Need for Speed: Shift

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Slightly Mad Studios
Genre
Racing
PC: Need for Speed: SHIFT

Gesamtwertung

8/10

PC: Need for Speed: SHIFT

Nervös stehe ich auf meiner Startposition. Noch sind meine Teammitglieder bei mir, die Boxenluder stehen auf der Strecke. Doch schon in wenigen Sekunden geht es ums Ganze. Die Motoren heulen auf, immer wieder betätige ich das Gas, um beim Start die perfekte Drehzahl zu erreichen. Die Ampel springt an, arbeitet sich langsam über drei rote Leuchten nach vorne und wechselt dann zu Grün. Das gesamte Fahrerfeld tritt aufs Gaspedal und setzt sich in Bewegung. Bis zur ersten Kurve dauert es einige Sekunden. Genug Zeit, um ordentlich Geschwindigkeit aufzunehmen.

Die erste Hürde meistern alle auch mit Bravour, doch schon in der drauffolgenden, langgezogenen Kurve wird es kritisch. Aus dem hinteren Drittel erblicke ich erst eine eine große Rauchwolke, die mir Sekundenbruchteile später die Sicht versperrt. Wenige Augenblicke danach taucht vor mir plötzlich ein Gefährt auf, das sich gerade überschlägt. Ich kann nicht mehr ausweichen, krache mitten hinein und kollidiere auch noch mit anderen Wagen. Das Auto wackelt heftig, die Sicht verschwimmt, die Orientierung schwindet kurzzeitig. Gerade rechtzeitig bekomme ich das Vehikel wieder unter Kontrolle, bevor ich ins Kies rutsche. Währenddessen wird der Blick langsam wieder normal, das Rennen kann vorerst unbeschwert weitergehen.

Dieses ganze Geschehen erlebt man in einer intensiven Art und Weise aus der Cockpitperspektive, wie man es zuvor noch nicht gesehen hat. Ob nun das äußere Blickfeld bei Geschwindigkeiten jenseits der 250 km/h verschwimmt, die Strecke dabei wahrhaft vorbeirast oder eben nach einem heftigen Unfall und dessen freigesetzter Energie für kurze Zeit die Orientierung flöten geht, man fühlt sich einfach mittendrin. Obendrein sind die Innenräume wahnsinnig detailliert gestaltet worden, verändern sich sogar nach bestimmten Upgrades. Selbst wenn man ansonsten aus der Außenperspektive spielt, sollte man hier unbedingt ins Cockpit wechseln.

Ihr merkt schon, dass SHIFT anders ist als die Need-for-Speed-Vertreter der vergangenen Jahre. Das Wort „shift“ kann unter anderem auch „Veränderung“ oder „Wechsel“ bedeuten. Und das passt in diesem Zusammenhang wirklich wie die Faust aufs Auge. SHIFT ist ein radikaler Richtungswechsel nach den Arcade-Racern. Noch wichtiger ist jedoch, dass es nach dem missglückten Undercover in punkto Qualität wieder einen deutlichen Sprung nach vorne macht. Aber auch hier sei folgendes gesagt: Wenn ihr Need for Speed als das definiert, was es in den ersten Teilen war, dann ist auch SHIFT ebenso wenig ein Need for Speed wie die vorangegangenen Teile.

Mit SHIFT entfernt man sich vom Underground-Racing, von der Straßenkultur und dem Fokus auf das Tuning. Es orientiert sich viel mehr an Rennspiel-Vertretern vom Schlage eines GRID oder Project Gotham Racing 4, geht in Bezug auf den Realismus aber noch eine Stufe weiter in Richtung Forza Motorsport oder Gran Turismo. Wenn Project Gotham Racing 4 die perfekte Mischung aus Arcade und Simulation darstellt und man Forza oder GT als das Nonplusultra an Simulation aufführt, bewegt sich SHIFT irgendwo dazwischen, mit Tedenz in Richtung Forza/GT. Spielerisch ist es wesentlich anspruchsvoller als etwa Undercover oder ProStreet, was speziell Einsteigern das Leben schwer machen dürfte.

Die können zwar den Realismusgrad mit Voreinstellungen wie „Profi“, „Hobby“ oder auch individuell anpassen, aber mit sämtlichen aktivierten Fahrhilfen spielt sich SHIFT irgendwie witzlos. Vollständig aufgedrehte Fahr- und Bremshilfen nehmen einem viel Arbeit ab, rauben aber auch einen Teil von dem, was SHIFT ausmacht – nämlich die eigenständige Beherrschung des Vehikels. Es ist eben einfach kein Kinderspiel, solche Hochgeschwindigkeitsflitzer unter Kontrolle zu halten. Und das merkt man im Spielverlauf einfach zu jeder Zeit. Bremst man zu spät, rutscht man von der Strecke. Gibt man nach einer Kurve zu früh Gas und betätigt den Trigger zu heftig, bricht das Heck aus.

Die Konkurrenten machen es einem dabei alles andere als einfach. SHIFT unterteilt die Fahrer in „präzise“ und „aggressive“ Wagenlenker. Die präzisen bremsen schon mal ab, wenn sie einem zu nahe kommen, oder überholen euch ohne größere Komplikationen. Die aggressiven Piloten lassen einen wirklich spüren, dass sie angriffslustig sind. Mitunter wird gerammt und gedrängelt was das Zeug hält. Leider läuft das mitunter auch auf die eine oder andere frustrierende Situation hinaus, wenn einer der Widersacher mal wieder übermütig agiert, einen von der Strecke schubst oder den Wagen so anschiebt, dass er sich dreht.

Nicht immer kann man das Fahrzeug in solchen Momenten abfangen und auf der Strecke halten, was dazu führt, dass unter bestimmten Umständen, etwa wenn man mehrere Sekunden im Kiesbett verbringt und nur begrenzt lenken kann, das komplette Fahrerfeld vorbeizieht und man sich plötzlich an letzter Stelle wiederfindet. Andererseits machen auch die KI-Kollegen immer mal wieder Fehler, drehen sich, rutschen von der Piste oder fabrizieren einen kleinen Überschlag.

Letztendlich entscheidet man selbst, ob man nun aggressiv oder präzise fährt. Durch entsprechende Aktionen sammelt man innerhalb der Rennen Punkte, was entfernt an die Kudos aus Project Gotham Racing erinnert. Saubere Überholmanöver, Drifts oder das Fahren auf der Ideallinie füllen das Punktekonzo mit Zählern für präzises Fahren. Aggressive Piloten rammen ihre Konkurrenten derweil beim Überholen, drängen sie von der Strecke oder fahren im Windschatten.

Alle Zähler wandern später auf das allgemeine Punktekonto. Je mehr man sammelt, desto höher steigt man im Fahrerlevel auf (maximal 50). Eine Art Rangabzeichen zeigt an, ob man eher als präzise oder aggressiv bekannt ist. Wirklich große Einflüsse sind dadurch aber nicht auszumachen. Je nach Fahrverhalten schaltet man bestimmte Herausforderungen, Fahrzeuge oder Tuningoptionen frei. Im Großen und Ganzen eine interessante Neuerung, deren Auswirkungen jedoch keine allzu große Tragweite entfalten.

Des Weiteren schaltet man durch das Erreichen neuer Fahrerlevel immer mal wieder neue Belohnungen frei, etwa zusätzliche Felgen-Pakete oder weitere Garagenslots, um mehr Fahrzeuge kaufen zu können. Ébenso gibt es Sponsorengelder und Einladungs-Events, in denen man gegen bestimmte Fahrer antritt oder in vorgeschriebenen Wagen ein Ziel erfüllen muss. Das sorgt dann für ausreichend Motivation in der Karriere, in der es darum geht, an der „NfS World Tour“ teilnzunehmen und sie schlussendlich natürlich zu gewinnen. Zu diesem Zweck arbeitet man sich über mehrere Stufen nach oben, bis man schließlich gut genug dafür ist.

Anfangs geht es dabei noch gemächlich zur Sache. Mit Fahrzeugen wie dem Audi S4, dem Honda S2000 oder dem VW Golf GTI absolviert man hauptsächlich gewöhnliche Rennen auf Rundkursen. Je höher die Stufe, desto schneller werden die Fahrzeuge und desto vielfältiger gestalten sich auch die Aufgaben. Es kommen Drift-Rennen, Zeitrennen, Events mit bestimmten Wagen oder Ausdauerrennen hinzu, in denen man beispielsweise 30 Runden auf dem Dakota Speedway absolviert. Ansonsten beschränken sich die Rennen meist auf eine Handvoll Runden. Mit einem McLaren F1 oder einem Porsche Carrera GT wird das Ganze nochmal wesentlich spaßiger. Erwähnenswert ist dabei auch, dass in denen Rennen auf jegliche Musik verzichtet wurde. Das satte und deftige Dröhnen der Motoren aus den Boxen verzückt daher dauerhaft und ungestört die Ohren. Speziell Besitzer einer 5.1-Anlage werden sich fühlen, als würde der Wagen durch den Raum rasen.

Damit es überhaupt soweit kommt, braucht man vor allem Sterne. Die dienen dazu, um die jeweiligen Stufen und weitere Events freizuschalten. Um die Stufe 5 zu erreichen, benötigt man zum Beispiel 280 Sterne. Verdienen kann man sie sich in den Rennen selbst, für einen Sieg sind maximal drei Sterne drin. Zusätzliche gibt es für alternative Aufgaben, etwa das Erzielen einer bestimmten Punktzahl während des Rennens, das Meistern sämtlicher Kurven auf einer Strecke oder das Fahren einer sauberen Runde. Dabei hat man zumeist einen großen Spielraum, muss also nicht wirklich jeden einzelnen Stern bekommen, um überhaupt die nächste Stufe zu erreichen. Zusätzlich kann man auch später nochmal zurückgehen und weitere Anläufe wagen.

Realismus-Fans wird außerdem freuen, das man an seinem Wagen ordentlich rumschrauben kann. Über die „Upgrades“ baut man – genügend Kleingeld vorausgesetzt – bessere Motoren, Bremsen oder Nitro-Kits ein, die neben der Optik auch Geschwindigkeit oder Handlin verbessern. Das genügt denjenigen, die sich nicht näher damit beschäftigen wollen. Über das „Tuning“ hat man jedoch die Möglichkeit, wirklich Änderungen im Detail vorzunehmen.

Verschiedene Elemente, wie der Reifendruck vorne und hinten oder der Lenkeinschlag, lassen sich individuell einstellen und zeigen auf der Strecke auch spürbare Auswirkungen – je nachdem, was man umgestellt hat. Wer einfach nur rasen will, lässt davon aber besser die Finger. Zu guter Letzt darf man den eigenen Flitzer dann auch noch optisch verzieren. In punkto Vinyls, Farben oder Lackeffekte lässt man kaum Wünsche offen. Mit etwas Zeit erhält man auch ansprechende Ergebnisse, die Klasse eines Forza Motorsport 2 erreicht man in diesem Bereich aber nicht.

Eher weniger gelungen ist das Schadenssystem von SHIFT. Zu den intensiven Auswirkungen nach einem Crash hätte es einfach gepasst, dass der Wagen Stück für Stück zerlegt werden kann. Genau das ist jedoch nicht der Fall, nicht mal in der Einstellung „komplett“. Die Motorhaube fliegt erst nach mehreren, wirklich harten Kollisionen ab, selbiges gilt für Stoßstange und Frontspoiler. Und selbst bei den heftigsten Unfällen bekommt die Frontscheibe höchstens Risse, zerspringt aber niemals in Scherben. Kein Vergleich also zu Race Driver: GRID, in dem sich die Vehikel wirklich in sämtliche Einzelteile auseinandernehmen lassen und auch komplett den Geist aufgeben können. Angesichts der schon erwähnten, heftigen Crash-Effekte hinterlässt das Schadensmodell also doch einen recht enttäuschenden Eindruck.

Ich muss ehrlich gestehen, dass SHIFT mir persönlich nicht ganz so sehr Spaß bereitet wie zuletzt GRID oder eben PGR4. Für meinen Geschmack driftet SHIFT einfach ein kleines Stück zu weit in den Realismus ab, da helfen auch die Fahrhilfen nur bedingt. In manchen Augenblicken hätte ich auch gerne den Controller an die Wand gepfeffert, nachdem einer der Widersacher mich mal wieder von der Strecke beförderte. Es braucht wirklich Beherrschung und Können, um am Ende ganz oben zu stehen. Und in punkto Abwechslung kann es meiner Meinung nach noch immer kein Titel mit PGR4 aufnehmen. Neben dem kaum vorhandenen Schäden am Auto, die hier eigentlich dazugehören sollten, vermisse ich in SHIFT vor allem noch Rennen zu unterschiedlichen Tageszeiten, Wettereffekte und weitere Rennvarianten. Vielleicht beim nächsten Mal.

Tatsache ist aber auch, dass SHIFT abseits dieser kleinen Mängel ein wirklich gutes Rennspiel geworden ist. Speziell die Freunde realistischer Rasereien werden damit ihre wahre Freude haben. Die Cockpitperspektive sticht dabei besonders hervor und erzeugt ein bisher nicht gekanntes Mittendringefühl, was nicht zuletzt auch an der detailgetreuen und schönen Optik liegt. Von den Rucklern eines NfS: Undercover ist keine Spur zu sehen, alles läuft butterweich. Darüber hinaus motivieren Sterne und Punkte im Einzelspieler-Modus, der euch eine ganze Weile beschäftigen wird – wie auch die perfekte Beherrschung eures Fahrzeugs. Und genau das macht auch einen Teil des Spaßes aus, bringt die nötige Herausforderung ins Spiel.

Auf SHIFT kann man gerne aufbauen, sollte in meinen Augen aber beim Fahrverhalten noch etwas feilen und es gerade für Einsteiger in den Schwierigkeitsgraden und den Fahrhilfen noch einen Tick zugänglicher gestalten. Für mich fehlt in diesem Punkt noch die gänzlich richtige Balance. Profis werden mit SHIFT mehr als zufrieden sein, die gelegentlichen Rennfahrer, die gerne mal eine unkomplizierte Runde zwischendurch fahren wollen, nicht unbedingt.

Need for Speed: SHIFT ist ab dem 17. September für PC, Xbox 360, PlayStation 3 und PSP erhältlich.

 

 

Ist der Artikel hilfreich? Dann bookmarken Sie ihn bei:

Hilfe?

3D Multiplayer-Games: Xblasters

Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...

Yahoo! Spiele-Forum

Need for Speed: Shift im Test. Was halten Sie vom neuen Spiel von Slightly Mad Studios?

Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.

Link zum Forum

Zum Games Guide-Forum · Zum Online-Spiele-Forum

 

 

 

Yahoo! Highlights:

Filmblog
Spiele Highlights
Video Suche
DFB Pokal
Autonews
Reiseplaner
Mehr...

 

Aktuelle Videospiele News:

Mass Effect
Dead Space 2
X360: Russland verbannt MW 2 aus den Läd...
PS2: Déjà-vu ohne Zweifel: No Doubt verk...
PS3: Dante's Inferno: Demo im Dezember
X360: Alan Wake: Remedys Matias Myllyrin...
PC: Modern Warfare 2: Flughafen-Level in...
WII: Neues Zelda soll überraschen
Computerspielsucht
Project Natal
X360: Änderungen bei Einer gegen Hundert
Medal of Honor
PlayStation 3
PC: Infinity Ward: Animationen tragen 'i...
Bioshock 2

Weitere Spiele Reviews:

PC: Die Sims 3
Spore: Galaktische Abenteuer
Rock Revolution [DS , Mag64]
One Piece: Unlimited Cruise 1 - Der Scha...
PS3: Assassin's Creed 2
Monster Hunter Freedom Unite
Princess Debut: Der Königliche Ball
WII: Teenage Mutant Ninja Turtles: Smash...
PC: FUEL
PS3: Dynasty Warriors 6: Empires
WII: Gradius ReBirth
PC: S.T.A.L.K.E.R.: Call of Pripyat
Cannon Strike - Tactical Warfare
PC: Wolfenstein
Laufrhythmus DS [DS , Mag64]

Vorschau auf neue Spiele:

PC: F.E.A.R. 2: Project Origin
X360: Bionic Commando
WII: 428
PS3: Stormrise
Max Payne 3
X360: The Saboteur
PC: Silent Hill: Homecoming
PC: Battlefield Heroes
Street Fighter IV
X360: Magna Carta 2
WII: Sin & Punishment 2
X360: Fable 3
X360: Velvet Assassin
E3 09: Heavy Rain - First Facts
PS3: God of War III