Portal

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Valve Software
Genre
Shooter
PC: Portal

Gesamtwertung

9/10

PC: Portal

Eigentlich wollte ich nur mal kurz reinschauen, bevor ich mit an den Episode 2-Test

setzte. Doch eine halbe Stunde später war alles vorbei. Das erste Puzzle von Portal genügte, um mich zu fesseln und mich bis zum Ende vor den Bildschirm zu bannen. Das innovative Spielprinzip und das gewohnt einmalige Design eines Valve-Produkts erzeugten einen Sog, dem ich nicht entrinnen konnte. Meine ausgehungerte Testerseele freute sich so über diese riesige Portion Einfallsreichtum, dass ich meine Pflicht vergaß und mich bis spät in die Nacht durch Portal wühlte.

Überraschend war dabei vor allem die dichte Hintergrundgeschichte, die mehr zu bieten hat, als es anfangs den Anschein nahm. Geschickt werden Elemente aus dem Film Cube mit der Half-Life 2-Story verknüft und der eigentlich seelenlose Charakter der Hauptdarstellerin wird zu einer strahlenden Heldin. Als Laborratte von Aperture Technologies soll die Androidin eigentlich nur die neue Portal-Waffe ausprobieren. Doch das Versuchstier wehrt sich und will am Ende seinem Schicksal entfliehen. Doch bis zu einem möglichen Happy End warten 19 anspruchsvolle Aufgaben auf Euch, die das Kombinationsvermögen bis auf's Letzte fordern.

Das Spielprinzip hinter Portal ist so einfach wie genial. Ihr besitzt eine Waffe, die einen Teleportereingang und einen -ausgang produzieren kann. Zusätzlich kann Euer Charakter springen und Gegenstände aufnehmen, um damit zum Beispiel Schalter zu betätigen. Mit jedem Level werden dabei neue Elemente hinzugefügt und so eine komplexe Werkzeugkiste zur Verfügung gestellt, die echte Gehirnakrobatik verlangt.

Um zum Beispiel einen Schalter zu betätigen, der den Levelausgang öffnet, müsst Ihr erst einmal eine Kiste organisieren. Diese wiederum wird von einem Behälter fest gehalten, der sich erst nach der Aktivierung eines Energieknotens öffnet. Dazu benötigt Ihr eine Energiekugel, die wild durch den Raum flitzt. Also im richtigen Moment ein Portal öffnen und die Kugel damit zum Knoten leiten. Dieser befreit den Würfel, der aber zwei Ebenen höher auf seinen Einsatz wartet.

Ein Schuss an die Decke und ein Portal in der Wand befördern Euch zu dem willigen Türöffner. Doch der dazugehörige Schalter versteckt sich in einer Ausbuchtung, die mit einem Portal-abweisenden Material ausgekleidet ist. Deswegen gilt es einen Ausgang direkt gegenüber zu öffnen und den Eingang auf den Boden zu projizieren. Das Bewegungsmoment Eures Falls, direkt durch das Loch im Boden, katapultiert die Spielfigur dann über mehrere Meter hinweg zum Ziel. Schalter umlegen, in den Fahrstuhl steigen und weiter geht’s.

Sterben könnt Ihr nur, wenn Ihr in einer giftigen Brühe oder am anderen Ende einer Selbstschussanlage landet. Trotzdem sind einige Rätsel enorm schwierig und verlangen eine sehr konzentrierte Spielweise. Glücklicherweise gibt es bis kurz vorm Schluss keine Zeitlimits oder anderen Schikanen. Ihr könnt die Geschwindigkeit selbst bestimmen und Euch so in Ruhe einen idealen Lösungsweg überlegen. Das Spiel bleibt dabei immer fair und erfordert keine allzu schnellen Reaktionen.

Portal ist damit ein würdiger Nachfolger für das Hobby-Projekt Narbacular Drop, das dieses geniale Spielprinzip schon in Form einer Modifikation für Half Life 1 ins Leben gerufen hat. Es war klug von Valve die Macher unter Vertrag zu nehmen und so dieser ungewöhnlichen Gameplay-Mechanik die verdiente Aufmerksamkeit zu geben. Doch Portal geht noch einen Schritt weiter. In Form der Künstlichen Intelligenz GlaDOS wird aus dem simplen Puzzle eine lebendige Geschichte, die mit viel Humor und angedeuteten Geheimnissen dem genialen Inhalt auch einen passenden Rahmen verleiht.

GlaDOS begleitet Euch auf Schritt und Tritt, kommentiert jedes Ergebnis und will Euch am Ende schließlich wiederverwerten. Mit der stoischen Gelassenheit eines Computers verkündet sie, dass Ihr nicht mehr gebraucht werdet und nun in einem Hochofen landet. Zusammen mit ersten Hinweisen, die auf eine Welt außerhalb des sterilen Versuchsgeländes hinweist, fühlt man sich einfach ausgeliefert. Ihr spürt, wie Ihr aus dem Labyrinth hinaus möchtet. Ihr wollt nicht als Labor-Ratte im Müllschlucker enden. Die Faszination von Portal geht auf diese Weise über die simple Puzzle-Idee hinaus. Es ist ein Parade-Beispiel von innovativem Story-Telling und einem nahezu perfektem Design.

Die reduzierte Optik ist mehr als zweckmäßig. Die Konzentration auf die wesentlichen Bestandteile und der klinisch reine Stil eines Versuchslabors verschmelzen herrlich miteinander. Jedes Element ist genau am richtigen Platz. Aufwändige 3D-Modelle und überzogene Effekte würden die Versuchsanordnung nur stören. Valve beweist auch bei diesem Titel, dass man mehr dazu braucht, ein wirklich „schönes“ Spiel zu entwickeln, als hochmoderne Grafikeffekte und stumpfe Muskelmänner. Manchmal kann weniger eben deutlich mehr sein.

Leider ist nach ca. 19 Aufgaben und einem furiosen Finale erst einmal Schluss. Es gibt zwar die Möglichkeit, mit verschärften Bedingungen die Geschichte noch einmal zu erleben, doch neue Aufgaben kann dies nicht ersetzen. Auch ein Time Attack-Modus kann das Spielerlebnis nicht wirklich erweitern, doch Valve hat versprochen, so schnell wie möglich kostenlosen Nachschub zu liefern. Dieser Zeitraum ist bei Valve ein dehnbarer Begriff, aber vielleicht kann ja hier die Community in die Bresche springen und das Verlangen stillen.

Als integraler Bestandteil der Orange Box ist Portal ein echtes Meisterwerk. Als eigenständiges Spiel wäre es natürlich viel zu kurz, doch im Sinne des Episodencharakters bietet es als „kostenlose“ Dreingabe einen idealen Ausgangspunkt für zukünftige Erweiterungen. Deswegen kann man bei so vielen frischen Ideen in Kombination mit einer perfekten Realisierung auch eine Topnote ziehen, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Man muss Valve einfach dankbar sein, dass sie mit so viel Gespür die Perlen unter den hunderten Half-Life-Modifikationen herauspicken und sie mit so viel Liebe zum Detail in ein vollwertiges Spiel verwandeln. Da stört man sich nicht an der langen Wartezeit und dem kurzen Spielvergnügen, sondern freut sich, dass es noch Entwickler gibt, die mit so viel Hingabe jeden Titel in ein echtes Schmuckstück verwandeln.

Portal gibt es seit dem 10. Oktober im Rahmen der Orange Box bei Steam und ab dem 19. für die Xbox 360 und den PC beim Händler eures Vertrauens. PS3-Besitzer müssen sogar bis zum 26. warten, um dieses Software-Meisterwerk in den Händen halten zu können.

 

 

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