Afrika

Review
Plattform
PS3
Genre
Andere
PS3: J! - Afrika

Gesamtwertung

7/10

PS3: J! - Afrika

Na, das war ja mal wieder klar. Das Spiel heißt Afrika, spielt in Afrika, dreht sich um die Fauna Afrikas und die Hauptrollen werden von zwei Weißen übernommen. Ein Doppelpack aus Klischee-Quoten-Frau und Eurotrash-Typ mit Beanie-Mütze, beide frei jeglicher Persönlichkeit. Der einzige Schwarze ist der Jeep-Chauffeur. Typisch. Und realistisch? Vielleicht. Weiß ich nicht. Nur hätte man zumindest in einem Spiel um fiktive Safaris ja neutral bleiben und Auswahl bieten können. Aber was soll's, die beiden Fotografen auf der Jagd nach den perfekten Motiven in der Tierwelt sind eh nur Zierde am Rand, die wahren Stars sind Land und Tiere.

Genau darum geht es in Afrika – japanischer Titel Hakuna Matata –, einem interessanten Experiment, das sich Sony dann wohl doch nicht traute, aus dem eigenen Heimatland zu entlassen. Die Überlegung dahinter dürfte hart kalkulierte Finanz sein. In den USA verkaufen sich nur die Wildlife-Spiele, in denen man dann auch mit der Flinte anlegen darf, und auch den Europäern traut man nicht so richtig zu, an einem Spiel Spaß zu finden, in dem Ihr nichts andres tut, als Viecher in freier Wildbahn zu fotografieren.

Damit das überhaupt einen Sinn hat, muss es einfach zumindest einen Teil der Schönheit des Vorbildes einfangen, und in einem gewissen Rahmen hat Sony dabei Erfolg. Man merkt Afrika leider an vielen Ecken an, dass hier nicht Production Values eines Killzone 2 dahinter stecken, nichtsdestotrotz reicht es immer noch für ein hübsch bis in einzelnen Augenblicken wirklich schön.

Einen großen Einfluss auf diese Abstufung hat die Tageszeit. Die Savanne im hellen Tageslicht wirkt eher weitläufig-langweilig, bei Sonnenaufgang, wenn sich die ersten Strahlen der Sonne zart auf den Rücken der Zebras brechen, sieht es schon ganz anders aus. Richtig schön kitschromantisch, wie es sich gehört, und dabei leistet auch der Soundtrack einen wertvollen Beitrag. Das klanglich aufgeweichte Ripp-Off von Williams Jurassic Park klingt nach Drama und Hollywood-Afrika, selbst wenn eigentlich nur der Jeep durch ein recht lebloses Flussbett wackelt.

Überhaupt wirkt Afrikas Afrika über weite Strecken ein wenig leblos. Nicht an den Stellen, zu denen Euer Local Guide bringt, es sind die Strecken dazwischen, auf denen Ihr Euch häufig mit einem recht vereinsamten Karibu begnügen müsst, das vor dem Motorendröhnen dann auch noch Reißaus nimmt. Mir ist bewusst, dass weite Teile des riesigen Kontinents nun nicht nur von Giraffenhorden überrannt werden und Schwärme von Rhinozerossen die Ernte weggrasen. Jedoch blüht bereits nur eine Bodenwelle weiter die Wüste auf und Dutzende von Tieren scheinen aus dem Nichts zu einem besonders fotogenen Fleckchen gefunden zu haben.

Dieses kleine Missverhältnis macht dafür Eure Arbeit weit einfacher. Zum Start mit einer billigen, zu allem Überfluss auch noch „Tzetze“ genannten Kamera bewaffnet, sollt Ihr bestimmte Tiere fotografieren. Es beginnt harmlos mit einem fast beliebigen Schnappschuss eines Zebras, dann folgen bestimmte Posen – die Giraffe soll trinken und nicht Euch angucken – bis hin zu wirklichen Momentaufnahmen. Eine Porträtaufnahme von einem Elefanten, der sich Wasser mit dem Rüssel auf den Kopf prustet, braucht nicht nur Geduld, sondern auch bessere Ausrüstung.

Für Eure Aufnahmen werdet Ihr bezahlt und zwar abhängig vom Rating des Bildes. Aufgeteilt in Kategorien von Winkel, Motiv oder Entfernung entscheidet National Geographic, ob sie was mit Euren Bildchen anfangen können, und ein gutes Rating lässt auch die Motivationskurve nach oben schnellen. Es fühlt sich nach einem netten, virtuellen Schulterklopfen an. Mit der „Tzetze“ allein kommt Ihr nicht weit und bald wird es –natürlich – das Spitzenmodell von Sony sein, mit einem großen Bildspeicher, Shuttern, Blenden und vielen anderen Extras.

Zum Glück kann das virtuelle Werkzeug nicht mit der überbordenden Komplexität der Originale mithalten, den Sprung von der Billigknipse zu den Möglichkeiten eines Paparazzischlachtschiff werdet Ihr jedoch schnell in der Qualität Eurer Bilder wiederfinden. Noch wichtiger als gute Ausrüstung ist am Ende jedoch die Geduld des Jägers. In der Hocke kriechend nähert Ihr Euch nur millimeterweise Eurem Ziel. Dann verharrt Ihr ruhig ein paar Sekunden, bis das Nashorn aufhört, nervös mit den Ohren zu zucken. Dann wieder einen halben Schritt. Der Analogstick reagiert sehr sensibel und nicht die Steuerung, sondern nur die eigenen Ungeduld kann Euch am Ende einen Strich durch die Rechnung machen.

Dass dieses Heranpirschen wirklich reizvoll bleibt, liegt an den wichtigsten Akteuren. Ich persönlich kenne mich leider kaum jenseits alter Sielmann-Kindheitserinnerungen mit dem Verhalten der Tiere der Wildnis aus. Es mag sein, dass ein Experte sich angesichts der Reaktionen der Tiere untereinander und unserem Fotografenteam gegenüber entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde. Ok, eigentlich ist eine solche Reaktion sogar wahrscheinlich, schließlich bleibt die Nahrungskette auch am Wasserloch nur sehr zart angedeutet. Kein Blutmassaker, keine Löwen-Feeding-Frenzy, keine Zerfleischungsaction, Ihr müsst Euch mit dem Sprung des Leoparden auf die Gazelle begnügen, seinen Appetit bekommt Ihr nicht zu sehen.

Von solchen Aussparungen abgesehen, wirken auf einen Ahnungslosen wie mich die Reaktionen der Tiere durchaus überzeugend. Offenbar verbrachte man bei Sony viel Zeit damit, Bewegungen zu studieren. Und alle Viecher stolzieren und rennen mit der ihnen typischen Art, die man zumindest bei den bekannteren Vertretern – Zebras, Elefanten, Löwen oder Giraffen – gut aus Film und Fernsehen kennt.

Die Verhaltensweisen dem Spieler gegenüber ähneln sich bei allen Tieren aber doch sehr. Ihr pirscht Euch an, das Tier wird ab einem gewissen Punkt auf Euch aufmerksam und guckt herüber. Egal welcher Gattung es jetzt angehört. Stillstehen, das Interesse lässt nach, näher heranrutschen und so immer weiter, bis Ihr die ideale Aufnahme landet. Oder Ihr es verpatzt und das Objekt der Begierde zieht flugs von Dannen.

Es ist eine eigene Art von Stealth-Game und es fühlt sich nicht weniger befriedigend an, als ein Messer aus der Dunkelheit zwischen irgendwelche Rippen zu schieben. Nur hält dieser Reiz für sich allein nicht ewig. Es wird zwar schwieriger, das richtige Motiv in den Sucher zu bekommen, am Grundablauf ändert sich aber über die ganze Spielstrecke nichts. Anschleichen, warten, vorrutschen, knipsen. Scheinbar schleicht sich selbst in so aufregende Berufe wie Profifotograf eine gewisse Routine ein, der man auf Dauer nicht entgeht.

Profis des Foto-Stalkings widmen sich dem Big Game Mode, in dem ausschließlich größere Tiere in schneller Aktion Euer Ziel sind. Es gilt, schnell zu zielen und genau im richtigen Moment den Auslöser zu drücken. Ihr spürt durchaus einen Hauch des Reizes der Aktion des echten Fotografenjobs und dank Onlineanbindung könnt Ihr Eure echten Prestige-Schüsse für die Welt zugänglich machen. Der Speicherplatz, den die Bilder auf der Festplatte einnehmen, fällt dabei kaum ins Gewicht. Der Platz, den Afrika sich dagegen für einen Spielstand gönnt, umso mehr. Stolze 350 MB schreibt das Spiel voll und braucht dafür mitunter auch bis zu geschlagene 3 oder 4 Minuten.

J! - Allgemeine Hinweise zu Afrika

Wie schon bei Demon's Souls (und auch bei Aquanauts Holiday, das in Bälde folgt) habe ich wieder einmal verpeilt, dass man hier nicht die japanische und billigere Version kauft, sondern die Asia-Version mit ihren komplett englischen Texten. Es gibt allerdings kaum einen Grund, bei der Japan-Version zu verzagen. Fast alle Menüs sind in englischer Sprache und Eure Möglichkeiten zur Aktion lassen sich durch Ausprobieren recht schnell ergründen. Was einem zur Steuerung gesagt werden sollte: Ihr könnt den Six-Axis kippen und bekommt so dank Bewegungssensor Hochkantfotos.

Das größte Problem dürfte es sein, herauszufinden, was Ihr eigentlich fotografieren sollt. Klickt erst mal alle Mails in dem Laptop an und guckt, wo ein Foto oder ein Filmchen dranhängt. Dieses Tier oder – bei Filmen – diese Aktion des Tieren sollt Ihr filmen.

Ihr merkt an der Aufforderung zur Annahme per Ja oder Nein, dass es sich um einen Auftrag handelt. Seid Ihr der Meinung, dass Ihr das richtige Bild im Kasten habt, klickt Ihr noch einmal auf die Mail und könnt jetzt ein Bild übermitteln, das dann gerated wird. Die Story selbst, oder das wenige, was überhaupt in der Richtung existiert, bleibt Euch in der japanischen Version vorenthalten. Einen großen spielerischen Unterschied macht das allerdings nicht.

Afrika geizt nicht mit Reizen, selbst wenn man den Kontinent auf zwei Weiße und ein paar stereotype Landstriche eingedampft hat. Das Heranschleichen an die Beute und die Jagd nach dem perfekten Bild geben ein erstaunlich solides Grundthema ab und ich fühlte mich ertappt, dabei zeitweilig mehr Spaß zu haben als bei so manchem Shooter der letzten Monate. Es ist eine Art Entdeckung der Langsamkeit. Genießt die Landschaft und ihre Bewohner, überstürzt nichts und gewinnt durch Ruhe und Geduld.

Leider hält dieser Reiz nicht über die ganze Strecke und zu schnell stellt sich trotz immer schwieriger Motive eine gewisse Routine im Ablauf ein. Die Möglichkeiten und Aufgaben eine Fotografen sind halt eingeschränkt. Und Afrika stellt jetzt auch keine technische Revolution dar. Die BBC muss sich in ihrer Rolle als diejenigen, die uns die interessanten Ecken der Welt zeigen, nicht bedroht fühlen. Dazu sind Landschaft und Tiere noch ein wenig zu grobschlächtig. Als Experiment, was in dieser Richtung auf moderner Hardware erreichbar sein könnte, geht Afrika aber einen selbstbewussten und spannenden Schritt in die richtige Richtung.

Afrika gibt es nur für die PS3 und nicht in Europa oder den USA. Eine englische Asia-Version existiert.

 

 

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