X360: Halo 3: ODST
Anders als es der Name vermuten lässt, ist ODST keine Fortsetzung zu Halo 3. Und dass, obwohl der letzte Teil der Trilogie schlussendlich durchaus einige Fragen offen lässt. Zu sehr ins Detail möchte ich jetzt nicht gehen, wer Halo 3 gespielt hat, wird aber wissen, was gemeint ist. ODST lässt den Master Chief gänzlich außen vor und reist gleichzeitig zurück in der Zeit.
Zwischen die Ereignisse von Halo 2 und Halo 3, nur wenige Wochen vor dem dritten Teil, um genau zu sein. Schauplatz des Geschehens ist die aus Halo 2 bekannte Metropole New Mombasa, die von einem über der Stadt kreisenden Träger der Allianz angegriffen wird. Hier kommen wiederum die Orbital Drop Shock Trooper ins Spiel.
Gemeinsam mit seinen Kollegen soll „The Rookie“, jüngstes Mitglied der ODST-Jungs, das feindliche Schiff entern und den Aliens den Garaus machen. Während die Mannen in ihren Ein-Mann-Kapseln durch die Wolken rauschen, tobt um sie herum eine gewaltige Schlacht. Dummerweise geht alles schief, sie verfehlen ihr Ziel und landen unsanft in den verwüsteten Straßen.
Der Aufprall ist so heftig, dass Rookie das Bewusstsein verliert und erst sechs Stunden später wieder zu sich kommt. Über New Mombasa ist inzwischen die Nacht hereingebrochen. Von der einstmals leuchtenden Metropole ist nur noch ein verwüstetes Ebenbild übrig geblieben. Rauchschwaden steigen in den Himmel, überall lodern kleinere Feuer und in weiter Entfernung erkennt man selbst die in Flammen stehenden Hochhäuser im Zentrum der Stadt.
Nach der Landung splittet sich die Kampagne gewissermaßen in zwei Pfade auf. Einerseits erkundet man mit Rookie die menschenleere, von aufgerissenen Straßen und beschädigten Straßenschildern durchzogene Umgebung. Das Ganze erweckt einen zuweilen mysteriösen Eindruck, da in diesen düsteren Abschnitten eben weit weniger los ist als beispielsweise in Halo 3. Auseinandersetzungen kommen vergleichsweise selten vor, da lediglich einzelne Patrouillen der Allianz durch die Gassen ziehen. In diesem Part dreht sich alles mehr darum, Hinweise aufzuspüren und die gefundenen Puzzlestücke der Geschichte nach und nach zusammenzusetzen.
Da ohne Master Chief auch keine Cortana herumspukt, erhält Rookie Unterstützung von anderer Seite. Ein für die Stadtverwaltung zuständiges Computerprogramm beobachtet die Bewegungen des einsamen Kämpfers, zeigt ihm eine nützliche 3D-Karte der Umgebung mit markierten Stellen, die es für wichtig erachtet. Ein Abstecher könnte sich daher lohnen. Und auch über die in den Straßen verteilten Videobildschirme meldet es sich des Öfteren zu Wort.
Findet man einen Hinweis auf einen der verschollenen Teamkameraden, zeigt sich ODST von seiner anderen Seite. In spielbaren Flashbacks erlebt man das Schicksal der Kollegen und wird so mit jedem der Jungs mindestens einmal spielen können. Hier ähnelt das Spiel wieder dem bekannten Halo-Schema.
Als Dutch muss man zum Beispiel Sprengladungen an einer Brücke anbringen und klappert dazu Wegpunkt um Wegpunkt ab. Währenddessen befördert man gemeinsam mit befreundeten Kämpfern jede Menge Soldaten der Allianz ins Nirwana, während Wraiths einen aus der Ferne mit Geschützsalven eindecken und die am Himmel kreisenden Banshees ihre tödlichen Geschosse loslassen.
Bungie verspricht dabei eine „Rückkehr zu den Wurzeln“. Das Gameplay in ODST soll sich so anfühlen, als würde man mit dem Chief in Halo 1 spielen. Rookie ist verwundbar, er kann weder so hoch springen noch so schnell laufen wie ein Spartaner. Und obendrein steht ihm auch kein Bewegungsmelder zur Verfügung, der frühzeitig auf Feindaktivitäten hinweist. Als kleiner Ersatz dient das Visier seines Helms inklusive Restlichtverstärker.
Da keine Batterieanzeige vorhanden ist und auch kein Strom verbraucht wird, könnte man rein theoretisch das ganze Spiel so durch die Gegend laufen. Natürlich macht es aber vornehmlich in düsteren Gegenden Sinn.
Seiner Feinde, die praktischerweise vom Head-up-Display des Helms farblich von befreundeten Personen abgehoben werden, entledigt man sich derweil relativ geräuschlos mit einer schallgedämpften und durchschlagskräftigen Pistole oder Maschinenpistole.
Für ODST hat Bungie außerdem ein wenig am Gesundheitssystem geschraubt. Hat Rookie zu viele Treffer eingesteckt, sollte er seine Lebensenergie bei Gelegenheit an den dafür vorgesehenen Stationen innerhalb der Stadt wieder auffrischen. Bevor es ihm aber wirklich ans Leder geht, dient eine kleine Menge der automatisch regenerierenden „Ausdauer“ quasi als Puffer beziehungsweise als eine Art Schutzschild. Im Grunde genommen vertraut man hier also auf eine Mischung aus selbstständigem Schutz und manueller Heilung.
Weiterhin haben die Macher die Engine von Halo 3 nochmal weiter aufgebohrt. Besonderen Wert legte man auf die „Skyboxen“, die für einige wirklich malerische und stimmungsvolle Aussichten sorgen, etwa die zu Anfang angesprochenen, brennenden Hochhäuser im Hintergrund, deren Feuer in der tiefen Nacht vor sich hin glüht und den Horizont erhellt.
Neben der Kampagne bietet man mit „Firefight“ außerdem noch einen kooperativen Multiplayer-Modus an, der der Horde-Variante in Epics 360-Gemetzel ähnelt. Nach und nach bekommt man es hier mit neuen Gegnerwellen zu tun, wobei die aus Halo 3 bekannten Schädel mitsamt ihrer Boni und Mali eine entscheidende Rolle spielen und den Kampf gegen jede Welle stets unterschiedlich gestalten.
Somit fliegen in einer Runde beispielsweise vermehrt Granaten durch die Gegend, anschließend verschwindet möglicherweise das komplette Interface für einen Durchgang. Das verleiht der Variante etwas Unvorhersehbares und dürfte dadurch für deutlich Abwechslung sorgen.
Rein theoretisch hätte Bungie mit dem Projekt auch an das Ende von Halo 3 anknüpfen können, stattdessen entschied man sich für einen Blick in die Vergangenheit. Das muss nichts Schlechtes bedeuten. Die Tatsache, dass man mal nicht als Chief spielt, wird wahrscheinlich für die nötige Variation im Vergleich zu Halo 3 sorgen, auch die Abschnitte im verwüsteten New Mombasa werden sich wohl deutlich vom bislang gewohnten Gameplay abheben. Eines ist jedenfalls sicher: ODST wird kein kleines 08/15-Anhängsel zu Halo 3, dafür gibt es einfach zu viele Änderungen, zu viele neue Ideen. Wie diese letztendlich ausgespielt werden, bleibt aber noch abzuwarten.
Halo 3: ODST erscheint am 22. September zum Vollpreis für die Xbox 360 im Handel. Zusätzlich ist ein Beta-Key für das kommende Halo: Reach enthalten.



