Assassin's Creed: Altair's Chronicles

Review
Plattform
Nintendo DS
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Ubisoft
Genre
Action
DS: Assassin's Creed: Altair's Chronicles

DS: Assassin's Creed: Altair's Chronicles

Wäre Assassin's Creed ein Film gewesen, dann wäre Assassin's Creed: Altair's Chronicles die Umsetzung als Spiel. Es hat nicht viel mit dem Original zu tun und es bietet Euch generische Jump´n´Run – Kost aus der Retorte.

Stellenweise gar nicht mal so schlechte Kost, muss man der Fairness halber dazu sagen. Aber was bitte hat die offene Welt von Assassin's Creed mit einer von rechts nach links scrollenden kleinen Hüpfspielwelt, komplett inklusive grünen, roten und blauen Kugeln zum Einsammeln, gemein.

Hier werdet Ihr auf dem Weg in ein Dorf den Pfad von aus dem Boden hervor schießenden spitzen Pfählen verstellt finden. Sollen damit illegale Getreideimporte gestoppt werden? Einfallende Armeen? Und warum sind die Lücken darin genau so groß gelassen, dass ein böswilliger Eindringling durch passt?

Fragen über Fragen und nur eine mögliche Antwort: Das hier ist kein Spiel, das sich um ein realistisches Setting in einer mittelalterlichen Stadt schert, sondern schlicht und ergreifend ein Prince of Persia–Ripoff. Statt eines Prinzen habt Ihr jetzt einen Assassinen, der, trüge er nicht einen mittlerweile berühmten Namen, noch persönlichkeitsfreier meucheln würde.

Die Geschichte von Assassin's Creed begann mit einem arroganten, selbstgefälligen Mörder, der sich langsam entwickelte. Altair's Chronicles muss dummerweise damit enden, dass Ihr im Abspann einen arroganten, selbstgefälligen Mörder seht, sonst ließe sich ja schlecht die Geschichte mit dem Beginn der nächsten Reise verknüpfen.

Auch der Rest der Reiseerläuterungen liest sich nicht gerade wie Tausend und eine Nacht. Chef-Assassine braucht aus finsteren Gründen ein heiliges Relikt und wer wäre besser geeignet, als sein treuer Angestellter des Monats: Altair.

Die Reise führt Euch durch bekanntes Terrain, darunter Jerusalem, Damaskus und Masyaf, nur hält sich der Wiedererkennungwert in Grenzen. Mal davon abgesehen, dass der Weg nun komplett linear und ohne einen Hauch der Sandkasten-Idee des Vorgängers – oder muss es Nachfolgers heißen? Diese Prequel-Idee verwirrt – abläuft, blieb auch nichts von der beeindruckenden optischen Darbietung.

Nicht, dass der DS generell zum Herunterklappen von Kinnladen einladen würde, aber die permanenten Einbrüche der Framerate zeigen deutlich, dass komplexe 3D-Welten jetzt nicht gerade die Hausdomäne von Nintendos Kleinstem sind.

Spielbar bleibt Altair's Chronicles dabei aber doch und, sofern man die Messlatte nicht zu hoch anlegt, macht es sogar Spaß. Zumindest solange Ihr hüpfen, klettern und hangeln dürft.

Diese Sequenzen glänzen zwar nicht mit Innovation und lassen Euch zu oft blind springen – nicht denken, einfach dem grünen Pfeil folgen –, bieten Euch aber solides 90er-Jahre Action-Adventuren im Stil eines Flashback oder Darkstone. Ohne die knackige Spielbarkeit ganz zu erreichen oder Euch mit interessanten Rätseln zu bremsen, aber immerhin.

Ein wenig Bremsen wäre vielleicht jedoch gar nicht mal so schlecht gewesen. Ihr sterbt häufig und gern, die Rücksetzpunkt sind im Gegenzug zahlreich vertreten und nach drei bis vier Stunden heißt es Game-Over in der freundlichen Variante des Abspanns. Offenbar wollte man nicht Gefahr laufen, das auch nicht gerade endlose Original zu überbieten.

Die zahlreichen Begegnungen mit den Wachen helfen dabei kaum die Spielzeit entscheidend zu verlängern. Ihr kümmert Euch nach wie vor immer nur um eine Wache nach der anderen und es ist selbst bei einem Pulk von Gardisten selten, dass diese ihre zahlenmäßige Überlegenheit ausspielen. In den allermeisten Fällen kämpft Ihr nur mit einem Gardisten, der Rest scheint höflich zu warten, bis Ihr fertig seid.

Erst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad werdet Ihr eine gewisse Motivation verspüren, Euch nicht sehen zu lassen und wirklich die Wächter zu umgehen, wo immer es möglich sein sollte. Nicht, dass es zu komplexen Taktikgefechten käme, der Computer rückt Euch einfach schneller zu Leibe und schlägt härter zu. Habt Ihr jedoch einen niedrigeren Level gewählt reichen ein paar belangslose Kombos – drei Mal X, zwei Mal Y, YYX, wenns komplex wird –, schon liegen sie im Staub und weiter geht’s.

Das Upgrade-System für Waffen und Lebensenergie wird dadurch ein wenig seines eigentlich vorhandenen Reizes beraubt, schließlich kommt Ihr auch so gut voran. Letztlich halten sich die Verbesserungen, die Ihr ergattert, aber sowieso in Grenzen und so versandet dieses Feature im Staub der nahöstlichen Straßen. Und die Minigames, in denen man sich dann endlich des Stylus besann, hinterlassen komplett den Eindruck, als hätte man sie eingefügt, nachdem das Spiel fertig war.

Im ersten sollt Ihr von Zeit zu Zeit eine Runde Beutel-Jenga spielen, um Leute zu berauben. Ihr seht den Inhalt der Tasche und müsst den Schlüssel oder was auch immer Ihr gerade braucht, an Kleingeld, Dolch und ähnlichem vorbei bugsieren, ohne etwas zu berühren.

In dem anderen moralisch fragwürdigen Game zum Verhören, sprich Foltern, von Geheimnisträgern, seht Ihr einen stilisierten Körper und müsst schnell auf die aufblitzenden Zonen anklicken. Dann noch mit einer geschickten Stylus-Bewegung den Arm verdreht und der Geschundene rückt endlich mit der Sprache raus. Sollte es irgendwann Assassin's Creed Party geben, sehen wir diese belanglosen Spielchen bestimmt wieder.

Assassin's Creed: Altair's Chronicles erinnerte mich spontan an die Welle der Filmumsetzungen Anfang der 90er, welche allesamt in Jump´n´Runs endeten, ob es nun passte oder nicht. Hier passt es nicht und es hat auch sonst keinen lohnenden Bezug zum Original.

Das muss Altairs Chronicles nicht zu einem schlechten Spiel an sich machen, wir alle mögen Hüpfspiele. Aber wir mögen keine, die kurz, ruckelig und mit drögen Kampfeinlagen gepflastert sind. Es gibt die Momente, in denen Altairs Chronicles zeigt, dass in ihm ein nettes Prince of Persia steckt, nur leider darf dies viel zu selten ausbrechen, bevor Ihr Eure Zeit erneut mit einem zweitklassigen Minispiel oder Handgemenge vertut.

Assassin's Creed - Altairs Chronicles gibt es nur für das DS und erhielt dank der jungendfreundlichen Foltereinlagen ein „Ab 12“-Rating.

 

 

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