel noch schrecklich bunt. Riot Games hat zum Glück die Effekte etwas runtergedreht. Man bekommt also keine Zahnschmerzen mehr, wenn man seine zum Teil skurrilen Helden über das Schlachfeld manövriert. Im Gegensatz zu Heroes of Newerth, das beim Design eher auf gewohnte Fantasy-Themen und deutlich hübschere Zaubereffekte setzt, gleitet League of Legends oft ins Absurde ab.

Ein Eichhörnchen mit Pfadfinderuniform kommt genauso zum Einsatz wie ein kleines Mädchen mit einem magischen, brennenden Bär. Bei einigen Helden trifft Riot Games genau meinen Geschmack, bei anderen landen sie aber ebenso grandios daneben.

Bei League of Legends fällt es leicht, eine Empfehlung auszusprechen, schließlich ist es über weite Strecken kostenlos. Da auch noch die Qualität stimmt, sollte jeder DotA-Veteran, aber auch Neueinsteiger einen Blick darauf werfen. Es ist ein großartiges Gefühl, mit den später übermächtigen Kämpfern eine Schneise der Verwüstung durch die Gegnerhorden zu schlagen. Außerdem funktionieren die ganzen Detailverbesserungen: Das Gegenstandssystem ist deutlich zugänglicher, das Metagame mit den Beschwörern verspricht Langzeitmotivation und die neuen Helden liefern eine gehörige Portion Abwechslung. Nun muss nur noch das Freundesystem funktionieren und der fehlende Inhalt nachgeliefert werden, schon bin ich nahezu wunschlos glücklich.

Einen kleinen Wermutstropfen hat die ganze Geschichte dennoch: Das Design ist wirklich gewöhnungsbedürftig. Ja, der Comic-Look fängt besonders harte Geschmacksverirrungen auf, doch einige Figuren wirken leider total unpassend. Die direkte Konkurrenz Heroes of Newerth zeigt hier deutlich mehr Stil. Doch dafür findet ihr dort nur Eins-zu-eins-Kopien der DotA-Helden, während die League-of-Legends-Truppe ihrem Charakter treu bleibt. Außerdem kommt es bei einem solch komplexen Strategietitel wirklich nur auf das Gameplay an. Und das schmeckt so gut, dass das Auge ausnahmsweise mal nicht mitessen muss und ich DotA gelöscht habe. Eine wirklich stolze Leistung.

League of Legends kann kostenlos gespielt werden. Einfach auf der offiziellen Website (signup.leagueoflegends.com)herunterladen, Account eröffnen und loslegen. Mit dem Start der Saison wird es ein Runensystem geben, über das man per Mikropayment kleine Spielhilfen erwerben kann. Außerdem gibt es eine Box-Version mit integrieren Punkten für den Erwerb von Runen.

 

 

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