Rhythm Paradise

Review
Plattform
Nintendo DS
Vertrieb
Nintendo
Genre
Action
DS: Rhythm Paradise

Gesamtwertung

8/10

DS: Rhythm Paradise

Nach einigen Jahren als Videospieler kennt man seinen Geschmack ziemlich gut und kann meist schon nach wenigen Blicken einschätzen, ob einem ein Titel gefällt oder nicht. Das ist recht praktisch, aber teilweise auch ziemlich langweilig. Man trifft keine falschen Kaufentscheidungen mehr, wird im Gegenzug aber auch selten weggeblasen. Richtig interessant wird es erst, wenn man seine Meinung nach dem Anspielen um komplette 180 Grad drehen muss, da man unerwarteter Weise nicht mehr von dem Spiel los kommt. Und genau dieses Phänomen ist mir bei Rhythm Paradise untergekommen.

Als ich mir vor einem Monat die ersten Bilder zum Thema angesehen hatte, freute ich mich zwar über das schrille japanische Design, doch jagte mich ebenfalls ein Gefühl der Enttäuschung, bloß ein weiteres Wario Ware mit einfachen Musikspielchen vor mir zu haben. Mittlerweile habe ich die deutsche Version durchgespielt und kann mein zweifelndes Ich nicht genug dafür ohrfeigen. Auf der anderen Seite tat es aber richtig gut, Rhythm Paradise falsch einzuschätzen, denn nur so konnte mich der oben beschriebene Effekt mit voller Wucht treffen.

Der gröbste Fehler bei meiner ersten Einschätzung war die Abstempelung als eine fade Minispielansammlung. Zwar erinnert einen das Gameplay schon ein wenig an die Wario Ware-Reihe, doch wird eine simple Gleichsetzung dem Titel nicht gerecht. Die Unterschiede gehen nämlich weit über die verschiedene Haltung des DS (Ihr haltet Euren Handheld wie ein Buch) hinaus. So bietet Euch das Spiel 40 Aufgaben, die wesentlich länger ausgefallen sind als bei Kollege Wario und allesamt einen großen Wert auf die Musik legen. Und das ist ernster zu nehmen als zunächst gedacht.

Im Gegensatz zu anderen Vertretern müsst Ihr Euch bei Rhythm Paradise ganz auf die Musik anstatt auf das Visuelle verlassen. Die Animationen dienen als kleine Hilfe, ohne ein gutes Rythmusgefühl kommen aber einige Probleme auf Euch zu. Bei allen Spielchen wird ein bestimmter Beat gespielt, der Euch als Indikator für die auszuführenden Aktionen dienen soll. Diese bestehen aus einer Handvoll von simplen Bewegungen. Ihr müsst entweder kurz auf den Bildschirm tippen, den Stylus länger gedrückt halten oder ihn mit leichtem Schwung über den Touchscreen fegen.

Das hört sich in der Theorie ziemlich idiotensicher und nicht gerade komplex an, die Praxis sieht aber um einiges anders aus. Denn der Schwierigkeitsgrad von Rhythm Paradise ist gesalzen. Als Drummer und passionierter Musikspieler schätze ich meine Fähigkeiten in diesem Genre sehr gut ein und hatte selbst arge Probleme bei einigen Minispielen. Diese befassen sich meist mit einer simplen Aufgabe. So müsst Ihr beispielsweise in einer Fabrik Roboter mit Saft befüllen. Diese fahren auf einem Fließband an Euch vorbei und Ihr drückt nun im richtigen Moment auf den Touchscreen, damit sie befüllt werden. Anschließend wartet Ihr, bis der Roboter komplett aufgetankt ist und lasst wieder los. Um den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden, müsst Ihr Euch komplett auf Eure Ohren verlassen. Besonders bei schnellen Tempowechseln ist das keine leichte Aufgabe.

In einem Tischtennis-Match wiederum schlägt Euer Kontrahent den Ball in drei Geschwindigkeitsstufen. Wer hier den Beat nicht beachtet oder das Muster darin nicht erkennt, hat keine Chance. Besonders haarig wird es bei den Remixen, die nach jedem vierten Spiel auf Euch warten. In diesen bekommt Ihr es mit allen vorigen Aufgaben zu tun, die im schnellen Wechsel vermischt sind. Während Ihr in der einen Sekunden noch in einem Chor singt, müsst Ihr in der nächsten bereits Trommelschläge Eures Gegenübers wiederholen. Diese Varianten sind trotz ihres hohen Schwierigkeitsgrades am spaßigsten, da Ihr Euch immer wieder neu umstellen müsst und in keine Routine verfallt.

Neben den abwechslungsreichen Aufträgen hinterlässt auch die Musik einen bleibenden Eindruck. Selbige passt sich immer dem jeweiligen Thema an. In einer Fabrik hört Ihr daher klackernde Geräusche und Techno-Beats, während Ihr bei einem Konzert J-Pop Klängen lauscht. Fast alle Tracks haben Ohrwurmcharakter und bleiben Euch auch nach dem Ausschalten des DS im Gedächtnis. Also wundert Euch nicht, wenn Ihr unmerklich anfangt zu summen.

Die Bewertung Eurer Leistungen ist knallhart und teilweise dürft Ihr Euch nur ein paar Fehler in der Aufgabe erlauben oder es heißt: Erneut versuchen! Zum Glück könnt Ihr die Minispiele nach drei missglückten Versuchen überspringen. Doch gerade wegen der Herausforderung hebt sich der Titel von der Masse an Casual-Spielen ab. Zum ersten Mal habe ich mich richtig gefordert gefühlt und konnte nicht mehr aufhören zu spielen. Man will einfach das nächste Spiel schaffen und versucht es immer wieder.

Richtig süchtig machend wird es dann, wenn man versucht, Medaillen in den einzelnen Aufträgen zu ergattern. Die bekommt Ihr nämlich erst bei einer fast perfekten Vorführung und schaltet damit kleine Minispielchen frei, die zur Entspannung dienen. Ihr könnt etwa versuchen, eine Münze in die Luft zu schnippen und wieder aufzufangen. Das Ganze natürlich in einem vorgegebenen Tempo und mit Zähler am Rand. Abseits der Endlosspiele finden sich noch Musikspielzeuge ein. Hier könnt Ihr unter anderem mit den Tasten eines Telefons Musik erzeugen. Für jedes Spiel braucht Ihr eine gewisse Anzahl von Medaillen.

Unglücklicherweise zeigt sich währenddessen jedoch das erste große Manko des Spiels. In der Bewertung ist keine Kontinuität zu erkennen. Mal reichen gefühlte 85% richtiger Treffer aus und beim nächsten Spielchen darf man gerade mal einen Fehler machen. Dazu kommt die Genauigkeit, die bei den einzelnen Aufgaben verlangt wird. Während Ihr bei dem Tischtennisspiel nicht im Geringsten vom Takt abweichen dürft, lassen Euch andere Varianten einen größeren Spielraum. Es ist zwar kein Problem, wenn die Aufgaben fordernd sind, doch kommt man sich hier und da ein wenig veräppelt vor und ärgert sich unnötig.

Besonders frustig wird es bei der Perfektionierung der Minispiele. Habt Ihr es endlich geschafft, eine Aufgabe fehlerfrei zu meistern, bedeutet das nicht, dass Ihr dann mit einem „Perfekt“ belohnt werdet. Ihr müsst solange warten, bis das Spiel Euch dazu auffordert, einen gewissen Auftrag zu perfektionieren - selbst wenn Ihr es zuvor schon getan habt. Da sich durch eine perfekte Bewertung Bonusinformationen freischalten lassen, ist dies erst recht ärgerlich. Stellt Euch nur einmal vor, Ihr könntet bei Rock Band keine Goldstar-Bewertung erhalten und müsstet für jeden Song warten, bis Euch das Spiel ein Freizeichen gibt. Sobald ich in der Lage bin, etwas perfekt zu meistern, sollte man es mir auch anerkennen.

Leider hat man auch vergessen, dem Spiel eine Neustart Funktion einzubauen. Wollt Ihr eine Aufgabe wiederholen, müsst Ihr entweder bis zum Ende weiterspielen oder frühzeitig beenden. In beiden Fällen gelangt Ihr wieder zurück zum Auswahlbildschirm und startet die Aufgabe dann erneut. Wenigstens das Tutorial jedes Spiels lässt sich sofort wegdrücken.

Das ist aber auch das Einzige, was man dem Titel vorwerfen kann. Zwar gibt es für den GBA noch einen Vorgänger, der sich aufgrund der Hardwarelimitierung einen Tick besser spielt. Da dieser aber nie außerhalb von Japan veröffentlicht wurde, wird sich hierzulande auch kaum einer an den geringen Veränderungen stören. Dazu spielt sich Rhythm Paradise einfach zu gut und stellt mit seinem knappen, aber fordernden Spielprinzip ein exzellentes Spiel für Unterwegs dar.

Die kurzen Einlagen sind perfekt für eine Bahnfahrt ausgelegt, können aber auch auf der heimischen Couch schnell süchtig machen. Es ist die Art von Spiel, die Ihr noch kurz vor dem Einschlafen einlegt, nur um gegen 3Uhr erschreckend festzustellen, dass Ihr die letzten Stunden damit verbracht habt, einem Mönch Eier in den Mund zu werfen.

Wer den Vorgänger nicht gespielt hat, wird mit Rhythm Paradise etwas komplett Neues erleben. Noch nie hat eine Minispielsammlung so viel Wert auf Takt und Rythmusgefühl gelegt. Die Aufgaben an sich erinnern zwar stark an andere Titel dieser Art, doch ist es etwas völlig anderes, sich auf sein Gehör anstatt auf seine Augen zu verlassen.

Der hohe Schwierigkeitsgrad selbst stellt dabei kein Problem dar und fließt nicht negativ in die Wertung mit ein. Jeder selbst sollte entscheiden, ob er eine kleine Herausforderung sucht oder bei wiederholenden Rückschlägen den DS zuklappt. Viel schlimmer sind da schon die schwankenden Auswertungen Eurer Leistungen und die Tatsache, dass Ihr für eine perfekte Bewertung auf die Freigabe des Spiels warten müsst. Ansonsten ist Rhythm Paradise ein fantastisches Spiel für Zwischendurch, das sich deutlich von der Masse abhebt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Rhythm Paradise ist exklusiv für den DS im Handel erhältlich.

 

 

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