PS3: Soul Calibur 4
Heute wollen wir uns an dieser Stelle ausnahmsweise mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen beschäftigen. Genauer gesagt mit den Brüsten von Frauen in Prügelspielen. Abwechselnd als androgyne Kampfmaschine oder beeindruckende Vollweiber dargestellt, sprengen sie bei manchen Serien mit ihrer gewaltigen Oberweite jedes natürliche Maß.
Besonders ausufernd war hier bisher die Dead or Alive-Serie, die mit aufwendiger Busen-Physik – Stichwort Bouncing Breasts – sogar ein wenig Realismus vermitteln wollte. Bei der Soul Calibur/Sould Edge-Reihe ging es dagegen immer sehr bescheiden zu. Egal ob Taki, Ivy oder Sophitia, ein schicker C-Cup reichte aus, um Fans und Entwickler gleichermaßen glücklich zu machen.
Doch diese Zeiten sind nun vorbei: Mit dem vierten Teil präsentiert Namco gewaltige Lufballoons Marke XXL, die bei jeder „echten“ Kämpferin ein mitleidiges Lächeln auslösen würden. Nicht umsonst haben sich Amazonen eine Brust abgeschnitten, um besser Bogen schießen zu können. Mit solch einer unförmigen Masse lässt sich im Kampf Frau gegen Frau nur wenig anfangen. Besonders dramatisch hat es in der Demo Soul Calibur-Veteranin Taki erwischt, aber auch Schwertkämpferin Ivy wurde zumindest nach den Screenshots etwas zu großzügig von Mutter Natur oder einem plastischen Chirugen beschenkt.
Ich würde sogar so weit gehen, dass die sonst hervorragende Atmosphäre durch die hüpfenden Airbags geschmälert wird. Die gigantischen Massen haben nichts mehr mit Ästhetik zu tun, viel mehr scheint mit den Entwicklern ein Russ Meyer durchgegangen zu sein. Doch hat man seinen Blick erst einmal von den überdimensionierten Bällen gelöst und sich auf die spielerischen Qualitäten konzentriert, präsentiert sich die Demo als beeindruckendes Comeback einer wirklich außergewöhnlichen Prügel-Reihe.
Story-technisch lässt sich Namco auf keine Experimente ein. Die Kämpfer sind wie gehabt auf der Jagd nach zwei fast allmächtigen Schwertern, die nur der Sieger eines gewaltigen Turniers in seinen Händen halten darf. Wie die Geschichte diesmal umgesetzt wird, ist noch vollkommen ungeklärt. Da es bei allen Versionen eine Art Adventure-Modus gab, könnt Ihr auch beim vierten Teil mit etwas ähnlichem rechnen. Die drei spielbaren Kämpfer der Demo, Mitsurugi, Taki und Cassandra, prügeln sich momentan noch in einem wunderschön beleuchteten Sumpfgebiet, wo sich Nilpferde faul in der Sonne räkeln, und in einem griechischen Mauseoleum mit gewaltigen Säulen und Steintafeln.
Von der versprochenen Interaktivität mit der Umgebung gab es bisher wenig zu sehen. Momentan sind die Kampfareale wie schon bei den Vorgängern quadratisch und ermöglichen am Rand einen Ring Out. Im fertigen Spiel sollen die Bereiche ähnlich wie bei Dead or Alive aber verschiedene Stufen besitzen und so mehr Abwechslung bieten. Außerdem werden nur noch in ganz kleinen Bereichen Ring-Outs möglich sein.
Der eigentliche Schlagabtausch zeigt die unvergleichliche Wucht, die schon die Vorgänger auf Augenhöhe mit den ganz Großen (Tekken, Dead or Alive, Virtua Fighter) des Genres bugsierte. Jeder Schlag, Wurf und Tritt wird mit solch einer Gewalt präsentiert, dass sich jede einzelne Begegnung in einen unerbittlichen Kampf verwandelt. Beleuchtung und Detailreichtum sind Next-Generation würdig und auch die Animationen – abgesehen von Takis Monster-Bällen – präsentieren sich auf Serien-Niveau.
Von den geplanten Gameplay-Änderungen, zum Beispiel charakterspezifischen Finishing Moves und einem variablen Kampf-System, gab es bisher ebenso wenig zu sehen, wie von den neuen Charakteren, zum Beispiel Hilda. Die Kämpfe spielten sich aber schon äußerst flott und boten auch Anfängern jede Menge Kombo-Möglichkeiten. Kein Vergleich zu dem extrem taktischen und fordernden Virtua Fighter 5, doch damit kann und will sich die Soul Calibur Serie ja sowieso nicht messen.
Negativ fiel eigentlich nur die Möglichkeit auf, Gegner mit nur einem Schlag in der Luft zu halten und ihm damit jede Form von Verteidigung zu berauben. Das restliche Balancing wirkte bis auf kleine Vorteile für Mitsurugi, trotz des noch recht unfertigen Zustands, recht überzeugend.
Die Demo lieferte leider keinen Hinweis, wie sich die beiden Star Wars-Charaktere Darth Vader und Yoda spielen. Mal abgesehen von der nicht gerade einfachen Integration in die Hintergrundgeschichte, wäre es mal interessant, wie sich Macht und Lichtschwert auf das Gameplay auswirken. Ob die Entwickler damit die Xbox 360 auf die gute Seite der Macht und die PS3 auf die böse Seite stellen möchten, ist reine Spekulation. Zumindest in Punkto Coolness dürfte Darth Vader nicht zu schlagen sein.
Übrigens ist es äußerst schade, dass Yoda Xbox 360- und Darth Vader PS3-exlusiv sind. Gerade ein Kampf zwischen den beiden, würde Star Wars-Fans in Verzückung versetzen. Vielleicht gibt es sie ja später als Downloadable Content. Apropos Internet: Im vierten Teil soll es endlich einen Online-Modus mit umfangreichen Ranglisten geben. Wenn er eine ähnliche Qualität wie die Xbox 360-Variante von Virtua Fighter 5 erreicht, könnte das dem Titel noch einmal ordentlich Schwung verleihen.
Nur, um das noch einmal klar zu stellen: Mir ging es bei meinem einleitenden Absatz nicht um die Schönheit der dargestellten Oberweite. Diese liegt wie immer im Auge des Betrachters und wird von vielen Männern sogar sehr gern gesehen. Doch in einem Prügelspiel haben diese gigantischen Gewebemassen meiner Meinung nach nichts verloren. Das ewige Gehüpfe lenkt nicht nur ab, sondern wirkt auch irgendwie deplatziert. Außerdem haben wir ja mit Dead or Alive schon eine Beat'em Up-Serie mit oppulenten, kämpfenden Frauen.
Abseits der wackelnden Brüste macht Soul Calibur schon jetzt einen fantastischen Eindruck. Leider gab es von den Neuerungen praktisch noch nichts zu sehen. Doch das grundlegende Kampfsystem ist bereits stimmig und überzeugt auf der ganzen Linie. Natürlich werfen die neuen Gameplay-Elemente noch viele Fragen auf und auch zum Story-Modus gibt es noch keine Informationen.
Trotzdem dürfen sich Fans der Serie schon mal auf eine gelungene Fortsetzung freuen, die ja diesmal sogar Unterstützung von echten Jedis bekommt. Möge also die Macht mit den Entwicklern sein, dass der Titel am Ende keine reine Busenschau, sondern ein würdiger Nachfolger wird.
Soul Calibur erscheint laut Ubisoft frühstens im Sommer 2008 für die Xbox 360 und die PS3.




