X360: Halo 3
Der Countdown läuft: In rund sieben Wochen soll Halo3 nun endlich im Laden stehen und seit der E3-Messe hat sich der Informationsfluss mit neuen Details deutlich beschleunigt. Während Infos über die Mehrspieler-Karten vor allem mit der Beta-Phase los sprudelten, waren genaue Eindrücke über die Level des Einzelspieler-Modus bisher ein gut gehütetes Geheimnis. Auf der E3 gab es schließlich Ausschnitte aus dem ersten Level „Sierra 117“ zu begutachten
, selber Hand anlegen war allerdings untersagt – bis jetzt!
Vor genau zwei Tagen wurde auf einem großen Presse-Event in Amsterdam ein weiterer Leveleinblick gewährt und ganz aktuell auch der Vier-Spieler-Koop-Modus in der Kampgne bestätigt. Wir waren für Euch vor Ort und haben „Tsavo Highway“ angetestet.
Spielbar war ein Abschnitt aus dem dritten Level, dessen Name „Tsavo Highway“ in örtlicher Nähe zur kenianischen Küste und auf dem Weg zu New Mombasa auch schon nahe legt, welche Art von Umgebung den Spieler erwarten würde. Der Abschnitt beginnt zunächst einmal in einer Art Bunkergarage, in dem diverse Warthogs stehen und der Master Chief mit anderen Marines auf einen der Jeeps aufspringt. Nach weniger als einer Minute Fahrzeit und dem ersten Checkpoint öffnet sich ein großes Tor und man fährt hinaus in einen der für Halo typischen Landschaftsabschnitte, die durch ihr Leveldesign eines mal engeren und dann wieder weiteren Tals meistens automatisch die Richtung vorgeben.
Die Vegetation fällt im Gegensatz zu dem üppig bewaldeten Level „Sierra 117“ recht spärlich aus, links und rechts säumen zerklüftete Gebirge das Tal und einige Grasflächen sind zu entdecken. Alles in allem wirkt die Landschaftsszenerie ungemein vertraut und hätte so bereits in Halo 2 vorkommen können. Nichts außergewöhnliches also, aber aufgrund der raschen Fahrsequenzen bleibt auch kaum die Zeit, sein Augapfel auf die Umgebung zu lenken.
Als neues Feature lässt sich der links unten angezeigte Gegnerradar als Orientierung nutzen - auch wenn dies fast ein wenig die Überraschung raubt. Abzuwarten wäre natürlich, wie groß die Reichweite des Radars ausfällt und wie stark es einem spielerisch unter die Arme greift. Ob dieses Feature in den höheren Schwierigkeitsgraden ebenfalls vorzufinden ist, ist bislang nicht geklärt.
Spätestens bei den ersten Schusswechseln wird eines sofort deutlich: Es hat sich an der genial einfachen Spielbarkeit dieses Shooters nichts geändert und wer früher die ersten beiden Halo-Teile gespielt hat, wird nur wenige Momente brauchen, um wieder alle nötigen Handgriffe abzurufen.
Sprich: Die Wechsel zwischen den Waffen, Granatenwürfe und das klassische Entern der Fahrzeuge. Neu hingegen ist, dass man nun mittels X-Button sämtliche Spezialaktionen aufrufen kann. Beispielsweise den Einsatz der Schutzschilder, die pro Fraktion in einer speziellen Variante vorliegen, aber von allen nutzbar sind. Das aus der Beta-Phase bekannte Bubble-Shield – ein langer Handgriff mit größerem Endstück, das sich bei der Aktivierung zur vollständigen Wabenkuppel entfaltet -, war hier ebenfalls kurzzeitig zugegen.
In punkto Grafik ist in solchen Abschnitten im Unterschied zu Halo2 kein großer Sprung gemacht worden, aber genau genommen war dies ja auch noch nie die eigentliche Stärke dieses Spiels. Vielmehr fallen nun mehr Objekte auf, die im Kampf als taktische Option genutzt werden können. Vor allem herumliegende und teilweise in mehrere Einzelteile zerbrochene Betonröhren sind in diesem Level ein guter Schutz zur Reaktivierung der eigenen Gesundheit.
Bäume und Sträucher wirken in ihren Texturen sehr realistisch und sind auch in der Nahansicht solide umgesetzt. Ein auffallendes, neues Feature sind die mit Raketenrucksack ausgerüsteten Brutes, die als gegnerisches Ziel eine echte Herausforderung darstellen. Sie sind immer in Bewegung und schießen dann extrem schnell und fliegen nahezu gerade in Richtung Himmel. Genauso senkrecht landen sie auch, jedoch oft nur wenige Meter vor dem eigenen Fadenkreuz.
Dieses Überraschungsmoment funktioniert immer wieder und dürfte im ganzen Spielverlauf extrem viel Abwechslung mit sich bringen. Ob die KI der Brutes, Grunts oder Jackal maßgeblich verbessert wurde, war beim spielen von „Tsavo Highway“ nur bedingt zu bewerten. Während früher die Gegner oft nach Klassen sortiert in einzelnen Wellen auftraten, war hier keinerlei festes Muster auszumachen. Andererseits lockert es sinnvoll die eher klassischen Gegnerwellen auf und die zuvor neu eingeführten Schutzschilder, die der Master Chief nach Bedarf aufstellen kann, könnten als gute Absicherung bei Munitionsschwund oder Gegnerübermacht funktionieren.
Nach den ersten kleineren Einzelkämpfen tauchen in „Tsavo Highway“ auch schon bald vereinzelte Wraith-Panzer auf, die man aber wie gewohnt durch entsprechendes Entern und Granateneinsatz unschädlich macht. Während der Warthog-Jeep für viele Spieler selbst noch nach längerer Fahrzeit in seiner Steuerung eine Herausforderung ist, kommt man mit dem neuen Brute Chopper wesentlich besser zurecht. Die zwei großen Antriebsräder sind ein guter Schutz gegen Frontalfeuer und walzen im Nahkampf besonders die beweglichen Ziele sicher nieder.
Auch in engeren Talabschnitten kann man mit dem Brute Chopper noch schnell wenden und selbst steile Anstiege meistert die galaktische Version der Harley Davidson langsam, aber gekonnt. Absolut unratsam sind Frontkollisionen mit anderen Brute Chopper, da fast immer nur ein eigener Trümmerhaufen übrig bleibt. Das Entern eines vorbeifahrenden Brute Chopper gestaltet sich auch eher schwierig, aufgrund des Tempos bleibt kaum Zeit für entsprechende Manöver. Dummerweise kam es in diesem Level beim Nahkontakt zu Fehlern bei der Kollisionsabfrage, so dass der Master Chief inmitten einer ganzen Texturwand stand und man schlussendlich die Übersicht im Kampfgeschehen verlor.
In zwei Passagen wird man mit dem Jeep oder dem Brute Chopper gezwungen, den zerstörten Highway zu verlassen und als Fußgänger den weiteren Levelverlauf zu erkunden. Jeweils zu den Eingängen der Highwaytunnel stellten aktivierte Energieschilder und größere Barrikaden dann die nächste Hürde da. Feuer aus aufgestellten Plasmakanonen und die hohe Gegnerdichte erfordern vom Master Chief genügend Beweglichkeit und Zielgenauigkeit. Auch die bereits aus Halo2 bekannten, übergroßen Libellen-Wesen fielen dann in mehreren Wellen über einen Pulk mitkämpfender Marines her.
In der leichten Schwierigkeitsstufe war diese Eingangstunnelabschnitte noch recht leicht zu bewältigen; in der Heroic-Einstellung wurde allein die Munition schon sehr schnell knapp und die Angriffsmuster wechselten deutlich, was dann jedoch um so mehr Spaß machte. Leider endete danach dieser Abschnitt von „Tsavo Highway“ und man hätte sich wünschen können, noch in wesentlich mehr Abschnitte einzutauchen.
Übrig bleibt der Eindruck, dass niemand Kompromisse oder eine Aufweichung des Gameplay befürchten muss, auch wenn wirkliche Überraschungen nicht zugegen waren. Aber vielleicht werden diese ja noch in anderen Levels offenbart.
Der Countdown läuft, wir zählen die Tage, Stunden, Minuten....



