Iron Man

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Sega Of Europe
Genre
Andere
PS2: Iron Man

PS2: Iron Man

Die Gruppe der Comic-Geeks teilt sich grob in zwei Lager: Auf der einen Seite die Fans anspruchsvoller Grafik-Novellen, die selbst gern zum Stift greifen, später als Grafiker arbeiten und stundenlang über den Sinn ihrer Werke diskutieren. Auf der anderen Seite lauern die Verlierer.

In der Kindheit dick, schwächlich oder einfach nur uncool, fliehen sie in die Welt der amerikanischen Superhelden - wie meine Wenigkeit. Dort können sie träumen, abtauchen und die halbe Pubertät verschlafen. Sie wollen sein wie Iron Man alias Tony Stark. Ein einfacher Mensch, der nur mit seinem wachen Geist und einem mächtigen Kampfanzug unbesiegbar wird.

Die Zielgruppe von Iron Man ist damit recht klar definiert, der Film trotz Starbesetzung (Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow) nicht die ideale Wahl für das erste Date und das Spiel eine kleine Katastrophe. Wie es sich für Filmumsetzungen gehört, wirkt es trotz einiger netter Ansätze wie ein konzeptionslose Auftragsarbeit, die weder der Vorlage noch dem Comic gerecht wird. Also viel Spaß bei der Demontage!

Wie es sich für einen zünftigen Zerriss gehört, erst einmal ein paar Worte zur deutschen Synchronisation. Während Ihr im Englischen von der genialen Vertonung durch die Original-Schauspieler verwöhnt werdet, ist die Übersetzung ein Griff ins Klo. Gerade der Sprecher des Hauptdarstellers erreicht höchstens Porno-Niveau.

In Kombination mit den seltsamen Rendersequenzen, in denen die Schauspieler wie Holzpuppen wirken, erreicht schon die erste Szene die Brechgrenze. Da stellt sich die Frage, wieso Sega statt der hässlichen Clips keine Filmschnipsel genommen hat? Normalerweise bin ich davon kein großer Fan, aber angesichts der Qualität der Charaktermodelle wäre es diesmal wirklich angebracht gewesen.

Ohne größere Einführung steigt das Spiel ungefähr zur Mitte des Films ein. Waffenfabrikant Tony Stark wurde von Terroristen entführt, durch einen Splitter verletzt und soll nun in Gefangenschaft eine Superwaffe bauen. Stattdessen bastelt er sich aus viel Spucke, ein wenig Eisen und jeder Menge Elektronikschrott MacGyver-mäßig eine unförmige, aber durchschlagskräftige Blechdose zusammen. Von dem Lotterleben des Millionärs und arroganten Arschlochs habt Ihr zu diesem Zeitpunkt nichts mitbekommen - Film und Comic werden lediglich auf die Action reduziert. Also macht Ihr Euch mit Flammenwerfer und mechanischer Muskelkraft daran, den ersten Level von bösen Turbanträgern zu befreien.

Die Levels sind dabei einigermaßen offen gehalten. Die Rüstung unseres Helden blitzt fantastisch in der Sonne und aus der Luft sieht die Landschaft sogar erträglich aus. Leider seid Ihr am Anfang des Spiels zu Fuß unterwegs und erlebt so hautnah die schwachen Gegnermodelle und deren magere Animationen.

Selbst das Feuer des Flammenwerfers wirkt dilettantisch und Ihr müsst schwer schlucken, um diesen ersten Schock zu überstehen. Als krönenden Abschluss gilt es, einen dicken, extrem hässlichen Panzer zu besiegen. Im Anschluss daran werden endlich die Triebwerke aktiviert und Iron Man entflieht der Grafik-Hölle.

Kaum habt Ihr die ersten Schrecksekunden überstanden, erwartet Euch im zweiten Level die nächste Katastrophe. Mit einem neuen Prototypen dürft Ihr endlich in die Luft und werdet mit einer sehenswerten Aussicht belohnt. Im Gegenzug stellt man sich aber einem besonders fiesen und gnadenlosen Gegner: Der Steuerung. Mal abgesehen davon, dass es wirklich nicht ganz einfach ist, bei einem so komplexen Bewegungsmuster eine vernünftige Lösung zu finden, haben es sich die Entwickler besonders einfach gemacht. Statt den Spielern eine lösbare Aufgabe anzubieten, wurde das gesamte Pad doppelt belegt.

Besonders intelligent: Für das Schweben in der Luft müsst Ihr die linke Schultertaste nur halb durchdrücken, was gerade in harten Feuergefechten unlösbar ist. So hüpft Ihr wie ein Flummi durch die Gegend, kracht unkontrolliert gegen Hauswände und wisst in der ersten halben Stunde nicht, wo oben und unten ist.

Ähnlich misslungen ist auch das Zielsystem: Eure Hauptwaffe, der Repulsorstrahl, nimmt bei durchgedrückter Schultertaste automatisch das nächste Ziel aufs Korn. Leider springt er dabei wie wild durch die Gegend, versaut Euch die Orientierung und ist komplett ungeeignet, um wichtige Ziele ins Fadenkreuz zu nehmen. Mit der Zeit gewöhnt Ihr Euch zwar an die seltsame Mechanik, komfortabel sieht aber ganz anders aus.

Das Spielfeld selbst gestaltet sich immer nach dem gleichen Prinzip: Ihr düst in einem recht großen, quadratischen Areal umher und sollt bestimmte Ziele ausschalten. Die meiste Zeit ist der frisch gebackene Gutmensch jedoch damit beschäftigt, seine dunkle Vergangenheit auszurotten. Seine alten Projekte - mächtige Panzer, Hubschrauber und Raketen - werden nämlich von der Terrororganisation Maggia missbraucht.

Also schlüpft Tony in seine High-Tech-Hausmeisterausrüstung und räumt kräftig auf. Die meiste Zeit müsst Ihr Euch dabei konventionellem Kriegsgerät entgegenstellen, das die Entwickler gleich dutzendfach auf Euch loslassen. Gerade bei starker Luftabwehr ist es sinnvoll, so niedrig wie möglich durch den Level zu fliegen oder gar per pedes die Militärbasen und Hügellandschaften unsicher zu machen.

Rast eine Rakete auf Euch zu, habt Ihr zu Beginn nur eine Abwehrmaßnahme: Drückt im richtigen Moment die Nahkampftaste und befördert das Geschoss zurück zum Absender. Mit den regelmäßigen Rüstungsupgrades gibt es dann auch ein Raketenabwehrsystem oder gar einen Energieschild.

Zusätzlich kann man Energie umleiten und so zum Beispiel seine Waffen verstärken, die Flugeschwindigkeit beeinflussen oder alles in die Lebenserhaltung pumpen. Im Notfall geht man in den Nahkampf und erledigt per Quick-Time-Event die jeweiligen Gegner. Meistens kommt Ihr aber mit dem Repulsor, Eurem Raketenwerfer und dem aufladbaren Unibeam zurecht.

Die Endgegner erfordern leider nur selten eine richtige Taktik. Meistens hält man einfach nur drauf und betet, dass die vier System-Restarts pro Level ausreichen. Dabei kann es sehr frustrierend sein, nach einer halbstündigen Mission wieder von vorne anzufangen. Gelegenheitszocker, die sich das Spiel nur wegen dem Film zulegen, werden es sicherlich schwer haben, bis zum Ende zu kommen. Und das, obwohl der Umfang mit knapp vier Stunden nicht gerade üppig ausgefallen ist.

Habt Ihr die Kampagne bezwungen, steht Euch eine Art Arena-Modus zur Verfügung, in dem Ihr Euch noch andere, abgefahrenere Rüstungen erspielt. Ohne einen Hulk ist so ein Hulkbuster-Kampfanzug aber ziemlich sinnlos. Die PS3-Fassung ist derweil mal wieder etwas schlechter gelungen. Es treten zwar auch bei der Xbox360-Fassung Slowdowns auf, aber auf Sonys Konsole fallen sie deutlich heftiger aus.

Ich mag Iron Man. Ehrlich. Ich finde den Film gelungen und kann mich auch für das grundlegende Spielprinzip der Versoftung begeistern. Doch leider hören damit meine Sympathien auf. Ob Steuerung, deutsche Sprachausgabe oder das einfallslose Gameplay, die Entwickler haben sich wirklich alle Mühe gegeben, die netten Ideen in den Sand zu setzen. Besonders seltsam ist der angebliche Einsatz der Havok-Engine, obwohl sich nicht ein Gebäude vernichten lässt. Es gibt zwar ein paar ganz nette Explosionen, aber das wars auch schon. Das Gefühl, ein unbesiegbarer Superheld zu sein, ging also gründlich daneben.

Mit etwas mehr Sorgfalt, ein paar Monaten zusätzlicher Produktionszeit und einer vernünftigen Sprachausgabe hätte aus Iron Man eine angenehme, spielbare Filmumsetzung werden können. In einigen kurzen Momenten kommt nämlich so etwas wie Spielspaß auf. Für eine durchschnittliche Wertung reicht es aber trotzdem nicht. In diesem Zustand ist das Spiel eine absolute Katastrophe, die man nur echten Fans empfehlen kann. Liebt Ihr die Comics und den Film? Dann leiht Euch das gute Stück aus oder wartet, bis es etwas günstiger zu haben ist. Zum Vollpreis ist der Titel eine Frechheit.

Iron Man ist für Xbox 360, PS3, Wii, PSP und DS erhältlich.

 

 

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