Alone in the Dark

Preview
Vertrieb
Atari
Entwickler
Eden Studios
Genre
Action
PS3: Alone in the Dark

PS3: Alone in the Dark

Langsam geht das Licht an. Nach und nach erhellt sich der Raum. Aber irgendwas stimmt nicht. Alles ist so unscharf, so verschwommen, so nebelig. Auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes erkennt man ein paar weitere Personen. Die haben mittlerweile auch gemerkt, dass man selbst aufgewacht ist. Sie richten einen auf. Untersuchen den Kopf. Um den verwaschenen Blick loszuwerden, helfen ein paar kurze Augenblinzler.

Die Sicht wird klarer. Und unfreundlicher. Die Leute sind alles andere als hilfsbereit. Gerade noch untersuchen sie dich, schon wollen sie dich umlegen. Und zwar auf dem Dach. Wo es niemand mitbekommt. Glücklicherweise liegt noch ein weiter Weg dazwischen. Man fühlt sich in den ersten Minuten „als ob man aus einer tiefen Narkose gerissen wird“, sagt Ataris Michael Röder während der Präsentation der aktuellsten Version von Alone in the Dark.

Nur für kurze Zeit, denn schon bald ist man hellwach. Es kracht. Es wackelt. Plötzlich fliegt eine Tür auf. Euer unfreundlicher Begleiter wird unvermittelt hindurch gezogen. Von etwas, das sich wie ein riesiger Wurm durch Wände und Böden frisst, alles verwüstet. Der Bösewicht kommt nicht mehr lebendig heraus, sein Blut hingegen schon.

Ungefähr so hat ein guter Einstieg auszusehen. Dramatisch. Spannend. Mysteriös. Direkt im Anschluss überlässt Euch Alone in the Dark der Steuerung über Edward Carnby. Dem Helden, den Ihr schon aus dem ersten Teil kennt. Der spielte doch im Jahr 1925? Richtig. Und das neue Alone in the Dark zeigt die Gegenwart. Dementsprechend hat Carnby schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel, sieht für sein Alter aber immer noch ganz rüstig aus. Ein paar Falten hier und da, eine riesige Narbe ziert seine linken Gesichtshälfte. Warum er überhaupt noch lebt, erfahrt Ihr im Verlauf des Spiels.

Wenn Euch die ersten Szenen schon begeistern, werdet Ihr später wahrscheinlich vor Freude weinen, denn Alone in the Dark setzt voll und ganz auf eine filmreife Inszenierung. Die geniale Atmosphäre wird dabei von einer - man kommt hier einfach nicht ohne Superlative aus - exzellenten Grafik getragen, mit der sich die Eden Studios fast schon selbst übertroffen haben. Und das, obwohl der Entwickler noch immer daran arbeitet.

Dunkle Gänge und Schattenwürfe erzeugen ein düsteres und stimmiges Bild der Umgebung, die von diversen Lichtquellen erhellt wird. Dem Schein einer Taschenlampe. Den elektrischen Blitzen einer durchtrennten Stromleitung. Oder dem lodernden Feuer. Letzteres ist ein zentraler Bestandteil der Spielerfahrung in Alone in the Dark. Die heißen Flammen breiten sich nämlich physikalisch korrekt aus - O-Ton Röder, "Das ist kein Script" - und fressen auf ihrem Weg quasi alles auf, was sich ihnen entgegenstellt. Gegenstände bröckeln auseinander. Teile der Decke stürzen hinab. Verschlossene Holztüren rösten langsam vor sich hin.

Überhaupt werdet Ihr jede Tür öffnen können, auf die Ihr im Spielverlauf trefft. Und dazu benötigt Ihr nicht etwa erst die passenden Schlüssel, denn - wie Michael Röder anmerkt - „es gibt keine Schlüssel im Spiel“. Gut so, ansonsten müsste man ja darauf verzichten, sämtliche Durchgänge abzufackeln oder mit Gegenständen aufzubrechen.

Andere Passagen lassen sich auch über Codeschlösser öffnen. Dazu findet man entweder selbst den Code heraus oder schlägt das Teil kurzerhand in Stücke, um mit den Drähten herumzuspielen. Selbst hier tüftelt Edward jedoch erst die passende Kombination aus mehreren Möglichkeiten aus. Zudem sollte er die Drähte anschließend ein wenig auseinander halten, ansonsten belohnt er sich mit einer kleinen Elektroschockbehandlung.

Ungewöhnliche Dinge passieren in Alone in the Dark sehr häufig. Es vergeht praktisch keine Szene, in der nicht irgendetwas um Euch herum vonstatten geht. Ganze Wände stürzen zusammen. Die Fassade eines Hauses neigt sich zur Seite. Balkone krachen unter Euch weg und reißen Edward fast mit in den Tod. Ein Auto wird durch eine Explosion in die Luft gewirbelt, verfehlt Edward um Haaresbreite. Selbst vor einigen schreckhaften Momenten seid Ihr kaum sicher. Eben jene werden mitunter durch Gegner verursacht, die plötzlich aus dem Boden steigen. Und die sehen sogar wirklich horrormäßig und bedrohlich aus. Wie Zombies der Marke Deluxe. Mit halb zerfetzten Gesichtern, grausiger Mimik, hell leuchtenden Augen.

Die packende Darstellung und Realisierung der Ereignisse endet keinesfalls bei der bestechenden Optik, sondern zieht sich ebenso durch das gesamte Gameplay. Alone in the Dark kommt etwa größtenteils ohne Interface aus. Keine Lebensanzeige. Keine Munitionsanzeige. Kein konventioneller Inventarbildschirm. Stattdessen leuchtet kurz ein Symbol auf, wenn man in Reichweite eines verwendbaren Gegenstandes kommt. Und Edward öffnet auf Knopfdruck einfach seine Jacke, schaut von oben an sich herab und erblickt, was er darin alles verstaut hat.

Natürlich ist der Platz dadurch begrenzt. Edward kann beispielsweise keine größeren Gegenstände wie Vorschlaghämmer einfach so einstecken. Dafür aber Flaschen, Taschentücher, Schraubenzieher, Klebeband. Die favorisierten Items bindet man an das digitale Steuerkreuz und wählt sie somit künftig direkt an, ohne erst nach unten zu schauen. Dabei ist hin und wieder Eile gefragt, schließlich läuft währenddessen das Geschehen um Euch herum weiter.

Edwards Jacke ist indes nicht nur schön anzuschauen. Gesammelte Gegenstände kombiniert man nach Lust und Laune miteinander. Pistolenkugeln behandelt Edward beispielsweise mit entflammbarem Material. Die richten dann wiederum mehr Schaden an, ziehen eine Leuchtspur hinter sich her und sind sowieso gegen die feuerempfindlichen Feinde mehr als nützlich.

Ein weiteres Beispiel: Schnappt einen Blutbeutel, befestigt Klebeband daran und schlitzt ihn leicht auf. Die „Haftbombe“ klatscht man an einen Gegner, woraufhin sich umstehende Feinde sofort auf diesen stürzen. Aber keine Angst: Ihr müsst keineswegs ständig diese Methoden anwenden, sondern könnt auch auf konventionelle Art und Weise durch das Spiel marschieren. Lediglich in einigen Situationen ist ein solches Vorgehen wirklich zwingend nötig.

Die vielen interaktiven Objekte sind daher ein weiteres Markenzeichen. Wer kommt normalerweise schon auf die Idee, per Schraubenzieher ein Loch in den Tank eines Autos zu hacken, einzusteigen, loszufahren, unterwegs abzuspringen und dann die Benzinspur zu entzünden? Hier funktioniert es. Und das sogar effektiv. Speziell gegen mehrere Gegner. Zumindest hinterlässt es ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn man seine Kontrahenten auf solch unkonventionelle Art und Weise ins Jenseits befördert.

Öfter stoßt Ihr dabei auf kleinere und größere Rätsel, die Eure grauen Zellen fordern. Ganz zu Anfang ist es etwa nötig, einen Feuerlöscher aus einem eingestürzten Raum zu bergen, während man selbst eine Etage darüber steht. Hochwerfen funktioniert nicht, damit zu klettern ist ebenfalls keine Alternative. Eine Steinplatte mit Seilzug bietet sich hingegen an. Also müsst Ihr erst der Feuerlöscher auf besagte Steinplatte bugsieren, dann mit Edward zum Ausgangspunkt zurück und schließlich an das Ende des Seils springen. Die rote Schaumschleuder fällt dabei dummerweise gerne mal runter, weswegen man das Ding irgendwie dazu bringen muss, dass es dies eben nicht tut. Teilweise setzt Edward sogar die Leichen von Menschen als Gewichte ein, wobei die bekannte Ragdoll-Technik zum Tragen kommt.

Alone in the Dark hat derweil nur einen Schwierigkeitsgrad anzubieten. Das ist keine schlechte Lösung, wird sie doch von einem besonders coolen Feature begleitet: Dem „DVD-Menü“. Wie Ihr schon in unserem vorherigen Interview (eurogamer.de)erfahren habt, ist Alone in the Dark im Prinzip wie eine Fernsehserie aufgebaut – kommt also mit mehreren einzelnen Episoden daher. Als passender Vergleich eignet sich hier wohl die Versoftung von Lost. Sogar eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse erwartet Euch beim Start jeder Episode. Und natürlich ein Cliffhanger am Ende.

In diesem Menü springt Ihr jedenfalls zu verschiedenen Abschnitten des jeweiligen Levels vor oder zurück. Eben wie bei einer DVD. Ihr wollt diese oder jene Stelle noch einmal anders angehen? Sicher. Eine Hürde ist Euch zu schwer? Kein Problem, einfach weiter zum nächsten Kapitel.

Damit Ihr beim Vorspulen nicht zu viel verpasst oder das Feature zu oft einsetzt, sind die Spul-Punkte regelmäßig verteilt, begrenzt verfügbar und müssen unter Umständen vorab freigeschaltet werden. "Man kann damit nicht vom ersten Kapitel zum Ende springen", so Roeder, "Es ist dazu gedacht, jedem Spieler die Möglichkeit zu bieten, den Titel komplett durchzuspielen. Gelegenheitsspieler sollen also nicht gefrustet sein, wenn sie die Konsole ausschalten und das Gefühl haben, dass sie ihre spärliche Freizeit verschwendet haben".

Selbstverständlich entgehen Euch mit der Funktion hin und wieder einige Gegenstände. Ein Nachteil entsteht meist dennoch nicht, da die Objekte im Großen und Ganzen fair platziert wurden. Nur den übersprungenen Xbox 360-Erfolgen müsst Ihr hinterher trauern. Jedes der einzelnen Kapitel ist übrigens nochmal in weitere Checkpoints unterteilt, an denen das Spiel gespeichert wird. Diese folgen in kurzen Abständen und werfen Edward somit nicht elendig lange zurück. Also kein Speicherpunkt-Desaster á la Turok.

Was das Leveldesign angeht, startet Alone in the Dark recht traditionell mit engen Passagen innerhalb eines Gebäudes. Wo andere Titel langweilig sind, befindet sich diese Welt ständig in Bewegung und serviert gerade zu Beginn noch diverse Unterbrechungen in Form von kurzen Zwischensequenzen. Später wandelt sich das Spiel gewissermaßen zu einem Free Roaming-Titel. Schließlich wartet ja noch der New Yorker Central Park auf Edward. Das riesige Gelände lädt zum Experimentieren mit diversen Objekten und der Umgebung ein. Dennoch habt Ihr stets ein festes Ziel vor Augen (und auf der Karte), das die Story vorantreibt.

In solchen und ähnlichen Situationen kommt den Entwicklern übrigens ihre Rennspielerfahrung zugute. Die Eden Studios verwenden die Engine von Test Drive Unlimited und haben darüber hinaus einige Fahrzeugsequenzen einfließen lassen. Verglichen mit manch anderen Titeln geht die Kontrolle daher butterweich und präzise von der Hand.

Besonders spektakulär ist eine Szene, in der Edward mitsamt Begleitung in einem Taxi flüchtet, während um das Fahrzeug herum Chaos ausbricht. Gewaltige Gebäudeteile stürzen von oben auf den Asphalt hinab. Die Straße reißt auf und wird nach oben gedrückt. Die möglichen Wege sind begrenzt. Das Herz rast. Zusätzlich angetrieben wird man dabei vom rasanten Soundtrack, der praktisch keine Atempause zulässt.

Relativ einwandfrei und intuitiv erscheint selbst die Steuerung. Ihr schaltet unter anderem zu jeder Zeit in die First- oder Third-Person-Perspektive, schwere Gegenstände kontrolliert Ihr unterdessen mit beiden Analog Sticks. Dazu schnappt sich Edward etwa Axt, Feuerlöscher oder Vorschlaghammer. Mit den beiden Sticks passt Ihr dann Zuschlagwinkel oder die Härte des Schlages nach eigenen Wünschen an. Viele Gegner tötet man aber endgültig nur mit Feuer. Da helfen einem natürlich die im Inventar kombinierte Feuermunition, Fackeln oder brennende Stühle enorm weiter. Die zahlreichen Objekte entzündet man sich beliebig an den reichlich vorhandenen Feuerquellen.

Falls Ihr gedacht habt, dass Edward nur im Tutorial blinzelt, habt Ihr Euch geirrt. Es ist sogar öfter von Nöten. Etwa dann, wenn Euer Sichtfeld nach Verletzungen verschwimmt. Oder aber, falls Euch eines der Facehugger-ähnlichen Feinde Gift in die Fresse spuckt. Auf dem PC dient indes die Maus als verlängerter Arm, mit dem man auf die Gegner einschlägt.

Die Eden Studios sehen die Story von Alone in the Dark als „Season 1“ an. Weitere Inhalte sind auf jeden Fall schon angedacht. Ob das nun gleich in einem Nachfolger verpackt oder zwischendurch auch als Download-Content serviert wird, ist aktuell noch nicht abzusehen. Es liegt aber durchaus im Bereich des Möglichen – Erfolg vorausgesetzt.

Eine Demo zum Spiel könnt Ihr laut Aussage zeitnah zum Release Ende Juni erwarten. Wenn machbar, bietet man die Probierversion sogar vorher zum Download an. Apropos Juni. Für PC, Xbox 360, PlayStation 2 und Wii erscheint Alone in the Dark am 20. Juni. Besitzer einer PlayStation 3 brauchen leider mehr Geduld. Der Grund dafür ist, dass die Eden Studios Sonys Konsole nicht einfach nur eine simple Portierung spendieren, sondern den Titel bestmöglich adaptieren wollen. Unter Umständen statten die Entwickler diese Variante im Gegenzug jedoch mit zusätzlichem Content in Form weiterer Episoden aus.

Während der Präsentation von Alone in the Dark ist mir doch des Öfteren fast die Kinnlade auf den Boden geknallt. Selten sieht man in einem Spiel eine solch packende und atemberaubende Inszenierung, wie es hier der Fall ist.

Wichtig ist bei solchen Titeln vor allem, dass alle Spielelemente fließend ineinander übergehen. Und wenn man von dem ausgeht, was ich bis jetzt sehen konnte, funktioniert das mehr als einwandfrei. Die zahllosen Möglichkeiten werden Euch ohne Frage eine ganze Weile bei Laune halten und laden zum fröhlichen Herumexperimentieren ein. Hinzu kommt das geniale Feature des DVD-Menüs, um knifflige Stellen einfach zu überspringen. Ein ähnliches System dürfen andere Entwickler gerne kopieren.

Alone in the Dark nur als einen Geheimtipp oder Titel für Fans zu bezeichnen, wäre wie ein Schlag ins Gesicht der Entwickler. Denn genau das ist er definitiv nicht. Im Gegenteil. Es ist ein großes Spiel, auf das man, vielleicht sogar nahezu jeder, sich freuen sollte. Ich tue es jedenfalls. Jetzt mehr als je zuvor.

Alone in the Dark erscheint neben der Standardversion ebenfalls als Limited Edition für PC, Xbox 360 und Wii. In Ihr finden sich unter anderem eine Figur von Edward Carnby oder eine Soundtrack-CD.

 

 

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