Gesamtwertung8/10 |
Ein Meteoritenhagel prasselt auf die Menschheit nieder, der aufsteigende Staub verdeckt den Himmel, die Sonne kann ihn nicht durchdringen. Feuer, Erdbeben und Tsunamis verwüsten den Planeten, neunzig Prozent der Bevölkerung sterben. Und die wenigen Verbliebenen halten nicht etwa zusammen, sondern bekämpfen einander, vernichten weiteres, kostbares Leben. Die Apokalypse - wenn sie das nicht war, dann muss sie unmittelbar bevorstehen.
Ist das noch Advance Wars? Ein Dialog sagt mehr als tausend meiner Worte:
"Kommandeur! Nachricht von der Nachhut! Sie wurden von den Plünderern angegriffen!"
"WAS...!?! Das gibt's doch nicht. Wo kommen die denn plötzlich her?"
"Unbegreiflich. Das Radar hat nichts angezeigt..."
"Mist! Los!"
Das ist noch Advance Wars.
Es ist allerdings leicht, sich von Dark Conflict täuschen zu lassen, weil es so anders aussieht als seine Vorgänger. So grau, so braun, so düster. Weil die Thematik, die Zerstörung allen Lebens, die Weltuntergangsstimmung überhaupt nicht zu dem passt, was man von der langlebigen Reihe gewohnt ist. Ja, in der Vergangenheit wurde genauso getötet, die Szenarien waren nie harmlos. Doch es hatte immer mehr etwas von einem Army Men, von kriegsspielenden Kindern denn von einem realen, brutalen Konflikt.
Sobald aber die Charaktere zu reden beginnen, sie sich wie jugendliche Soap-Darsteller ausdrücken und auch so verhalten, kommt das wahre Spiel zu Tage. Es ist, als habe man dem guten, alten Advance Wars einen anderen Anstrich verpasst, es in neue Kleider gesteckt, die ihm nicht so recht passen wollen, die Person darunter aber unberührt gelassen.
Ein Eindruck, der sich auf dem Schlachtfeld fortsetzt. Dort stehen sich zwei bis vier Armeen gegenüber, von Kommandeuren mit unterschiedlichen Fähigkeiten geführt. Rundenweise zieht Ihr Eure Einheiten über die Karte, erobert Städte und Fabriken, errichtet zusätzliche Stützpunkte, rekrutiert Truppen und besiegt Eure Gegner schließlich vor allem mit Hilfe der richtigen Taktik.
Veränderungen gibt es insbesondere im Detail: Dass eine Einheit mit jedem besiegten Gegner an Erfahrung gewinnt und an Stärke zunimmt, ist so eine. Dass die Truppentransporter so genannte Mini-Häfen und Mini-Flughäfen bauen können, eine weitere. Die versorgen Schiffe und Flieger mit frischem Treibstoff und Munition, was das lästige "Zurück zur Basis und Nachschub holen!" ein wenig entschärft. Darüber hinaus erwarten Euch ein paar neue Truppentypen, die im Wesentlichen jedoch nur Erweiterungen bereits bekannter Kriegsmittel darstellen - die Walze als übermächtiger Panzer etwa.
Auffälliger als die Neuerungen ist interessanterweise aber das, was Entwickler Intelligent Systems im Vergleich zum letzten Teil gestrichen hat. Dazu zählen die ohnehin umstrittenen Superkräfte der Kommandeure, die eine Partie von der einen auf die andere Sekunde drehen konnten. In Dual Strike ließen sich ja sogar die Fähigkeiten von zwei Anführern vereinen, was für etliche frustrierende Momente sorgte.
Insofern ist es zu begrüßen, dass die Kommandeure in Dark Conflict keine wirklich entscheidende Rolle mehr spielen. Statt als gottgleiches Wesen von oben die Geschicke zu lenken, betreten sie hier nämlich direkt das Schlachtfeld und können gegen einen gewissen Preis mit einer Einheit verschmelzen. Die erfährt daraufhin einen kleinen Bonus, der sich zwar auch auf Truppen in der Umgebung auswirkt, den Ausgang eines Gefechts aber bestenfalls beeinflusst und keinesfalls wendet.
Weitaus weniger nachvollziehbar ist hingegen der Verzicht auf die spannenden Schlachten, die sich im Vorgänger auf zwei Bildschirmen parallel abspielten. Dieses Mal müsst Ihr Euch wieder mit einem einzigen Schauplatz begnügen, der auf dem Touchscreen des DS zu sehen ist. Der obere Bildschirm findet lediglich für eine Übersichtskarte sowie allgemeine Informationen Verwendung. Schade nicht zuletzt, da das Spiel sowieso kaum Gebrauch von den speziellen Features des Handhelds macht und die Steuerung mit Kreuz und Buttons komfortabler als mit dem Stylus ist.
Gleichermaßen entfernt wurde der War Room, in dem Euch besondere Herausforderungen erwarteten. Im Gegenzug ist die Kampagne mit 26 Story-Einsätzen und zahlreichen Bonus-Missionen recht umfangreich, zumal freie Gefechte auf über 150 Maps (darunter Klassiker aus NES- und SNES-Zeiten) ganz nach Euren Vorstellungen natürlich möglich sind.
Diese riesige Map-Anzahl kommt übrigens ebenfalls im Multiplayerpart zum Einsatz, der zugleich das mit Abstand wichtigste neue Feature von Dark Conflict in sich birgt: Online-Unterstützung.
Über das Internet dürft Ihr - wahlweise per Friends-Code oder nach dem Zufallsprinzip - gegen einen anderen Handheld-Kommandeur antreten, wenn auch mit leicht limitierten Optionen. Deutlichste Einschränkung ist, dass Ihr online nur gegen einen weiteren Spieler kämpft, während im Netzwerk bis zu vier Teilnehmer erlaubt sind.
Dass es den Entwicklern dennoch ernst mit der Online-Unterstützung war, merkt man daran, dass die nicht bei simplen Multiplayerpart-Duellen aufhört. Ihr könnt per Map-Editor erstellte Schlachtfelder für andere Spieler zum Download bereit stellen, logischerweise ebenso neue Karte herunterladen und selbst ausprobieren. Ein Bewertungssystem verrät Euch dabei, ob eine Map einen näheren Blick wert ist oder nicht.
Alles in allem also eine sehr gelungene Erweiterung, obwohl durchaus Verbesserungspotential besteht - sofern der DS das zulässt. Ärgerlich ist allenfalls, dass Ihr bereits jetzt in Onlinepartien relativ häufig auf Cheater trefft. Das Spielen per Friends-Code gegen hoffentlich ehrlichere Strategen ist deshalb vorzuziehen.
Irgendwas vergessen? Eigentlich nicht. Die Grafik gleicht abgesehen von der frischen Farbpalette rein qualitativ ungefähr der des letzten Teils, soll heißen: Sie ist ganz ordentlich. Der Sound auf der anderen Seite ist zum Abschalten, die Story zum Wegklicken. Aber selbst das ist nichts Neues und weil es kaum stört, kann man es dem Spiel kaum vorwerfen.
Wenn man ihm etwas vorwerfen kann, dann ist das schlichtweg ein Mangel an echtem Fortschritt. Habt Ihr irgendein Advance Wars in den letzten Jahren gespielt, ob nun auf GBA oder DS, wisst Ihr genau, was Euch erwartet. Ein paar Einheiten, die nicht nur neu aussehen, sondern tatsächlich neu sind, oder ein, zwei experimentelle Missionen - das wäre ja schon einmal was. Vielleicht im nächsten Teil...
Dennoch ist Dark Conflict ein großartiger, faszinierender, fesselnder Titel. Nein, Ihr werdet beim Spielen vermutlich nicht mehr diesen Aha-Effekt erleben, nur selten ins Staunen kommen. Aber dafür werdet Ihr das wunderbar ausbalancierte Gameplay umso mehr genießen, umso härter über die richtige Taktik nachgrübeln. Denn das Ziel ist es immer, die perfekte, die saubere Schlacht zu führen. Ohne vermeidbare Verluste, ohne schlechte Züge, ohne falsche Entscheidungen. Das ist es, was Advance Wars von jeher ausgemacht hat, und das ist es auch, was Dark Conflict ausmacht.
Am Besten sagt man es daher vielleicht so: Kennt Ihr die Vorgänger, werdet Ihr Euch in den jüngsten Teil nicht neu verlieben. Aber Ihr werdet wieder spüren, warum Ihr Euch ursprünglich in diese Reihe verliebt habt. Und das kann doch fast genauso schön sein.
Advance Wars: Dark Conflict im Test.
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.