Suikoden Tierkreis

Review
Plattform
Nintendo DS
Vertrieb
Konami
Entwickler
Konami
Genre
Andere
DS: Suikoden Tierkreis

Gesamtwertung

8/10

DS: Suikoden Tierkreis

Wenn der Computer streikt, dann führt man einen Reboot durch. Und wenn die hauseigene Rollenspiel-Reihe nicht mehr so recht beim Gros der Kunden ankommt, dann tut man genau das gleiche. Doch während der PC nach dem Neustart im Idealfall wieder schnurrt wie ein Kätzchen, besteht mein Rollenspiel-Reboot die große Gefahr, in der Hoffnung auf neue Kunden die alten Stammkäufer zu vergrätzen.

Und genau das könnte bei Suikoden Tierkreis (das übrigens auch in Japan und den USA den deutschen Untertitel besitzt) jetzt passieren. Trotz unzweifelhafter Qualitäten war man wohl mit der weltweiten Performance des epischen Suikoden 5 nicht ganz zufrieden. Also hat Konami die große Säge angesetzt und die Elemente, die die alten Fans der Serie am liebsten mochten, entfernt. Alte Bekannte aus früheren Teilen? Gibt’s nicht. Die vertraute Suikoden-Welt? Fehlanzeige. Das mit dem Wegfall der Kontinuität eine der großen Stärken der Reihe fehlt, schmeckt mir als bekennendem Fan der ersten Stunde zunächst einmal gar nicht.

Aber nach ein paar Spielstunden wandelt sich das Bild Stück für Stück. Denn auch wenn man die offensichtlichen Suikoden-Elemente zunächst noch schmerzlich vermisst, wird langsam klar, dass die inneren Stärken der Reihe immer noch intakt sind. Genau wie die stationären Vorläufer ist auch bei Suikoden Tierkreis die größte Stärke die punktgenaue Charakterisierung der Protagonisten und das stückweise Wecken der Sympathie für die Heldentruppe. Der namenlose Hauptcharakter wächst dem Spieler bereits nach kurzer Zeit ebenso ans Herz wie die burschikose Marika oder der stille Jale. Und die anderen 105 Figuren.

Und wenn die Handlung dann Suikoden-typisch nach gut drei bis vier Stunden richtig in die Gänge kommt, dann gibt es kein Entkommen mehr. Schnell stellt sich der gleiche Suchtfaktor ein wie in den Vorgängern. Hier noch ein paar rasche Kämpfe für den nächsten Level-Up, dort mal kurz schauen, ob der Händler neue Waffen hat, und wenn man schon mal dabei ist, kann man auch den Plot gleich noch weiter vorantreiben, es ist ja doch gerade wieder so spannend. Man muss den Entwicklern wieder einmal attestieren: Wenn sie etwas können, dann ist es den Spieler zu motivieren und gute Geschichten zu erzählen.

Und die ist in der neuen Episode sogar angenehm originell geraten: Anstelle des üblichen fiesen Imperiums macht ein fanatischer Kult die Welt unsicher. Der glaubt eisern daran, dass alles vorherbestimmt ist. Wenn der kleine Bub im Dorf sich dann wünscht, irgendwann einmal ein Ritter zu werden, hat er schon gesündigt – wie kann er es wagen, an der Vorsehung zu zweifeln und eigene Wünsche zu haben? Als dieser von den Helden zunächst eher belächelte Kult das kleine Dorf Citro ins Auge fasst, wird die Lage auf einmal richtig ernst.

Aber in der neuen Suikoden-Welt ist noch mehr im Busch. Suikoden Tierkreis spielt nicht in einem neuen Universum, es spielt in einem wahren Multiversum! Durch Portale erreicht die Truppe Parallelwelten. Das sorgt schnell für Verwirrung, als auf einmal eine zweite Marica auftaucht, die sich so ganz anders verhält, als die eigene Mitstreiterin. So webt Konami auch auf dem DS ein dichtes Handlungsgeflecht, das den Spieler so schnell nicht mehr loslässt.

Ähnlich hochwertig wie der Plot ist auch die Präsentation des neue Suikoden. Detaillierte Polygonfiguren bewegen sich ausgesprochen flüssig vor liebevoll gezeichneten Bitmap-Hintergründen, die mit jeder Menge animierter Details gefallen. Hier fällt Sonnenlicht ein, dort bewegt sich ein Schmetterling... die Kulisse ist auf DS weitaus hübscher und harmonischer, als die weitläufigen, aber technisch schwachen 3D-Szenarien der letzten PS2-Episode. Da das Spielfeld stets auf dem unteren Bildschirm dargestellt ist, kann das Spiel sowohl klassisch per Steuerkreuz, aber auch sehr komfortabel mit dem Stylus gesteuert werden.

Spielerisch hat Konami dagegen wieder ein paar kleine Schritte zurück getan. Das Kampfsystem wurde abermals vereinfacht. Anstatt mit den Suikoden-typischen sechs Helden anzutreten, wurde die Party wieder auf vier Kämpfer verkleinert, zudem ist der Schwierigkeitsgrad abermals sehr, sehr niedrig angesiedelt. Normale Gegner stellen im Grunde keine Herausforderungen dar, lediglich der ein oder andere etwas resistentere Boss gibt Kampf-Strategen mal ein wenig zu knabbern.

Da auf die magischen Runen der Vorgänger verzichtet wird, ist auch das Magiesystem hier starrer und eingeschränkter. Mehr Freiheit gibt es dagegen bei der Waffenwahl: Anstatt wie früher die feste Waffe jeder einzelnen Figur beim lokalen Schmied verbessern zu lassen, werden in der neuen Episode einfach neue Waffen erworben. Ob das letzten Endes eine Verbesserung oder eine Verschlechterung darstellt, liegt im Auge des Betrachters. Ich fand das alte System eigentlich angenehm stimmig und komfortabel.

Unerklärlich ist mir, was bei der englischen Sprachausgabe passiert ist... ohne Übertreibung, solch schlechte Sprachausgabe gab es schon seit Jahren nicht mehr. Der Großteil des Sprecher wäre sogar für manch billigen Samstagmorgen-Cartoon zu untalentiert, vor allem aber ein technisches Manko trübt den Eindruck ganz enorm. Ein Großteil der Sprachausgabe wird einen Tick zu schnell abgespielt. Bei manchen Figuren irritiert das, der Held selbst ist oft gar nicht mehr zu verstehen, wenn er seine Sätze im Affentempo runterrasselt.

Ich kann nur raten, was der Grund dafür ist. Wurde die Sprachausgabe beschleunigt, um Speicher zu sparen? Leider fehlt dem Spiel auch die Option, die Sprachausgabe ganz abzustellen, und dreht man einfach die Lautstärke runter, bringt man sich um einen sehr schönen, stimmungsvollen Soundtrack. Aber zumindest kann ich der deutschen Übersetzung Qualitäten attestieren – die Texte lesen sich flüssig, lebendig und stimmungsvoll.

Nachdem der Schock über den kompletten Serien-Reboot und die üble Sprachausgabe erst einmal verdaut war, machte sich dann doch nach wenigen Stunden das vertraute Suikoden-Gefühl breit. Kaum eine Rollenspiel-Reihe versteht es so gut, den Spieler in die Handlung hinein zu ziehen, ihn mit den Figuren mitfiebern zu lassen und ihn eine vergleichbare Empathie zu den zahlreichen Haupt- und Nebenfiguren fühlen zu lassen.

Natürlich ist es schade, dass alle Verbindungen zu den Vorgängern gekappt und der spielerische Anspruch leicht beschnitten wurden. Aber mit der tollen Präsentation, der gekonnt erzählten Geschichte und natürlich der großen Anzahl an Figuren, unter denen jeder Spieler garantiert seinen Favoriten findet, ist Suikoden Tierkreis trotz anfänglicher Vorbehalte sowie seiner Mankos eines der besseren DS-exklusiven Rollenspiele geworden. Entscheidet Ihr Euch, die jungen Helden aus Citro auf ihrem Abenteuer zu begleiten, dann nehmt Euch für die kommenden Tage erst mal nichts vor und haltet schon mal das DS-Aufladekabel bereit. Ihr werdet eine Menge Zeit vor dem Handheld verbringen.

Suikoden Tierkreis ist ab sofort für den DS im Handel erhältlich.

 

 

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