Fussball Manager 10

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
PC: Fussball Manager 10

Gesamtwertung

7/10

PC: Fussball Manager 10

„Die Wahrheit liegt auf dem Platz“, hat Otto Rehhagel mal gesagt. Und damit hat er vollkommen recht. Egal wie gut die taktische Aufstellung ist, wie gut einzelne Spieler sein mögen, letztendlich zählt doch das, was auf dem grünen Rasen passiert. Und wenn man das, was in der Theorie besprochen wurde, nicht umsetzen kann, verliert man eben im schlimmsten Fall. Ähnliches gilt auch für den Fussball Manager aus dem Hause EA, der besonders in der letzten Saison an einigen gravierenden Bugs litt.

Und auch in der 2009er Version ist nicht alles Gold, was glänzt. In einigen Bereichen warten sinnvolle Neuerungen auf Hobby-Manager, in anderen Abteilungen herrscht Stillstand. Und erstmals mit dabei: Ein (abgespeckter) Online-Modus, mit dem man via Internet gegen Freunde um die Meisterschaft kämpfen kann.

Aber alles der Reihe nach. Wie auch in den Jahren zuvor glänzt der Fußball Manager 10 mit einem dicken Lizenzpaket – inklusive original Spielern, Teams und Ligen. EA spricht von über 3.900 Klubs und 37.000 Kickern. Genau nachzählen wollte ich das jetzt allerdings nicht. Zum Start hat man wie gewohnt die Wahl, einen bereits existenten, beliebigen Verein zu übernehmen, aus drei zufällig ausgewählten Angeboten zu entscheiden oder seinen eigenen Klub aus dem Boden zu stampfen. Letzteres geschieht inklusive Trikot-, Wappen- und Stadiongestaltung. Zudem kann man nach Städten in Deutschland suchen, um den gewünschten Heimatort für sein Team zu finden. Löblich: Der FM10 findet sogar den Ort, in dem ich aufgewachsen bin. Und der umfasst gerade mal um die 5.000 Einwohner.

Hat man sich für eine Option entschieden, liegt einem die ganze Managerwelt zu Füßen. Man kann entweder sämtliche Angelegenheiten des Vereins selbst regeln oder gewisse Aufgaben auf Mitarbeiter abwälzen. Wer will, überlasst daher beispielsweise Aufstellung, Training und Taktik dem Co-Trainer oder finanzielle Dinge, darunter die Suche nach Sponsoren, den anderen Kollegen. Speziell Einsteiger können somit selbst festlegen, worum sie sich kümmern wollen und werden dann zu Beginn nicht gleich von sämtlichen Optionen erschlagen.

In der Praxis funktioniert das auch recht gut. Über drei Saisons hinweg hatte ich dem Co-Trainer etwa das Training überlassen. Über die Fitness meiner Kicker konnte ich mich dabei nicht beschweren, am nächsten Wochenende standen sie stets wieder voll im Saft. Rotieren muss man aber natürlich, wenn es ins internationale Geschäft geht und innerhalb einer Woche noch zusätzliche Spiele auf einen warten. In den roten Bereich rutschte die Frische vor einem Spiel praktisch gar nicht ab.

Gänzlich neu ist die Möglichkeit, das Stadion auf einfache Art und Weise zu vergrößern. Man muss sich nicht mehr zwingend durch den 3D-Editor wühlen, um Änderungen vorzunehmen. Stattdessen wählt man einfach im „Light-Modus“ die Zahl der gewünschten Plätze und gibt das Ganze in Auftrag. Mit wenigen Klicks erweitert man so unkompliziert und schnell seine Arena. Sofern nicht genügend Geld auf dem Konto vorhanden sein sollte, wird einem sofort ein Kredit angeboten, um den Ausbau damit finanzieren.

Überhaupt stehen in diesem Jahr eher die Detailänderungen im Vordergrund. Dazu zählen auch viele Dinge, die einem auf den ersten Blick gar nicht so recht auffallen. Verbessert wurden etwa die Verhandlungen mit Sponsoren, es gibt nun eine Schnellberechnung für die verbleibende Zeit einer 3D-Partie, die Suchfunktion für Spieler ist verfeinert worden und es können bis zu vier Aufstellungen abgespeichert werden. Insgesamt sind es knapp 400 Anpassungen, die den Fussball Manager 10 zwar zu einem guten, aber nicht perfekten Spiel machen. Dazu sind einfach noch zu viele Problemchen vorhanden.

Sobald ein Match ansteht, kann man zwischen dem Textmodus, der Sofortberechnung, einer Videotext-Darstellung und dem 3D-Spiel wählen, das auf der Technik und den Animationen von FIFA 09 basiert. Im Videotext sieht man ausschließlich die Ergebnisse, während die Spielzeit verrinnt. In der Sofortberechnung gibt es ein paar zusätzliche Infos, etwa zu gelben Karten, während der Textmodus wie üblich Chancen und andere Situationen genauer ausführt.

Im 3D-Match kann man wiederum seine Akteure selbstständig agieren lassen oder man greift dank seines eigenen Alter Egos selbst in die Partien ein und spielt fleißig mit, ähnlich wie in FIFAs Be a Pro. Speziell in der 3D-Variante gibt es aber einige Macken, die öfter mal auftreten und nicht unbedingt für Begeisterung sorgen.

Nicht gerade selten „klebte“ beispielsweise der eigene Innenverteidiger regelrecht am Elfmeterpunkt fest und ignorierte gekonnt bis zum letzten Augenblick die ihm vorher aufgetragene Manndeckung des gegnerischen Stürmers, der dann auch prompt in Ballbesitz kam, freie Bahn hatte und die Kugel vom Strafraumrand ins Netz beförderte. Sehr ärgerlich. Andernorts köpfte ein Abwehrspieler des gegnerischen Teams einfach mal so und ohne wirklichen Grund den Ball aus rund 20 Metern über die eigene Torauslinie anstatt nach vorne. Warum? Gute Frage.

In manchen Situationen fliegt das Leder auch mal unrealistisch flott über den Rasen oder die Kicker passen sich das Spielgerät gleich fünf- oder sechsmal aus kürzester Distanz zu, obwohl woanders Kollegen freistehen, und fabrizieren anschließend doch einen Fehlpass. Da möchte man am liebsten in den Tisch beißen und bekommt berechtigte Zweifel an den Hintergrundberechnungen der anderen Spielmodi, wenn hier schon einiges daneben geht. Solch offensichtliche Schnitzer machen sich in den anderen Varianten jedoch nicht bemerkbar, wodurch sie sich natürlich als geeignete Alternative anbieten. Am 3D-Modus müssen die Entwickler aber dringend noch via Update nachbessern.

Des Weiteren fällt das eine oder andere Ergebnis für meinen Geschmack schon mal etwas zu hoch aus. Natürlich gewinnt eine Mannschaft wie Hoffenheim einerseits in der Realität auch mal 5:1 gegen ein in der Krise steckendes Team wie Hertha BSC, andererseits kommt man im FM10 manchmal unter die Räder, wenn es für eine Seite gerade richtig gut läuft.

Ob nun 0:5 gegen Stuttgart oder ein 2:6 gegen Bochum, hin und wieder ist es einfach etwas zu krass. Besonders dann, wenn die Teamstärken nahezu identisch sind oder die eigene Elf, wie im Fall des Spiels gegen Bochum, doch um rund 60 bis 70 Punkte stärker ist. Solche Resultate hinterlassen, obwohl sie nicht an jedem Spieltag auftreten, einen faden Nachgeschmack, zumal sie sich verständlicherweise auch nicht gut auf Stimmung oder Vertrauen des Vorstandes auswirken.

In der Halbzeitpause herrscht hingegen mehr oder weniger Stillstand. Für die Ansprache in der Kabine wünsche ich mir noch immer eine etwas größere Auswahl als hauptsächlich „Lob“ und „Kritik“ abzugeben oder einen Spieler zu motivieren. Warum kann ich nicht einfach mal ausrasten, wie es früher in Anstoss möglich war? „An die Ehre appellieren“ zählt für mich jedenfalls nicht dazu, da es auch nur selten positive Auswirkungen zeigt und nicht immer angemessen ist. Wie auch bei den Gespräch mit den eigenen Kickern braucht es hier einfach noch mehr Variation.

Weitere skurrile Erlebnisse hat man ab und zu auf dem Transfermarkt. Im Manager-Modus von FIFA 10 spielt neuerdings die Reputation eines Vereins ebenso eine Rolle beim Wechsel der Spieler. Im Fussball Manager 10 scheint das nicht zwingend zu gelten.

Da spielen dann schon mal in der dritten Saison, in der die jeweiligen Vereine auch nicht wirklich viel erreicht haben, Kicker vom Kaliber eines Luca Toni oder Hernán Crespo beim VfL Bochum beziehungsweise SC Freiburg. Bei allem Respekt für die Mannschaften, aber das ist in Wirklichkeit irgendwie nur schwer vorstellbar.

Auch bei manchen Transfersummen kann man sich eigentlich nur an den Kopf fassen, da die Gebote teilweise doch absurd hoch ausfallen. Mich als Verkäufer sollte es zwar freuen, wenn mir der FC Bayern München in der zweiten Saison 61 Millionen Euro (!) für Hoffenheims Mittelfeldregisseur Carlos Eduardo bietet, dessen Marktwert zu dem Zeitpunkt bei knapp 15 Millionen lag, aber da man die Bayern kennt, weiß man, dass diese nicht dermaßen mit dem Geld um sich werfen. Und 61 Millionen Euro sind in dem Fall – trotz einer vertraglich festgelegten, sofortigen Ablösesumme von 80 Millionen – einfach nur übertrieben. Weitere Gebote lagen übrigens bei knapp 40 Millionen Euro.

Die integrierte, virtuelle Kicker-Website, die immer mal wieder ein paar nette Headlines zum aktuellen Geschehen bereithält, wirkt indes nur wie ein kleines Anhängsel, das man in der Form nicht notwendigerweise braucht. Zumindest die gewöhnlichen Statistiken, etwa Tabelle oder Ergebnisse, bekommt man ebenso an anderer Stelle. Und auch aus den Interviews mit Reportern schöpft man zu wenig. Im Normalfall beantwortet man schlicht eine einzige Frage und dann ist das Thema erledigt.

Kritische, manchmal auch dämliche Fragen nach hohen Niederlagen oder wichtigen Spielen gehören zum Fußball dazu, fehlen im FM10 aber. Zudem entwickeln sich keine richtigen Gespräche, die auf den gegebenen Antworten aufbauen und größere Auswirkungen haben könnten. Eine Kombination mit der Website inklusive Umfragen, einigen Statistiken der "verrückteren" Art ("Wer schoss die längste Zeit kein Tor?" oder was auch immer) oder Kommentaren von Fans, Vorstand und Spielern wäre sicherlich irgendwie möglich. Man muss es nur wollen, schließlich würde es diesem Feature deutlich mehr Sinn verleihen.

Was mich persönlich auch weiterhin ein wenig ärgert, ist die Tatsache, dass man nach wie vor offiziell keinen Fenstermodus unterstützt. Den kann man zwar durch einen Eintrag in der Konfigurationsdatei erzwingen, allerdings könnte man ihn dann eigentlich auch gleich in den Optionen anbieten, damit die Spieler nicht erstmal selbst ein wenig rumhantieren müssen. Kein dramatischer Kritikpunkt, aber dennoch für mich unverständlich. Löblich: Während der gesamten Testdauer lief der Fussball Manager 10 äußerst stabil und stürzte nicht ein einziges Mal ab.

Zu guter Letzt hätten wir dann noch den anfangs angesprochenen Online-Modus, der sich fast schon als eigenständiges Spiel präsentiert. Hierbei handelt es sich im Grunde genommen um eine abgespeckte Variante des Hauptprogramms, die ganz auf „schnelle“ Sessions ausgelegt ist. Eine komplette Saison kann man in rund drei bis vier Stunden absolvieren.

Die Optionen als Manager sind hier eingeschränkt, die Stärken und speziellen Fähigkeiten der Kicker gestalten sich anders und pro Spieltag gibt es ein Zeitlimit, in dem die bis zu acht Teilnehmer ihre Entscheidungen treffen müssen. Auf jeden Fall eine nette Dreingabe, die aber echte Manager-Profis aufgrund der begrenzten Möglichkeiten nicht gänzlich zufriedenstellen dürfte. Offline können indes weiterhin vier Spieler vor einem Bildschirm zocken. Oder man übernimmt selbst bis zu vier verschiedene Teams, wenn man sich die zusätzliche Arbeit antun möchte.

Der Fussball Manager 10 präsentiert sich als Spiel ohne wirklich einschneidende und große Neuerungen im Singleplayer-Modus. Im Mittelpunkt standen, wie EA auch selbst betont, hauptsächlich Detailänderungen - etwa negative Auswirkungen bei zu vielen Trainingslagern oder die Möglichkeit, das Privatleben des Managers zu deaktivieren - die wiederum auf dem Feedback der Fans beruhen. Schlecht muss das nicht sein, wie FIFA 10 eindrucksvoll beweist. Nichtsdestotrotz krankt auch der diesjährige Fussball Manager wieder an einigen Problemchen, besonders im Hinblick auf den 3D-Modus, die hin und wieder unglaubwürdigen Ergebnisse oder aberwitzige Transfers.

Ungeachtet dessen erwartet euch hier jedoch eine gewohnt umfangreiche, gut funktionierende Wirtschaftssimulation, in die man sich wirklich tief hineinarbeiten und jedes noch so kleine Detail anpassen kann, sofern man es denn möchte. Und genau deshalb spielt man es trotz der nicht von der Hand zu weisenden Schwierigkeiten dann doch mit Freude.

Eben weil sich hinter der nicht ganz einwandfreien Fassade ein größtenteils gelungenes Spiel versteckt, das über weite Strecken Spaß macht. Weil es einem die Möglichkeit gibt, mit seinen Lieblingsverein oder einem eigenen Klub mitzufiebern, ihn nach seinen Vorstellungen zu formen, ihm zu Ruhm und Ehre zu verhelfen und nach (virtuellen) Jahren harter Arbeit endlich an der Spitze zu stehen. Und ist es nicht genau das, wovon jeder Fan träumt?

Mit der Option, Aufgaben auf Mitarbeiter zu verteilen und Schwierigkeitsgrade für verschiedene Bereiche individuell anzupassen, eignet sich das Spiel indes sowohl für erfahrene Hasen als auch für Einsteiger. Wenn die Mankos euch nicht allzu sehr stören und ihr die Detailänderungen mitsamt aktueller Lizenzdaten für einen Umstieg vom FM09 als ausreichend erachtet, könnt ihr durchaus unbesorgt zugreifen. Für Neulinge oder Zocker, die schon seit einigen Jahren keinen Manager mehr gekauft haben, lohnt sich die Anschaffung des FM10 ebenso.

In diesem Sinne: Fußball ist immer ding, dang, dong. Ich habe fertig.

Der Fussball Manager 10 erscheint am 29. Oktober für den PC.

 

 

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