Gesamtwertung8/10 |
Als ob wir es gewusst hätten. Vor etwas über einem Monat veröffentlichten wir noch unwissend einen Artikel über free2play MMOs (eurogamer.de) , und kaum vier Wochen später ist free2play eines der Schlüsselwörter der Deutschen Gamestage in Berlin. Andere Schlüsselwörter der Konferenz waren iPhone, OnLive und Alkohol. Auf jeden Fall glaubt also nicht nur die unwissende Presse (wir), sondern auch Deutschlands Entwickler-Elite an das immer beliebter werdende Modell der Umsonst-Spiele plus Mikrotransaktionen. Der Zeitpunkt unseres ersten free2play-MMO Roundups könnte also kaum besser gewählt sein. Und da alles andere schon im oben gelinkten Artikel gesagt wurde, steigen wir auch gleich in den Ring. !Runes of Magic! Es ist vermutlich schwer, beim ersten Einloggen in Runes of Magic nicht an World of WarCraft zu denken, und manche Leute behaupten, das sei ein Problem. Andererseits ist das doch erstmal auch ein Lob für einen F2P-Titel. Denn die Ähnlichkeit bezieht sich nicht nur auf die Grafik und das leicht cartoonige Setting, auch das Interface besitzt bekannte Übersichtlichkeit und vertraute Benutzerführung. So findet sich von der ersten Spielminute alles genau da, wo es hingehört. Trotz des scheinbaren Kloncharakters hat Runes of Magic durchaus eine eigene Persönlichkeit, die allerdings nicht sofort deutlich wird. Größter Unterschied ist die Möglichkeit, ab der zehnten Charakterstufe eine zweite Laufbahn einzuschlagen. Priester/Magier oder Kämpfer/Dieb, die Kombinationsmöglichkeiten sind zahlreich. Allerdings verteilen sich die gewonnen Erfahrungspunkte nicht gleichmäßig. Ihr müsst einen Eurer Berufe zum aktiven und den anderen entsprechend zum passiven erklären. Ist innovativ, mitunter aber auch verwirrend. So können alle Skills der aktiven Klasse verwendet werden, aber nur einige wenige der passiven. Auch kann die passive nie einen höheren Level haben als die aktive, was Euch zwangsläufig zu einer gewissen Vorausplanung zwingt. Wer das System also ernsthaft nutzen will, kommt um Foren-Lesen und Tabellen studieren nicht herum. Für Fans von Hardcore-Rollenspiel-Charakterplanung ist das eine weit offene Tür auf der alten Suche nach dem „besten Build“. Alle anderen ignorieren dieses Feature vermutlich und bleiben altmodisch bei einer Klasse. Fast zu casual-freundlich ist dagegen das Quest-Tagebuch. Es sagt einem nicht nur, wo man für den nächsten Auftrag hinlaufen beziehungsweise -reisen muss, nein, es besitzt gleich auch noch einen Autopiloten. Der steuert Euren Charakter per Klick sicher und automatisch zum nächsten Ziel. Das funktioniert meistens so perfekt, dass man sich nach einiger Zeit wie ein Bot oder wahlweise ein Duracell-Hase fühlt, der bei den NPCs nur eine kurze Verschnaufpause einlegt, um neu aufgezogen zu werden. Trotzdem: Auch wenn die Welt ansonsten kaum Originelles bietet, ist Runes of Magic ein vollwertiges, echtes MMO, das den Vergleich mit der Abo-Konkurrenz nicht fürchten muss. Gleichzeitig ist es aber ein lange überfälliger Beweis, dass free2play nicht nur für gnadenloses PvP, flaches Gameplay und schlimme Benutzeroberflächen steht. Dabei stören die Mikrotransaktionen kaum. Wer in Runes of Magic kein echtes Geld ausgeben will, braucht das auch nicht. Und so kann man Monster hauen, sich von Quest zu Quest fahren lassen und ohne monatliche Gebühr entspannt vor sich hinleveln. Wem das reicht, der sollte auf jeden Fall reinschauen. Runes of Magic könnt Ihr Euch über die offizielle Homepage (runesofmagic.com ) herunterladen. !Free Realms! Free Realms ist eine derart potente Mischung, dass man sich ein bisschen Sorgen um seine zukünftigen Kinder macht. Stellt Euch vor, jemand nimmt alles, was 2009 irgendwie im Bereich Computer erfolgreich ist, packt es in ein Spiel und schneidet es dann noch auf die riesige Zielgruppe Kinder und Jugendliche zu. Free Realms ist (unter anderem) ein Hybrid aus: World of WarCraft, Facebook, Mario Kart, Magic: The Gathering, Pokemon und Wario Ware. Und weil es hauptsächlich für Kinder gedacht ist, kommt es auch noch extrem übersichtlich und zugänglich daher. Das eigentliche Spiel geht so: Euer Avatar erlernt verschiedene Berufe. In diesen Berufen kann er spezifische Quests erfüllen. Passend zu den Aufgaben verwandelt sich Eure Figur immer. In einen Rennfahrer beim Rennen fahren, in einen Koch mit stereotypischer weißer Mütze beim Gulasch-Quest. Das Muster ist klar. Mal hierhin laufen und mit Mini-Games eine Suppe kochen (die Eure HP kurzzeitig erhöht), dann ein Rennen gegen Kontakte aus Eurer Freundesliste fahren. Ein paar Matches im eigenen Free Realms Trading Card Game gewinnen und noch schnell ein neues Halsband für sein Pet kaufen. Nach dem Ausloggen ist dann auf der Free Realms-Webseite in diversen Ranglisten zu sehen, wie viel besser als man selber die ganzen 8 bis 12-jährigen im Suppe umrühren waren. Bleibt die Frage, macht das auch Leuten jenseits der 14 Jahre Spaß? Meine Antwort hinter vorgehaltener Hand: Ja. Wer also keine Probleme mit dem Look (eurogamer.de) und der (wortwörtlich) kindischen Community hat, findet eine fantasievolle, atmosphärische Welt und eine ziemlich radikale Vermischung verschiedenster Spiele- und Social-Networking-Zutaten. Free Realms ist mehr virtueller Jahrmarkt voller Ideen und Möglichkeiten als Kinder-WoW. Abwechslungsreich, ohne feste Dramaturgie, kurzweilig und stilsicher. Ob man will oder nicht. !Drachenkrieg! Drachenkrieg fällt ein bisschen aus der heutigen Reihe, da es komplett im Browser stattfindet. Was erstmal noch nicht ungewöhnlich ist. Was aber ungewöhnlich ist, ist die Tatsache, das Drachenkrieg dabei nicht auf die Komplexität eines normalen Rollenspiels verzichten will. Vom Crafting über zahlreiche Zonen mit Karten, Instanzen, Gruppenquests, etc. - es ist alles da. Und alles ist in Fenstern untergebracht. Das ist gleichermaßen bewundernswert wie auch das größte Hindernis. Zweifellos spürt man die Arbeit, die in dem Spiel steckt. Das fängt bei den Grafiken an, die deutlich über dem durchschnittlichen free2play Browser-MMO liegen und geht bis tief in die komplexen Spielmechaniken. Bis hierhin vorbildlich. Das Problem ist nur, dass fast jede Aktion, jeder Klick zu einer anderen Ansicht führt oder ein neues Fenster öffnet (gerne auch ein Pop-Up), wobei zudem des Öfteren die Perspektive gewechselt wird. Gerade noch Seitenansicht, jetzt kurz Vogelperspektive, dann zum Kampf wieder alles von der Seite. Das Fenster und Menüchaos bremst den Spielspaß deutlich und sorgt für spürbare Verwirrung, so dass die Lust am großen Browser-Abenteuer leider auf eine harte Probe gestellt wird. Drachenkrieg wirkt in seinen besten Momenten fast wie ein Kunstprojekt der lokalen Designhochschule: World of WarCraft in hundert einzelnen Browser-Fenstern. Eine avantgardistische Dekonstruktion des modernen MMOs. Vermutlich ist es aber eher so, dass Features und Regelwerk im Vordergrund standen und sich erst ganz am Schluss Gedanken über die Benutzeroberfläche gemacht wurden. Auch wenn irgendwo dahinter sicher ein ordentliches Spiel steckt, ist es vermutlich zu hölzern und ganz einfach unzeitgemäß, damit man es wirklich genießen kann. Interessierte dürfen sich hier zwecks Free Realms (freerealms.com) einfinden und dort für Drachenkrieg (warofdragons.de) . !Atlantica Online! In der ewig langweiligen Diskussion um die Eintönigkeit des MMO-Kampfsystems kommt Atlantica Online mit einer Idee um die Ecke, die so simpel ist, dass einem fast schwindelig wird. Warum kombiniert man nicht ein MMO mit einem echten rundenbasierten Kampfsystem? Nicht schlecht, oder? Heißt konkret, der Spieler läuft normal durch die Welt und nimmt Quests an. Nebenbei kümmert er sich dann noch um den Aufbau und die Pflege seiner eigenen Privatarmee. Sobald es zum Gefecht kommt (und das dauert weder lange noch passiert es selten), wechselt Atlantica Online von der normalen 3D-Verfolgungs-Ansicht in eine seitliche Gegenüberstellung der verschiedenen Einheiten. Hier ist dann alles so, wie es sich früher für „Rundenbasiert“ gehörte . Nacheinander müsst Ihr Euren verschiedenen Truppen Aktionen zuweisen. Zu Beginn wirkt es für den MMO-Veteranen eher störend, da Kämpfe mit einem taktischen Element naturgemäß länger dauern. Fangen die eigenen Truppen aber erstmal an zu leveln und werden die Gegner besser, öffnet sich plötzlich eine neue Ebene, die der normale F-Tasten-drücken-Kampf bei weitem nicht bietet. Eine Mischung aus Heroes of Might and Magic und MMO. Leider kann Atlantica Online seine asiatischen Wurzeln sbseits dieser genialen Verknüpfung nicht verstecken. Hier darf und muss gegrindet werden. 10 Monster da drüben, danach noch mal bitte 20 auf dem Hügel, und wenn du schon mal dabei bist, auch mal schnell 30 am alten Turm. Hinzu kommt natürlich, dass die Kämpfe für Leute, die nur schnell Knöpfe drücken, extrem anspruchsvoll wirken und dass die (sehr, sehr zahlreichen) Schlachten selbst für erfahrene Taktiker in jedem Fall lange dauern. Was dem Gefühl eines schnellen Fortschrittes nicht gerade förderlich ist. Wer damit allerdings kein Problem hat, wer generell auf Schmerzen steht und auch noch auf taktischen Rundenkampf, sollte sich den 2,4 Gigabyte großen Klienten besorgen. Wie bei allen Spielen hier gilt ja, zu verlieren gibt es nur ein bisschen überbewertete Lebenszeit. Mit free2play-Spielen ist es so wie mit Artikeln aus dem Ein-Euro-Shop. Wenn die günstige Eieruhr nach zwei Wochen kaputt geht, ist es nicht so schlimm. Hat ja auch nur einen Euro gekostet. Der Anspruch ist beim Download für Umsonst eben um einiges geringer als beim 39 plus 14,99 Euro monatlich Standard-MMO. Sollte er das? Und wie lange bleibt das noch so? Wenn es nach der deutschen Entwickler-Meinung geht, werden wir uns schon sehr bald an das Modell gewöhnen und die Titel genauso ernst nehmen wie die Fullprice-Konkurrenz. Also, probiert aus, sagt Eure Meinung und schreibt uns, wenn Ihr selber auf spannende Titel im Internet trefft. Den Client zu Atlantica Online findet Ihr auf der offiziellen Website (http://atlantica.ndoorsgames.com) .
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Free Realms im Test.
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