Conflict: Denied Ops

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Eidos
Entwickler
Pivotal Games
Genre
Shooter
X360: Conflict: Denied Ops

X360: Conflict: Denied Ops

Die Conflict-Serie ist eine alte, etwas abgestandene Shooter-Franchise, die sich so ziemlich bei jedem Konkurrenzprodukt der letzten zehn Jahre bedient hat. Mit oft schwankender Qualität und mit dem Nachgeschmack einer B-Produktion, gelang es bisher keiner Episode, einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung der Videospiele zu leisten. Alles hat man schon einmal irgendwo gesehen, gehört oder gespielt. Charaktere wie Abziehfiguren, dröge Szenarien und schwache Geschichten sorgten trotz solidem Gameplay immer wieder für Bauchschmerzen.

Die einzige, eher geschmacklose Errungenschaft der Serie, war die Premiere der 'Operation Desert Storm' als Schauplatz. Trotzdem verkaufte sich die Conflict-Reihe gut genug, um auf inzwischen fünf Teile und nun auf einen echten 'Next Gen'-Nachfolger zu kommen. Mit Denied Ops soll alles anders und die Herzen der Shooter-Spieler mit allerlei innovativen Elementen im Sturm erobert werden. Koop-Modus, modernste Grafik, witzige Dialoge und richtige Charaktere sollen den Titel von der Ebene der Mittelmäßigkeit in den Olymp der Highclass-Shooter befördern.

Dazu haben die Entwickler zum Teil recht dreist eine Art 'Best of' aktueller Produktionen zusammengestellt. Vor allem Army of Two stand bei vielen Elementen Pate – und das kommt dank der vielen Verschiebungen trotzdem später. Conflict: Denied Ops wurde ähnlich wie die Konkurrenz aus dem Hause EA von vorne herein als Koop-Shooter ausgelegt und besitzt ebenso zwei 'starke' Charaktere.

Die beiden Hauptdarsteller Graves und Lang verfügen über ein komplett unterschiedliches Waffenarsenal, was zumindest theoretisch einen ständigen Charakterwechsel notwendig macht. Graves ist der Scharfschütze im Team und für Sprengstoffe zuständig. Leider besitzt er keine vernünftige Nahkampfwaffe und ist gerade gegen größere Gegnerhorden recht hilflos.

Lang dagegen ist mit einem mächtigen Maschinengewehr ausgestattet und hat sich zusätzlich einen Raketenwerfer auf den Rücken geschnallt. Er mäht sich ohne Probleme durch Dutzende Gegner, holt Hubschrauber vom Himmel und erledigt Panzer mit wenigen Schüssen. Wird die Entfernung aber zu groß, muss er sich komplett auf Graves verlassen, da seine Waffe gegen Scharfschützen kein Land sieht.

Die beiden Spezialisten gehören zu einem amerikanischen Spezialteam, das komplett ohne Mandat agiert. Die meiste Zeit bewegen sich die beiden Rauhbeine allein durch die Gegend, nur selten bekommen sie Hilfe von anderen Fahrzeugen oder Hubschraubern. Die eigentlichen Missionen sind dabei recht dürftig von der Konkurrenz zusammen geklaut und stammen, wie die Szenarien, aus dem Baukasten für Militär-Shooter. Ob Kenia, Südamerika, Ruanda und der Nahe Osten, alles schon zehn mal durchgekaut und als ungenießbar wieder ausgespuckt.

Ähnlich generisch fällt auch die Grafik aus: Nette Effekte und gelungene Texturen stehen einem todlangweiligem Design und - zumindest auf dem PC - viel zu hohen Hardwareanforderungen gegenüber. Die Technik alleine ist nicht viel schlechter als bei der Konkurrenz, aber durch das schwache Design und die dezente Polygon-Armut verkommt der Titel optisch zu einem 08/15-Produkt. Es gibt zwar auch ein paar nette Regionen, aber gerade in den Wüstengebieten wirkt das Spiel wie aus der letzten Generation.

Auch der löbliche Koop-Ansatz wurde nicht konsequent umgesetzt. Man lässt bei Conflict: Denied Ops zumindest im Einzelspielermodus seinen Partner meistens im Hintergrund stehen. Dies liegt zum einen an der beschränkten KI, zum anderen an den eher dürftigen Befehlsmöglichkeiten. Es genügt zwar ein Knopfdruck, um Euren Partner an eine spezielle Stelle zu schicken, doch einen simplen Folgen-Befehl sucht Ihr vergeblich. Allein zum Wiederbeleben und für die Fahrzeuge braucht Ihr wirklich beide Söldner. Ob Panzer, Luftkissenboot oder Truppentransporter, ohne Euren Kollegen müsst Ihr leider zu Fuß gehen.

Immerhin haben die Entwickler versucht, durch das Leveldesign einen Wechsel zu erzwingen. Weitläufige Areale und enge Gebäude wechseln sich ständig ab und bei einigen Missionen müsst Ihr am Ende Gegnerwelle um Gegnerwelle überleben. Dabei werdet Ihr von Hubschraubern, Panzern und Scharfschützen ins Visier genommen und nur durch gute Teamarbeit oder den geschickten Wechsel könnt Ihr diese Abschnitte gewinnen.

Die eigentlichen Aufgaben sind indes Standardware. Abgestürzte Helikopter-Crews retten, geheime Daten beschaffen oder einen Bösewicht ausschalten, locken wirklich niemand mehr hinter dem Ofen hervor. Gerade wenn diese Einheitsware so mäßig präsentiert wird, verwandelt sich Spannung schnell in Langeweile. Lediglich eine der Missionen, in der Ihr einen Geschäftsmann bis zu seinem Computer-Terminal verfolgen müsst, bleibt in Erinnerung. Das lustige Katz und Maus-Spiel mit den Bewachern macht wirklich Spaß, der Rest dagegen weniger.

Nach jeder Mission bekommen Eure Kämpfer neue Gimmicks, um ihre Standardwaffen aufzupeppen. Granatenwerferaufsatz, Zielkamera oder Spezialgranaten sind zwar nette Updates, ersetzen aber keine gut sortierte Waffenauswahl. Nahezu die gesamten acht bis zehn Stunden Spieldauer schleppt Ihr Euch mit den zwei Standardwaffen durch die Szenarien und müsst mit allerlei Macken leben.

Das Scharfschützengewehr sieht zum Beispiel wie ein Sturmgewehr aus, besitzt aber eine Schussfrequenz, die an einen Vorderlader erinnert. Wirklich katastrophal ist das Waffen- und Treffer-Feedback: Die Gegner reagieren nur manchmal auf eine Kugel. Außerdem benötigt Ihr mit dem Scharfschützengewehr satte vier Körpertreffer, um einen Gegner auszuschalten. Kleiner Tipp für die Entwickler: Wenn Ihr nur zwei Waffen einbaut, dann sollten diese aber auch richtig Spaß machen!

Nach so viel Gejammer kommen wir zum Koop-Modus, der den einzigen Höhepunkt des Spiels darstellt. Auch wenn das Gameplay nur selten ein gemeinsames Vorgehen verlangt, sorgt ein menschlicher Mitspieler für eine gehörige Motivationspritze. Das Absprechen erfordert zwar gerade in der PC-Fassung etwas Improvisationstalent, ist aber deutlich spannender als das nervige Herumscheuchen der Künstlichen Intelligenz. Speziell auf den höheren Schwierigkeitsgraden gewinnt der Titel so eine Eigendynamik, die Euch zumindest für eine kurze Zeit die ganzen Unzulänglichkeiten wieder vergessen lässt.

Alternativ gibt es natürlich auch die obligatorischen Mehrspieler-Modi, wie Deathmatch, Team Deathmatch und Eroberung. Diese sind aber genau wie die Karten gerade mal durchschnittliche Kost. Angesichts der starken Mehrspieler-Konkurrenz werden nur wirklich verzweifelte Online-Spieler hier eine Partie wagen. Beim nächsten Mal lieber weglassen und auf das Gameplay konzentrieren.

Von wegen Neuanfang: Der Titel zeigt all die Schwächen, die schon die Vorgänger zur Durchschnittsware machten. Die Charaktere sind langweilig, die Dialoge spaßbefreit und das eigentliche Gameplay komplett austauschbar. Dem Titel gelingt es zu keinem Zeitpunkt, den Spieler zu überraschen und zu begeistern. Ausschließlich im Koop-Modus will so etwas wie Spannung aufkommen. Besonders weil es auf dem PC hier ja kaum Vergleichbares gibt. Leider stehen die horrenden Hardwareanforderungen im Weg und sorgen bei Rechnern, die sonst Call of Duty 4 zum Laufen bringen, für eine gehörige Diashow.

Unterm Strich ist Conflict: Denied Ops also ein weiterer 08/15-Shooter, den man angesichts der starken Konkurrenz links liegen lassen sollte. Nur wer ständig mit einem Freund unterwegs ist und sich nicht an dem drögen Szenario stört, kann einen Blick riskieren. Die restlichen Koop-Fans sollten lieber auf Army of Two oder Rainbow Six: Vegas 2 warten. Die klingen zumindest auf dem Papier deutlich spannender und dürften am Ende auch wesentlich besser unterhalten.

Conflict: Denied Ops ist für Xbox 360, PS3 und PC erhältlich.

 

 

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