Gesamtwertung8/10 |
In unserer neuen Rubrik „J!“ stellen wir Euch Importe aus dem Land der unbegrenzten Videospielmöglichkeiten vor. Neben dem normalen Test prüfen wir, ob Ihr als sprachunkundiger Durchschnittseuropäer überhaupt eine Chance habt, den getesteten Titel zu spielen und was Euch vielleicht dabei helfen könnte.
Death Smiles. Diesen Namen solltet Ihr Euch merken. Denn Death Smiles ist der Grund, sich eine japanische Xbox zuzulegen. Bei kaum einem anderen 360-Spiel geht es derart rund auf dem Bildschirm. Kugeln, überall nur Kugeln. Kleine, große, rote, blaue. Die Formationen, die sich dabei aus den Flugbahnen ergeben, könnten als abstraktes Kunstwerk durchgehen. Alles bei konstanter Bildwiederholrate und HD-Grafik. Ein Traum! Nur 3D-Fanatiker krümmen sich vermutlich mit einem epileptischen Anfall vor dem Sofa, denn Death Smiles präsentiert sich komplett zweidimensional. Das heißt: keine Polygone, keine Texturtapeten. Alles gezeichnet und vorgerendert. Ein Ballerspiel der alten Schule eben. Und das ist gut so.
Elegant tanzt Eure weibliche Spielfigur (vier wählbare an der Zahl) durch den Schussteppich von einer Lücke zur nächsten, dabei selbst unzählige Projektile spuckend. Mal schaut Ihr nach links und schickt die Angreifer zur Hölle, mal nach rechts. Begleitet werden die Aktionen von einer Rockoper-Synthesizer-Musik, die auch in der Castlevania-Serie aus dem Lautsprecher tönen könnte.
Normalerweise düse ich ja lieber mit Raumschiffen und Flugzeugen statt mit kleinen Mädchen durch die Gegend, doch heute mache ich tatsächlich gerne eine Ausnahme. Sehr gerne. Denn Death Smiles ist der beste 2D-Horizontal-Shooter seiner Generation. R-Type Dimensions, Mutant Storm, Omega Five – vergesst alle Xbox-Live-Arcade-Downloads! Death Smiles regiert in einer anderen Liga. Champions League! Selbst Vollpreisballereien wie Konamis Gradius-Ableger Otomedius wirken im Vergleich wie seelenlose Hobby-Produktionen.
Überall trefft Ihr auf schräge Gruselgestalten. Besonders an den Endbossen durfte sich jemand austoben, dem offenbar kein Marketingleiter mit Massenmarktambitionen im Genick hockte. Ein Sensenmann versucht Eure Spielfigur zu filetieren, ein an den Boden genagelter Riesenkopf speit Gift und Galle oder ein bildschirmhoher Schauerbaum greift mit hölzernen Klauen nach Euch. Das Horror-Gothic-Flair der Spielwelt reizt bereits ab dem ersten Level, auch die verbleibenden sieben Abschnitte sehen zu wollen.
Damit das auch passiert, lässt Euch das Spiel vor jedem Level die Wahl zwischen drei Schwierigkeitsgraden. Wirklich vor jedem Level. Himmel, hatte der Endboss-Drache vorhin nicht zwei Köpfe weniger? Überhaupt schwirren plötzlich ganz schön viele Schüsse durch die Höhle. Während Stufe 1 Euch noch etwas schont, fordert Stufe 3 auch den Profi. Aber ein feiner Zug, dass man auch mal zurückstecken darf, falls ein Teilstück die Leben auffrisst. Ideal um die eigenen Joypad-Künste zu perfektionieren.
Das kleine Protagonisten-Luder mit der Peitsche erfüllt rein optisch jede Otaku-Fetisch-Wunschvorstellung. Kulleraugen, üppiges Dekolleté, Strapse ... Zeit, die Göre ausführlich zu begaffen, bleibt trotzdem allenfalls im Pause-Modus, denn die Entwickler lassen den Bildschirm jede Sekunde vor Action blinken wie Las Vegas bei Nacht.
Ständig wechsle ich zwischen bequemem Dauerfeuer, schnellem Knopfhämmern und Zielsuchschuss. Plötzlich ertönt ein irres Muhen. Von links schiebt sich mit Riesenschritten eine monströse, schlecht gelaunte Kuh ins Bild. Und greift an. Rinderwahnsinn! DAS können die Programmierer von Cave doch unmöglich in ein Spiel gepackt haben? Oh doch, sie können. Vielen Dank dafür, herrlich!
Ebenfalls krank, aber weniger erfreulich ist, dass das Xbox-Laufwerk mit dem Spiel rattert wie eine zweimotorige Propellermaschine. Auf die Festplatte kopiert, lässt der Krach ein wenig nach. Dafür erwartet Euch neben der aufgepeppten Xbox-Version auch die Original-Spielhallen-Fassung in zwei Varianten (Urfassung und überarbeitete Version 1.1). Als zusätzlichen Download-Inhalt gibt es die „Mega Black Label“-Neuauflage, die neben einem neuen Charakter und Änderungen bei den Score-Möglichkeiten auch ein neues Level bietet.
Der Friedhof wirkt gespenstisch. Kein Wunder: Aus dem Schornstein des Hexenhauses strömen Unmengen an Geistern. Doch Euer Mädchen und ihre Drohnen-Fledermaus kümmern sich bereits um sie. Erst danach wird auf das Holzhaus geballert. bis es gelb leuchtet. Mit einem Knall fliegt die Bude in die Luft und gibt ihren Inhalt frei. Willkommen zum Bonuspunkte-Inferno!
Wie es sich für moderne Shooter gehört, lohnt es sich auch bei Death Smiles auf Highscore-Jagd zu gehen. Den Bonuszähler genau im richtigen Moment auf 1.000 zu bringen und danach runterticken zu lassen, erfordert allerdings Geschick. Profi-Punktejäger dürfte bei der Highscore-Safari jedoch stören, dass nur an wenigen Stellen vernünftig gepunktet werden kann und nicht jederzeit wie bei Ikaruga. Wer diese Momente verpasst, hat Pech. Das hemmt ein wenig den Spielfluss und fördert eher Geduld und Gedächtnis statt Geschick.
Wer Death Smiles ohne diesen Profi-Anspruch genießen kann, liegt hingegen goldrichtig. Falls Ihr doch noch Ambitionen in diese Richtung entwickelt, ladet Euch über die Rangliste auf Xbox Live die Wiederholungen der Top-Spieler herunter. Spätestens jetzt solltet Ihr ehrfürchtig vor dem Fernseher niederknien und dem Ballerspielgott einen Controller opfern.
J! - Allgemeine Hinweise zu Death Smiles
Ihr habt Glück, Rollenspieler dürfen nun vor Neid grün anlaufen: Auch ohne Japanisch-Kenntnisse lässt sich Death Smiles prima spielen - sofern Ihr im Besitz einer japanischen Xbox 360 seid! Das Hauptmenü bietet sogar englische Texte. In den Untermenüs erleichtern Grafiken die Entscheidung. Falls Euch doch mal ein japanischer Menütext verunsichern sollte, probiert es einfach aus, schief gehen kann nicht. Die zwei Optionen nach der Wahl der Spielfigur fragen zum Beispiel, ob vor Spielbeginn die Steuerung erklärt werden soll.
Doch eine Sprachhürde bleibt bestehen: Die kurzen Zwischensequenzen zwischen den Levels verstehen nur Menschen mit den passenden Fremdsprachenkenntnissen. Aber mal ehrlich: Interessiert Euch wirklich, warum Ihr in Death Smiles die Gegner niedermähen dürft?
Halleluja, Death Smiles ist ein Meisterwerk. In diesem Spiel steckt eindeutig die Essenz aus 30 Jahren Ballerspielen. Die Entwickler zünden von Anfang an ein Kugel-Dauerfeuerwerk, das 2D-Anhängern vor Freude die Tränen in die Augen treibt.
Rechnet besser trotzdem nicht damit, dass es für PAL-Geräte erscheint, denn das sind auch die zahlreichen anderen Japan-Shooter-Perlen bisher nicht. Und wer 2D-Grafik für überholt hält, sollte zu Death Smiles 50 Meter Sicherheitsabstand wahren.
Death Smiles ist aktuell nur in den asiatischen Gefilden erhältlich. Eine Veröffentlichung in unseren Landen ist nicht zu erwarten.
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DeathSmiles im Test.
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