PS3: Army of Two: The 40th Day
Shanghai ist eigentlich eine schöne Stadt. Nur bekomme ich davon zu Beginn der Präsentation von Army of Two: The 40th Day nicht allzu viel mit. Rios und Salem, das aus dem Vorgänger bekannte Söldner-Doppelpack, marschieren gerade über das Dach eines Hochhauses. Es ist still, fast schon zu still. Ein lauter Knall schreckt die beiden auf. Explosionen erschüttern die Gegend, Rauch steigt auf. Plötzlich bricht das benachbarte Gebäude einfach in sich zusammen und enthüllt den Blick auf die tief stehende Sonne und die riesige Metropole. Genießen kann man diesen Anblick aber nur äußert kurz.
Von einem auf den anderen Moment bricht im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los. Kampfjets kreisen durch die Stadt. Weitere Explosionen erschüttern das Areal, andere Wolkenkratzer gehen in Rauch auf und stürzen gen Boden. Flugzeuge fallen vom Himmel, Chaos herrscht. Augenblicklich fühlt man sich wie in einem hart umkämpften Kriegsgebiet. Schwer bewaffnete Truppen stürmen aus nahen Türen und nehmen das Duo unter Beschuss.
Zwei Kameraden, eine Katastrophe und jede Menge Fragen. Teil 2 spielt diesmal ausschließlich in einer einzigen Region: In und um Shanghai herum. Nach Angaben der Macher kann man sich so besser auf die Umwelt und ihre Details konzentrieren – sie einfach mehr zum Leben erwecken. Papierfetzen wirbeln etwa durch die Luft, andernorts entweichen Rauchschwaden oder Gase.
Die anfangs beschriebene Szene soll dabei verdeutlichen, dass man zugleich im Mittelpunkt eines großen, von Menschenhand verursachten Desasters steht. Producer Reid Schneider will, dass sich die Charaktere in einer ähnlichen Situationen wiederfinden wie die Protagonisten in Cloverfield. Anfangs weiß niemand, was wirklich los ist. Erst nach und nach eröffnen sich einem die Hintergründe dieser Vorkommnisse. Realistisch wird es aber definitiv bleiben, irgendwelche Monster spielen keine Rolle.
Der Nachfolger des hierzulande indizierten ersten Teils verspricht, die CoOp-Aspekte noch mehr in den Vordergrund zu rücken. Denn seien wir ehrlich, wirklich perfekt war der Vorgänger längst nicht. Die Zusammenarbeit der beiden Hauptakteure ist also von zentraler Bedeutung. „Schießen, schießen, schießen, CoOp-Bewegung, schießen, schießen und so weiter“, sagt Schneider und beschreibt damit den Ablauf im Vorgänger. Gemeinsame Aktionen spielen in The 40th Day eine wichtigere Rolle, man strebt eine „organischere“ Herangehensweise an.
Über den CoOp-Button ruft man zum Beispiel ein kleines Interface auf, das zum einen kurze Informationen über die anvisierten Gegner anzeigt, zum anderen – je nach Situation – unterschiedliche Optionen offeriert. Eine davon ist die Aktion „CoOp-Snipe“. Der KI-Partner versucht in dem Fall, seinen Gegenüber aus sicherer Entfernung auszuschalten. In einer anderen Lage gibt man ihm den Auftrag, einen von zwei Feinden als Geisel zu nehmen, wodurch sich der andere ergibt und problemlos ausgeschaltet werden kann.
Überhaupt erhält man mehr Kontrolle über seinen Kollegen. Via analogem Steuerkreuz wählt man das generelle Verhalten des Begleiters, also ob er eher selbstständig vorrückt oder größtenteils aggressiv reagiert anstatt sich zurückzuhalten. Im erstem Army of Two erweckte er laut Schneider oftmals einen „roboterhaften“ Eindruck. Aus diesem Grund überarbeitete man die Art und Weise, wie er sich bewegt, um sein gesamtes Auftreten glaubhafter zu gestalten. In The 40th Day untersucht der Verbündete daher selbstständig die Umgebung, hält die Augen nach verdächtigen Bewegungen offen und gibt dem Spieler nützliche Hinweise.
Die unterschiedlichen Vorgehensweisen bei einer jeden Situation resultieren letztendlich auch in verschiedenen Lösungsansätzen. Es liegt völlig am Spieler, wie er vorgeht. Haben einige Fieslinge ein paar Zivilisten in ihrer Gewalt, schnappt man sich beispielsweise einen der Schurken als Geisel, damit seine Kollegen kurzfristig die Waffen senken. Bevor sie aber auf dumme Gedanken kommen, werden sie vom eigenen Helfer aus dem Hintergrund niedergestreckt. Alternativ wählt man die „einfache“ Methode und erschießt die Geiselnehmer mitsamt der Zivilisten.
Man selbst oder der Partner kann auch eine Kapitulation vortäuschen und sich dadurch als Köder einer Feindgruppe nähern. Während man die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, schleicht sich der Kollege unbemerkt in Position. Nachdem er den ersten Schuss abgibt und einen Feind ausschaltet, hat man die Möglichkeit, seine Waffe blitzschnell zu zücken und die restlichen Widersacher im Überraschungsmoment mit wenigen gezielten Feuerstößen aus dem Weg zu räumen.
Potentielle Opfer müssen für den Schützen nicht mal sichtbar sein. Mit Hilfe des anfangs angesprochenen CoOp-Interfaces markiert man Feinde, wodurch diese für den Kameraden selbst durch Wände hindurch auszumachen sind – zumindest in ihren Umrissen. Und dank der physikalisch korrekt reagierenden Materialen - Kugeln können nun auch Holz oder ähnliche Hindernisse durchdringen - erledigt man sie etwa mit einigen gezielten Schüssen durch ein mit Holzlatten zugenageltes Fenster.
Ein weiteres kleines Detail sorgt dafür, dass man eine stärkere Bindung zu Rios und Salem aufbaut. In ruhigen Situationen schieben sie ihre Masken nach oben und geben so erstmals den Blick auf ihre beiden Gesichter frei. Des Weiteren kann man einige sarkastische Bemerkungen erwarten, da Humor ein zentraler Bestandteil beider Charaktere ist. EA Montreal strebt hier einen Stil á la Stirb Langsam inklusive markanter One-Liner an.
Während im Vorgänger das Geld noch eine größere Rolle spielte, dreht sich in The 40th Day alles vorrangig ums Überleben. Im Umkehrschluss soll das jedoch nicht bedeuten, dass man gar keine Kohle mehr verdient. Immer mal wieder kann man kleinere Nebenmissionen annehmen. Steht man etwa in einem Aufzug, meldet sich eine Stimme über den Lautsprecher des Lifts und macht ein Angebot. Mit ein wenig Verhandlungsgeschick treibt man die Belohnung – unter anderem für die Tötung einer bestimmten Person – ein kleines Stückchen nach oben oder verzichtet ganz darauf.
Ein, laut Schneider, „signifikanter“ Multiplayer-Part ist natürlich ebenso mit von der Partie, außerdem setzt man auf eine umfangreichere Individualisierung der Schießeisen. Wie groß beide Bereiche ausfallen, bleibt bis auf weiteres noch ein Geheimnis. Wohl eher weniger als Top Secret einzustufen ist das Versprechen nach mehr Spielzeit. Mehr als sechs bis sieben Stunden soll es nach Angaben der Macher diesmal schon dauern, bis die Credits über den Bildschirm flimmern.
Ich muss zugeben, dass mich die Szene auf dem Hochhaus, als alles plötzlich vor die Hunde geht, schon ziemlich begeistert hat. Meiner Meinung nach tut es dem Spiel gut, dass man sich ausschließlich auf Shanghai als einzigen Schauplatz beschränkt. Im ersten Teil gab es zwischen den einzelnen Gebieten einfach zu große Qualitätsschwankungen.
Mein erster Eindruck ist durchaus positiv, allerdings lässt sich das Spiel anhand der ersten Präsentation nur schwer einschätzen. EA Montreal scheint sich aber auf die richtigen Bereiche zu konzentrieren, wirft unnötige Elemente über Bord und rückt das kooperative Gameplay weiter in den Vordergrund. Mehr Zusammenarbeit außerhalb der offensichtlichen Situationen ist auch etwas, was ich mir zum Beispiel bei 50 Cent: Blood on the Sand gewünscht hätte. Ob das letztendlich wirklich mehr Spaß bringt und spielerisch sinnvoll integriert wurde, muss sich erst noch zeigen.
Army of Two: The 40th Day erscheint im Winter für Xbox 360, PlayStation 3 und PlayStation Portable.


