PlayStation 3: Das kommt 2009
Sony hat zwei harte Jahre hinter sich: Nicht nur hat Microsoft mit seiner zweiten Xbox eine verblüffende Ausdauer und eine außerordentlich hohe Schmerzgrenze bei der Preisgestaltung bewiesen, nein, sogar die alte Nemesis Nintendo ist wie ein Springteufel aus ihrem gamecubeförmigen Sarg geschnellt, noch bevor die Konkurrenz den letzten Nagel einschlagen konnte. Zu allem Übel gesellten sich zu diesen Problemen die regelmäßig bemitleidenswerte Qualität vieler Multiplattform-Entwicklungen, beziehungsweise gesellten sich nicht genügend hochkarätige Exklusivtitel. Doch das ist jetzt vorbei.
Von 2008 als dem „Durchbruchsjahr“ der PS3 zu sprechen, wäre etwas zuviel des Guten, dennoch ist der Knoten im Verlauf des letzten Halbjahres laut und deutlich geplatzt – die blaustrahlende dicke Berta des Hardware-Riesen nimmt durch umfangreiche Funktionsupdates und immer bessere Exclusives (Motorstorm 2, LittleBigPlanet, Resistance die Zweite) endlich Fahrt auf. Das Jüngste der aktuellen Generation ist endlich keine „Ja, aber…“-Konsole mehr, sondern das volle Paket. Für dieses Jahr kündigen sich für die PS3 sogar deutlich mehr exklusive Hochkaräter an als für die beiden direkten Konkurrenten zusammen. Sechs davon haben es sich in unseren „Hot Ten“ des kommenden PS3-Jahres gemütlich gemacht. Einigen davon muss sogar nur noch der Scheitel gerade gezogen werden. Welche das sind? Mensch, lest doch einfach weiter!
God of War 3
Viel weiß man noch nicht, vom neuen God of War. Aber wenn David Jaffe sagt, es sähe besser aus als Hugh Jackman (eurogamer.de), dann bin ich geneigt, ihm das zu glauben. Was ich allerdings nicht mehr hören kann ist, wenn jemand sagt, „Spiel XY sieht aus wie ein „CGI“ ( eurogamer.net !). Zum einen, weil „CGI“ lediglich die zungenfreundlichere (und englische) Kurzform von „computergenerierte Bilder“ ist, welche ja heutzutage in den besten Videospielfamilien vorkommen sollen. Was mich aber richtig fertig macht, ist, dass dieser Vergleich so alt ist wie die erste CGI-Zwischensequenz. Und trotzdem fallen immer wieder nicht nur Fanboys mit Schaum vor der Chips-Luke darauf herein.
The Hype-Train is coming. Aber andererseits: Welches Spiel, wenn nicht God of War 3, hätte es verdient, den Zugführer zu geben? Anscheinend ist es Sony Santa Monica sogar ernst, die Reihe mit dem dritten Teil ein für alle Male abzuschließen. Wenn sie das hinbekommen, ohne die Marke anschließend doch noch durch die Hintertür des Sony-Stalles zu melken, gebührt ihnen mindestens genauso viel Respekt, wie sie damit ihrem Baby beweisen.
Rein spielerisch darf man von Kratos finalem Schlag gegen die Olympianer wohl erneut eine Aneinanderreihung von elegant-rabiaten Schlachtenballaden und Szenario-Superlativen erwarten, die kein anderer Entwickler mit soviel Fingerspitzengefühl inszeniert. In Santa Monica weiß man genau, wieviel Coolness und Zynismus Kratos gut tun und wann man besser die Notbremse zieht, um nicht zum Klischee seiner selbst zu verkommen. Wobei, die Löwenhandschuhe aus der Spike-TV-Trailerpremiere sahen für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr nach Power Rangers aus.
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Alle Welt freut sich auf Herbst – nur Hugh nicht.
Bilder, Videos und Infos zu God of War 3 (eurogamer.de)
Killzone 2
Das erste Killzone war kein wirklich gutes Spiel. Es war zäh, vorhersehbar und sterbenslangweilig und bestenfalls vom Designstandpunkt her interessant. Wer auch immer dem ersten Sony-Exclusive der niederländischen Guerrilla Studios den „Halo-Killer“-Sticker aufgeklebt hatte, hat sich anschließend hoffentlich ordentlich geschämt. Der erste Einsatz gegen die Helghast ließ zu keinem Zeitpunkt eine Dynamik aufkommen, die auch nur im Entferntesten an den Master Chief erinnerte.
Zum Glück hat Sony auf der letzten Games Convention die Gelegenheit bei ihren staubigen Schulterpolstern gepackt und den Spielern das neue Killzone in die Hände gegeben. Denn jetzt weiß jeder: Guerilla mag den ersten Angriff auf Microsofts heilige Shooter-Kuh verloren haben, ist aber noch lange nicht geschlagen.
Die mehreren Zehntausend, die in Leipzig lange genug anstanden, um sich vor den Helghast in den Dreck zu schmeißen, waren urplötzlich wieder so gehyped wie nach dem ersten, mittlerweile so verschrieenen Target Render. Denn Killzone 2 ist ein Schritt nach vorne. Nicht was Spielprinzip und Ablauf angeht, aber in Sachen Lebendigkeit, Effekten und Handling macht man hier nach jahrelangem schleichenden Fortschritt endlich mal wieder in einem ganzen Satz.
Bisher haben uns Shooter gezeigt, wie es aussieht, wenn man in zerklüfteten Schlachtfeldern von einer Deckung zur nächsten hechtet. Doch mit Fotorealismus alleine ist es nicht mehr getan. Die Guerilla-Studios wissen das. Vermutlich vermittelt das zweite Killzone genau deshalb viel lieber einen gefühlsechten Eindruck des Kampfes.
Hier wird ein virtuelles Körpergefühl erzeugt; durch die Art, wie das Sichtfeld auf die Bewegungen und Aktionen des Couch-Soldaten reagiert, durch die dicken Stiefel und die Trägheit, die so ein schwerer Brustpanzer mit sich bringt. Das Drama wird nicht länger platt vor dem Spieler ausgerollt, sondern um ihn herum gewickelt. Und exakt diese Sache hat Killzone 2 seinem ersten Hochglanz-Trailer voraus. Der sollte spätestens jetzt wirklich niemanden mehr interessieren.
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Den Weltraum-Faschisten könnt Ihr schon im nächsten Monat zeigen, was Ihr von ihnen haltet.
Bilder, Videos und Vorschau zu Killzone 2 (eurogamer.de)
EyePet
Seit es den Wii gibt, spricht niemand mehr von EyeToy, diesem ehemaligen absoluten Familienmagneten in Sachen Videospiele. In dem Zusammenhang wundert es fast ein bisschen, dass erst Mitte des letzten Jahres die Kampfansage kam. Ob das Timing gut oder daneben war, wird sich noch zeigen.
Klar ist jedenfalls, dass Sony ernst macht: Die alten EyeToy-Kunden sollen auch die Neuen werden, die PS3 will sich endlich als Konsole für Alle positionieren. Ob das gelingt, liegt freilich weniger an der Qualität des Spieles, was vermutlich auch Sonys Zögern erklärt. Die PS3 ist schließlich nach wie vor das teuerste Pferd im Rennen um die Käufergunst, und Nintendos Wii hat bei dieser Zielgruppe derzeit mindestens einen Stein im (Balance-)Brett.
Ungeachtet dessen, dass es die Evolution des EyeToy rein wirtschaftlich nicht allzu einfach haben dürfte, ist das Prinzip in jedem Fall zumindest interessant. Der erste EyePet-Trailer ( eurogamer.de)zeigt ein Fantasietierchen, irgendwo zwischen Chihuahua, Schimpanse und Monchichi, das im TV vor einer beängstigend glücklichen Familie (die Mutter scheint wohl gerade in der Küche zu sein) herumturnt und auf deren Aktionen reagiert.
Die Kamera erkennt sogar von Spielern gezeichnete Formen und Gegenstände (hier: ein Auto) und rendert diese dem kleinen Racker als Spielzeug in die Szenerie. Auch Wortkommandos und Gesten sollen verstanden werden. Lediglich die Morgenzeitung muss man auch nach 2009 noch selbst aus dem Briefschlitz fischen.
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Kommt es heut nicht, kommt es morgen. Aber sicher 2009.
Bilder, Videos und Infos zu EyePet (eurogamer.de)
InFamous
InFamous ist auf den ersten Blick eigentlich nicht die Sorte Spiel, die man ohne zu zögern in dieser Liste notieren würde. Mal wieder wird man mit Superkräften in eine offene Welt geworfen (siehe auch Vivendis Prototype und mal wieder gibt’s als Geschichte nichts als Superhelden-Einerlei.
Protagonist Cole ist ein collegeabbrechender Fahrradkurier und selbstredend auch noch Parkour-Ass – was sonst ? – und bekommt, nachdem er ein mysteriöses Paket abliefert hat, die Macht, Elektrizität zu manipulieren. Außerdem fliegt ihm natürlich noch die halbe Stadt um die Ohren. Viel Spaß im Ausnahmzustand!Wirklich interessant hingegen ist, dass InFamous von Sucker Punch entwickelt wird. Und die zeichnen ja bekanntlich für das exzellente Trio Sly Raccoon-Spiele und vor allem das böse unterschätzte Rocket: Robot on Wheels (N64) verantwortlich.
Wenn die Herren aus Bellevue, Washington also wunderbar fließende Fortbewegung über die Dächer der fiktiven Metropole versprechen und Superkräfte, mit denen man komplette Straßenzüge von innen nach außen kehren kann, auch noch ohne Schusswaffeneinsatz, dann stimmt das schon mal positiv.
Vor allem auch, weil sich die Passanten merken, ob Ihr über Leichen geht oder Schwerverletzte noch mit einem Elektroschock wiederbelebt. Dieses kollektive Gedächtnis ist etwas, das selbst Rockstars State-of-the-Art-Sandkasten noch abgeht. Hauptsache, die stete Suche nach der nächsten Ladung Saft nimmt Cole nicht den Schwung aus den Cargo-Hosen.
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Erstes Quartal 2009
Bilder, Videos und Infos zu InFamous (eurogamer.de)
Uncharted 2: Among Thieves
Nathan Drake wird vielseitiger: Im Nachfolger von Naughty Dogs 07er-Überraschungserfolg ist der Nachfahre des berühmten Freibeuters Sir Francis Drake den 13 verschollenen Dschunken des Marco Polo auf der Spur. Demzufolge darf man davon ausgehen, dass das Szenario irgendwo zwischen China und dem Vorderen Orient angesiedelt sein müsste, denn auf dieser Tour (mit der Endstation Venedig) hat der gute Marco seine Kähne auf nie ge- oder erklärte Weise „verloren“.
Naughty Dog hat zum Glück seine Hausaufgaben gemacht und scheint Euch beim zweiten Anlauf mehr Freiheiten in der Spielgestaltung geben zu wollen. Nicht nur in Sachen Szenarien, die deutlich lebendiger und nicht durchweg im Dschungel angesiedelt sein sollen, sondern auch von den Aufgaben her gestaltet sich die Expedition dieses Mal flexibler. So soll man auch einigen Gegnern leisen Fußes aus dem Weg gehen können und eine nicht näher bestimmte „Free Climbing-Mechanik“ – ohne die heutzutage anscheinend kein Spiel von Welt mehr auskommt – die Klettereien vermutlich ansprechender und fließender gestalten. Das etwas vorhersehbare „Shoot’n’Go“ des Vorgängers dürfte damit Geschichte sein. Vielleicht macht sich in 500 Jahren ja ein schneidiger Abenteurer auf die Suche danach.
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Nicht bekannt. Allerdings vermutlich nicht vor dem 3. Quartal
Bilder, Videos und Infos zu Uncharted 2: Among Thieves (eurogamer.de)
Heavy Rain
Auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: Das Genre der Adventures ist Mitte der 90er Jahre nicht ohne Grund zum Sterben unter die Veranda gekrochen. Es war nicht einmal, weil Lucas Arts plötzlich beschlossen hatte, keine guten Spiele mehr zu machen (das hatten sie ohne Zweifel) oder weil die Kids nur noch 3D-Shooter spielen wollten, sondern weil das Adventure aufgehört hatte Abenteuer zu sein.
Es blickte nicht nach vorn ins Ungewisse, sondern stets zurück auf das Bekannte und Bewährte und trat damit vor allem spielerisch auf der Stelle, wurde vorherseh- und ausrechenbar. Die Spiele wollten die Klassiker nicht mehr übertreffen, sie wollten nur noch annähernd genauso gut sein. All die Jahre, in denen sich diese Spielart so gut wie gar nicht weiterentwickelt hat (und nein, höher aufgelöste Spielfiguren und Interface-Verschlankungen zählen nicht!), könnte Heavy Rain nun mit nur einer einzigen Veröffentlichung (zwei, wenn man den indirekten Vorgänger Fahrenheit mitzählt) aufholen. Denn das neue Werk von Quantic Dreams ist nichts anderes als eine charakterbetonte, interaktive Geschichte. Im Jahr 2009 bewegt man sich aber direkter und freier durch seine Szenarien. Heavy Rain erleichtert den Spieler um das starre Steuerungs-Korsett und legt ihm stattdessen die Geschichte in die Hand.
Er soll sich nicht länger auf der Pirsch nach pixelgroßen Hotspots mit der Lupe durch starre Gemälde klicken, sondern mit den Szenarien interagieren, die Geschichte selbst entdecken und sie dabei biegen und verändern. Alleine deshalb ist Heavy Rain der vielleicht spannendste Release dieses Jahr – Und außerdem ist immer noch nicht geklärt, wie in aller Welt es möglich sein soll, dass das Spiel nach dem Tod des Hauptcharakters weitergeht.
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Wenn alles gut geht, dieses Jahr.
Bilder, Videos und Vorschau zu Heavy Rain. ( eurogamer.de)
Fight Night Round 4
Vor fast zwei Jahren hat EA mit Fight Night Round 3 den Grundstein für die beste aller Box-Simulationen gelegt, ohne das Spiel allerdings wirklich zuende zu denken. Denn KI, Spielablauf und vor allem Fehler waren immer noch die selben wie in den beiden direkten PS2- und Xbox-Vorgängern. Was helfen nahezu fotorealistische Grafik oder lebensnahe, logische Steuerung, wenn die Fights nach wie vor unglaublich statisch und gleichförmig ablaufen?
Die Intelligenz der künstlichen Widersacher im Karrieremodus war einfach ziemlich daneben: Selbst chancenloseste Hinterhof-Rockys warfen sich bis zu einem guten, halben Dutzend Mal in unsere schmatzenden Knockdowns, nur um direkt danach wieder aufzustehen – als hätten sie noch eine Chance. Das Spiel hatte zwar den Loook, aber nicht die Dramaturgie eines echten Boxkampfes.
Für den vierten Teil will ich mehr Realismus, Gegner, die aufgeben, wenn es nichts zu gewinnen gibt sowie deutlich erkennbarere Wirkungstreffer. Ich will flinkere Kämpfer und dass das Spiel wendigen In-Fightern endlich Mittel und Wege gibt, Boxer mit Reichweitenvorteilen zumindest ansatzweise Paroli bieten zu können. Ich will Ringrichter, die endlich mal eingreifen und einen Bout abbrechen, wenn er zu einem Gemetzel auszuarten droht. Ich bin recht zuverlässig, dass der eine oder andere Punkt von meiner Wunschliste in Erfüllung gehen wird, jetzt da die Lizenz von EA Chicago zu EA Canada gewandert ist. Einen Wunsch haben sie mir immerhin schon von den Augen abgelesen: Mike Tyson wird das erste Mal seit seinem ureigenen Punch-Out! in einem Spiel mitmischen.
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Fight Night Round 4 trainiert schon jetzt, um dem Sommerloch ordentlich eins auf die Mappe zu geben.
Bilder, Videos und Fakten zu Fight Night Round 4. ( eurogamer.de)
I Am Alive
Die Franzosen haben anscheinend einen Faible dafür, amerikanische Großstädte zu zerlegen. Im letzten Jahr wurde New York City im brillanten, aber schwer fehlerhaften Alone in the Dark zum Spielball von Eden Games. Dieses Jahr nehmen sich die Pariser von Darkworks - die mit The New Nightmare übrigens ebenfalls ein Alone in he Dark-Titel auf dem Kerbholz haben -, Chicago vor.
In I Am Alive überlebt Ihr in Schlips und Kragen des Bankers Adam Collins ein Jahrhundert-Erdbeben und sucht in den Überresten der Metropole nach Eurer Freundin. Das gestaltet sich alles andere als einfach, denn Chicago gleicht nach dem großen Wackeln einer Lego-Stadt, die man in einen Wäschetrocker gesteckt hat. Aus der Ego-Perspektive erkundet Ihr, was Mutter Erde stehen gelassen hat, befreit unterwegs andere Überlebende und durchforstet die Trümmer der Zivilisation nach hilfreichen Werkzeugen. Die akute Wasserknappheit macht nicht nur Eurer Physis zu schaffen, sondern hetzt auch Fremde gegeneinander auf. Wer seinen Evian-Vorrat vor Verdurstenden Schlipsträgern schützen will, darf mit einer Schrotflinte (mit Gummigeschossen) vor der Nase seiner Angreifer rumfuchteln. Die muss sogar nicht einmal geladen sein, die vorsichtigeren der Gegner lassen sich also auch durch einen Bluff beeindrucken.
Das klingt alles schon einmal ziemlich interessant und unverbraucht. Hoffen wir, dass die Parallelen zu Alone in the Dark bei den mutigen Innovationen und dem potenten Setting enden. Man muss ja nicht auch die verquere Steuerung und die nur halb erzählte Geschichte übernehmen.
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Nach allem, was man so hört: Mitte des Jahres!
Bilder, Videos und Infos zu I Am Alive. ( eurogamer.de)
Resident Evil 5
Die Videospiele haben Afrika als Setting entdeckt. Und ganz abgesehen von der Debatte, ob Resident Evil 5 nun rassistische Bildsprache nutzt oder nicht: Natürlich ist es schade, dass vom Videospielafrika meistens nur Gefahren, Gesetzlosigkeit und Ausnahmezustände hängen bleiben.
Sicher, hier werden auch nur die Tagesthemen vor einen Zerrspiegel gestellt, in den der Spieler dann hineinballert, aber solange man von den Videospielen noch keinen ernsthaften Kommentar zum Thema erwarten kann (sofern man den überhaupt will), bleibt für viele Menschen eben doch ein bitterer Beigeschmack. Resident Evil 5 hat dagegen eine Chance, die zum Beispiel Far Cry 2 erst gar nicht hatte. Capcoms Vorzeige-Horror ist – und dessen ist man sich als Spieler jederzeit bewusst – in erster Linie eine knallige Monsterklamotte.
Es will einen schrägen Schocker erzählen, Spaß und Angst machen und wählt sein Setting unter Garantie eher nach optischen und atmosphärischen Gesichtspunkten aus. Von RE4 sind ja auch eher der gigantische Troll hängengeblieben, das riesige Ding im See oder der blinde Kettenhund im Folterkeller. Folglich kann man diesem Spiel nur wenig übel nehmen, außer vielleicht, dass es nach dem geglückten Revival ein bisschen zu sehr auf Nummer sicher geht. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Chris Redfield, übernehmen Sie!
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: 13. März 2009
Bilder, Videos und Vorschau zu Resident Evil 5 (eurogamer.de)
Brütal Legend
Tim Schafers Jüngstes hat mit EA endlich ein finanziell potentes Zuhause gefunden. Ob das bedeutet, dass Double Fines Tage nach einem (durchaus möglichen) wirtschaftlichen Misserfolg gezählt sind? Hoffentlich nicht. Andererseits: So kommt man auch zu seinem Legenden-Status. Schließlich schreit nichts so sehr "KULT!!" wie eine Band, die ein, zwei geniale, aber erfolglose Alben rausbringt und sich dann auflöst.
Aber ganz im Ernst: Um diese Truppe wäre es extrem schade, denn wer nach einem so eigenständigen und liebenswerten Titel wie Psychonauts ein vollkommen anderes, aber genauso eigenständiges und liebenswertes Spiel auf die Beine stellt (oder zumindest in hoffnungsvolle Aussicht stellt), dem wünscht man natürlich nur das Beste. Und das sind Millionen von Dollar und reihenweise Groupies.
Trotz allen Publisher-Hick-Hacks geht es in Brütal Legend weiterhin um den Roadie Eddie Riggs (Jack Black), der in den "Dark Days of Heavy Metal" eine Dämonenplage mit Axt und Gitarre bekämpft. Die Welt des Rock ist mehr oder weniger frei begeh- und befahrbar und wird von prominenten Metal-Größen wie Dio, Wylde und Halford klanglich unterstützt. Klingt abgefahren und ist es auch. Wie Eddie sagen würde: Kinda sexy. In a weird way! Ich bin jedenfalls schon jetzt sicher, dass Brütal Legend zum Jahresende hin in reihenweise Lieblingslisten auftauchen wird.
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Herbst 2009
Bilder, Videos und Vorschau zu Brütal Legend. (eurogamer.de)
Und außerdem…
… wollte ich White Knight Story die Peinlichkeit ersparen, zum dritten Mal in Folge in unserer Jahresvorschau aufzutauchen. Die erste Wertung aus Fernost, wo das Spiel am ersten Weihnachtsfeiertag erschien, lasen sich aber auch ziemlich ernüchternd: Die japanische Videospiele-Bibel Famitsu Weekly hat Sonys Rollenspiel-Hoffnung mit unritterlichen 29 von 40 Punkten zum Schämen in die Ecke geschickt. Um das Ganze einmal in Relation zu setzen: Square-Enix wenig fabelhafte Fantasy-Fehlzündung The Last Remnant konnte satte 38 von 40 Zählern mit nach Hause nehmen, welches uns bekanntlich 6/10 Punkte wert war. Und weil ich so gut im Dreisatz bin, weiß ich, dass White Knight Story anhand dieser Werte bei uns auf ~ 4,58 Punkte kommen muss, die aufgrund unseres Zehnersystems unglücklicherweise abgerundet werden. Ein Hoch auf die Mathematik!
Ob Final Fantasy XIII und Final Fantasy Versus XIII ein ähnliches Schicksal ereilen, lässt sich bislang noch nicht abschätzen. Relativ sicher bin ich mir allerdings, dass ersteres auf der PS3 genauso viel Spaß machen wird wie auf der 360. Warum also die Weinerei? In 2009 hat man aber vermutlich nur etwas davon, wenn man Japanisch versteht. Mit einem englischsprachigen oder gar deutschen Release ist erst nächstes Jahr zu rechnen.
Gran Turismo 5 hätte ebenfalls einen Platz in dieser Liste verdient, aber da gibt es extrem wenig Neues zu erzählen und der Release ist mit „2010 oder früher“ ebenfalls alles andere als optimistisch terminiert. Aber da wisst Ihr ja ohnehin schon, worum es geht.
In Sachen viel versprechender Multiplattformtitel sei noch verraten, dass die Dänen von IO Interactive natürlich immer noch ein neues Hitman in der Mache haben und auch darüberhinaus alles andere als untätig sind (mehr dazu in Bälde), was mich nach dem grandiosen Blood Money wirklich freut.
Capcoms neues Bionic Commando sieht nach wie vor gleichbleibend exzellent aus und erscheint sogar noch in diesem Quartal.
Ebenfalls ein Frühjahrskind wird The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena. Wer damals das kurze, aber intensive Escape from Butcher Bay verpasst hat, hat schon bald die Gelegenheit, das Abenteuer in einer schöneren und längeren Variante nachzuholen. Hier stehen die Zeichen wirklich sehr auf Sieg, denn auch Fans von EfBB dürften einen extremen Schnappreflex an den Tag legen, wenn das Teil erstmal vor ihnen im Ladenregal steht.
Ob Bioshock 2 die Fans des Erstlings auch ohne Steuermann Ken Levine ebenso gut zu packen und intelligent zu unterhalten weiß, wird man hingegen noch abwarten müssen. Nach der PS3-Umsetzung des Seriendebüts sollte 2K Marin das Universum jedenfalls in- und auswendig kennen. Ob sie es auch in neue und interessante Bahnen lenken können oder ihr Geld auf die tolle Prämisse des Vorgängers setzen, stellt sich definitiv erst im hinteren Jahresviertel heraus.
Zwei weitere „Einträge wider das Sommerloch sind“ Aliens: Colonial Marines und den Ghostbusters, die beide noch in der ersten Jahreshälfte kommen sollen. Die Giger-Monster sogar schon im ersten Quartal. Damit feiern gleich zwei Achtziger-Leinwand-Ikonen ein interaktives Comeback, denen man nach einer holprigen Frühphase nichts als Erfolg wünschen mag. Vielleicht kommen dann beide ja sogar noch einmal mit anständigen Filmen in die Kinos. Im Falle der Aliens bleibt das aber wohl ein Wunschtraum.
Zu guter Letzt sollte man auch das neue Silent Hill: Homecoming nicht vergessen, das nach seinem kürzlich erfolgten US-Release auch hierzulande in den Startlöchern steht. Für Yamaoka-Fans wohl ein Februar-Blindkauf, auch wenn sie im Grunde jetzt schon wissen, dass es eigentlich nur enttäuschen kann – egal wie gut es letztendlich wirklich ist.
Freut Euch ab jetzt aber vor allem über all die tollen Spiele, die so mir nichts, dir nichts um die Ecke kommen und anfangen, Eure Freizeit zu fressen, ohne dass Ihr sie auf dem Zettel gehabt hättet. Die Braids, World of Goos und Multiwinias, denn die gibt es jedes Jahr aufs Neue. Lasst sie rein, kümmert Euch gut um sie und stellt ihnen ab und zu ein Schälchen Milch hin.








