FUEL

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Codemasters
Entwickler
Codemasters
Genre
Andere
PC: FUEL

PC: FUEL

Waffen fehlen. Als ich in meinem V8 Interceptor zwei andere Endzeitraser jagte, hätte ich mit ihnen das Ganze viel lieber wie Männer a la Mad Max ausgetragen. Sie einfach nur kurz anstupsen und dann die Siegflagge zu sehen, ist einfach kein Ersatz für eine schöne Explosion. Ich verstehe gar nicht, warum sich Codemasters hier dermaßen in Zurückhaltung übte. Das Setting ist eine menschenleere Ödnis, nachdem der Klimawandel so richtig mit dem Mittelwesten der USA aufräumte. Wer sollte uns also stoppen?

Auch die Prämisse, dass man hier nicht für schnödes, weil sowieso wertloses Geld Rennen fährt, sondern sich Benzin verdient, wurde nicht gerade konsequent umgesetzt. Für einen Sieg bekomme ich eine bestimmte Zahl Benzin. Ein neues Auto kostet eine bestimmte Zahl Benzin. Wo ist noch mal der Unterschied zum Dollar?

Aber es soll halt nichts übertrieben Kompliziertes, wie zum Beispiel ein gänzlich neues Belohnungssystem, vom Rennen und dem Arcadecharme abhalten. Hier ist das alles andere als innovative Geldkonzept schnell vergessen, führt Euch die Intelligenz und Rennfairness der Computerfahrer doch wahre Magie vor. Drei Schwierigkeitsgrade gibt es und auf allen ließ sich ein seltsames Phänomen feststellen. Ihr sitzt bereits in dem besten Gefährt für ein bestimmtes Rennen und trotzdem zieht der Rechner, selbst auf dem einfachsten Level, an euch vorbei.

Aber wie kann das sein? Die Fahrzeuge können nicht getunt werden, wieso fährt er bei maximalem Tempo noch vorbei? Einfache Antwort: Die KI spielt einfach nicht ganz fair und hilft sich mit ein wenig, bringen wir es auf den Punkt, Betrügereien über die Runden. Im Online-Multiplayer – leider kein Splitscreen vorhanden –, der beinahe alle Möglichkeiten der normalen Rennen bereithält, gibt es solche Probleme natürlich nicht. Kleinere Lags zeigen sich zwar gelegentlich, trotzdem dürfte hier auf Dauer der wirkliche Spaß liegen, vor allem, sobald ihr dazu übergeht, in besonders markanten Ecken der Welt eigenen Rennen mit einem soliden und intuitiven Editor zusammenzuklicken.

Zurück bei den Computerfahrern scheint man auf das berühmte magische Gummiband verzichtet zu haben. Das Feld teilt sich stattdessen beinahe grundsätzlich in kleine Pulks auf. Vorne drei, dahinter vier, mit etwas Abstand der Rest. Auf einer normalen Rennpiste wäre das völlig in Ordnung. In den Wastelands der USA bedeutet hier ein ungünstig gelegener Baumstumpf, gleich einmal drei oder mehr Plätze zurück. Und das geht bei der Zahl der Hindernisse sehr schnell.

Auf „Einfach“ und „Mittel“ halten sich all die Probleme der KI in Grenzen, auf „Leicht“ sollte wirklich jeder, nicht zuletzt dank der teilweise extremen Tollpatschigkeit der Gegner, relativ schnell Erfolge feiern. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad jedoch sammelt sich der Frust. Nicht nur, dass der Computer gerne mit überhöhter Geschwindigkeit vorbeizieht, er scheint auch wirklich jedes Hindernis zu kennen. Woher nur? Selbst wenn ihr fehlerlos fahrt, reicht es mitunter immer noch nicht. Gerade bei den späteren Rennen hat die KI scheinbar manchmal einfach keine Lust zu verlieren.

Die Landschaft stellt allerdings nicht nur euer größtes Hindernis dar, sie ist auch eure größte Hoffnung, die Siegeschancen zu erhöhen. Die zerklüfteten Wege, ob nun große Highways oder kleine Trampelpfade, sind mit den meisten Fahrzeugen nicht die einzige Option bei der Streckenwahl. Je nach Fahrzeug kann es euch einen echten Vorteil bringen, einfach querfeldein durchs Unterholz zu brechen, wobei das GPS-System euch nach besten Kräften hilft. Es berücksichtigt euren fahrbaren Untersatz und hält euch dabei auf den Strecken, mit denen das Gefährt besser klarkommt. Während es ein Cross-Bike schon mal in die Pampa schickt, hält es sich bei nicht geländegängigen Choppern beinahe strikt an die festeren Wege. Euch unterstützt ein gutes System, das auch die freie Navigation per Checkpointsetzung wunderbar ausreizt.

Ob Straße oder Waldboden, das Fahrverhalten gehört zu den großen Stärken FUELs. Jede Vehikelgruppe bringt wirkliche Eigenständigkeit mit und nicht nur zwischen Monstertruck und Quad liegen Welten, auch ähnliche wie Bike und Chopper zeigen durchaus sehr unterschiedliche Verhaltensweisen. Nur dass sich irgendwas davon wirklich realistisch im Sinne von exakter Realitätsabbildung verhält, das dürft ihr nicht erwarten. Statt dessen geht es brachial und rabiat zu, es wird viel gerutscht und gedriftet, schnelle Reaktionen sind mehr wert als zu viele taktische Überlegungen.

FUEL ist Actionarcade, das Gaspedal euer bester Freund und wirklichkeitstrotzende Manöver euer Handwerk. Die größte Verfehlung des Fahrmodells dürfte darin bestehen, dass sich die Fahrzeuge alle noch ein wenig zu leicht anfühlen. Damit nicht jeder Baumstamm euch ausknockt, hüpfen die Vehikel schon mal einfach irgendwo entlang und schwören für ein paar Sekunden komplett der Wirklichkeit ab. Dann graben sich die Räder in den Dreck und es geht munter weiter.

Um Langeweile möglichst nie aufkommen zu lassen, wechseln sich die Aufgaben in den über 200 Rennen deutlich ab. Das etwas unbefriedigende, weil zu friedfertige Rammfest aus der Einleitung ist eine davon, einen Hubschrauber über unwegsames Terrain zu verfolgen, macht ihr auch nicht jeden Tag. Kleine Zeitrennen gehören dann schon eher wieder zum Standard. Diese Einzelmissionen sind die so betitelten Challenges, die ihr in jedem der 12 riesenhaften Areale findet, die normalen Karriererennen sind genau das: Rennen. Man wechselt stetig zwischen Checkpoint und Rundkursen ab und es fällt auf, dass die Rundkurse die Schmuckstücke des großen Repertoires beherbergen.

Hier könnt ihr gut die Tücken und Möglichkeiten der Strecke erkunden, was bei einem Querfeldeinritt über zehn Kilometer deutlich schwieriger fällt und dank der unsteten KI auch nicht sinnvoll scheint. Haltet drauf, rast nirgendwo rein, hofft das Beste. Dank des guten Fahrfeelings kommt hier immer noch eine ganze Menge Spaß auf, betont wird dann aber ganz deutlich die Action in dem Kunstwort Arcade-Action-Racer.

Sollte euch die Lust an den vorgegebenen Rennen mal verlassen, dann dürft ihr jederzeit in den freien Modus wechseln und eine Welt von der der Größe der Schweiz erkunden. Einer Schweiz, die leider ziemlich leer ist. Durch das postapokalyptische Wasteland im V8 zu cruisen, gehörte definitiv zu den Kindheitsfantasien, nur stellt sich das ziemlich schnell als irgendwie dröge heraus. Es gibt einfach nicht viel zu tun und entdecken. Ob man jetzt in einem verlassenen Truck dann doch noch ein langweilige Decal für das Bike findet, interessiert am Ende kaum. Ihr dürft das aber alles eh ignorieren und komplett bei den strukturierten Rennen bleiben.

Was euch diese Ausflüge in die Freiheit dann aber doch bieten, sind Landschaftsimpressionen. Das Dutzend Gegenden unterscheidet sich deutlich und reicht von Wüsten über Extremwaldsterben bis zu Gebirgshängen am Mount Rainier. Tag-, Nacht- und Wetterwechsel verwöhnen das Auge. Schon durch die schiere Größe und die extreme Sichtweite entsteht ein Gefühl der Glaubwürdigkeit diesen Arealen gegenüber, und von einer Bergkuppe aus den Sonnenuntergang zu beobachten, hat einfach was. Weniger romantisch, dafür wesentlich spektakulärer fielen die Witterungsbedingungen aus. Ihr trefft auf heftige Gewitter, Stürme, die auch schon mal Teile der Rennstrecke umreißen und sogar ausgewachsene Tornados.

Nur leider geizt FUEL mit diesen speziellen Reizen. Alle Jubeljahre trefft ihr mal auf ein solches Naturschauspiel, was zwar den Vorteil hat, dass die Freude daran sich nicht zu schnell abnutzt, einem danach viele der Strecken aber doch irgendwie öd und noch trostloser vorkommen. Dafür ruckelt es dann an diesen Passagen deutlich weniger. Einbrüche in der Framerate scheinen derzeit ein konstantes Problem aller Spiele zu sein, die ich teste, und FUEL steht dabei zu Glück nicht an der Spitze. Es ist aber trotzdem gut, dass es nie auf den letzten feinen Millimeter einer Lenkbewegung ankommt. Sobald besonders viele, besonders markante Ecken der USA ins Blickfeld rücken, gibt es hier und da ein paar unschöne Sprünge. Das trübt den an sich wirklich immer noch guten bis in Einzelmomenten spektakulären Eindruck zum Glück nur minimal.

Vergleicht man die Computerfahrer FUELS mit ihren Kollegen aus GRID oder DIRT, dann mag man kaum glauben, dass Codemasters diese Leistung des Asobo Studios absegnete. FUEL bietet eine ganze Reihe von Stärken und die weite, offene Welt zusammen mit dem GPS sind in dieser Form derzeit einmalig. Aber schöne Landschaftsimpressionen, Tornados und eine gewaltige Masse an Rennen bringen einen nur so weit, wenn es im Getriebe hakt. Mit einer solchen KI gewinnt kein Renner Sympathiepunkte, und sobald das Gefühl der Fairness leidet, dann geht es auch schnell mit dem Spielspaß nach unten. Was in der Weite der Landschaft ebenfalls verloren geht, ist das Gefühl für die Feinheiten einer Rennstrecke und damit auch der Wille, an diesen zu arbeiten.

Der Trick bei FUEL besteht darin, richtig an das Spiel heranzugehen. Begreift Ihr es als Racer, und sei es nur als Arcade, fällt schnell auf, wie wichtig die Details im Gameplay dieses Genres werden, sobald sie fehlen. Enttäuschung, Frust und schließlich Desinteresse müssen folgen. Lasst Ihr Euch dagegen auf einen beinahe reinen, brachialen Action-Reaktionstest ein, dann geben die Wastelands doch solides Spielvergnügen preis.

Wie bewerte ich das jetzt? Ich denke, ich zeige mich mal flexibel und bewerte FUEL: Das Action-Erlebnis, mit dem ich dann doch noch Spaß hatte.

FUEL ist ab sofort für Xbox 360, PS3 und PC erhältlich.

 

 

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