Gesamtwertung8/10 |
Es hilft gelegentlich, doch mal in das Handbuch zu gucken. Drei Missionen über hatte ich den schweren Verdacht, dass Resistance: Retribution der perfekte PSP-Shooter sein könnte, wenn da nicht diese Waffenanwahl wäre. Zehn oder mehr verschiedene Chimera-Töter und nur eine Taste, um sie einem nach dem anderen durchzuschalten. In der Hitze des Gefechts gibt es nichts Widerwärtigeres, als die gewünschte Waffe kurz zu sehen, aus Versehen noch einmal zu drücken und dann wieder von vorn anfangen zu müssen, während der Endboss fröhlich weitermacht. Dann, aus Zufall, hielt ich die Taste mal für eine Sekunde gedrückt…
…und alles war gut. Das Spiel pausiert, solange Ihr Steuerkreuz Rechts haltet und ein perfekt strukturiertes Menü zeigt Euer komplettes Arsenal inklusive der noch verbleibenden Munition. Die Liebe zum Detail hat sich also doch durch den gesamten Aufbau der Steuerung gezogen. Wer von Euch den letzten Syphon Filter–Teil spielte, wird sich hier recht schnell zurechtfinden und der Vergleich kommt nicht von ungefähr, stammt dieses Spiel doch ebenfalls von Sony Bend. Für Resistance wurde das System noch einmal poliert, um Perfektion zu erreichen. Selbst wenn eigentlich immer noch der zweite Analogstick fehlt.
Statt diesem nutzt Ihr die vier Tasten rechts, um das Blickfeld zu steuern und bewegt Euch mit dem Stick. Solltet Ihr dieses Konzept noch nicht kennen, braucht Ihr schon eine halbe Stunde, um es zu verinnerlichen, zumal der zweite Stick der großen Konsolen inzwischen ins Blut überging. Und ohne die Zielhilfe wäre dieses System recht frustrierend.
Gut ein Drittel des Screens wird von einem unauffälligen Rechteck abgedeckt, das alles erfasst, was sich bewegt. Es stellt sicher, dass Ihr irgendwas erwischt, nur habt Ihr sehr wenig Einfluss darauf, was das sein könnte. Oft genug visiert das Fadenkreuz eine weiter hinten hoovernde Drohne an und schwenkt erst nach deren Vernichtung auf die bereits heranstürmende Chimera.
In solchen Situationen lohnt es sich, manuell zu zielen. Per einmaligen Druck auf Steuerkreuz Oben wird ein wenig herangezoomt und nun lenkt Ihr das Fadenkreuz, wie man es kennt. Über die Tasten gelingt dies weit weniger präzise, als ein Stick es hinbekommen würde, für ein paar Kopftreffer reicht es aber noch. Es ist eher das Umschalten selbst, was Euch nach einer Weile ein wenig auf den Keks geht.
Nachladen aus der Bewegung heraus bleibt ebenfalls ein ferner Traum. Um den Stick und Steuerkreuz Links gleichzeitig bedienen zu können, fehlt dem Menschen halt einfach der dritte Daumen. Die Schuld an diesen Mängeln lässt sich allerdings nur schwer dem Spiel in die Schuhe schieben, den zweiten Stick haben die Konsolenbauer vergessen. So gut es aber ohne geht, wurde es hier gelöst. Der Ablauf lässt ein wenig das unbeschwerte, schnelle Herumflitzen im Vergleich zur PS3 missen und setzt auf die Ansicht aus der dritten Person und kleine Scharmützel mit Deckung.
Über den größeren Teil der zehnstündigen Kampagne werdet Ihr hinter Mauern kauern, von dort Chimera, Titanen und Drohnen erledigen und dann weiter huschen. Selbst die Bosskämpfe variieren diesen Grundtenor nur minimal. Glücklicherweise bringt dies dank des phantastisch einfachen Deckungssystems unglaublich viel Spaß auf die PSP.
Euer Held weiß, dass er decken sollte, wenn er die Möglichkeit dazu hat. Ihr lauft einfach zu einem Türrahmen und automatisch drückt sich die Figur passend an die Wand. Das automatische Zielen funktioniert hier wunderbar. Drückt einfach nur den Trigger, er lehnt sich vor und zieht den Kopf von allein ein, sobald Ihr loslasst. Simpel. Effektiv. Flexibel. Ein System, das Euch nie auffällt. So gut funktioniert es.
Waffentechnisch glänzte die Serie schon immer und Retribution bleibt da nicht außen vor, fügt dem Sortiment leider aber nicht viel Neues hinzu. Die Bullseye verschwand und wurde durch eine eher langweilige Alternative mit abprallenden Klingen als Sekundärschuss ersetzt. Das Sniper schaltet kurzfristig in Zeitlupe und das ist klasse. Der Schild der Chaingun ist praktisch wie eh und je. Die Auger rockt wie schon immer. Und da liegt auch der Hund begraben. Alles super, alles wie früher. Nur die Magnum bekommt Ihr nicht zum Start, sondern erst ganz, ganz zum Schluss. Auch eine Möglichkeit der Innovation. Retribution hat schlicht das Glück, dass diese Waffen so hervorragend designed waren, dass Ihr gegen einen weiteren Einsatz nichts einzuwenden haben werdet.
Solltet Ihr zu den glücklichen Besitzern der neuesten PSP-Generation gehören, dürft Ihr PSP Plus nutzen und habt überhaupt keine Probleme mehr mit der Steuerung. Ok, fast keine. Laufen und Nachladen bleibt auch mit Sixaxis oder Rumble-Pad schwierig, der zweite Stick verwandelt Retribution aber in einen ganz handelsüblich spielbaren Shooter. Die Portabilität bleibt dabei natürlich auf der Strecke, zum Stromverbrauch der PSP (harmlos) kommt der der PS3 (deutlich) dazu und die PSP 1000-Serie bleibt gleich ganz außen vor. Als Gimmick, welches das Spiel der großen Serie annähert, nehmen wir es aber trotzdem mal wohlwollend zu Kenntnis.
Inhaltlich positioniert sich das kleine Resistance zwischen die beiden PS3-Shooter. Der Kampf um Europa ist noch nicht ganz durch und Ihr schlüpft in die Rolle des nicht unbedingt strahlenden Helden James Grayson. Eigentlich war der Brite schon zum Tod wegen Landesverrat und Desertion verurteilt. Da sein Verbrechen allerdings in erster Linie darin bestand, ohne direkte Order ein Umwandlungszentrum der Chimera nach dem anderen im Rambo-Alleingang zu demolieren, entwickelte er sich zum heimlichen Helden des Volkes. Die Chimera töteten seine Familie und jetzt scheint er nur noch ein Ziel zu verfolgen: So viele wie möglich mitnehmen. Bevorzugt todesverachtend und gegen alle Befehle. Und jetzt braucht die Armee ihn wieder. HustFenixHust. Tschuldigung.
Trotz Parallelen zum Gears-Helden schlägt Grayson als Hauptcharakter Nathan Hale (Resistance 1 und 2) um Längen. Blieb dieser trotz Infektion stets der stramme und brave Soldat, schält sich mit dem Briten Grayson eine zumindest im Shooter-Rahmen interessante und zwiespältige Figur heraus, die es auf weit mehr Persönlichkeit bringt. Ihr müsst ihn nicht mögen, aber interessant genug werdet Ihr ihn finden.
Die Nebenfiguren bleiben dagegen in ihren Klischees mit ein wenig zu dicken Akzenten verhaftet. Alle sind irgendwie doch Helden, granteln dabei ständig mit dem Renegaten herum, ziehen in harten Lagen schon mal den Kopf ein. Und dann muss Grayson ran, um den Tag zu retten. Die Tour de Force der Zerstörung führt von Rotterdam über Bonn nach Paris und man merkt im Vergleich von Resistance 2 und Retribution, dass sich die Entwickler, auch wenn es sich in diesem Falle um ein anderes Team handelt, auf diesem Kontinent nicht so richtig wohl fühlen. Die Ruinen der Städte könnten aus jedem beliebigen WWII-Szenario stammen und mir persönlich fiel es im Zwischenstop in Bonn, das ich recht gut kenne, am deutlichsten auf.
An der reinen Grafikqualität gibt es nichts zu bemängeln. Figuren, Feinde, Umgebung, alles bewegt sich auf dem höchsten Niveau, das die PSP erreichen kann. Nur gab es während der gesamten Episode nicht ein einziges Erkennungsmerkmal, dass dies die ehemalige Hauptstadt sein könnte. Klar, die Chimera graben alles um und terraformen ganze Landstriche. Ein paar Referenzen hätten jedoch den schicken Umgebungen deutlich mehr Persönlichkeit geschenkt.
Ebenfalls für weit weniger Aufregung als zunächst erwartet sorgt der Infection-Modus. Sobald Ihr Resistance 2 in die PS3 einlegt, die PSP per USB anstöpselt und zum Schluss „Infection“ auswählt, ändert sich für Grayson einiges und am Ende doch nicht viel. Er leidet nun unter dem Chimera-Virus, das ihn schon bald in den Feind verwandeln wird. Bis dahin regeneriert er automatisch seine Lebensenergie, kann beliebig tauchen und in den Zwischenszenen leuchten seine Augen gelb.
Viel spielerische Substanz ergibt das aber nicht. Außer ein paar zusätzlichen Ecken der Level, die nun erreichbar sind, bleibt alles beim Alten. Selbst die Handlung scheint das nicht als Grund zu nehmen, sich zu drehen. Dass Grayson sich in genau das verwandelt, was er am meisten verachtet, ist weder für ihn noch für seine Umwelt eine große Sache. Und sobald Ihr die Konsolen wieder abkoppelt, ist der Spuk vorbei. Nett für Enthusiasten, die Ihr Spiel gern bis zum Letzten ausreizen, belanglos für alle anderen.
Ohne die Infektion bleibt jedoch immer noch genug, was Euch für einen zweiten und dritten Durchgang zurückbringen wird. Jede Menge Challenges wurden eingebaut, die Ihr Achievement-like abarbeiten dürft, um an Bonusmaterial zu kommen. Wer dagegen fleißig die verstreuten Info-Brocken sammelt, wird mit zusätzlichen Waffen belohnt und schließlich gibt es da noch den Multiplayer.
Die erste und einzige Enttäuschung hält hier der CoOp bereit. Er verschwand komplett. Das war es zum Glück auch schon mit den schlechten Nachrichten und nach Maßstäben einer Handheldkonsole wäre es schon fast ein wenig unverschämt, ihn zu erwarten. Auf fünf Karten in fünf Spielmodi findet Ihr im 4vs4er-Match alles, was Onlinezockers Herz erfreut. Lobbys, Clans, Levelaufstiege, Chat, Orden und nicht nur die Möglichkeit, gefallene Kameraden wiederzubeleben, sondern auch niedergestreckte Feinde zu verspotten. Und dafür einen Orden einzuheimsen. Es erwartet Euch ein Online-Paket, das sich hinter fast keinen „großem“ Shooter verstecken muss. Für ein Handheld ist dies eine großartige Leistung, die die sowieso schon großzügige Spielzeit noch einmal deutlich nach oben schraubt.
Dass die Grafik durchgehend mit zum Besten gehört, was auf der PSP geboten wird, erwähnte ich bereits. Das erwartet man von einem solchen Titel auch. Was mich dagegen immer wieder in Lauf und Schuss innehalten ließ, war der Soundtrack. Packt die Kopfhörer aus und genießt einen umwerfenden orchestralen Soundtrack plus Chöre, der in dieser Qualität für ein Handheld absolut ungewöhnlich sein dürfte.
Ehrlich gesagt habe ich mich nicht gerade um diesen Test gerissen. Meine Erwartungshaltung ging trotz oder gerade wegen des gelungenen Resistance 2 eher in die Richtung eines schnellen Serien-Cash-In. Die Wahrheit könnte kaum weiter davon entfernt sein. Resistance: Retribution baut das Szenario geschickt aus, Story und Figuren passen sich hervorragend ein. Die Action holt alles aus System und den Möglichkeiten, umgeht dabei Steuerungshürden und liefert nicht nur einen phantastischen Look und Sound, sondern auch eine beinahe schon unanständige Menge an Spielinhalt. Und sogar unabhängig davon, ob Ihr Solo- oder Multiplayerfans seid.
Dagegen ist es fast schon nichtig wenig, was mir als ernsthaft störend auffiel. Ein paar Bonus-Modi in Form von PSP-Plus und Infection funken nicht so richtig, eines der besten Waffenarsenale wurde nicht noch besser, der schicke CoOp fiel ersatzlos aus und natürlich hat die PSP immer noch keinen zweiten Stick. Zugegeben, dafür kann Retribution wenig, aber leiden tut es doch darunter. Resistance: Retribution ist vielleicht nicht ganz der Titel geworden, der die PSP aus dem Dornröschenschlaf weckt. Besitzt Ihr aber eine und habt irgendwas für Shooter übrig, sehe ich wirklich keinen Grund für Euch, es nicht umgehend zu spielen.
Resistance: Retribution gibt es nur für PSP. Kaufen könnt Ihr es ab dem 18. März.
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Resistance Retribution im Test.
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