Gesamtwertung4/10 |
Geht denn heute gar nichts mehr ohne Lerneffekt? Ohne Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit oder Stählung des Körpers, ohne wissen zu müssen, wie sehr sich durch die soeben durchgeführte Übung mein Intellekt steigern konnte? Dr. Kawashima ist schuld. Seit er in die Welt der Videospiele eingestiegen ist, werden wir immer wieder darüber informiert, wie gut wir durch das Spielen geworden sind, was sich verbessert oder, oh Graus, verschlechtert hat. Was ist eigentlich aus dem Spielen um des Spielens Willen geworden?
Auch Unsolved Crimes: Tatort New York will es sich nicht anhängen lassen, reine Zeitverschwendung zu sein. Nein, es gibt eine schöne Statistik mit einer zackigen Grafik, die zeigt, wie sehr sich Bestimmtheit, Intelligenz, Intuition, Kondition und Wahrnehmung verbessert haben. Wozu die Kondition dient, ist nicht ganz klar – schließlich handelt es sich bei Unsolved Crimes um ein Adventure mit Who-Dunnit-Einschlag und nicht um ein Ausdauertraining im WiiFit-Stil.
Das Kapitalverbrecherjagen fängt bieder an: Kaum von irgendeiner ominösen Polizistenakademie graduiert, schon steht man mitten im Polizeialltag des Jahres 1976. Das heißt erst mal Klischees ohne Ende. Der bärbeißige, aber herzliche Chef, die ruppige und doch warmherzige Partnerin Marcy. Letztere spielt die Mentorin. Sie ist es, die bei allen Fällen die Fragen stellt und die Fäden in der Hand hält.
Zunächst erhält der Spieler einen Überblick über den zu analysierenden Fall: Tathergang, Beweisstücke, Zeugenaussagen, Verdächtige. Diese Informationen stehen über ein Menü stets zur Verfügung, falls das Gedächtnis mal nicht mitspielt. Zudem lassen sich Notizen machen, allerdings braucht man das Feature nicht, da ohnehin alles auf dem Silbertablett präsentiert wird. Nach der generellen Einführung geht es direkt an den Tatort und die Spurensuche beginnt.
Das Ganze könnte ein spannendes Crime-Adventure werden – leider steht dem Spiel vor allem der extrem niedrige Schwierigkeitsgrad im Weg. Schon nach kurzer Zeit ist man im Bilde, was eigentlich passiert ist und klickt sich mehr oder minder gelangweilt durch die Beweisführung, bis der Fall endlich als gelöst gilt. Ein vorgetäuschter Suizid wird so zum Klickfest. Das Opfer war Linkshänder, die Waffe aber in der rechten Hand. Mit ein wenig Deduktion weiß man innerhalb von Sekunden, wer der Mörder war. Er wird sogar als jähzornig beschrieben.
Die Bösen sind fies, die Unschuldigen irgendwie naiv – Unsolved Crimes geizt nicht mit simplen Konstruktionen und verhindert so, dass das Spiel aufblüht, lebendig wird. Mit der Zeit hat man einfach keine Lust mehr, die ständigen Multiple-Choice-Fragen zu beantworten, die einem die Kollegin stellt. Zumal die meisten Antworten ohnehin Humbug sind. Es fühlt sich an, als würde die gute Marcy ihr Küken kaum aus den Augen lassen, so vehement fordert sie ständig auf, selbst die kleinste Kleinigkeit zu erklären. Das hat mehr was von Abitur denn Polizeiarbeit.
Schlimmer noch verpackte Unsolved Crimes in einigen Fragenrunden selbst offensichtliche Antworten in solch kryptische Verklausulierungen, dass man am Ende sich seiner Sache nicht mehr sicher ist. Wer dann schon der ständigen bohrenden Fragen überdrüssig ist, sollte sich auf noch mehr Unbill einrichten. Der Boss erwartet ständig einen Bericht über die Sachlage. Also alles noch einmal durchkauen und die Fakten erneut aufreihen. Sicher, das hilft den Fall zu verinnerlichen, weiß man aber schon wie der Hase läuft, nervt das langsame Herantasten an das Finale.
Auch der Versuch, den Charakteren etwas Kontur zu geben und eine kleine Hintergrundgeschichte einzuführen, scheitert. Unsolved Crimes bleibt flach und ohne Profil. Dabei ist die Idee, ein Phoenix Wright mit einem etwas ernsthafteren Hintergrund zu schaffen, gar nicht schlecht. Leider fehlt es an wirklich kniffligen Fällen und an Freiheiten. Denn mehr als den Tatort nach ein paar Indizien abgrasen, bestimmte Beweisstücke finden und schlussendlich massenweise die Multiple-Choice-Fragen zu beantworten, ist auf Dauer nicht wirklich aufregend. Da helfen auch kleine, banale Geschicklichkeitseinschübe nichts, bei denen man ein Vehikel unter Kontrolle halten oder sich innerhalb von Sekunden ein Kennzeichen merken soll.
Unsolved Crimes hat den Charme eines Polizeiberichts. Das gesamte Spiel wirkt spröde und trocken, es mangelt an Witz und Esprit. Die Fälle lassen sich zudem meist recht schnell lösen. Profis sind folglich schnell durch. Die Charaktere sind so blass wie uninteressant, was jedoch zur grauen und schlichten Grafik sowie der fast nicht vorhanden Soundausgabe passt. Es bleibt also wirklich nur den fanatischsten Kimi-Fans überlassen, die abendliche Lektüre des neuen Henning Mankell gegen Unsolved Crimes einzutauschen. Die werden dann aufgrund der eher leichten Übungen aber schnell in tiefen Schlummer fallen
Unsolved Crimes: Tatort New York ist im Handel für den NDS erhältlich.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Unsolved Crimes im Test.
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.