Gesamtwertung6/10 |
Ohne ihn gesehen zu haben: Bin ich der Einzige, der einen Film namens Bee Movie, in dem eine Biene namens Barry B. Benson herausfindet, das die Menschen die Schwarz-Gelb gekringelten Blumen-Fans in organisierter Weise ihres Honigs berauben, nur leidlich originell findet? (Chefred: Ja!) Selbstverständlich können die Bienen sprechen (auch mit Zweibeinern, wenn sie nur wollen), gehen zur Schule/zum College, fahren in Ihren Stöcken Auto und haben auch sonst mit allzu normalen Problemen zu kämpfen.
Nach dem Spiel zum Film zu urteilen, wird diese zu Tode gerittene Animationsfilm-Formel auch recht kompetent auf das Bienen-Setting angewandt. Dennoch würde ich mir wünschen, die Kreativen würden diese wunderbare Technologie mal für etwas anderes einsetzen als den ewigen "Fische-, Ameisen-, Superhelden-, Autos-sind-auch-nur-Menschen" - Schmonzes.
Die 120 Millionen Dollar, die Bee Movie bislang alleine in den Staaten eingespielt hat, lassen jedoch vermuten, dass ich mit diesem Wunsch doch ziemlich alleine dastehe. Daher halte ich besser einfach meine Klappe und teste weiter Spiele. Das mir vorliegende Spiel zum Film tut allerdings ebenfalls recht wenig, um mich ins Kino zu locken. Der Konsolen-Nebenjob, des von Sitcom-Ikone Jerry Seinfeld gesprochenen Bienenmannes ist ein simpel gestricktes, dafür aber stellenweise recht hübsch anzusehendes Spielchen, das man bedenkenlos dem Zockernachwuchs unter den Weihnachtsbaum legen kann. Erfahrenere Spieler wird es hingegen wenig begeistern.
Wirklich Award-würdiges Spieldesign sieht zwar anders aus, dennoch kommt man nicht umhin, dem durchweg solide präsentierten Genremix einen gewissen Charme zuzustehen: Mit einigen Abstrichen ist das hier saubere Unterhaltung für die Jüngsten. Barry lässt im Rahmen eines TV-Interviews die Geschehnisse, die ihn zum Helden machten, noch einmal Revue passieren, was Euch folglich die Gelegenheit gibt, die turbulentesten Szenen des Filmes einmal selbst nachzuspielen. Vor das Abenteuer hat die Bienenkönigin allerdings den Schweiß gesetzt und so müsst Ihr zwischen den einzelnen Storyparts den einen oder anderen 1-Euro-Job im frei begehbaren, wuseligen Bienenstock erledigen.
Dieser ist eine Art quietschbunte Miniaturausgabe von San Andreas und gefüllt mit reichlich krabbeligen Artgenossen. Eure Aufgaben, die Ihr stets an bestimmten Terminals abholen müsst, reichen von einer Art abgespecktem Crazy Taxi, bei dem eine gewisse Anzahl an Bienenmitbürgern von A nach B kutschiert werden will, über Autorennen bis hin zu rudimentären Auffangspielen und dem Absolvieren von Quick Time Events. Etwa beim Reparieren von Wachsautos. Allen Aufgaben gemein ist – neben der Tatsache, dass man alles irgendwo anders schon einmal gemacht hat – dass man kaum verlieren kann. Ein enorm wichtiger Punkt in Kinder-Spielen.
Die Taxi-Missionen erledigen sich dank des grobmaschigen Straßennetzes und großzügigen Zeitlimits von selbst, die Rennen hat man schon kurz nach dem Start so gut wie gewonnen und die Quick Time Events müssten eigentlich Slow Time Events heißen. Obendrein ist die Fahrphysik der Autos und die Steuerung der anderen Minigames dermaßen banal ausgefallen, dass einem so ein lebensfroher Bienerich wie Barry schon leid tun kann: Es kommt einfach kein Spaß auf, während man das seichte Pflichtprogramm erfüllt. Der Menüpunkt "Mehrspieler" lässt zunächst hoffen, dass einem bei dieser Fleißarbeit ein Mitspieler zur Hand gehen darf, allerdings steht hier nur die Option zur Wahl, zu zweit ein Rennen über einen beliebigen Kurs zu bestreiten. Verlässt Barry dann aber den Bienenstock, wird das Spiel deutlich unterhaltsamer, wenn auch nicht eben origineller.
“Draußen“ findet die Reaktionstest-Verliebtheit der Beenox Studios ihren Höhepunkt. Im flauschigen Ringelpulli von Barry fliegt Ihr in automatisch ablaufenden Sequenzen durch Parks, durch dichten Straßenverkehr oder nehmt als blinder Passagier auf einer Filzkugel unfreiwillig an einem Tennisspiel Teil.
Immer geht es darum, das eingeblendete Kommando in einem gönnerhaft-rücksichtsvollen Zeitfenster einzugeben, um etwa unter einem heranjagenden Auto hindurch zu fliegen, einer klebrigen Froschzunge oder einem bissigen Schoßhund zu entkommen. Dank der gelungenen Dramaturgie und den schönen Animationen klickt man sich geduldig bis zum Ende dieser Sequenzen hindurch. Das ist zwar näher am Film als an einem „echten“ Videospiel, aber immerhin schick anzusehen und stellenweise sogar richtig amüsant.
Dennoch neigt das Spiel dazu, es mit diesen semi-interaktiven Passagen zu übertreiben. Wenn man im New Yorker Großstadt-Dschungel achselzuckend das zwanzigste Mal dem vermeintlich sicheren Tod ausgewichen ist, verliert die flache Knöpfchendrückerei für gestandene Spieler deutlich an Reiz. Rechtzeitig bevor diese Spielanteile richtig zu nerven beginnen, überlässt Euch Bee Movie aber die volle Kontrolle über Barry.
Im Appartement einer Familie, in einem Nobel-Restaurant oder auf einer tyrannischen Honigfarm fliegt Ihr frei umher und müsst Fotos schießen, Euch mit einem Wespengeschwader rasante, aber dank Zielautomatik und Sucher-Raketen einfache Dogfights liefern oder eben nur sicher durch den Regen kommen. Letzteres gelingt dadurch, dass Barrys Bienenreflexe es Euch erlauben, die Zeit kurzzeitig so zu verlangsamen, dass man problemlos den einzelnen Tropfen ausweichen kann, bis man wieder ein, wenn auch nur provisorisches, Dach über dem Kopf findet.
Hin und wieder müsst Ihr auch menschliche Gegenspieler ausschalten, um etwa in der bewohnten Drei-Zimmer-Wohnung nicht als klebriger Matsch unter der Zeitung des Hausherren zu enden. Das gelingt einer Biene, wie jeder weiß, natürlich nur durch wildes Umherschwirren vor der Nase des Zielobjektes. Ist das Gegenüber mit seinen Nerven am Ende, gilt es nur noch eine simple Buttonfolge nachzudrücken und der Honigdieb ist außer Gefecht. Das alles wird von durchaus unterhaltsamen Animationssequenzen begleitet, die erneut daran erinnern, dass man es mit einem „Spiel zum Animationsfilm“ zu tun hat.
In diesen Passagen fühlt sich das Spiel eindeutig am besten an. Wenn Ihr Allerweltsorte wie etwa ein detailliertes Wohnzimmer oder das besonders schöne Blütenmeer im Stadtpark aus der Perspektive eines winzig kleinen Insekts erkundet, kommt sogar das Quäntchen Originalität durch, das der Rest des Spieles so schmerzlich vermissen lässt. Natürlich sind auch diese Freiflüge und deren Aufgaben jederzeit ziemlich überschaubar und die Steuerung nicht eben die komfortabelste Lösung, die man sich vorstellen kann (so kann etwa die Kamera nicht manuell justiert werden, seitwärts zu fliegen ist nicht möglich). Die Gestaltung des Settings und vor allem das gelungene Spiel mit den Maßstäben besitzen für sich aber schon einen gewissen Unterhaltungswert.
Darüber hinaus gibt es natürlich noch die üblichen Sammel- und Bestäubungsaufgaben, die wohl zum Bienenalltag gehören. Einerseits ist in jedem Level eine bestimmte Anzahl an Honigwaben platziert – ich sage bewusst nicht „versteckt“. Wer unter jedes Möbelstück schaut und sich mit jeder der praktischen Windströmungen treiben lässt, verpasst keine der goldenen Leckereien. Zum anderen wollen verblühte Blumen mit dem Pollen gesunder Pflanzen ins Leben zurück geholt werden. Das funktioniert alles sehr einfach – gesunde Blüte aufschalten, Pollen mit dem R-Trigger absorbieren und auf dieselbe Art bei der sterbenden Pflanze wieder entladen – und optional. Aufgrund der bisweilen wirklich tollen Areale vertreibt man sich damit aber dennoch ganz gern die Zeit. Zur Belohnung gibt es Punkte, die Ihr in neue Outfits oder Wagen für Bienenstock investiert.
Der humorvollen Vertonung, farbenfrohen Optik und den unkomplizierten Aufgaben ist es zu verdanken, dass Bee Movie - Das Game den meisten Kids durchaus eine heitere, frustfreie Zeit bescheren wird. Gabentisch-Test bestanden! Jedem, der die sechste Klasse mittlerweile hinter sich gelassen hat, bietet das bunte Stück Lizenzsoftware aber entschieden zu wenig Herausforderung, Abwechslung und Esprit.
Bee Movie - Das Game ist für PlayStation 2, Xbox 360, Wii, PC und DS im Handel erhältlich.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Bee Movie - Das Game im Test.
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