Pirates of the Caribbean: Am Ende der Welt

Review
Plattform
WII
Vertrieb
Disney Interactive Studios
Entwickler
Eurocom Entertainment Software
Genre
Action

Gesamtwertung

4/10

WII: Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt

Dass Piratenabenteuer nicht immer durchgängig spannend sein müssen, hat nicht nur der Kinofilm Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt bewiesen, auch die von uns getestete Xbox 360-Fassung

konnte nur in wenigen Aspekten überzeugen. Doch uns kam zu Ohren, dass die Wii-Version des Spiels ein völlig anderes, intensiveres Erlebnis sein soll und von den Vorteilen der Nintendo-Konsole Gebrauch macht. Keine Frage, dass wir abermals in die Rolle des Piratenkäpitäns Jack Sparrow und einiger seiner Mitstreiter wie Will Turner oder Elizabeth Swann schlüpften, um uns einen Eindruck von der Qualität des Spiels zu verschaffen. Doch seid gewarnt: Wir haben zwar keinen vollständigen Schiffbruch erlitten, sind aber auch nicht gerade im Begeisterungssturm untergegangen ...

Auf ein Neues, Käptn' Sparrow

Wie die Xbox 360-Version von Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt basiert die Wii-Variante nicht allein auf dem dritten Teil der Piraten-Saga, sondern enthält auch Story-Elemente der zweiten Kinoepisode („A Dead Man's Chest“). Allerdings sind die Missionen und Aufträge nicht komplett identisch aufgebaut. Die Wii-Level sind oft komplett anders gestaltet und stellen Euch häufig vor völlig abweichende Aufgabenstellung.

Zu großen Teilen ist das wohl vor allem der speziellen Wii-Steuerung geschuldet, die eine völlig neue Herangehensweise erfordert. Grundsätzlich handelt es sich vom Storyaufbau her jedoch um das selbe Spiel - auch hier seid Ihr zunächst auf der Jagd nach Davy Jones' Herz, bevor Ihr Euch nach Singapur aufmacht, um das Abenteuer dort heldenhaft abzuschließen.

Vor den Erfolg haben die Entwickler aber den Schweiß gesetzt und das kann man bei der Wii-Fassung durchaus wörtlich nehmen. Das liegt natürlich auch hier in erster Linie an der extra angepassten Steuerung mit Wiimote und Nunchuk: Prinzipiell bietet Euch Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt eine relativ große Palette an Bewegungs- und Kampfmöglichkeiten an. So schwingt Ihr die Wiimote nach links, rechts oder oben und unten, um unterschiedliche Angriffe mit dem Schwert zu initiieren. Oder Ihr bewegt den Nunchuk nach oben und ergreift damit Eure Kontrahenten und setzt ihnen dann im Nahkampf zu.

Zusätzlich kombiniert Ihr diese Aktionen noch für Komboangriffe - das alles ist jedoch leider nur graue Theorie, denn in der Praxis artet das Ganze sehr schnell zur wilden Fecht-Fuchtelei ohne taktischen Anreiz oder spielerischen Anspruch aus.

Dummerweise werden Eure Bewegungen nämlich nur ziemlich unpräzise umgesetzt und erfordern einen nicht zu unterschätzen Krafteinsatz - kein Vergleich zur Leichtigkeit von The Legend of Zelda: Twilight Princess. Wem ab und zu dann doch Komboangriffe gelingen, darf daher eigentlich nur von Glück reden, der Zufall spielt dabei eine große Rolle.

War eine vergleichbare Steuerung folglich bei The Legend of Zelda noch ziemlich intuitiv, passiert bei Pirates of the Caribbean das Gegenteil und Ihr drescht mehr schlecht als recht auf Eure Widersacher ein. Doch die eher misslungene Steuerung ist nicht der einzige Gameplay-Makel, der Euch das Piraten-Abenteuer verhagelt und ins Schwitzen bringt. Mitverantwortlich für diesen Zustand ist zudem die teilweise vermurkste Kamerasteuerung, auf die Ihr in aller Regel keinen Einfluss habt.

Die Perspektive ist im Grunde abhängig von dem Standort und der Position Eurer Spielfigur, oft genug seht Ihr dadurch aber häufig gar nicht, wohin Ihr lauft oder wo die Feinde stehen. Ihr schlagt dann also auf gut Glück in der Gegend herum und hofft, die heranstürmenden Bösewichte aus dem Weg zu räumen. Alternativ schwenkt die Kamera in einigen Szenen zudem ohne Vorwarnung von einer Seite zur anderen, was die Kämpfe unnötig unübersichtlich und chaotisch macht.

Ebenso wenig gut gelungen sind darüber hinaus die so genannten "erweiterten Aktionssequenzen". Das sind Quicktime-Events, bei denen Ihr - ähnlich wie bei God of War - in einem bestimmten Augenblick die richtige Taste oder Bewegung ausführen müsst. Nur wenn Ihr alle geforderten Handlungsabläufe in der korrekten Reihenfolge absolviert, ist die Prüfung bestanden. Ansonsten fangt Ihr wieder von vorne an....und wieder und wieder.

Unglücklicherweise sind diese Sequenzen kaum bis gar nicht spannend; Ihr starrt dabei nur auf die linkte untere Bildschirmanzeige und verpasst dadurch die Hälfte der animierten Action. Zudem scheitert man gelegentlich aus nicht nachzuvollziehenden Gründen. Shit happens, oder was?

Getreu der Xbox 360-Fassung seid Ihr auch bei dem Wii-Piratenspiel meist damit beschäftigt, Euch Feinde vom Leib zu halten und dann und wann einen Bossgegner zu plätten oder Duelle zu überstehen. Der Levbelaufbau ist auch hier strikt linear und erlaubt keine Ausflüge in die eher grau-braune Umgebung, die einen deutlichen Mangel an detaillierten Texturen aufweist. Das auf Dauer eintönige Gameplay wird gelegentlich durch kleinere Rätsel und Plattform-Spielereien im Stile der Prince of Persia-Titel oder das Sammeln von Items aufgelockert, mit denen Ihr Spielfiguren beziehungsweise Schauplätze freischaltet.

Alternativ versucht Ihr Euer Glück bei Mini-Games wie Poker oder Piraten-Würfeln - was aber sehr schnell langweilig wird und keinen Bezug zum Spiel selbst herstellt. Der Mangel an Abwechslung von der ermüdenden Metzelei erweist sich schon nach wenigen Missionen als ziemlich fatal, sodass man nur noch wenig Motivation verspürt, das Abenteuer bis zum Ende durchzustehen.

Die besten Momente hat das Spiel zweifelsohne dann, wenn es sich dicht an die Filmvorlagen hält und deren Humor aufleben lässt. Doch zu selten werden die Fechtkämpfe in einen erzählerischen Zusammenhang gestellt, der wirklich interessant wäre. Da machen auch die recht authentischen Schauplätze und selbst die für Wii-Verhältnisse sauber umgesetzten Spielfiguren den Kohl nicht mehr fett. Insgesamt erreicht die Optik nur „durchschnittliches“ PS2-Niveau und liegt damit - erwartungsgemäß - deutlich hinter dem 360-Pendant.

Wenigstens gibt es noch einen kleinen Bonus für Multiplayerfreunde: Mit einem Freund dürft Ihr gegeneinander Duelle bestreiten oder kooperativ beziehungweise kompetativ Horden von Feinden niedermetzeln. Nunja, besser als nix!

Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt ist in erster Linie eins: ziemlich ermüdend. Mit der Wiimote stundenlang das imaginäre Schwert zu schwingen und sich in endlosen Scharmützeln abzumühen, ist schon anstrengend genug. Wenn das wenigstens so federleicht und intuitiv von der Hand gehen würde wie bei The Legend of Zelda, wäre das kein Problem. Hier betätigt man sich jedoch eher in der Kategorie "Rumholzen" - der unpräzise und träge reagierenden Steuerung zum Dank. Doch das in vielerlei Hinsicht vermurkste Handling ist nicht der einzige Lapsus und Spielspaßkiller. Die einfältigen Aufträge, endlosen Kämpfe und zu wenig sinnvolle Abwechslung vergällen recht schnell, was eigentlich amüsant sein könnte.

Potenzial ist fraglos vorhanden, doch das wird viel zu selten und nicht konsequent genug umgesetzt. Daher bleibt die Wii-Version des Piraten-Abenteuers deutlich hinter den Erwartungen zurück und beschert uns einmal mehr eine unterdurchschnittliche und enttäuschende Filmumsetzung. Interessenten sollten daher lieber zur deutlich ausgereifteren Xbox 360-Fassung greifen, wenn sie die Wahl haben.

 

 

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