Gesamtwertung6/10 |
In der Filmparodie "Epic Movie" bekommen einige Kinoblockbuster so richtig ihr Fett weg, darunter auch „Piraten der Karibik“. Allen voran natürlich ein gewisser Jack Sparrow, der ob seines schwankenden Gangs in "Jack Swallows" umbenannt wird. Der Grund ist möglicherweise in der gelegentlich etwas übertriebenen Darstellung des Mimen Johnny Depp zu suchen.
Was das Ganze mit Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt zu tun hat, die als Videospielumsetzung auch den Weg auf die Xbox 360 gefunden hat? Nun ja, die Bewegungen des skurrilen Piratenkapitäns sind in dieser Fassung mindestens ebenso überzeichnet, wie in der Film-Persiflage. Das heißt natürlich noch lange nicht, dass es sich deshalb um ein schlechtes Spiel handeln muss. Ein gutes ist es allerdings auch nicht.
Anfangs ist man ohnehin erst einmal positiv überrascht: Die Kulisse macht einen mehr als guten Eindruck, denn sie weiß durch teilweise sehr gute Szenarien zu überzeugen. Allerdings wähnt man sich nach dem Schauen von Teil 3 der Piratensaga im falschen Film, ehm Spiel. Pirates of the Caribbean ist in seiner virtuellen Fassung nämlich eine kleine Mogelpackung und Ihr spielt in der ersten Hälfte mehr oder weniger die Ereignisse der zweiten Episode („Dead Man's Chest“) nach.
Wie es dazu kommen kann? Es liegt wohl schlicht und ergreifend daran, dass es zu diesem Film „unglaublicherweise“ gar kein Spiel gab. Wie auch immer - jedenfalls verbringt Ihr gut die Hälfte der Spielzeit (ca. 9 Stunden) damit, Davy Jones' Herz ausfindig zu machen und Euch unter den Nagel zu reißen. Erst danach nehmen die Abläufe des dritten Kinofilms ihren - chaotischen - Lauf und Ihr landet in Singapur.
Bis zu diesem Zeitpunkt habt Ihr Euch aber schon oft genug die Piratenkappe von Mr. Sparrow aufgesetzt, Euch durch eine ganze Palette von geradlinigen und linear aufgebauten Levels gefochten und die Höhen und (Un-)Tiefen des Gameplays verinnerlicht. Im Wesentlichen seid Ihr damit beschäftigt, den Degen zu schwingen und Euch Widersacher verschiedenster Art vom Leibe zu halten. Das funktioniert denkbar einfach und ist zum einem dem übersichtlichen Kampfsystem geschuldet: Mit einer Taste löst Ihr Schwerthiebe aus, eine zweite dient Euch für Nahkampfattacken und eine Dritte schließlich aktiviert das Greifen der Gegner, die man dann mit Fausthieben bearbeitet oder wegschubst (vorzugsweise über Klippen ...). Zusätzlich hebt Ihr noch Dolche auf, mit denen Ihr um Euch werft, spielt mit handlichen Granaten oder feuert Eure Pistole ab, für die es jedoch nur jeweils drei Schuss Munition gibt.
Der zweite Grund für die recht einfachen Kämpfe sind die Feinde selbst, denn sie sind ziemlich dumm und stellen praktisch gar keine Herauforderung dar: Nach zwei bis drei Treffern drehen sie Euch den Rücken zu und entblößen sich somit für den finalen Schlag. Gähn. Nur gelegentlich erfordert es eines speziellen Abschluss-Moves, um etwa Offiziere aus dem Weg zu räumen.
Dafür müsst Ihr zuvor Eure Fechtkunst-Energie aufladen, was man am besten durch die Kombination von Schwerthieben und Nahkampfattacken bewerkstelligt. Drischt man dann lange genug per Button-Mashing auf seinen Kontrahenten ein, Dürft Ihr Euch eine der eingeblendeten Tasten für den Todesstoß aussuchen. Kein Problem, wirklich nicht.
Erweitert wird dieses ziemlich geradlinige Gameplay durch Jump 'n Run-Klettereinlagen im Stile von Prince of Persia, bei denen Ihr Euch an Sims entlang hangelt, Plattformen bespringt und kleinere Schalterrätsel löst. Oft dienen diese Kletterspielchen lediglich dem Zweck, versteckte Gegenstände aufzuspüren und somit die Achievements freizuschalten.
Bisweilen kommt Ihr aber nur weiter, wenn Ihr verborgene Schalter findet und so weiterführende Wege offenbart. Eine dritte Komponente wird ebenfalls ab und zu eingestreut: Duelle. Diese werden immer von kurzen Zwischensequenzen eingeläutet und sind ziemlich simpel gehalten.
Im Prinzip laufen die Duelle rundenbasiert ab. Soll heißen, dass zunächst immer der Kontrahent mit seiner Schlagfolge beginnt, auf die Ihr kontert. Eine "Signalampel" zeigt Euch an, ob die Schläge hoch, mittel oder tief ausgeführt werden und Ihr reagiert mit einer kurzen Bewegung des Analogsticks in die entsprechende Richtung. Gelingt Euch das ein paar Mal hintereinander - was nicht weiter kompliziert ist - seid Ihr an der Reihe und bearbeitet Eurerseits den Widersacher. Besonders effektiv sind dabei Spezialschläge, die Ihr durch erfolgreiche Aktionen anwendet. Beendet werden die Zweikämpfe meist durch kurze mehr oder weniger amüsante Animations-Sequenzen.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Pirates of the Caribbean sind die Massenschlachten. Oder sagen wir besser Kämpfe, bei denen Ihr mehr als eine Spielfigur kontrolliert. Ihr steuert im Verlauf des Spiels nämlich nicht nur Jack Sparrow, sondern auch Hauptfiguren wie Will Turner oder Elizabeth Swann. In diesen speziellen Sequenzen sind aber mehrere der Spielfiguren aktiv am Spielgeschehen beteiligt und Ihr haltet die Fäden in der Hand.
Die Auswahl erfolgt dabei bequem über das D-Pad und auch das Handling der unterschiedlichen Charaktere ist simpel – zumal sie sich alle gleich verhalten und über keinerlei individuelle Gimmicks verfügen. Schlimmer ist allerdings die Tatsache, dass Ihr auch für das Überleben aller Helden verantwortlich seid. Stirbt einer der Protagonisten, müsst Ihr den Kampf von vorne beginnen. Erschwert wird diese Aufgabe durch die Inkompetenz der KI. Lasst Ihr die Recken für einige Momente aus den Augen, geht es mit ihrer Lebensenergie schleunigst bergab. Daher sind diese Momente leider eher nervig und stressig als herausfordernd und unterhaltsam.
Unterm Strich ist das dabei entstehende Gameplay zwar brauchbar, bietet aber einfach zu wenig Herausforderungen und Abwechslung, um auf Dauer wirklich spannend zu sein. Zudem wirkt die Story mit der Verknüpfung der beiden Film-Inhalte eher zusammengeschustert und wird durch mangelnden erzählerischen Tiefgang nur ungenügend transportiert. Überzeugend ist allerdings die Optik des Spiels, die sich durchaus auf einem guten bis sehr guten Xbox 360-Niveau befindet. Vor allem das Design sowie die Animationen der Spielfiguren ist hervorragend gelungen und der Wiedererkennungswert der Kinohelden bzw. Schauspieler sehr hoch. Mit ausreichend vielen Details sind auch die Texturen und anderer Grafik-Firlefanz ausgestattet, sodass in diesem Punkt die Atmosphäre der Filme gut wiedergegeben wird.
Mehrspieler-Fans kommen übrigens ebenfalls auf ihre Kosten. So dürft Ihr gemeinsam mit einem Kumpel im Herausforderungsmodus Massen an Feinden abschlachten oder Ihr tretet in Duellen gegeneinander an. Viele Spielfiguren werden jedoch erst durch Erfolge freigeschaltet.
Pirates of the Caribbean ist durchaus ein unterhaltsames Spiel, das die Atmosphäre und den "Spirit" der Filme authentisch wiedergibt. Die Xbox 360-Version überzeugt mit schöner Optik, fast originalgetreuen Schauspieler-Alter Egos und einer guten Portion Humor. Auf der anderen Seite hat es aber auch etliche Schwächen, wie zum Beispiel einen zu geringen Schwierigkeitsgrad, Kämpfe ohne Herausforderung, die spärlich ausgestatteten Spielfiguren (alle spielen sich gleich) und die ungemein lineare Levelstruktur. Dass der Versuch unternommen wurde, gleich zwei Filme miteinander zu „verheiraten“ - und das, wo die Filme an sich schon relativ chaotisch daherkommen -, macht den Mix nicht unbedingt besser. Alles in allem bietet das Spiel einige Stunden vergnügliche Piratenabenteuer, wird aber auf Dauer leider etwas langweilig.