Gesamtwertung8/10 |
Wenn Klempner und Igel zu wohl wird, gehen sie aufs Eis. Oder in den Schnee. Egal, Hauptsache kalt, sportlich und olympisch. Immerhin stehen ja die Winterspiele im kanadischen Vancouver vor der Tür und der direkte Vorgänger hat trotz seiner nicht immer ganz traumhaften Bewertungen (eurogamer.de)doch tatsächlich absolut überragende Verkaufszahlen eingefahren, die in der SEGA-Chefetage immer noch für feuchte Träume sorgen. Mehr als zehn Millionen Exemplare des Sport-Spektakels wanderten seit dem Release vor nicht ganz zwei Jahren über die Ladentheke. Das soll erstmal einer nachmachen.
Daran sind jetzt nicht nur die teure Olympia-Lizenz und das lang erwartete Treffen zwischen Klempner und Igel schuld. Denn tatsächlich, trotz manch ärgerlichem Fehler und einigen unverständlichen Design-Entscheidungen haben Mario & Sonic im Multiplayermodus einfach funktioniert. Nein, mehr als das. Die Wii-Olympiade hat nicht nur funktioniert, sie war mit einer motiverten Spielerrunde, ordentlich Knabbereien und Getränken ein echtes abendfüllendes Vergnügen mit jeder Menge Schadenfreude, knappen Entscheidungen und großen Triumphen. Genau das Gleiche gilt jetzt auch für den winterlichen Nachfolger. Nur dass der auch für Solisten etwas mehr bietet.
Dafür sorgt in erster Linie der Sportfest-Modus. Dort spielt ihr euch durch 16 Tage Winter-Olympiade mitsamt Eröffnungs- und Abschlussfeier, legt Trainingseinheiten ein, kämpft um Medaillen, sammelt Punkte und tretet gegen überraschende Rivalen an. Diesen Modus solltet ihr auch direkt wählen, wenn ihr die DVD zum ersten Mal ins Laufwerk geschoben habt. Das Spiel führt euch angenehm durch alle Disziplinen. Und wenn die 16 Tage einmal vorbei sind, habt ihr eine gute Ahnung davon, was euch bei den virtuellen Winterspielen alles geboten wird. Gleichzeitig habt ihr mehr als genug virtuelle Kohle auf der hohen Kante, um in den verschiedenen Shops des Spiels erst einmal ausführlich Bonus-Krimskrams zu erwerben.
Darüber hinaus ist der Sportfest-Modus auch ein guter Einstieg für die essenziellen Mehrspieler-Runden. Hier ist es wunderbar einfach, auch Neulinge oder eingefleischte Nicht-Spieler in die Wunderbare Welt des Igel-Klempner-Wintersports zu initiieren. So hat jeder Mitspieler die Chance, in den ersten Sessions erst einmal die Steuerung zu erproben, die verschiedenen Disziplinen kennenzulernen und das Ganze auf seinem Level auszuprobieren. Gute zwei Stunden dauert ein Durchgang durch das Sportfest, genau der richtige Umfang für einen gemütlichen Abend in der Zockerrunde.
Netterweise stehen für alle Disziplinen mehrere Kontrollvarianten zur Verfügung. Wer es gerne einfach mag (oder nicht genügend Nunchuks zu Hause hat), der kommt alleine mit der Wiimote gut über die Runden. Standardmäßig werden die meisten Sportarten mit Wiimote und Nunchuk gespielt und wer größeren Wert auf Körpereinsatz legt, der bringt bei einem Teil der Disziplinen das WiiFit-erprobte Balance-Board zum Einsatz. Abfahrt, Slalom oder Skispringen fühlen sich etwas anders und teilweise auch komplexer an als bei WiiFit, machen aber nach kurzer Eingewöhnungszeit eine Menge Spaß.
Nur eines vermisse ich hier sehr: Wo ist die Unterstützung für WiiMotion Plus? Bedenkt man, wie sehr sich die Zielgruppen von WiiSports Resort und Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen überschneiden, ist es doch schlichtweg unverständlich, wie SEGA so eine wichtige und mittlerweile auch verbreitete Hardware-Erweiterung ignorieren konnte! Ja, die Steuerung funktioniert auch in ihrer jetzigen Form ordentlich und zuverlässig, trotzdem bleibt dieses nagende Gefühl im Hinterkopf. Das könnte sich alles noch ein wenig feiner, ein wenig genauer und ein wenig präziser Steuern lassen.
Auch die Technik hat so ihre Macken, die sich gelegentlich auf den Spielspaß auswirken. In einigen Mehrspieler-Disziplinen oder auch gerne mal bei einer Ski-Abfahrt geht die Framerate in die Knie, was zu Problemen bei der Steuerung führen kann und mit etwas mehr Feintuning sicher vermeidbar gewesen wäre. Insbesondere wenn ihr auf dem Balance Board vor dem Fernseher steht und den Berg runter rauscht, springt euch die mäßige Technik regelrecht ins Auge.
Dafür punktet das Spiel an anderer, unerwarteterer Stelle: Ausgerechnet mit dem eigentlich für viele so unspektakulären Curling hat SEGA eine enorm komplexe und motivierende Variation des typischen WiiSports-Bowling geschaffen. Die Grundlagen sind ähnlich schnell erlernt, tatsächlich ist das Ergebnis aber weit taktischer und birgt eine ordentliche Menge an Ätsch-Potenzial. Beginnt der lustige Mehrspielerabend mit einer flotten Runde Eishockey oder Slalom, endet er unter Garantie in verbissenen Curling-Matches.
Ebenfalls überraschend gut ist SEGA der Eiskunstlauf gelungen: Wählt eine Musik und eure Figur gleitet über das Eis. Eure Aufgabe ist es dann, ähnlich im Stil der Elite Beat Agents auf dem DS zur richtigen Zeit die richtigen Kommandos auszuführen. Das fängt leicht an, steigert sich aber mit der Zeit weiter und weiter zu einer echten Herausforderung, bei der es nicht auf wildes Gerüttel, sondern auf gezielte Bewegungen im Takt der Musik ankommt.
Wie schon der Vorgänger bietet auch die Winter-Edition eine ordentliche Auswahl an Traum-Disziplinen. Die basieren auf regulären Sportarten wie Abfahrt oder Skispringen, erweitern die reale Basis aber um typische Elemente und bunte Settings aus früheren Mario- und Sonic-Spielen: Bei der Abfahrt in der verschneiten Green Hill Zone donnert ihr durch weite Loopings und schnappt euch in bester Mario-Kart-Manier Fragezeichen-Blöcke um nützliche Extras zu kassieren. Beim Skispringen rauscht ihr durch die wechselnde Schwerkraft der Super-Mario-Galaxy-Welten. Eine schöne Abwechslung zu den realistischen Sportarten, auch wenn insbesondere die Ski-Disziplinen oft etwas arg chaotisch ausfallen.
Um aber den Kauf zu rechtfertigen, müsst ihr euch natürlich vor allem mal eines fragen: Sitzt ihr meist alleine vor eurer Wii oder könnt ihr mit regelmäßigem Mitspieler-Aufkommen rechnen? Sollte ersteres der Fall sein, verlieren SEGAs Winterspiele trotz Sportfest-Modus, Achievement-System und vielen freispielbaren Boni recht schnell an Reiz. Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen bietet keinen Online-Modus und ist eben primär für den Mehrspielerbetrieb an einer Konsole ausgelegt. Und genau da überzeugt es auch am stärksten.
Als Gesamtpaket betrachtet wirkt Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen runder und fertiger als sein Vorgänger. Die Präsentation ist stimmiger, viele Disziplinen wirken durchdachter und der Sportfest-Modus gibt dem Spiel genau die Art von inhaltlichem Rahmen, den ich nicht nur beim Vorgänger, sondern auch beim eigentlich sonst so überzeugenden WiiSports Resort vermisst habe. Trotzdem gibt es auch bei der Winterolympiade der beiden ehemaligen Antagonisten noch ziemlich Luft nach oben. Das gilt sowohl spielerisch als auch technisch.
Schade, dass SEGA dem Spiel nicht noch zwei oder drei Monate Feintuning und WiiMotion-Plus-Unterstützung angedeihen lassen konnte, der Sprung zur begehrten 8er-Wertung wäre dem Spiel damit sicher gewesen. Aber auch so bekommen Fans zünftiger Multiplayer-Sessions hier ein rundes Paket, das nicht nur sportlich überzeugt, sondern dank vieler Extras und Traum-Disziplinen auch das Videospiel-Erbe seiner Protagonisten angemessen zu würdigen weiß.
Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen ist ab dem 16. Okober im Handel erhältlich.
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Mario & Sonic at the Olympic Winter Games im Test.
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