Gears of War 2

Preview
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Epic Games
Genre
Shooter
X360: Gears of War 2

X360: Gears of War 2

Epics CliffyB und sein Team stehen von einer gewaltigen Aufgabe. Mit Gears of War 2 müssen sie nicht nur ihre eigenen, ehrgeizigen Erwartungen erfüllen, sondern auch die Wünsche und Träume von Millionen Fans. Der zweite Teil soll mehr sein, als ein Gears of War 1.5. Die Fortsetzung muss einen der technisch und spielerisch beeindruckendsten Titel der letzten Jahre übertrumpfen, der mit seiner gigantischen Inszenierung 2006 die Shooter-Fans in Exstase versetzte.

Während Charakter-Design und Story noch heute stark umstritten sind, gelang es Epic zumindest optisch, einen echten Durchbruch zu erzielen. Mit Hilfe der Unreal Engine 3 protzte der Titel mit filigranen Texturen, einer stimmungsvollen Beleuchtung und perfekt gescripteten Action-Sequenzen. Kaum vorstellbar, wie es noch deutlich besser geht.

Trotzdem scheint ihnen dieses Kunstwerk beim zweiten Teil gelungen zu sein. Die bisher gezeigten Spielsequenzen und Screenshots begeistern mit einer epischen Präsentation, bei der Ihr nicht mehr gegen einzelne Locusts, sondern ganze Horden antreten müsst.

Doch eine schicke Technik allein macht nicht glücklich. Epic möchte beim zweiten Teil auch das Gameplay verfeinern und setzt auf dezente, aber wirkungsvolle Änderungen. Jede Waffe, jeder Gegner und jedes Spielelement wurde überarbeitet und deutlich verbessert. Perfektion ist das Ziel für Gears of War 2 und Perfektion möchte Epic am 7. November abliefern.

Um die Brumak-großen Story-Lücken aus dem ersten Teil zu füllen, beginnt das Spiel ca. sechs Monate nach den Geschehnissen des Vorgängers. Den Menschen ist es mit dem Resonator gelungen, die Angreifer aus der Tiefe zurückzuschlagen. Sie befinden sich wieder im Angriff und hoffen, mit ihren neuen technischen Errungenschaften das Imperium der Locusts endgültig zu besiegen. Um die Untergrund-Bewohner in ihrer Heimat anzugreifen, werden Marines mit speziellen Bohr-Dronen in die Tiefe geschickt, um die Brut der Monster auszumerzen. Eine harte, ermüdende Aufgabe.

Schon der Demo-Level vom Microsoft Spring Showcase gab einen kurzen Einblick in den brutalen Alltag dieser Angriffs-Missionen. Auf dem Weg zum Einsatzort werden die Derrick getauften Bohrmaschinen und ihre Begleitpanzer von massiven Kräften der Locust attackiert. Neben den fliegenden Spinnen-Monstern aus dem ersten Teil, den Reavers – erstmals steuerbar! – trifft unser Held auf Hunderte Fußsoldaten, brutale Nahkämpfer und einen gewaltigen Brumak.

Das furchterregende Biest, dem Ihr nur in der PC-Version des Vorgängers entgegen treten konntet, geht es diesmal gleich Dutzendfach an den Kragen. Die Dimensionen sind bei Gears of War 2 ein ganzes Stück größer geworden und so muss der einstige Star unter den Endgegnern die zweite Geige spielen. Erst bearbeitet Ihr ihn mit der Bord-MG, dann macht er die unerfreuliche Bekanntschaft mit einem Panzer und sinkt schließlich nach einem mächtigen Schlag zu Boden.

Bei der Verteidigung des überlebenswichtigen Fahrzeugs macht Fenix auch Bekanntschaft mit einigen neuen Spielelementen. Statt wie bisher verletzte Gegner mit einem kräftigen Tritt in das Reich des Todes zu schicken, könnt Ihr sie nun als lebenden Schild missbrauchen. Einfach per Knopfdruck am Hals packen und die Gegner dann mit der nagelneuen Automatik-Pistole auseinander nehmen. Auch der Kettensägenangriff wurde stark überarbeitet. War es bisher unmöglich eine Attacke abzublocken, könnt Ihr nun durch eine schnelle Reaktion eine Art Mini-Spiel auslösen, mit dem Ihr das drohende Ende abwendet und den Angreifer seinerseits in zweite Teile schneidet.

So weit, so beeindruckend, aber eben noch nicht so ein ganz würdiger, zweiter Teil. Erst auf der E3 sorgten neue Eindrücke und Spielszenen für das letzten Quentchen Überzeugungskraft, um den den Titel ganz oben auf die Most-Wanted-Liste zu setzen. Vor allem die Demo während der Microsoft Pressekonferenz, machte dem Franchise alle Ehre. Cliff Bleszinski führte Marcus Fenix und Dom auf eine sehr intime Mission, die das andere, persönliche Gesicht des zweiten Teils präsentieren soll.

Doms Frau ist verschwunden und die Helden müssen versuchen, sie aus einer sinkenden Stadt zu befreien. Es ist eine neue, ungewöhnliche Taktik, mit der sich die Die Locust gegen die Angriffe der Menschen zur Wehr setzen. Sie beginnen die Fundamente der Großstädte einzureißen und sie zu sich in die Tiefe zu befördern.

Während also die prächtigen Bauwerke im Boden versinken, macht sich das ungewöhnliche Duo auf den Weg in das Zentrum des Desasters. Schon zu Beginn erstaunt ein schrecklich-schönes Panorama den Betrachter. Verzweifelt versucht die Sonne im Hintergrund den Rauch der Zerstörung zu durchdringen.

Mitten in der einstmals blühenden Metropole gähnt ein gewaltiges Loch, das Gebäude, Menschen und Maschinen nach und nach verschlingt. Das gesamte Blickfeld ist in Bewegung. Straßen verschieben sich, Wolkenkratzer klappen wie Kartenhäuser in sich zusammen. Die Apokalypse kann schrecklicher nicht sein.

Viel Zeit zum Staunen bleibt aber nicht, weil der erste neue Gegner die ganze Aufmerksamkeit der Helden erfordert. Ein muskelbepackte Unterart der Locust, der Boomer, stürzt sich mit Schild und explosiven Morgenstern bewaffnet auf sie. Trifft das archaische Mordwerkzeug, geht eine Ladung in die Luft, die das bemitleidenswerte Opfer in den Boden rammt.

Gelingt es, ihn mit Schüssen auf die Beine oder Granaten in die Knie zu zwingen, kann sich Marcus das Schild schnappen und so mit einer portablen Deckung durch die Gegend ziehen. Wie schon bei der lebenden Variante, stehen Euch während der Benutzung nur Pistolen zur Verfügung. Reicht Euch dieses Feuerkraft nicht aus, rammt Ihr das gute Stück einfach in die Erde und könnt so an jeder Stelle des Levels für Deckung sorgen.

Nur eine Biegung weiter, wollen gleich zwei Neulinge Fenix den Hals umdrehen. Blitzschnell schießt ein kleines, graues Wesen mit implantierter Bombe auf ihn zu. Die so genannten Ticker versuchen so nah wie möglich heranzukommen, um sich dann mit einer mächtigen Explosion in die Luft zu jagen. Da heißt es Nerven bewahren und sie mit einem Nahkampfangriff durch die Luft direkt auf die Gegner zu schleudern.

Kaum ist diese hinterhältige Attacke überstanden, schießen Flammen auf die Retter zu. Eine Feuerdrohne verpasst den Menschen mit ihrem Flammenwerfer ein hitzige Begrüßung. Leider hat ihre durchschlagkräftige Waffe einen entscheidenden Nachteil: Gelingt es Euch den Tank zu treffen, geht der Feuerteufel mit einem kräftigen Rumms in Flammen auf.

Mit dessen Waffe im Gepäck führt CliffyB das Duo immer tiefer, trifft auf Locust-Priester, die Ticker auf Euch hetzen können und tote Feinde wiederbeleben, wehrt eine gewaltige Invasionstruppe mit einer Gatling-Kanone names Mulcher ab und muss aus einem brennenden, zusammenbrechenden Haus fliehen. Nettes Detail am Rande: Der Mulcher heizt sich beim Schießen schnell auf und kann so explodieren. Ihr müsst also in Feuerpausen per Knopfdruck immer wieder das Gerät entlüften.

Die größte Überraschung wartete aber am Ende der Demo auf die beiden Freiheitskämpfer. Ein Brumak wurde durch das herabfallende Gemäuer festgesetzt und zappelt hilflos in den Trümmern. Als Marcus und Dom nach einem kurzen Sprint durch sein Schussfeld den Rücken erreichen, stellt der Held der Geschichte trocken fest: „Die Locust können ihn reiten, also können wir das auch.“ Panzer, Reaver und Brumak, größer geht es kaum.

Leider gibt es in diesem perfekt abgestimmten Action-Spektakel einen Wermutstropfen, der bei ein paar Fans für lange Gesichter sorgen wird. Epic hat sich dazu entschlossen, den Kampagnen-CoOp auf zwei Personen zu beschränken. CliffyB betonte während der Präsentation, dass vier Spieler einfach zu viele Probleme bereiten. Stattdessen liefert Epic mit dem Horde-Mode eine Art Geometry Wars meets Smash TV mit immer stärkeren Angreifer-Wellen.

Bis zu fünf menschliche Spieler werden auf eine Karte geworfen und bekommen Runde für Runde eine größere Herausforderung geliefert. Anfangs warten ein paar einfache Dronen auf Euch, dann ein paar dicke Boomer mit Nahkampfwaffen, später Priester, Ticker und zum Schluss ganze Horden, die sich schreiend und schießend auf Euch stürzen. Bis zu 50 Wellen von Angreifern sollen möglich sein, wobei selbst Epic-intern der Rekord bei Runde 26 liegt. In Kombination mit Ranglisten ein witziger Zeitvertreib, der sich zu einem echten Hit entwickeln könnte.

Auch abseits dieser Spezialvariante möchten die Entwickler den Multiplayer-Modus weiter ausbauen und liefern neben neuen Spielmodi auch neue Feature. Bei der Präsentation gab es zum Beispiel eine Art Taktik-Radar zu bestaunen. Auf Knopfdruck liefert er Euch Informationen, wo sich gerade Eure Mitspieler befinden. So könnt Ihr Euch besser absprechen und beim neuen „Leader“-Spielmodus Euren wichtigsten Spieler im Auge behalten.

Vergleichbar mit Assassination stehen sich hier zwei Teams gegenüber, die versuchen müssen, den jeweiligen Anführer auszuschalten. So lange dieser am Leben ist, kann die eigene Truppe sich fröhlich wiederbeleben. Beißt er ins Gras, muss die Wiedergeburt leider ausfallen.

Neben diesen eher großen Veränderungen setzt Epic auf viele kleine Detailänderungen, wie die Möglichkeit sich verletzt in Deckung zu ziehen oder die Integration eines Mörsers, der durch Teamwork die flächendeckende Vernichtung von Gegnern ermöglicht. Mit dieser Liebe zum Detail könnte es Gears of War 2 diesmal wirklich gelingen, an die Spitze der Xbox Live Charts vorzustoßen.

Bei der ersten Präsentation war ich etwas enttäuscht. Die Angst, dass der Titel nur eine uninspirierte Fortsetzung mit ein paar neuen Waffen und Gegnern werden könnte, lähmte meine Begeisterung und ließt mich sorgenvoll nach Los Angeles blicken. Doch der E3 Auftritt hat gezeigt, dass Gears of War 2 nahezu jeden noch so kleinen Fehler des Vorgängers gekonnt ausmerzt und mit einer wirklich epischen Inszenierung die Latte noch mal ein ganzes Stück nach oben legt.

Natürlich wird beim zweiten Teil das Rad nicht komplett neu erfunden, doch mit der kontinuierlichen Verbesserung aller Elemente, dürfte der Titel eine würdige Fortsetzung werden, die wieder einmal Maßstäbe setzt. Im direkten Vergleich mit Killzone 2 fehlt es dem Epic-Titel zwar etwas an Stil, dafür scheint das Gameplay deutlich abwechslungsreicher und durchdachter zu sein. Epic geht gezielt die Defizite des Vorgängers an und möchte ein wirklich makelloses Spektakel abliefern. Mein ganz persönlicher Favorit ist aber der Horde-Modus. Dieses Last Man Standing könnte gerade mit vier lustigen Freunden zu einem echten Highlight werden, das abseits der doch eher ernsten Kampagne für jede Menge Lacher sorgt. Ich melde mich schon jetzt freiwillig für ein Eurogamer-Horde-Team, mal sehen, ob wir in die Weltspitze vorstoßen können.

Gears of War 2 erscheint am 7. November 2008 für die Xbox 360. Eine Veröffentlichung in Deutschland ist angesichts der Indizierung des ersten Teils fraglich. Eine PC-Fassung wird wie gehabt später veröffentlicht werden.

 

 

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