Odin Sphere

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Square Enix
Entwickler
Atlus USA
Genre
RPG
PS2: Odin Sphere

Gesamtwertung

7/10

PS2: Odin Sphere

Schon im Januar ( eurogamer.de)habe ich 1126 Worte darüber verloren, wie bemerkenswert schön doch Square Enix‘ Odin Sphere aussieht. Das unterstreicht eigentlich jedes Bild, das man davon im Netz findet nur zu gut. Was Euch die Bilder aber nicht erzählen, ist, dass dieses betörend ätherische Old-School Erlebnis eine furchtbar ungehobelte Zicke sein kann.

Eine, die ab der zehnten Stunde gerne mal ihre guten Manieren vergisst, Euch tritt und piesackt. Eine, die Euch am ausgestreckten Arm verhungern lässt, wenn Ihr nicht einhundert prozentig dabei seid und ihr Eure volle Aufmerksamkeit schenkt. Grafik-Zuckerbrot und Gameplay-Peitsche – hier in unschuldig dreinblickender Spielunion.

Odin Sphere erzählt die Geschichte von Erion in fünf Büchern, die die niedliche Göre Alice zusammen mit ihrem Kater Sokrates auf dem Speicher schmökert. Jedes der nacheinander spielbaren Bücher beleuchtet die Story einer anderen Person in der Geschichte des Landes.

Alles beginnt mit der Walküre Gwendolin, die ihrem Vater, dem bildschirmfüllenden Dämonenfürsten Odin, dabei hilft, den Krieg um den sagenhaften Hexenkessel für sich zu entscheiden. Allerdings ist man sich nicht eben einig darüber, was der überhaupt macht. Fest steht nur, dass er mächtig ist und in den zarten Händen der Feen eine Bedrohung für Odins Reich darstellt.

Die Exposition rund um die ungeliebte Fürsten-Tochter bietet im Verlauf reichlich Nährboden für verschiedene Episoden rund um die Themen Krieg und Frieden, Liebe und Anerkennung, Opferbereitschaft und Gier. Es ist kein Shakespeare, zugegeben. Dank der geschmackvollen Aufmachung, dem (optionalen) tollen japanischen Voice-Acting und der zauberhaften Musik lassen einen die oft minutenlangen Dialoge in Spielgrafik trotzdem häufig an eine Theateraufführung denken. Allerdings eine, die mit bunten Stiften kunstvoll und sehr verspielt zu Papier gebracht wurde.

Der spielbare Part dieses zweidimensionalen Zeichentrick-Schauspiels ist die seitwärts scrollende und Action-betonte Variante eines klassischen Dungeon-Crawlers. Nach und nach durchquert Ihr ein Netz aus ringförmigen Stages, die an klassische Jump’n‘Runs erinnern – minus den Gruben und Plattformen.

Auf dem Weg zum Endboss löst Ihr weder Rätsel, noch habt Ihr große taktische Überlegungen anzustrengen. Stattdessen hat jedes Levelnetz seine eigenen Gegnertypen, die Ihr in bester Seitwärts Klopper-Tradition mit nur einer Angriffs-Taste aus der Spielwelt tilgt.

Für Abwechslung sorgt das eigenwillige Alchemie- und Magie-System. Zaubertränke destilliert Ihr selbst durch das Mischen verschiedener Materie-Fläschchen mit Gemüse, Obst oder anderen Tränken. Das funktioniert nach einem interessanten und eingängigen Wertesystem, ist in der Hitze des Kampfes aber hin und wieder unpraktisch auszuführen.

Das Spiel pausiert beim Mischen nicht vollständig und das neu geschaffene Item dropped immer in die Spielwelt hinein, anstatt in Eurem Inventar zu landen. Ihr müsst es also erst noch aufheben, bevor Ihr erneut ins Menü gehen könnt, um etwa das dringend benötigte Gegengift einnehmen zu können. Das sorgt zwar an für sich für Spannung, geht insgesamt für den hohen Action-Anteil dieses Spiels aber etwas zu ungelenk vonstatten.

Recht nett und durchaus eigenständig ist die Idee, den Spieler selbst mit den Psyphos, der wichtigsten Ressource für Eure Charakterentwicklung, wirtschaften zu lassen. Diese Seelen, die Eure gefallenen Gegner zurücklassen, schweben frei durch den Level und können entweder von Eurer Waffe aufgesaugt werden oder von Euch gepflanzte Samen zum Gedeihen bringen.

Absorbiert Ihr die Psyphos mit Eurer Waffe, steigt diese immer weiter im Level auf, richtet mehr Schaden an und ermöglicht Euch so immer mächtigere Zauber. Um die wiederum ausführen zu können, müsst Ihr aber Eure Psyphos-Leiste stufenweise füllen. Und das geht nur durch das Absorbieren weiterer Seelen.

Wo das Problem dabei liegt? Nun, das Spiel ist einfach sehr, sehr geizig, wenn es darum geht, Euch vor allem Heilungs-Items zur Verfügung zu stellen. Die sollt Ihr nämlich nach Meinung von Vanillaware mithilfe der von Euch gezüchteten Pflanzen selbst besorgen.

Das Saatgut saugt, einmal in den Level hinein gepflanzt, die Psyphos auf wie ein Schwamm und trägt je nach Art eine bestimmte Anzahl Gesundheit spendendes Obst, Gemüse, oder sogar schmackhafte Schafe (!). Das bringt Euch ab und an in eine Zwickmühle, die regelmäßig für ärgerliche Fehlversuche Eurerseits sorgt. Vor allem angesichts teils mehrere tausend Pixel langer End- und Zwischenbosse, die mit einem Treffer gerne die Hälfte Eurer Lebensenergie weg wischen.

Glücklicherweise wird zu Anfang jeder der kurzen Stages ein Checkpoint gesetzt. Trotzdem neigt sich die Motivation nach dem 15. Versuch, mitten im Kampfgetümmel einen Schafbaum mitsamt der rettenden Lammkeulen heran zu züchten, doch etwas ins Negative. Diese Probleme könnt Ihr natürlich durch exzessives Grinden bereits erledigter Stages umgehen, allerdings will man das in Odin Sphere irgendwie einfach nicht.

Außer schöner, aber bekannter Hintergründe und Horden von Feinden, denen man bereits hinfort gelevelt ist, gibt es schließlich nichts zu sehen. Die Aussicht, das relativ simple Gekloppe nur um der Item-Beschaffung willen im Rückwärtsgang erneut durch zu exerzieren, ist nicht allzu sehr verlockend. Besonders in Anbetracht des großen Batzen, der noch vor einem liegt. Allein Gewndolyns Buch kann gut und gerne 15 Stunden in Anspruch nehmen.

Ich für meinen Teil habe da lieber unzählige Bildschirmtode in Kauf genommen und mich millimeterweise vorwärts gekämpft. Eben weil ich einfach wissen wollte, wie es weitergeht. Verbissene Rollenspiel-Veteranen werden zweifelsohne ihre Freude an dem Grindfest haben und daran, in Alchemie und Pflanzenzucht (und später den vielen, vielen Kochrezepten) das Maximum aus ihren Mitteln zu machen.

Spielernaturen, die ein paar entspannende Feierabend-Stunden vor der Glotze erwarten, wird die erbarmungslose Item-Knappheit (falsch gemischt? Tja, Pech gehabt!) aber gekonnt davon abhalten, auch nur bis zu Buch Nummer zwei vorzudringen.

Wen das hohe Anforderungsprofil und die teils auffälligen Ruckler, etwa bei dichtem Feindaufkommen, nicht schocken, der bekommt ein leicht chaotisches, aber immerhin wirklich blendend aussehendes und klingendes Poesiealbum von einem Spiel – und das für nur knapp 30 Euro.

Odin Sphere ist ab sofort für die PlayStation 2 erhältlich.

 

 

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