Batman: Arkham Asylum

Preview
Vertrieb
Eidos
Entwickler
Rocksteady Studios
Genre
Andere
X360: Batman: Arkham Asylum

X360: Batman: Arkham Asylum

Mit einem lauten Dröhnen rast das Batmobil durch die Straßen Gothams. An Bord befindet sich eine wertvolle Fracht. Der dunkle Ritter hat den Joker geschnappt und befördert ihn inmitten einer düsteren und stürmischen Nacht geradewegs zum Arkham Asylum. Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich glauben, dass Eidos hier einen neuen Batman-Film auf der Leinwand im Münchener Kino „Neues Gebriel“ laufen lässt. In Arkham angekommen, wird der prominente Gefangene auch schon von Polizeichef Gordon und einigen Wärtern mit Freuden in Empfang genommen.

An dieser Stelle vollführt das Spiel einen nahtlosen Übergang von Intro zu Gameplay. Als Batman folgt man dem langen und behäbigen Weg des verrückten, Sprüche klopfenden Clowns bis in die tiefsten Tiefen von Arkham, während er dabei ein wenig im Stil von Hannibal Lecter durch die Gegend kutschiert wird. Die anwesenden Gesetzeshüter freuen sich über den großen Fang, doch Batman ist äußerst misstrauisch. Zu einfach war das Ganze, zu perfekt. Und seine Vorahnung wird schließlich zur Realität. Wie nicht anders zu erwarten, befreit sich der Joker und lockt Batman in die mühevoll präparierte Falle. Er steckt in Arkham fest, umgeben von den Schergen des Jokers und diversen anderen verrückten Insassen.

Die schon in den ersten Momenten aufgebaute düstere Atmosphäre zieht mich bereits nach wenigen Sekunden in seinen Bann und lässt mich bis zum Ende der Präsentation auch nicht mehr los. Arkham ist weit entfernt von einem sauberen Hochglanzgefängnis. Es ist alt, verfallen, schmutzig. Pfützen erstrecken sich über die Böden, Dreck findet sich in allen Ecken und Ritzen, Graffitis pflastern die Wände.

Nur selten sah ein Superheldenspiel derart ansprechend aus. Dank Epics bewährter Unreal Engine 3 zaubert Entwickler Rocksteady glaubhafte, mit Details gespickte Umgebungen, ebenso gelungene Charaktere mitsamt realistischer Animationen und ein zum Verstecken einladendes Licht- und Schattenspiel auf den Bildschirm.

Verstecken ist ein gutes Stichwort. Batman agiert vornehmlich aus dem Hintergrund, überrascht seine Widersacher. Ein simples Prügelspiel ist Arkham Asylum aus diesem Grund trotz immer wieder vorkommender Nahkämpfe keineswegs. Ein Button reicht schon aus, um Schurken in die Schranken zu verweisen. Mit dem Stick bestimmt man die Richtung eines Schlages und kann somit mehrere Kontrahenten auf einmal erwischen. Effektive Gegenangriffe sind natürlich ebenso möglich. Wenn die Gegner im späteren Spielverlauf immer häufiger Schusswaffen bei sich tragen, wird man jedoch dazu gezwungen sein, die grauen Zellen etwas intensiver anzustrengen und die Umgebung besser auszunutzen. Batman ist nicht unverwundbar. Und schon gar nicht kugelsicher.

Hektik sollte man daher kaum aufkommen lassen. Der richtige Moment, eine sorgfältige Planung und ein behutsames Vorgehen können eine Situation wesentlich erleichtern. Aus dem Schatten heraus huscht der Held im Fledermauskostüm blitzschnell hervor, erledigt einen Feind und ist im nächsten Augenblick wieder in einer dunklen Ecke verschwunden.

Die Art und Weise, wie man sich um die einzelnen Fieslinge kümmert, liegt ganz in den eigenen Händen. Man kann sich zum Beispiel auch unter einem Gitter im Boden verstecken und zuschnappen, wenn einer der bösen Jungs nichtsahnend vorbeimarschiert. Oder man nutzt das Fangseil und hängt einen der Kerle an die Decke. Natürlich ist der Kollege noch bei Bewusstsein und flucht munter vor sich hin.

Erspäht eines der potentiellen Opfer Batman oder entdeckt den regungslosen Körper eines Kameraden, wird er aufmerksam und alarmiert lautstark seine Kollegen. Die bekommen derweil immer mehr Panik, wenn man sich nach und nach ihrer Kameraden entledigt. Sie halten verstärkt die Augen nach dem Helden offen, geben sich gegenseitig Deckung.

In solchen Situationen hilft der „Detective Mode“ enorm weiter - im Grunde genommen das Herzstück von Arkham Asylum. Aktiviert man dieses Gadget, zeigt es beispielsweise über eine Art Röntgenblick alle Gegner in einem Raum an. Oder auch Objekte, mit denen eine Interaktion möglich beziehungsweise nötig ist. Besonders sinnvoll ist die Darstellung von Feinden in blauer (unbewaffnet) oder roter (mit Schusswaffe) Farbe. Das macht es leichter, die erforderlichen Schritte im Voraus zu planen und die möglichen Gefahren einzuschätzen.

Auch im Hinblick auf die diversen Herausforderungen ist der Detective Mode ein äußerst nützliches Hilfsmittel. In einem Raum voller schädlicher Gase entdeckt man damit zum Beispiel des Rätsels Lösung: Einen ganz gewöhnlichen, aber auf normalem Weg unerreichbaren Stromkasten. Also schnell den Batarang auspacken, mit einem gezielten Wurf den Stromkasten zerstückeln und schon entschwinden die Gase. Solchen Rätseln soll man häufiger über den Weg laufen.

Prinzipiell bewegt sich Batman frei durch Arkham. Da der Joker die Kontrolle übernommen hat, bleibt ihm auch nichts anderes übrig. Er muss schlicht und ergreifend den Weg nehmen, den ihm sein Widersacher offenbart. Wohlwissend, dass selbiger ziemlich sicher mit weiteren Fallen und Gefahren gespickt ist. Auf seinem langen Marsch durch die Anstalt stößt man dabei immer wieder auf verschiedene Geschehnisse, die den Eindruck einer lebendigen Umgebung erwecken. Zwei Angestellte versuchen etwa, einen eingeschlossenen Kollegen zu befreien. Zumeist muss man in diese Situationen auch selbst eingreifen, was sie weniger zum atmosphärischen Gimmick verkommen lässt und gewissermaßen zu kleineren Nebenaufgaben macht.

Rettet man etwa eine Wache vor dem Absturz in die Tiefe, erfüllt Aufgaben oder haut einfach nur Gegner um, beschert das Batman eine gewisse Menge an Erfahrungspunkten – passend veranschaulicht durch kleine herumschwirrende Fledermäuse, die zu Boden gegangenen Feinden entweichen. Dadurch ist es möglich, den dunklen Ritter im Spielverlauf nach und nach zu einem stärkeren Kämpfer zu entwickeln. Hat man genügend Punkte gesammelt, investiert man sie in zusätzliche Fähigkeiten oder neue Gadgets.

Eine dieser neuen Fertigkeiten ist der „Inverted Takedown“. Um ihn verwenden zu können, seilt sich Batman erstmal kopfüber von höher gelegenen Positionen ab. Auf diese Art und Weise nähert er sich unbemerkt dem ahnungslosen Gegner und schaltet ihn lautlos aus. Zu den weiteren Aktionen zählt unter anderem der Glide Kick. Praktisch geräuschlos segelt man per Knopfdruck auf sein Opfer zu und schickt es mit einem beherzten Tritt ins Land der Träume.

Einen detaillierten und umfangreichen Einblick in das virtuelle Gotham City bekommt man in Batman: Arkham Asylum nicht. Als Schauplätze dienen ausschließlich die namensgebende Anstalt sowie die Insel, auf der sie sich befindet.

Dementsprechend wird es auch unmöglich sein, per Batmobil durch die Straßen der Stadt zu heizen. Batmans einzige Verbindung zur Außenwelt meldet sich über Funk. Oracle alias Barbara Gordon, Tochter von Polizeichef Gordon, bietet regelmäßig nützliche Informationen und kleinere Hilfestellungen an, die Batman während seines Aufenthalts in Arkham weiterhelfen.

Fans werden sich freuen, dass Paul Dini (Batman: The Animated Series) die Story für das auf den DC Comics basierende Spiel beisteuert. In der vorgeführten englischen Version sorgen der bekannte Batman-Sprecher Kevin Conroy und insbesondere Mark Hamill als Joker fast schon für Gänsehaut, hierzulande leihen David Nathan (Christian Bale) und Bodo Wolf (Christopher Walken) den beiden Hauptakteuren ihre Stimmen.

Vor Batman Begins und The Dark Knight konnte ich eigentlich nicht viel mit der Figur Batman anfangen. Vor etlichen Jahren habe ich mal einen Film gesehen, aber mehr auch nicht. Was den beiden neueren Filmen zuletzt gelungen ist, hat nun aber auch die Präsentation von Arkham Asylum geschafft: Es hat mich begeistert.

Eine fantastische Optik, die düstere und filmreife Atmosphäre sowie das anspruchsvolle und zu Überlegungen anregende Gameplay sind nur einige der hervorstechenden Merkmale von Arkham Asylum. Sofern die Entwickler über die gesamte Spielzeit hinweg genügend Abwechslung und Spannung garantieren können, dürfen sich Fans wohl auf ein gelungenes Batman-Abenteuer gefasst machen. Auf meiner persönlichen Muss-ich-spielen-Liste ist Arkham Asylum nun jedenfalls ein gutes Stück nach oben gerutscht.

Batman: Arkham Asylum erscheint im Sommer für PC, Xbox 360 und PlayStation 3.

 

 

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