Battalion Wars 2

Review
Plattform
WII
Vertrieb
Nintendo
Entwickler
Nintendo
WII: Battalion Wars 2

Gesamtwertung

7/10

WII: Battalion Wars 2

Zwei Genres unter einen Hut zu bringen, ist alles andere als einfach, sollte man meinen. Vor allem, wenn es um zwei solch unterschiedliche Sparten wie Strategie- und Actionspiele geht. Doch die Vergangenheit lehrte uns eines Besseren, denn Battlezone, Hostile Waters und wie sie alle hießen, waren ganz großartige Titel. Hervorragend gelang ihnen die vermeintlich so schwierige Vereinigung - nur spielen wollte sie blöderweise niemand.

Warum, das ist ein interessanter Punkt. Mochten sich die Strategen nicht darauf einlassen, selbst Hand an die Waffe legen zu müssen? War es den Action-Fans zu mühsam, andere Einheiten zu kommandieren und mehr als das eigene Fadenkreuz im Auge zu behalten? Oder mangelte es den Spielen an Übersicht? Waren sie zu komplex, zu verzwickt, zu anspruchsvoll? Möglich ist das alles.

Wir wollen diese Fragen im Hinterkopf behalten, während wir uns nun Battalion Wars 2 widmen; Nintendos aktuellem Versuch, die beiden besagten Genres zusammen zu führen. Im ersten Teil auf dem GameCube hatte das immerhin schon ordentlich geklappt, obwohl der anfangs verwirrenderweise zur Konsolen-Version von Advance Wars erklärt worden war. Mit dem hatte das Spiel zwar etliche Einheiten und den kunterbunten Look gemein, mehr jedoch nicht. Und Ausgabe Zwei dank Dark Conflict, dem jüngsten Handheld-Sprößling, nicht einmal das.

Aber zur Sache.

Fünf Kampagnen erwarten Euch in Battalion Wars 2, in denen beinahe sämtliche Fraktionen der Spielwelt mal gegeneinander kämpfen. Zu erläutern, wer, wann, weshalb und mit wem, würde zu weit führen, ist aber auch irrelevant - denn im Grunde hat jeder seine guten und schlechten Seiten. Wichtig ist nur, dass ein Krieg tobt und es dabei gewaltig kracht.

Der Schwerpunkt liegt nämlich nicht auf realistischen oder zumindest glaubwürdigen Schlachten, sondern auf einer actionreichen, dramatischen Inszenierung, wofür Ihr eine gewisse Linearität und Simplizität in Kauf nehmen müsst.

Eine typische Mission sieht etwa so aus: Ihr beginnt Euren Einsatz auf einem Schiff, das sich in Anfahrt auf eine feindliche Insel befindet. Erstes Ziel ist es, den Strand vom einigermaßen sicheren Meer aus von gegnerischen Truppen zu reinigen, um eine unkomplizierte Landung zu ermöglichen. Ist das geschafft, findet Ihr Euch mit ein paar Fußsoldaten auf dem Festland wieder und hetzt zum nächsten Missionsziel, der Eroberung einer Waffenfabrik oder eines Flugplatzes beispielsweise.

Ihr folgt also einem sehr strikt vorgezeichneten Weg, kabbelt Euch mit ein paar Widersachern und sichert schließlich den anvisierten Stützpunkt, indem Ihr dort eine Flagge hisst. Gelingt das, droht unter Umständen ein kleiner Gegenangriff, bevor Euch das jeweilige Gebäude endgültig gehört und zusätzliche Truppen, Fahrzeuge oder gar Flugzeuge produziert. Mit dieser Verstärkung begebt Ihr Euch schließlich auf den Weg zum Hauptquartier des Kontrahenten...

Wie sich an dieser knappen Beschreibung bereits erahnen lässt, ist viel strategische Planung und Taktik da nicht drin. Ihr lauft eben die angegebenen Wegpunkte ab, erfüllt die Anweisungen Eures Kommandanten und das war's. Ja, hin und wieder dürft Ihr Euch für oder gegen ein Sekundärziel entscheiden, manchmal müsst Ihr die Zeit im Auge behalten, aber das war's dann wirklich. Wenn Ihr jetzt auch noch wisst, dass Ihr die Einheiten im Spiel direkt steuert, selbst lauft und schießt, könnte man Battalion Wars 2 glatt für einen Third-Person-Shooter halten.

Es ist aber kein Third-Person-Shooter, denn Strategie und Taktik spielen durchaus eine wichtige Rolle. Versucht Ihr Euch allein mit purer, blinder Waffengewalt durch die Missionen zu schlagen, dann werdet Ihr ganz bitterlich versagen. Egal, ob Ihr gerade in einem Panzer, einem Hubschrauber oder an Bord einer Artillerie sitzt.

Der Schlüssel zum Erfolg lautet, korrekt auf einen feindlichen Angriff zu reagieren. Und korrekt bedeutet in diesem Fall: Mit den richtigen Einheiten. Ihr dürft jederzeit sämtlichen Truppen, die Euch begleiten, Befehle zuweisen - sowohl kompletten Gruppen eines Typs als auch einzelnen Kämpfern oder Vehikeln. Auf Fahrzeuge antwortet man etwa mit Bazooka-Schützen, Flammenwerfer lässt man besser nicht zu nah an seine eigene Infanterie herankommen, Flieger fürchten sich fürchterlich vor Flakgeschützen und so weiter und so fort.

Das Konzept ist einfach, aber es geht auf. Es liegt an Euch, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen, anrollende Angriffswellen im Voraus zu erahnen und auch mal bedrohte Einheiten in einem sicheren Gebiet warten zu lassen, bis die Situation entschärft ist.

Und an diesem Punkt kommen wir auf eine der Fragen vom Beginn zurück, die der Übersicht. Denn inmitten einer Schlacht geht es auf dem Bildschirm in der Regel verdammt chaotisch zu: Gegner im Auge behalten, Attacken ausweichen, selbst aber nicht das Angreifen vernachlässigen, die korrekten Mitstreiter auswählen und dann auf den Gegner Eurer Wahl zu lenken. Das ist viel, verdammt viel. In solchen Momenten kann selbst der kühlste Kopf die Planung aus den Augen verlieren und das ist ärgerlich, weil sich alleine eben nicht viel ausrichten lässt. Häufig opfert man daher mehr oder weniger unfreiwillig eine Einheit, um zumindest die Kameraden auf den Weg zu schicken.

Schuld daran ist allerdings nicht die Steuerung, denn die funktioniert einwandfrei: Mit dem Analogstick des Nunchuks lauft Ihr, mit der Wiimote bewegt Ihr einen Cursor, schaut Euch um und zielt - dank Lock-On alles kein Problem. Bewegt Ihr den Nunchuk schnell nach oben oder zur Seite könnt Ihr außerdem einen Sprung oder eine Seitwärtsrolle vollziehen, was aber selten notwendig ist. Auf weitere Experimente mit den Controllern haben die Entwickler verzichtet.

Nicht verzichtet haben sie hingegen auf Online-Multiplayer, der aufgrund des relativ kurzen Singleplayerparts auch notwendig ist und sogar einen Tick mehr Spaß macht. Die drei Spielmodi umfassen Skirmish (zwei Parteien töten sich um die Wette), Assault (ein Team verteidigt mehrere Positionen, das andere muss sie einnehmen) und Cooperative (zwei Spieler gemeinsam gegen den Computer). Gerade Letzteres ist enorm gelungen, nehmen sich die beiden Spieler doch einerseits Arbeit ab, müssen aber auf der anderen Seite unbedingt kommunizieren und kooperieren, um eine Chance zu haben.

Weniger beeindruckend ist die Grafik, die auf den ersten Blick zwar dank großer Levels, hoher Sichtweite und viel Action zu gefallen weiß, diesen Eindruck mit ihren klobigen Figuren und einem sehr kahlen Gesamtbild aber schnell wieder vergessen lässt.

Doch was Battalion Wars 2 wirklich fehlt, sind nicht hübsche Details oder irgendwelche Schickimicki-Effekte. Ihm fehlt der Wille, sich auf eines seiner beiden Genres zu konzentrieren oder sich möglicherweise gar in beide zu vertiefen. Es vereint nicht Action und Strategie, sondern Action-Light und Strategie-Light. Das Ergebnis ist, mathematisch korrekt, Action-Strategie-Light-Light. Naja, gewürzt mit einer Prise Chaos.

Dennoch macht es Spaß, ist unterhaltsam, ein Spiel zum Zurücklehnen vielleicht. Look und Einsteigerfreundlichkeit passen zu Wii, die Online-Modi eigentlich nicht, aber dafür ist es ja umso schöner, dass sie enthalten sind. Insgesamt ist Battalion Wars 2 kein Titel, vor dem Ihr Stunden und Tage verbringen werdet, aber ein leichtes, lockeres Spielchen für zwischendurch. Kein Must-Have, aber ohne Frage ein Can-Have.

Battlation Wars 2 ist ab heute für Wii im Handel erhältlich.

 

 

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