Gesamtwertung5/10 |
»Wat war denn so alles im dreizehnten Jahrhundert los? Na, Schnelle, Sie gucken so unmotiviert. Ha’m Se ne zündende Idee?« Die krächzende Stimme meines alten Geschichtslehrers verfolgt mich heute noch in meinen Alpträumen. Der Kerl war von altem Schrot und Korn und Gerüchten zufolge schon seit dem Ersten Weltkrieg Lehrer. Wer die Feuerzangenbowle mal gesehen hat, weiß, welchen Lehrertyp ich meine.
Ich weiß bis heute nicht, ob der Mensch es nur toll fand, diesen Typus verschrobenen Oberschrat… Entschuldigung… Oberrat zu spielen, oder ob er tatsächlich so drauf war. Auf jeden Fall hätte meine Antwort damals wie wohl auch heute gelautet: »Wahrscheinlich ging die Sonne im Osten auf und gegen Abend im Westen unter.« Das hätte mir zumindest ein paar unsichere Lacher meiner Klassenkameraden und unter Garantie eine fiese Standpauke vom Magister eingebracht.
Warum ich meine mangelnde Geschichtsbildung hier zum Besten gebe, hat den einfachen Grund, dass ich meine lasche Haltung von damals inzwischen tatsächlich bereue und ich in meiner Freizeit mittlerweile etliche Bücher zum Thema gelesen habe. Und, genau, ich habe viel Zeit mit den Spielen der Medieval-Reihe verbracht und selbst den Strategiemonstern von Paradox noch etwas abgewinnen können Um so mehr freute ich mich auf den Test von 13th Century: Death or Glory.
Schicke Schlachten mit zahlreichen Armeen, schmuck anzusehen. Das klang nach Spaß. Doch es sollte anders kommen und zeitweilig habe ich mir gewünscht, mein alter Geschichtslehrer könnte den russischen Entwicklern der Unicom Games Studios dieselbe Standpauke halten wie mir. Verdient hätten sie es.
Medieval-Freunde merket auf: 13th Century ist nichts für Euch. Das sage ich gleich zum Beginn dieses Testberichts. Dann kann hinterher keiner meckern, er hätte unter falschen Erwartungen seine Zeit verschwendet.
Vergleicht man beide Titel, ist das in etwa so, als würde man GTA allein auf die Missionen reduzieren, die Steuerung verschlechtern und das gesamte Drumherum weglassen. Eine Katastrophe? Genau. Denn in 13th Century absolviert man lediglich eine Schlacht nach der anderen. Dabei haben die Gefechte innerhalb derselben Kampagne nichts miteinander zu tun. Man kann weder Einheiten mitnehmen, noch sich sonstige Vorteile erarbeiten. Jede der insgesamt 30 Schlachten steht für sich selbst.
Um so mehr fragt man sich, warum nicht jede davon frei anwählbar ist. Lediglich vier Scharmützel kann man zu Beginn frei wählen, der Rest wird erst zugänglich, wenn man das jeweils vorhergehende Gefecht siegreich bestritten hat.
Einen richtigen Überbau haben sich Entwickler erspart. Es gibt keinerlei Diplomatie, Wirtschaft, Spionage und was sonst noch das Leben im ausgehenden Mittelalter spannend gemacht hätte. Genauso sind die Schlachten im Prinzip immer gleich. Stets stehen sich zwei Armeen gegenüber, Belagerungen oder geskriptete Ereignisse? Nicht gegeben.
Die Schlachten selbst sind allerdings sehr detailliert und auch liebevoll inszeniert. Ganz egal ob man mit den Engländern gegen William Wallace zu Felde zieht, den Deutschen Ritterorden zum Sieg über die Polen führt oder sich mit den Mongolen in die Schlacht gegen ungarische Vaterlandsverteidiger stürzt, stets kann man sich darauf verlassen, dass das Gelände sorgfältig und abwechslungsreich gestaltet wurde.
So gibt es natürlich Hügel und Täler, die sich auf die Kämpfe auswirken. Klar, dass Bogenschützen von oben herab weiter schießen. Wer seine Reiterei in einen Sumpf schickt, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Jungs darin nur langsam vorwärts kommen und vom Feind niedergemetzelt werden. Auch das Wetter beeinflusst die Kämpfe.
Noch viel wichtiger sind aber die Moral und Kondition der Kämpfer. Man sollte es tunlichst vermeiden, die Truppen kreuz und quer übers Schlachtfeld zu hetzen. Sonst hat man statt schneidiger Schwertkämpfer, nur einen atemlosen und deshalb kampfschwachen Haufen. Werden die Verluste zu groß, sinkt auch die Moral, was letztlich in heilloser Flucht enden kann. Dann ist der richtige Zeitpunkt, per Hornsignal den Kampfeswillen der eigenen Jungs wieder zu stärken.
Das A und O mittelalterlicher Schlachten sind die richtigen Formationen. Und genau in diesem Punkt schwächelt 13th Century ganz heftig. Man kann zwar die Reihen dichter oder weiter gefasst arrangieren und seine Jungs in der angriffsstarke Keilformation antreten lassen. Aber das Positionieren der Recken auf dem Schlachtfeld artet schnell zum Nervenkrieg aus. Grund: Die Steuerung ist viel zu grob, schon kleinste Mausbewegungen haben Formationsdrehungen von 90 Grad zur Folge.
Außerdem gibt es keinen Formationseditor, zu allem Überfluss ordnet die KI die Truppen oftmals sehr merkwürdig an. So habe ich schon eine halbe Stunde oder mehr damit verbracht, meine Leute so anzuordnen, dass die Pikeniere vorne stehen und die Reiterei weiter dahinter. Doch immer wieder schoben sich die dämlichen Ritter mit ihren Gäulen an der Seite vorbei in die erste Reihe, wo sie den anstürmenden Gegnern mit ihren Lanzen ungeschützt ausgeliefert waren.Immerhin kann man jederzeit Pausieren und neue Befehle erteilen, doch wer nicht permanent an allen Ecken und Fronten nachguckt, verliert dank dieser KI-Schwäche schnell eine Schlacht.
Ab und an scheinen ganze Trupps auch an Bäumen hängen zu bleiben, dann werden sie langsamer, gruppieren sich elendlang neu, bis sie sich endlich wieder ins Gefecht stürzen. Und einzelne Verbände ignorieren auch manche Kommandos schon mal komplett. Richtig fies wird es, wenn sich mehrere Trupps ineinander verkeilen. Man hat am unteren Bildrand zwar stets die Werte der eigenen Jungs im Blick, nur wie es dem Gegner gerade geht, kann man bestenfalls raten. Zudem fehlt ein Gesamtübersichtsbalken wie in Medieval, anhand dessen man exakt ablesen kann, wie die Gesamtschlacht steht.
Optisch bietet 13th Century recht durchwachsene Kost. Sämtliche Einheiten sind schön animiert und wirken dank original Wappen und Wimpeln auch sehr authentisch. Dazu kommt die sehr gut in Szene gesetzte Landschaft, die herrlich organisch anmutet. Die Menüs hingegen sind hässlich, wie dem Systemmenü eines DVD-Players entsprungen und in etwa auch so übersichtlich. Zudem sind die Symbole nicht sonderlich bezeichnend. Man braucht also eine ganze Weile, bis man kapiert, was wozu gut ist.
Ich weiß nicht, wer letztlich grünes Licht für die Entwicklung von 13th Century gegeben hat. Es muss aber jemand gewesen sein, der die Total War-Reihe überhaupt nicht kennt, die in diesem Genre seit Jahren den Maßstab definiert. Denn ohne Strategiespiel-Drumherum verliert das Konzept doch schnell einiges von seinem Flair und Anziehungskraft. Und wenn man schon »nur« Schlachten pur bietet, dann doch bitte ein wenig tiefgehender, als die letztlich doch sehr leicht vorhersagbaren Gefechte. Wer seine Reiterei ein wenig clever einsetzt und die gegnerischen Pikeniere mit seinen Bogenschützen erledigt, gewinnt so ziemlich jedes Gefecht. Außerdem wünsche ich mir deutlich mehr Übersicht, Stichwort: Schlachtenbalken.
Gerade jetzt, wo Medieval 2 samt Missions-CD schon zum Schnäppchenpreis zu haben ist, spricht eigentlich nichts für 13th Century. Die mäßige und unpräzise Steuerung gibt dem Spiel den Rest. Kleiner Tipp fürs nächste Mal: Unbedingt die Konkurrenz angucken und auf keinen Fall mit weniger an den Start gehen.
13th Century ist ab sofort im Handel erhältlich.
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