The Darkness

Preview
Vertrieb
2K Games
Entwickler
Starbreeze
Genre
Action

PS3: The Darkness

Tief in uns schlummert das Böse, wird genährt von den vielen kleinen Narben, die wir unser Leben lang davontragen, und wartet auf den richtigen Moment, um uns fortzureißen. Dabei kann es jeden treffen. Den verzweifelten Junkie, der Passanten überfällt, den eifersüchtigen Liebhaber, der seine Freundin schlägt, aber auch den kaltblütigen Gangster, der, ohne mit der Wimper zu zucken, Morde begeht. Das Böse ist vielschichtig und eng mit der menschlichen Seele verbunden. Es gehört zu unserer Spezies wie ein Fluch. Denn nur wo der Geist den Instinkt verdrängt, kann diese tiefe Dunkelheit entstehen, die sich in so vielen Menschen ausbreitet.

Bei The Darkness nimmt die Finsternis Gestalt an und wird zu einem Teil des Spiels. Dabei mutet es wie Ironie an, dass gerade der Hauptdarsteller, Mafia-Killer Jackie Estacado, seinen inneren Dämon überwindet und das unsagbar Böse, das in seiner Familie schlummert, am Ende sogar für das Gute einsetzt. Dank diesem erzählerischen Kniff wird das 1998 von Top Cow entwickelte Comic, dem es sonst eher an Tiefgang und Einfühlsamkeit fehlt, zu einem spannungsgeladenen Spektakel. Nicht umsonst also zählt The Darkness zu einem der erfolgreichsten, amerikanischen Comics.

Fast zehn Jahre nach dem beeindruckenden Debüt findet die ungewöhnliche Geschichte den Weg auf den kleinen Bildschirm. Der Erfolg der Vorlage hat die Entwickler von Starbreeze dazu inspiriert, die Geschichte um den ungewöhnlichen Anti-Helden in einen Ego-Shooter zu verwandeln. Wie schon bei ihrem Einstandshit Riddick wollen sie fernab von klassischen Erzählstrukturen ihre eigene, sehr dunkle Geschichte erzählen.

Der Weg in die Dunkelheit

Ein Vorhaben, dem sie gleich zu Beginn mit einem wilden Ritt Tribut zollen. Geschickt nutzen sie die besonderen Eigenschaften eines Ego-Shooters, um Euch unmittelbar in ein packendes Abenteuer zu ziehen. Das Spiel beginnt mit einer rasanten Verfolgungsjagd. Gehetzt von der Polizei rast Ihr an Eurem 21. Geburtstag gemeinsam mit zwei Gangsterkollegen durch enge Tunnels und aufgebrachte Bauarbeiter. Irgendjemand hat Euch verpfiffen und die Cops würden Euch lieber tot als lebendig sehen. Recht hilflos auf dem Rücksitz des Autos gefangen, entführt Euch das Spiel in die Welt von Jackie und bringt gleichzeitig die Grundzüge der Steuerung bei. Ihr verfolgt mit Besorgnis die angerichtete Zerstörung und dürft nach dem Tod eines Kollegen zum ersten Mal selbst die Schrotflinte sprechen lassen.

Doch das Ende der Jagd naht mit einem gewaltigen Crash. Jackie überlebt relativ unverletzt, muss aber alleine weiter. Kurze Zeit später stellt Ihr fest, dass es Euer Stiefvater war, der Euch nach dem Leben trachtet.

Der Mafia-Boss Paulie Franchetti hat Jackie zwar aus dem Waisenhaus geholt und aufgezogen, im Prinzip suchte er jedoch nur einen willigen Helfer, der ihm die schmutzige Arbeit abnimmt. Nun möchte das Macht-hungrige Oberhaupt Euren Tod, weil er um die eigene Position fürchtet. Im darauf folgenden Feuergefecht mit seinen Handlangern gewinnt Ihr die relativ schnell die Oberhand – dummerweise wartet noch eine versteckte Bombe, die Euch ins Jenseits befördert.

Grausame Bilder blitzen auf und Ihr befindet Euch wieder unter den Lebenden. Ein Stimme schreit Jackie aus dem Off zu: „Du kannst nicht sterben!“ Und das entspricht wie fast bei jedem Videospiel auch der Wahrheit, diesmal steckt aber mehr dahinter, als das Werk der Programmierer und Game-Designer. Euer Tod wird zum Teil der Geschichte, denn die alte Macht, die in Euch schlummert, lässt Euch einfach nicht sterben. Stattdessen wird sie stärker und stärker, und droht jeden Moment aus Euch heraus zu brechen.

Langsam legt sich eine Schlinge um Jackies Hals, bis die Dunkelheit bei einem weiteren Schusswechsel endgültig hervor bricht, die Kontrolle übernimmt und Paulies Schergen gnadenlos niedermetzelt. Ihr werdet Zeuge, wie die Gegner aufgespießt, auseinander gerissen und in einen dunklen Strudel gezogen werden. Anschließend labt sich die Finsternis an den dunklen Seelen Eurer Feinde und verhöhnt Eure Versuche, den Wahnsinn zu stoppen. Nach dem Blutbad überlässt sie Euch wieder die Kontrolle und zieht sich zurück, wird aber zu einem entscheidenden Teil des Gameplays.

Anfangs bekommt Jackie nur einen Teil der mächtigen Fähigkeiten spendiert. Im Laufe des Spiels müsst Ihr die Finsternis nähren und erhaltet als Belohnung immer mächtigere Fähigkeiten. Dazu reicht es nicht aus, Eure Gegner einfach nur zu töten. Nein, Ihr müsst sie vollkommen vernichten und sogar ihre Seele fressen. Im Gegenzug wächst Euer Darkness-Level und Ihr verfügt über einen immer größeren Vorrat an Darkness-Energie. Und für einige ganz besonders verdorbene Seelen winken gewaltige Fähigkeiten, auf die Ihr bei der ersten „Übernahme“ schon einen Blick werfen durftet.

Zunächst wäre da eine Tentakel mit kräftigem Gebiss, die Ihr durch Lüftungsschächte, über Wände und Decken in den Rücken Eurer Feinde schicken könnt und die damit jeden Hinterhalt auflöst. Geratet Ihr oder Euer Auswuchs allerdings ins Licht, ist der Spuk schnell wieder vorbei. Später verfügt Ihr zusätzlich über einen mächtigen Tentakelarm, der selbst Autos in die Luft heben kann, und bekommt zum krönenden Abschluss sogar ein temporäres schwarzes Loch geschenkt, das Gegenstände und Gegner gleichermaßen in die Luft wirbelt.

Eure willigen Helfer

Außerdem könnt Ihr Helfer beschwören, die so genannten Darklings, die Euch bei Eurem Kampf mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten zur Seite stehen. Momentan leiden die charismatischen Fieslinge noch etwas unter „künstlicher Dummheit“ und auch die rudimentären Befehle erreichen nur selten das gewünschte Ergebnis. Trotzdem ist man in vielen Situationen und ob der ständigen Gefechte froh, einen schlichten Nahkämpfer, einen Schützen, einen Bombenleger und einen Blitzwerfer zur Seite gestellt zu bekommen.

Gerade Letzterer ist außerordentlich nützlich, um Euren härtesten Feind aus dem Weg zu räumen. Damit ist kein menschlicher Gegner oder ein brutaler Dämon gemeint, sondern das Licht, das beeindruckend durch die Level strömt. Befindet Ihr Euch nämlich in der Reichweite einer Lampe, verliert die Darkness ständig Energie. Also müsst Ihr alles daran setzen, Euch in ständiger Dunkelheit zu halten. Zu Beginn greift man dafür noch auf diverse Schusswaffen zurück und schießt die Lampen aus. Im späteren Abenteuer helfen Euch der Blitzwerfer und der Dämonenarm.

Seid Ihr dann endlich von Dunkelheit umgeben, schützt Euch die unheilige Allianz einerseits vor gegnerischem Feuer, andererseits könnt Ihr auch endlich Eure Fähigkeiten einsetzen. So schleicht man sich von Schatten zu Schatten, knipst Lichter aus und folgt der dramatischen Geschichte.

Denn nicht nur beim Gameplay beschreitet Starbreeze neue Wege. Vor allem die Charaktere werden unglaublich detailliert umgesetzt und man hat – abseits der optischen Gestaltung – das Gefühl, vor einer lebendigen Person zu stehen. Ob es Jackie selbst ist, der mit fast philosophischen Monologen die Ladepausen ausfüllt, oder seine Freundin Jenny, die ihm bei einem entspannten Fernsehabend mit dem Klassiker „To Kill a Mockingbird“ einen zarten Kuss auf den Mund haucht, jede Figur besitzt Tiefe und Charakter.

So ist es kein Wunder, dass die Interaktion mit den Personen von entscheidender Bedeutung ist. Die Geschichte selbst spielt in New York und verdichtet sich um die beiden U-Bahn-Stationen Fulton und Canal Street. In diesem Bereich könnt Ihr Euch relativ frei bewegen und sogar zu einem gepflegten Plauderstündchen mit den Passanten übergehen. Immer wieder bekommt Ihr dabei kleine Nebenaufträge, die zwar die Story nicht voran bringen, aber dem Spiel mehr Atmosphäre verleihen.

Leider müsst Ihr oft lange Wege zurück legen, nur um mit einer Person zu sprechen. Gerade durch die langsame Laufgeschwindigkeit von Jackie ziehen sich diese Momente unangemessen in die Länge. Auch stören bei der vorgegaukelten Freiheit die zu klar gesetzten Trigger, die zum Beispiel eine Zwischensequenz oder einen Angriff auslösen - hier wäre ein wenig mehr Improvisation wünschenswert.

Klasse Grafik, mäßige Steuerung

Obendrein erscheint es seltsam, dass die U-Bahn-Stationen zwar stets gut besucht, die Straßen der Stadt hingegen aber oft vollkommen verwaist sind. So genial also auch einige Gameplay-Elemente und die Story geworden sind, so inkonsequent wirkt manchmal das Szenario.

Hinsichtlich der Steuerung gibt es derzeit ebenfalls noch Grund zu Mosern. Während die Spezialfähigkeiten recht gut von der Hand gehen, leiden die Feuergefechte unter dem trägen Fadenkreuz. Man kann zwar eine Auto-Aiming-Funktion zuschalten, aber gerade bei den agilen Gegnern gehen damit zu viele Schüsse ins Leere.

Weniger problematisch sieht es im Gegenzug bei der Grafik aus. Die hochauflösenden Texturen und schicken Effekte sind durchaus einem Next Generation-Titel würdig, auch wenn sie dabei nicht ganz die Klasse zukünftiger Meisterwerke erreichen – zum Beispiel Bioshock. Kurzum: An manchen Stellen sieht man der Engine ihre Old Generation-Herkunft einfach an. Die realistische Beleuchtung und das originäre Art-Design heben den Titel trotzdem wohltuend von der Unreal Engine 3-Konkurrenz ab.

Starbreeze begeistert rundum durch einen einmaligen Einfallsreichtum, der Euch an jeder Ecke der Spielwelt entgegen strömt. Ob es die Dutzenden Fernsehprogramme und abendfüllenden Spielfilme sind, die man sich auf den im Spiel verteilten Fernsehern anschauen kann. Oder die wunderschönen Graffiti, die von namhaften Sprühdosen-Künstlern an die Wand gepinselt wurden - überall gibt es etwas zu entdecken und zu bestaunen. Selbst wenn der recht freie Spielablauf nicht immer konsequent umgesetzt wurde und zu viele Einschränkungen einem die Illusion einer lebenden Welt rauben, sind es gerade die Details, die einen immer wieder an das Joypad fesseln werden.

Eins ist sicher: Starbreeze wird auch mit The Darkness einen einmaligen Shooter hinlegen, der durch seine dichte Story, den ungewöhnlichen Anti-Helden und viel Liebe zum Detail ein Hit werden dürfte. Doch wird es The Darkness wie dem Vorgänger Riddick gelingen, das Genre zu revolutionieren? Momentan sieht es noch nicht danach aus. Dafür erlaubt sich das Spiel gerade beim Gameplay einfach zu viele Schnitzer. Dumme Gegner, die oft zu langen Laufwege und die viel zu offensichtlichen Schalter hinterlassen trotz all der genialen Inszenierung einen bitteren Nachgeschmack.

Comic-Fans können aber jetzt schon aufatmen. Die Entwickler haben die Atmosphäre der Vorlage nahezu perfekt eingefangen. Über die Frisur von Jackie Estacado und seinen schmierigen Ledermantel kann man zwar prächtig streiten, doch die Emotionen, die transportiert werden, suchen im Shooter-Genre ihresgleichen. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass die Entwickler ein paar zarte Ausbesserungen vornehmen und die Verkaufsfassung dann ohne die angesprochenen Mankos über die Ladentheke wandert.

Ich für meinen Teil freue mich auf jeden Fall schon tierisch darauf, bald wieder so richtig meinen inneren Schweinehund heraus zulassen und mich endlich der Finsternis hinzugeben.

The Darkness erscheint am 29. Juni 2007 für Xbox 360 und PS 3.

 

 

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