Trauma Center: Second Opinion

Review
Plattform
WII
Entwickler
Atlus USA
Genre
Simulation
WII: Trauma Center: Second Opinion

Gesamtwertung

8/10

WII: Trauma Center: Second Opinion

(Schwester Tanja) Herr Doktor, Herr Doktor, ich glaube, ich leide unter einem postmenstrualen Stress-Syndrom.

(Doktor Lampe) Schwester Tanja, muss ich mir Sorgen machen? Ich brauche Sie doch im OP. Wie genau äußerst sich denn dieses Syndrom?

(Schwester Tanja) Ich fühle mich in einem Déjà-vu gefangen. Egal wohin ich auch schaue, was ich auch höre und anfasse, alles scheint mir so unheimlich vertraut. Ich kann sogar den Ablauf der Dinge vorhersagen. Wobei ich gestehen muss, dass die Dimensionen in meinen Erinnerungen etwas kleiner ausfallen.

(Doktor Lampe) Soso, ein Deja-Entendu-Phänomen bedingt durch Stress. Das wäre eine medizinische Sensation - vielleicht sollten wir Sie auf Nervengifte und halluzinogene Substanzen testen. Was macht Ihr Drogenkonsum?

(Schwester Tanja) Herr Doktor, bitte unterlassen Sie doch diese unverschämten Anspielungen. Ich kann Ihnen 100 prozentig versichern, dass ich das hier alles schon einmal erlebt habe. Nun ja, fast alles. An eine Reihe von Operationen, durchgeführt von Ihrer geheimnisvollen Kollegin Nozomi Weaver sowie Ihnen beiden im Team, kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Was keinesfalls gegen die Dame sprechen soll. Unter uns gesagt: Diese Ärztin macht Ihnen in Sachen medizinisches Handwerk noch einiges vor. Oder durften Sie schon einmal Knochen zusammenflicken, eine Nieren-Transplantation vornehmen oder eine Operation im Scheine einer Taschenlampe und dem Blitzlicht eines Fotoapparates durchführen?

(Doktor Lampe) Sie meinen die junge Austauschkollegin aus Fernost? Ich traue ihr nicht über den Weg, obgleich ihre medizinischen Fähigkeiten erstklassig sind. Wie sie mit den Knochen jongliert ist einzigartig, hätte ich nicht besser gekonnt. Allerdings wäre es für alle Beteiligten von Vorteil gewesen, hätte sie erst einmal erklärt, wie sie den Eingriff vorzunehmen gedenkt. Anfangs stand ich vor einem Rätsel und wusste folglich nicht, welche Prozedur mit dem Forceps anzuwenden ist. Aber Probieren geht über Studieren, nicht wahr, Schwester. Ach, sie haben ja gar nicht studiert.

(Schwester Tanja) Herr Doktor, ich muss doch sehr bitten. Ohne meine fachliche Mithilfe wären Sie im Operationssaal doch vollkommen verloren. Bedenken Sie nur all die Ratschläge und Hinweise, die ich Ihnen zwischen der Laserbehandlung, dem Umgang mit der Drainage und den Skalpell-Schnitten zuflüstere.

(Doktor Lampe) Natürlich sind Ihre Hinweise äußerst hilfreich, andererseits jedoch auch mitunter etwas nervig. Im Allgemeinen begrüße ich schöne Frauen in meiner Nähe, aber wenn Sie mit ihrem hübschen Gesicht die Sicht versperren, kommen Menschen dadurch zu Schaden. Also, wenn der Puls fällt, Bahn frei für den Doktor, einverstanden?

(Schwester Tanja) Den Vorwurf, ich versperre Ihnen die Sicht bei den Eingriffen, muss ich vehement von mir weisen. Oder spielen Sie da etwa auf den Zwischenfall mit der mehrfachen Tumorbildung bei unserem Risiko-Patienten an? Hätten Sie, wie zu Beginn erklärt, die zweite Funktion des Ultraschalls richtiggehend benutzt und so das Sichtfeld verschoben, wäre es zu dieser Misere gar nicht erst gekommen. So oder so haben Sie kaum Grund, sich zu beschweren. Aufgrund des zugänglichen Besteckes, das Sie mittels unseres medizinischen Sticks, in Kennerkreisen Nunchuck genant, zu Ihrer linken Seite auswählen und intuitiv mit der rechten Hand führen, sind die Operationen für Veteranen doch überwiegend ein Klacks. Oder meinen Sie nicht?

(Doktor Lampe) Sehr gut beobachtet, Schwester. Früher habe ich oft auf Reisen praktiziert und diese Operationen treiben mir heute noch den Angstschweiß auf die Stirn - fast hätte ich durch all den Frust meinen Job an den Nagel gehängt. Doch plötzlich gelingt jeder Handgriff intuitiver denn je und die verbesserte Zugänglichkeit rettet in Extremsituationen Leben. Und davon hatte ich reichlich in den letzten Tagen. Langweile ist ein Fremdwort, denn jeder Tag bietet eine neue Herausforderung. Speziell dank dieser schlimmen Krankheit namens GUILT, die gerüchtweise zu Terrorismuszwecken freigesetzt wurde.

(Schwester Tanja) Ja, die Virenstämme von GUILT machen uns wahrlich das Leben schwer. Dennoch....nicht jeder angehende Mediziner ist in dem Fach so bewandert wie Sie und ich. Besonders die taufrischen Assistenz-Ärzte, die zum ersten Male das Messer schwingen, könnten zu Beginn mit der Anwendung etwas überfordert sein. Zumal unser Chefarzt darauf verzichtet hat, im Vorfeld für einen angemessenen Lehrgang zu sorgen.

(Doktor Lampe) Wie heißt es doch so schön: Learning by doing. Ein Leitspruch, der auch für dieses Hospital gilt. Im Prinzip sollte jeder Arzt aber wissen, was er tut. Und falls nicht, muss er einen kurzen Blick in die Lehrbücher werfen. Etwas umständlich, ich weiß, jedoch nicht zu ändern. Nichtsdestotrotz sind wir uns sicher einig, Schwester Tanja, dass hier jeder gut bedient wird - egal ob angehender Medizinstudent, Hobby-Chirurg oder Halbgott in Weiß. Und wem die entsprechenden Gegebenheiten zu schwierig oder im Umkehrschluss zu einfach erscheinen, probiert sein Glück eben mit mehr respektive weniger Risiko-Faktor. Übrigens: Dass Sie Probleme damit hatten, ist klar, schließlich bin ich hier der Chirurg.

(Schwester Tanja) Ein Chirurg, der es nicht versteht, mit dem Ultraschall-Gerät umzugehen. Und da wir gerade auf Ihre Kompetenz zu sprechen kommen: Sie scheinen neuerdings unter erheblichen Problemen mit Ihrer Schneidetechnik zu leiden. Bei etlichen Operationen sind die von Ihnen getätigten Schnitte eher schlecht als recht ausgefallen, fast schon schlampiger als die Versuche eines Praktikanten. Falls Sie jemanden brauchen, der Ihnen die präzise Handhabung des Skalpell erläutern soll, wissen Sie ja, wo Sie mich finden.

(Doktor Lampe) Ich muss gestehen, diese kleinen Schönheitsfehler beschämen mich zutiefst, übe ich diese Tätigkeit doch schon seit Jahren aus. Und bis jetzt habe ich auch noch nicht die Ursache gefunden. Ist es mangelnde Genauigkeit? Oder war ich einfach zu langsam? Dabei habe ich äußerst sensible Hände, was sich bei den gezielten und schnell gezogenen Nähten zeigt. Aber falls ich Nachhilfe brauche, melde ich mich selbstredend, bei Ihnen klappt das ja wie am Schnürchen. Im Gegenzug kann ich Ihnen vielleicht den Umgang mit dem neuen Defibrillator erklären?

(Schwester Tanja) Ich kann mich zwar nicht entsinnen, damit Probleme gehabt zu haben, aber Ihren Ausführungen lausche ich natürlich nur allzu gerne.

(Doktor Lampe) Nun, der Defibrillator ist ein sinnvolles Werkzeug, das bei Herzstillstand zum Zuge kommt. Sie kennen die Situation sicherlich zur Genüge: Der Patient neigt zu spontanem Kammerflimmern, der Puls fällt in den Keller, Null-Linie. In solchen brenzligen Momenten müssen Sie mit beiden Händen zu den Elektroden greifen. Anschließend drücken Sie die Flächen auf den Brustkorb des Patienten - also schön nah rangehen – und sobald die Spannung des Kondensators im richtigen Bereich liegt, hierfür achten Sie übrigens tunlichst auf die grüne Markierung in der Anzeige, geben Sie die Energie per Knopfdruck auf das Herz ab. Schon ist der Patient wieder unter den Lebenden. Wenn man bedenkt, dass wir früher zu einer regulären, anstrengenden Herzmassage greifen mussten, ist solch ein Wunderwerk der Technik ein Segen für Ärzte und Patienten zugleich.

(Schwester Tanja) Wie recht Sie doch haben. Mal etwas anderes: Abseits der Schelte muss ich Ihnen meinen Respekt zollen. Wie Sie bei der Bombenentschärfung das Skalpell, den Laser und das Forceps geschwungen haben, das war wirklich erstaunlich. Und Ihrer regen Schweißproduktion nach zu urteilen, auch nicht ganz einfach. Bei der Stelle, wo Sie die Positionen der Stecker im Spannungsregulator vertauschen mussten, sah es zeitweise sogar ungemein dramatisch aus. Täuscht mich der Eindruck oder hatten Sie mit den Steckern ziemlich zu kämpfen?

(Doktor Lampe) Gekonnt ist gekonnt, meine Liebe, allerdings täuscht der Eindruck nicht. Es ist leichter, ein Leben zu retten, als es gegen eine Bombe mit solch störrischen Steckern aufzunehmen. Ich muss gestehen, ich hatte nicht das Gefühl, die volle Kontrolle zu besitzen – so als reagierten meine Hände nicht auf die Impulse meines Hirns. Dass es letztendlich doch funktionierte, schreibe ich voll und ganz der Glücksfee zu.

(Schwester Tanja) Wohl eher Ihrem Schutzengel. Wie dem auch sei, es war eine ausgesprochen faszinierende und auch intensive Erfahrung. Dass Sie trotz all der harten Arbeit und der vielen Überstunden aber weiterhin wie das blühende Leben wirken, ist mir indes schleierhaft. Wie machen Sie das bloß?

(Doktor Lampe) Das liegt vermutlich daran, dass ich zuvor einen ausgiebigen Urlaub genießen durfte, auch wenn mir die anschließende Übergangszeit in Amerika eindeutig zu lang erschien. Darüber hinaus ist das Klima in der Klinik erfrischend abwechslungsreich. Obwohl...manchmal wünsche ich mir, die Kollegen hätten weniger zu besprechen und ich müsste nicht Wortschwall über Wortschwall über mich ergehen lassen. Ohne die fleißigen Mitarbeiter diskreditieren zu wollen, aber die Unterhaltungen fallen zuweilen anstrengender aus als der darauf folgende Eingriff. Ich sollte jedoch anmerken, dass ich schon immer ein Mann der Tat und nicht des Wortes war.

(Schwester Tanja) Herr Doktor, seien Sie sich gewiss, auch ich hege diesen Wunsch. Des Öfteren ertappe ich mich dabei, wie ich bei den Vorbesprechungen nur noch mit einem Ohr zuhöre, während ich in Gedanken bereits inmitten der nächsten Operation stecke. Andererseits steht es nicht nur in unserer Pflicht, das Leben der Patienten zu retten, sondern diese Personen auch mental aufzubauen, die Umstände zu erfahren sowie eine Art Beziehung aufzubauen. Und sind wir doch einmal ehrlich: Würden sich lediglich anonyme Körper die Klinke in die Hand geben, wäre unser Enthusiasmus deutlich geringer. Abgesehen von der Bewertung unserer Leistung natürlich.

(Doktor Lampe) Wie wahr, wie wahr. Dem habe ich nichts zuzufügen.

Trauma Center: Second Opinion ist seit kurzem für die Wii im Handel erhältlich.

 

 

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