Gesamtwertung8/10 |
Rastlos hetzt der kanadische Entwickler und Strategie-Spezialist Relic seit ein paar Jahren von einer Gameplay-Revolution zur nächsten. Jedes Spiel und jedes Add-On bringt neue Ideen, bahnbrechende Technologien und auch immer wieder Probleme mit sich. So wurde zum Beispiel Dawn of War mit Dark Crusade eine der besten Erweiterungen der Spielegeschichte beschert und gleichzeitig mit Soulstorm eine echte Nullnummer. Neue Fans werden erschlossen und alte durch gewagte Experimente (Verzicht auf Basen, nicht-lineare Kampagne, Rollenspiel-Elemente) vor den Kopf gestoßen. Im Spannungsfeld zwischen eigener Innovationssucht und schlichtem Geld verdienen geht es manchmal einfach daneben.
Bei Company of Heroes: Tales of Valor gingen mir genau diese Gedanken nach der Einzelspieler-Kampagne durch den Kopf. Während in Dark Crusade zwei neue Fraktionen, eine geniale nicht-lineare Kampagne und ein Taktikmodus im Singleplayer Einzug hielten, reicht es bei Tales of Valor gerade einmal für neun recht ähnliche Missionen auf drei Kampagnen-Karten und ca. einem Dutzend freispielbarer Einheiten, die Ihr alternativ im Vs.-Multiplayer einsetzen könnt. Zu wenig für den angesetzten Preis – keine Sorge, das große Aber kommt noch.
Auch der neue Direkt-Feuer-Modus präsentiert sich eher unspektakulär. Auf Knopfdruck richtet Ihr die Waffen spielentscheidender Einheiten pixelgenau aus. Der spielerische Unterschied ist marginal. Ihr könnt so den Explosionsradius von Geschützen ausnutzen und in unterschiedlich bewaffneten Squads gefährliche Spezialisten ausschalten. Nett, aber nicht beeindruckend.
Wirklich sinnvoll ist diese Funktion nur in der ersten Kampagne (Tiger Ass), wo Ihr zu Beginn das Steuer eines einzelnen Tiger-Panzers übernehmt. Es entsteht ein Mittendrin-Gefühl, das für ein Echtzeitstrategiespiel ungewöhnlich ist. Auch die Rollenspiel-Komponente wurde hier stark erweitert. Für jeden abgeschossenen Feind erhaltet Ihr Erfahrungspunkte, die Ihr in die Fähigkeiten der Panzerbesatzung investieren könnt.
Euer Ladeschütze schaltet neue Munitionstypen frei, der Fahrer beschleunigt den damals bahnbrechenden Panzer und Euer Funker verschafft Euch einen Artillerieschlag. Eine taktische Vorgehensweise ist dabei leider nicht nötig. Ihr erhaltet im Verlauf der Kampagne genug Erfahrungspunkte, um alle Fähigkeiten auszubauen. Nur in welcher Reihenfolge Ihr die Spezialfähigkeiten aktiviert, hat einen Einfluss auf das eigene Handeln. Inhaltlich müsst Ihr mit dem besagten Tiger eine französische Stadt einnehmen und gegen eine anrückende Panzerkompanie praktisch im Alleingang halten.
In den beiden anderen Mini-Kampagnen wird es dagegen wieder etwas klassischer. So müsst Ihr als amerikanische Fallschirmspringer am D-Day ein französisches Landgut sichern und im Kessel von Falaise mit der deutschen Panzerelite die Stadt Trun verteidigen. Hier gilt es dann, keine einzelnen Soldaten aufzurüsten, sondern ganze Squads oder Truppenteile. Leider recycelt Relic die jeweiligen Missionen und variiert nur durch kleine Details. Da Ihr immer auf der gleichen Karte spielt, hält sich die Begeisterung in Grenzen, auch wenn die Missionen zum größten Teil interessant gestaltet sind.
Auch die Inszenierung ist gelungen und treibt die Geschichte mit schicken Ingame-Zwischensequenzen und Zeichungen voran. Die Soldaten bleiben keine gesichtslosen Opfer, sondern wachsen einem fast ans Herz. Fast, weil nach drei Missionen schon wieder Schluss ist. Insgesamt präsentiert sich die Einzelspielererfahrung unterm Strich als zu mager. Ein kleiner Happen zwischendurch, der nach wenigen Stunden durchgekaut ist und fade schmeckt. Doch nun kommt das dicke Aber, ein Wunder, das am Ende den Titel aus dem Sumpf der Mittelmäßigkeit zieht.
Online dreht Tales of Valor nämlich richtig auf. Die drei neuen Multiplayer-Spielmodi glänzen mit innovativen Features, die diesmal sogar richtig funktionieren – auch wenn die Anzahl der passenden Karten recht überschaubar ist. Neben den klassischen Vs.-Gefechten, bei denen Ihr die in der Singleplayer-Kampagne erspielten Fahrzeuge einsetzt und so Eure Taktik vor der Schlacht anpassen könnt, bieten "Panzerkrieg", "Sturm" und "Steinwall" unverbrauchte Alternativen zu den klassischen, etwas ausgelutschten Multiplayer-Ansätzen.
Mein persönlicher Favorit: Steinwall. Gemeinsam mit drei menschlichen Kollegen müsst Ihr eine Ortschaft gegen 16 Wellen unterschiedlich starker KI-Truppen halten. Wer den Horde-Modus aus Epics Kettensägenmassaker kennt, kann sich in etwa vorstellen, wie viel Spaß dieses Gemetzel bereitet. Für besiegte Feinde gibt es Upgrade-Punkte, die Ihr in stärkere Waffen investiert.
Eine spannende Jagd nach Abschüssen beginnt. Aber Vorsicht: Wer nicht zusammenarbeitet, verliert. Eine echte Herausforderung, die Euch Wochen, wenn nicht gar Monate beschäftigen wird, falls Relic wie versprochen mehr Karten raushaut. Das mitgelieferte Beaucamps ist nach ein paar Anläufen bezwungen.
Auch "Panzerkrieg" unterscheidet sich deutlich von vergleichbaren Ansätzen. Jeder Spieler wählt zu Beginn einen von drei Panzern pro Seite. Diese verhalten sich wie Helden, beleben sich automatisch wieder und besitzen unterschiedliche Talente. Es gibt starke Angriffspanzer, Artillerie-Support-Fahrzeuge und Allrounder. Wie bei Battlefield beziehungsweise Dawn of War II müsst Ihr Siegpunkt einnehmen und so das Nachschubkonto Eurer Gegner plündern. Hier bringen zerstörte Feinde Erfahrungspunkte, die Ihr in Fähigkeiten und Spezialangriffe investiert. Zusätzlich gekaufte Fußsoldaten werden von der KI gesteuert und sichern einzelne Bereiche. Einfach und genial
Bei "Sturm" übt Ihr Euch dagegen im Grabenkampf. Ihr beginnt den Modus mit zwei schwer befestigten Stellungen, die von jeweils drei Spielern bemannt werden. Ihr müsst nun einen von sieben Helden wählen, die wie bei Battlefield in sieben Klassen eingeteilt sind.
Als Pionier setzt Ihr auf Sprengstoff und Minen, als Kommando attackiert Ihr mit einem Sturmgewehr, Aufklärer sitzen in einem bewaffneten Motorrad, Sanitäter behandeln befreundete Einheiten, Offiziere sorgen für Verstärkungen, Schwere Waffen-Spezialisten erledigen Panzer, Scharfschützen machen gegnerische Helden kalt. Ihr rennt kontinuierlich gegen die feindlichen Stellungen an, rüstet Euren Helden auf und müsst am Ende das Hauptquartier erledigen. "Sturm" wirkt so fast wie eine Defense of the Ancients-Modifikation und spielt sich ähnlich spaßig wie die beiden anderen Neuzugänge.
Optisch kann Tales of Valor mit der Konkurrenz aus dem eigenen Haus kaum mithalten. Insbesondere Animationen und Texturen wirken bei Dawn of War II stimmiger. Dafür glänzen die Schlachtfelder mit vielen Details. Im Gegensatz zu den recht flachen Karten der Warhammer 40.000-Umsetzung sorgen die dicht bebauten Dörfer und Fahrzeugwracks für ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel der Panzerfahrzeuge. Auch Musik und Soundeffekte sind von gewohnter Relic-Qualität und untermalen beeindruckend das martialische Geschehen.
Nach der Einzelspieler-Kampagne war ich enttäuscht. Kaum genug Substanz für ein paar Spielstunden, viel zu kurze Kampagnen und keine neuen Fraktionen. Deutlich unter dem Niveau der meisten Dawn of War-Erweiterungen und schlechter als die letzte Company of Heroes-Erweiterung Opposing Fronts. Für Offline-Kämpfer eine absolute Katastrophe. Wer sich also lieber alleine durchschlägt darf gern ein bis zwei Punkte abziehen. Die drei Mini-Kampagnen stillen nicht mal den kleinen Strategie-Hunger für Zwischendurch.
Die neuen Multiplayer-Spielmodi haben mich aber begeistert. Allein "Steinwall" ist eine Klasse für sich und konnte mich sogar ein paar Tage von Dawn of War II loseisen. Und das will was heißen. Es gibt zwar momentan zu wenig Karten für die unverbrauchten Online-Partien, doch der ungewöhnliche Spielspaß gleicht dieses Manko locker wieder aus. Außerdem dürfte sowohl von Relic selbst als auch von der Community in den nächsten Wochen genug Nachschub kommen, um die Fans bei der Stange zu halten. Online-Spieler erwartet also eine erstklassige Erweiterung, die viele Stunden Spielspaß liefert und dank Innovations-Bonus gerade noch so ins obere Wertungsviertel vorstößt.
Company of Heroes: Tales of Valor benötigt nicht das Hauptprogramm und ist bereits exklusiv für den PC erhältlich.
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Company of Heroes: Tales of Valor im Test.
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