Animal Crossing: City Folk

Review
Plattform
WII
Vertrieb
Nintendo
Entwickler
Nintendo
Genre
Andere
WII: Animal Crossing - Let's go to the City

Gesamtwertung

6/10

WII: Animal Crossing - Let's go to the City

Wer noch nie Animal Crossing gespielt hat, hat wirklich was verpasst. Anfangs (lies: "Immer") mag die Idee dahinter etwas krude wirken, doch es hat wirklich etwas besonderes, in eine virtuelle Stadt voller überzogen niedlicher Tierchen einzuziehen und Tag und Nacht, über Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter, an deren virtuellen Leben teilzuhaben. Was man macht? Eigentlich nichts. Und doch eine ganze Menge. Man kauft ein Haus, richtet es ein, macht sich den Rücken krumm, um den Kredit beim Halsabschneider Tom Nook abzubezahlen. Und wenn es soweit ist, stellt der einem gleich eine größere, noch teurere Hütte hin. Zum Neu-Einrichten und Folgekredit-Abbezahlen. Wie im richtigen Leben.

Dazwischen pflanzt und gießt man Blumen, schüttelt Bäumen das Obst aus den Ästen, gräbt nach Fossilien, fängt Insekten, angelt Fische, designt Kleidung, malt Bilder oder quasselt einfach nur mit den sympathisch meshuggenen Nachbarn, die es immer wieder schaffen, dass man mit zusammengepressten Lippen ein bisschen in sich selbst hineinlacht. Natürlich kann man auch Briefe schreiben und empfangen, Parties veranstalten, an Flohmärkten teilnehmen und sich allgemein dem totalen Sammel- und Personalisierungswahn hingeben, während alles Leben im Dorf nach der inneren Uhr der Konsole tickt. Seid Ihr am Samstag Abend um 20 Uhr zu Lupo eingeladen und vergesst den Termin, wartet am Sonntag unter Garantie ein Schmähbrief von ihm in dem kleinen, roten Briefkästchen vor Eurem Haus.

In Kurzform: Animal Crossing ist ein Spiel, in dem man Freundschaften unterhält, Dinge sammelt und das Stadtbild pflegt. Und seine beruhigende Wirkung ist wirklich ganz beachtlich. Die simplistische, aber stilsichere Grafik, die relaxte Musik und die ganz bewusst spannungs- und stressbefreiten Tätigkeitsfelder tun alles dafür, dass man abschalten kann.

Wenn es einen gepackt hat, schaut man jeden Tag auf‘s Neue in seinem Dorf vorbei, um die Wohnung umzudekorieren, das eine oder andere Unkraut auszureißen oder ein bisschen traurig festzustellen, dass Euer Lieblingsnachbar beschlossen hat, in eine andere Stadt umzuziehen.

Das wusstet Ihr nicht? Dann holt Euch gefälligst Animal Crossing: Let’s go to the City! Im Ernst: Es ist ja nicht so, dass Eure/Euer Wii gerade besonders viel zu tun hätte. Alle anderen – also Besitzer der DS oder Gamecube-Vorgänger – können prinzipiell aber darauf verzichten, sich das mehr oder weniger gleiche Spiel noch einmal zu geben. Natürlich finden sich zusätzliche Events, Aktivitäten, Gegenstände und sogar eine Reihe frischer Dialoge ein. Auch zeigt sich das Verhalten der putzigen Bewohner weitaus variabler, orientiert sich oftmals der Situation entsprechend. Unterm Strich erlebt Ihr aber einfach zu viel vom bekannten Ganzen und zu wenig Neues, könntet also fast genauso gut ein neues Spiel in einer der alten Ausgaben beginnen.

Eine der wenigen großen Neuerungen ist die „Großstadt“, die von der Bushaltestelle Eures Dorfes aus jederzeit zu erreichen ist. Hier trefft Ihr zum Beispiel einige andere Tiere. Insgesamt ist die vermeintliche Metropole jedoch lediglich ein überschaubarer Plaza, den eine Reihe von Geschäften säumt.

Da wäre zum einen der halbseidene Hinterhof-Händler Reiner, zu dem Ihr nur mit einem Empfehlungsschreiben hineingelangt. Im Auktionshaus bietet Ihr zu gewissen, festgelegten Zeiten auf neue und oft rare Gegenstände. Und im Frisörsalon Shampudel legt Ihr Euch eine Frisur zu oder zieht dank der „Typveränderung“ einfach das Gesicht Eures Mii über.

Ansonsten gibt’s hier mit „Grazias Grazie“ noch eine sündhaft teure Mode- und Einrichtungsboutique, eine Wahrsagerin, die „Zentrale der Akademie des schönen Hauses“ und das Theater. In Letzterem gibt Dr. Samselt kleine „Stücke“ zum Besten, bei denen es sich um die verschiedenen Gefühlsregungen handelt, die die Animal Crossing-Bewohner zeigen können. Habt Ihr Euch eine der kurzen Shows einverleibt, könnt auch Ihr diese behämmerten bis süßen Emoticons nutzen. Alles in allem hat Nintendo mit dem Titelzusatz „Let’s go to the City“ aber doch ein bisschen viel versprochen, da man damit einige Funktionen und Charaktere lediglich in die „Großstadt“ ausgelagert hat (anstatt sie wie zuvor zu einer bestimmten Zeit zuhause anzutreffen) und eigentlich nichts bietet, das nicht auch im eigenen Dorf möglich gewesen wäre.

Animal Crossing: Let’s go to the City ist das erste Spiel mit WiiSpeak-Funktionalität. Schon in Wild World auf dem DS war es möglich, Freunde per Friendscode über das Internet in sein wuseliges Örtchen einzuladen, um zusammen aufzuräumen, zu dekorieren oder einfach nur Dinge zu tauschen. Unterhaltungen erfolgten aber stets – etwas umständlich – über die Softwaretastatur. Dank WiiSpeak-Tauglichkeit dürft Ihr nun deutlich unkomplizierter mit Euren Gästen (oder Gastgebern) ein Schwätzchen halten.

Und hier entwickelt das Spiel seinen größten Reiz. Wenn man die Launen der verstrahlten Digi-Tierchen über hat, öffnet man einfach die Tore seiner Stadt und lässt seine Freunde herein. Die bringen Obst mit, das man wiederum anpflanzt und sorgfältig zu Bäumen hochzüchtet, oder seltene Blumen, die den Garten aufhübschen. Oder sie feilschen einfach mit Euch um einen angemessenen Preis für die „Royal-Tapete“. Die soziale und wirtschaftliche Komponente entwickelt einfach eine unglaubliche Anziehungskraft.

Let's go to the City baut also ziemlich solide auf den Tugenden der Reihe auf, ohne dabei zu überraschen. Leider wurden auch die Marotten übernommen: Die Taschen des Hauptcharakters sind immer noch viel zu klein. Allein die Werkzeuge, die man alltäglich braucht (Spaten, Angel, Kescher, Gießkanne, Axt und Steinschleuder – wenn man denn für alles gerüstet sein will) nehmen ein Drittel des Inventarplatzes ein. So muss man oft genug etwas liegen lassen, um es sich später abzuholen. Gerade zu Anfang, wenn man noch fleißig Obst erntet, um zu Geld zu kommen, sorgt das für einige Fußmärsche, die man sich eigentlich lieber gespart hätte. Und die Kamera lässt sich erneut nicht um Bäume und Häuser herumdrehen. Schade, denn die werden erneut nicht transparent, wenn der Avatar oder ein NPC dahinter verschwindet.

Auch die technische Umsetzung tut nichts, um Euch eine neue Seite von Animal Crossing zu zeigen. Das Spiel gleicht beiden Vorgängern wie eine Rübe der anderen: Bäume, Häuser, Tapeten und Böden hat man – abgesehen von der niedrigeren Auflösung – sogar auf dem DS schon in ähnlicher Qualität und vor allem in fast unverändertem Design gesehen. Es bleibt niedlich und charmant, aber auch sehr vertraut – auf die gute und die schlechte Art zugleich.

Es sind diese Details, denen Nintendo durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit hätte widmen können. Anstatt Bewährtes neu zu verpacken und mit Kleinigkeiten zu versehen, hätten sie das Spiel an sich besser oder vielfältiger machen können, um den Update-Charakter wegzuwischen. Keine der regulären Beschäftigungen in Animal Crossing hat sich in irgendeiner Weise weiterentwickelt. Beispiel „Angeln“: A drücken zum Auswerfen, A drücken zum Einholen. Das ist zwar funktional, aber hier hätte man ruhig den nächsten Schritt gehen dürfen, um das Fischen etwas interessanter zu gestalten.

Let’s go to the City ist unumstößlich das bislang beste Animal Crossing und es ist schön, dass man es nun noch direkter mit anderen teilen kann. Aber ein wirklich neues Spiel ist es nicht. Als Freund der Vorgänger kommt man sich vor wie in einem kleinen Update. Noch immer grabt Ihr die gleichen Tricera-, Pachy- und T-Rex-Torsi, -Schädel und –Schwänze aus. Noch immer erntet Ihr Birnen, Pfirsiche, Äpfel, Kirschen usw. Und noch immer angelt Ihr die gleichen Stints, Bitterlinge, Makrelen und Karpfen, die Ihr schon in den Vorgängern tausendfach dem nahezu identischen Museum gestiftet habt.

Trotzdem bleibt es plattformübergreifend eines der liebenswürdigsten und entspannendsten Spiele und damit eine klare Kaufempfehlung für Serien-Neulinge. Jeder, der es zum ersten Mal spielt, wird sein blaues Wunder erleben: Schon nach wenigen Tagen nimmt man sein fiktives Dorf als Rückzugsort an, als digitalen Urlaub für eine halbe Stunde am Tag. Ein beinahe „echter“ Ort, an dem man eben nicht ganz so echte Freunde trifft. Und das ist irgendwie schräg und schön zugleich. Let’s go to the City!

Animal Crossing: Let's go to the City ist exklusiv für die Wii im Handel erhältlich.

 

 

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