Gesamtwertung5/10 |
Für Xbox Live und Live Arcade stellt diese Woche gleich ein Doppeljubiläum dar: Der Live-Service wird junge fünf Jahre alt, was Microsoft mit ein paar Geschenken
zelebriert. Bei den Arcade-Spielen kommt die große Nummer ins Sortiment, der 100ste Downloadtitel. Und Microsoft versprach uns etwas Besonderes.
Nach ein paar Runden mit der Nr. 100 bin ich mir nicht sicher, wie sie das so genau meinten…
Soso, das ist also etwas Besonderes: Ein Typ in einem Bomberman Act Zero-Kostüm wird in einen Schacht auf einem fernen Mond geworfen und fällt ein Weilchen senkrecht nach unten. Während des Falls gilt es, roten Dingen auszuweichen und grüne Sachen zu treffen. Am Boden angekommen geht es dann wieder zurück an die Oberfläche, diesmal mit mehr Tempo und einem Zeitlimit. Mehr böse rote und gute grüne Dinge pflastern den Weg. Gelingt Euch das, bevor der Timer abläuft, herzlichen Glückwunsch, Level geschafft.
Die Handlung um das Ganze herum hat irgendetwas mit einem explodierenden Reaktor zu tun und soviel Bedeutung wie der symbolische Sack Reis in China. Also liebes Xbox-Arcade-Team, wo ist jetzt das Besondere? Das gewisse Extra, die neue Idee? Irgendwas?
Keine Antwort ist auch eine Antwort, aber Spaß kann ja auch eine solche Banalität machen, wenn alle Regeln guter Spielbarkeit eingehalten werden. Leider kommt hier die Stelle, wo Euch Screwjumper wirklich in den freien Fall der Motivationslosigkeit schicken wird. Um einen solchen Test Eurer Reflexe genießen zu können und Euch praktisch in eine Action-Trance zu schicken, bedarf es einer perfekten Steuerung.
Die gibt es hier nicht. Auch nach zwei Stunden freien Fallens und verzweifelten Einsatzes aller Möglichkeiten in Form von Boost, Luftbremse und Dynamit, werdet Ihr noch sehr gezwungen vor Euch hinrudern. Zu keinen Zeitpunkt stellt sich das Gefühl intuitiv gelungener Manöver ein. Der permanente Eindruck, dass die Analogsticks gegen Euch arbeiten, drängt sich auf. Der Spielspaß fällt schneller als der Bomberman-Typ.
Es hilft auch wenig, dass sich nie das Gefühl einstellt, mit einer Fallgeschwindigkeit von vielen Metern pro Sekunde durch einen Schacht zu stürzen. Die Grafik zeigt sich ganz ordentlich, wenn auch unspektakulär. Mit der angemessenen Vermittlung des spektakulären Ereignisses eines Sturzes durch einen engen Schacht scheint sie aber permanent überfordert zu sein.
Da helfen weder die praktisch identischen Spielmodi noch die sporadisch auftauchenden neuen Hindernisse und auch der Vierspieler-Modus rettet nichts. Ihr stürzt online halt zusammen durch die öden Schächte; immer im Kampf um ein paar Punkte und gegen die Steuerung. Das Konzept könnte funktionieren. Screwjumper zeigt lediglich, wie man es nicht macht.
Nach dem enttäuschenden (freien) Fall von Screwjumper befassen wir uns gleich mit einem weiteren Downloadtitel von Live Arcade, der Nummer 99. Besagtes Spielchen hat zwar ebenso etwas mit Höhen und Tiefen am Hut, bringt allerdings einen ganzen Schwung mehr Farbe in das vermutlich abgedunkelte Spielzimmer.
Ok, "ganz viel Farbe" ist wohl ein Stück weit übertrieben. Massig grün und braun trifft es wohl eher.
Der zweite Titel der Woche versucht sein ebenfalls eher simples Spielprinzip mit ein wenig Lizenztapete aufzuhübschen. Auch wenn der dritte Shrek-Film in den Kinos eher verhalten aufgenommen wurde, die Charaktere bleiben doch liebenswert. Insoweit wird es vor allem die jüngere Zielgruppe freuen, dass sich die gesamte Bagage von zwei Dutzend Charakteren im Laufe des Spiels freischalten lässt.
Wenn Ihr vom Titel her einen Flipper erwartet habt – ging jedenfalls mir so –, liegt Ihr falsch. Entlang der Seitenwand eines Turmes hausen Babyoger. Warum sie überhaupt dort sitzen, bleibt etwas unklar, aber sie sind hungrig. Um dagegen etwas zu unternehmen, müsst Ihr zwei Mann – ein loser Begriff in diesem Zusammenhang - aus der Shrekcrew an einem Brett mittels einer Art Flaschenzug dirigieren. Und voila – das Futter gelangt zu den darbenden Kleinogern in den luftige Höhen.
Das klingt einfach, nur leider lassen sich die Minioger nicht direkt versorgen. Jeder der beiden Lieferanten wird getrennt nach oben oder unten gesteuert. Dadurch gerät das Brett zwischen ihnen in die Schräge und das darauf befindliche Futter ins Rollen, idealerweise direkt in den geöffneten Ogerrachen.
So weit, so einfach, aber natürlich sind die Wände löchrig wie ein Schweizer Käse, bevölkert mit anderen, räuberischen Gestalten und einer ganzen Reihe weiterer Hindernisse. Schnell gerät das Anfangs banale Balancieren zu einem wilden Hin- und Her, während Ihr wild fluchend das Futter um alle Kalamitäten herum manövriert. Simpel, fordernd und reizvoll, selbst wenn es Euch wohl kaum die ganze Nacht vor den Schirm bannen wird.
Als Ereignis der besonderen Art stellte sich der KoOp-Modus heraus. Jeder Spieler übernimmt eine Seite und gemeinsam müsst Ihr das Brett in der richtigen Waage halten. Wenn Ihr dachtet, dass Taktikshooter schon ein gutes Teamplay voraussetzten, wartet ab bis Ihr versucht, Ogerbabys zu sättigen.
Shrek´n´Roll ist somit die perfekte Definition des „netten, kleinen Spielchens“. Ihr werdet es schnell verstehen, für ein paar Minuten zwischendurch ganz gern mal starten und Euch dank der putzigen Präsentation wohlfühlen. Das ist schon weit mehr, als sich über Screwjumper sagen lässt. Ob es reicht, müsst Ihr mit Euch und Eurem Punktekonto ausmachen.
Randnotiz der Woche: Oger gibt es seit 1697 oder zumindest tauchte damals der Erste von Ihnen im Märchen „Der kleine Däumling“ von Charles Perrault auf.