Nach einer kurzen, aber heftigen Debatte im Rahmen des XBLA / Originals – Features
, überdachten wir das Wertungssystem der kleinen Spiele noch einmal. Verschiedene Möglichkeiten boten sich an. Ignorieren wir die Tatsache, dass sie wenig kosten und setzen wir sie mit den großen Jungs in einen Käfig? Wohl eher nicht. Da würden sie unverdient zerpflückt werden.
Bleiben wir dabei, dass wir auf der Skala von 10 bewerten und denken uns in diese Wertung das Verhältnis von Preis und Leistung mit hinein? Offensichtlich führte dies zu Verwirrungen, wie wir alten und schwachen – oder vielmehr kleinen – Titeln die gleichen Noten geben können, die sich die Schwergewichte so hart erarbeiten.
Am Ende entschieden wir uns dafür, die XBLA, Xbox Classics und ab sofort auch die Sony-Klein-Downloadtitel in den selben Streichelzoo wie die Wii Virtual-Console-Ware zu stecken: Wertungsrahmen:Eins bis Fünf. Welpenschutz in einer eigenen Liga.
Quizstunde. Welches Spiel wird gesucht? Euer Held startet in einem von Monstern belagerten Städtchen. Dort geben Euch die verzweifelten Bewohner allerlei Aufträge. Von der Stadt aus gehen Dungeons weg, in denen zahlreiche Monster lauern, die Ihr per Knopfdruck niederstreckt. Tote Monster bedeuten Erfahrungspunkte, manchmal Waffen und Rüstungen.
Sollte es Euch nicht so gut gehen, werft Ihr einen Trank ein, Rot für Lebensenergie, Blau für Magie. Irgendwann wird das Leveln Euch allein zu dumm und Ihr spielt die gestellten Aufgaben online mit anderen Recken. Bis der letzte, finale Oberfiesling besiegt ist. Und danach geht es wieder von vorn los, mit einem starken Helden. Und starken Monstern.
Habt Ihr jetzt Eure Punkte auf Diablo gesetzt, hättet Ihr natürlich recht, eigentlich lautet die gesuchte Antwort aber Arkadian Warriors. Sierra hielt sich bei ihrem Action-Rollenspiel brav an die Regel, dass jeder, der keine Idee hat, besser eine gute klaut. Und die von Diablo war schon immer eine sehr gute.
Leider auch eine, die den Charme des Neuen schon vor sehr langer Zeit verloren hat. So niedlich Arcadian Warriors auch sein mag, schon nach einer Stunde wird Euch aufgehen, dass sich jede der Aufträge eigentlich genauso spielt wie der vorhergehende. Ziehe hinfort, großer Held und töte
O 10 Goblins
O 20 Wildschweine
O 30 Wölfe
(Zutreffendes bitte ankreuzen)
Insgesamt warten 19 dieser inhaltsleeren Dungeonabenteuer auf Euch, jedes mit einem eigenen, ziemlich einfachen Endgegner. Jede Quest dürft Ihr anschließend beliebig wiederholen, nur sieht der kleine Dungeon genauso aus wie vorher.
Der Multiplayer bringt ein ganz klein wenig Abwechslung, es ist allerdings schade, dass Ihr auch online nur zu zweit und nicht als Großgruppe durch die Unterwelt marodieren dürft. Letztendlich sorgt aber die simple Charakterentwicklung, das eingeschränkte Inventar und die Tatsache, dass Ihr immer noch durch die gleichen Dungeons spurtet, auch hier früher als nötig für Langeweile.
Es mag an mir liegen, vielleicht bin ich schon zu lange dabei, als dass ich den durchaus vorhandenen Simpelcharme richtig würdigen kann. Solltet Ihr noch nie einen Dungeon gesehen haben, bietet Arcadian Warriors einen brauchbaren Einstieg, der Euch aber schon bald nach größeren Taten in anderen Gefilden streben lassen wird. Manchmal reicht es nicht, sich keine großen Schnitzer zu leisten, wenn das Ergebnis etwas blass bleibt.
Wertung: 3 / 5
Ist Euch eigentlich auch schon mal aufgefallen, dass es grundsätzlich nicht möglich ist, einfach nur die Menge an Punkten zu kaufen, die man gerade braucht? Ein Spiel kostet 400, 800 oder 1200 Punkte. Warum kann ich nur 500, 1000 oder 2000 kaufen?
Es ist jetzt nicht so, dass sie schlecht werden, aber es ist ein unverzinstes, wenn auch kleines Kapital, dass Ihr anschließend brach herumliegen habt. Gut für Microsoft. Nicht ganz so gut für Euch.
Flashback – 1992, vier Freunde scharen sich um das Super Nintendo und zocken auf Teufel komm raus Mario Kart. Es ist eine kleine Party, wilde Flüche, Jubelgeschrei, schmerzhafte Niederlagen und unvergessliche Siege. Wie auch Arkadian Warriors legt sich Gripshift, der zweite Titel der Woche, in ein vor langer Zeit gemachtes Bett.
Sidhe Interactive begnügte sich aber schon beim ersten Release vor zwei Jahren auf der PSP nicht mit den Ideen von damals, sondern packte so ziemlich alles, was sich mit einem Fun-Kart anstellen lässt, in sein Spiel. Spielt Ihr zunächst allein, wird Euch der Puzzle-Modus ins Auge fallen. Puzzle-Modus? Kart-Spiel? Im einem Satz?
Auf den Strecken wurden zahlreiche Abkürzungen, Sprünge, Beschleunigen und allerlei mehr platziert, was Euch hilft oder hindert, Sterne einzusammeln oder Bestzeiten zu erreichen. Es beginnt harmlos, später werdet Ihr lange rätseln, wie die geforderte Leistung wohl zu erreichen sei. Aber selbst bei den kniffeligsten Leveln werdet Ihr es immer wieder versuchen, selbst wenn sich die Steuerung bei hohen Geschwindigkeiten eher trickreich gestaltet und eine kleine Herausforderung in sich darstellt.
Habt Ihr dann genug gepuzzelt geht es gegen die KI auf die Piste und wird Euch eine bittere Lektion erteilen: Es wartet eine steile Kurve, das heißt Lernkurve in diesem Falle. Ziemlich oft werdet Ihr in den Abgrund neben der Piste segeln, an der Bande entlang schrammen und vom Computer in Stücke gebombt werden. Aber dann wird es besser und Eure Zeit ist gekommen. Mit Minen, Raketen und anderen Verkehrshilfsmitteln rückt Ihr den Kontrahenten zu Leibe und schließlich folgt Sieg auf Sieg.
Seid Ihr dann bereit, bleibt nur der Kampf gegen das gefährlichste Raubtier auf dem Planeten: Dem Menschen. Vier Spieler können gegeneinander antreten und sich auf den vielfältigen Pisten mit einer Unmenge an freischaltbaren Fahrzeugvarianten beharken. Hier macht die Wahl der Waffen oder vielmehr des Untersatzes auch einen echten Unterschied. Die Variationen zwischen mehr Tempo oder Grip werdet Ihr in jeder Kurve und Neigung spüren.
Sollte Euch der erste Platz dagegen egal sein und nur die rauchenden Trümmer der anderen Euch Freude schenken, warten die 20 Battlearenas auf Euren Besuch. Wie bei Mario Kart geht es nur darum, wer zuerst in den Deathmatches die Konkurrenz zerlegt. Schnell, spannend und spaßig. Und eine Erinnerung daran, dass online einen Segen, aber nicht die Erfüllung darstellt. Es ersetzt leider nicht das Gefühl, mit vier Freunden in einem Zimmer Videospielparty zu machen. Und so macht sich der fehlende Splitscreen leider schmerzhaft bemerkbar.
Das ist dann aber auch einer der ganz wenigen echten Kritikpunkte an Gripshift. Ein großzügiger Umfang, gute Technik und Spielbarkeit bieten Euch ein wunderbares Gegengewicht zu den geforderten 800 Punkten. Allein werdet Ihr Euch nach den Puzzles eher schnell langweilen, Online hält der Spaß dagegen sehr lange an. Ganz im Sinne des XBLA-Konzepts halt: Einfach mal kurz anmachen und eine Runde Spaß haben! Hier geht es auf.
Wertung: 4/5
Randnotiz der Woche: Sidhe Interactive entlieh seinem Namen dem irischen Elfenvolk der Sidhe. Diese sind nicht nur die weltbesten Dudelsackpfeifer, sondern versorgen auch ihr Vieh, trinken Whisky und borgen sich von den Nachbarn Milch und Mehl. Sagt Wikipedia. Und Wikipedia lügt nie.