Gesamtwertung7/10 |
Es gibt einen wichtigen Test, den jedes neue Gran Turismo zu bestehen hat: Sind die Computerfahrer in der Lage, einem parkenden Auto auszuweichen oder ignorieren sie ihre Umwelt komplett? Auf Apricot Hill ließ ich die drei KI-Fahrer losheizen, kullerte selber aber nur die paar Meter zur ersten Kurve und stellte mich dort auf die Ideallinie. Die Spannung stieg mit jeder Sekunde. Würde die KI nach der ersten Umrundung des Kurses gnadenlos in meinen schicken 91´er Lamborghini Countach rasen oder vielleicht doch den Hinweis verstehen und ausweichen? Die Spannung stieg, sie tauchten im Rückspiegel auf, näherten sich schnell…
…und rauschten mit Schwung in mein Heck. Erst der Leader, der noch vorbeischrammte. Mit Betonung auf schrammte. Der Zweite kratze ähnlich elegant vorbei. Der Dritte knallte beinahe ungebremst in das Hinterteil des Lamborghini. Gut für diesen, dass sich Polyphony Digital ein Schadensmodell für ein späteres Spiel aufsparte. Der Hammer kommt aber immer zum Schluss. Nummer drei gab nicht einfach wieder Gas, sondern setze zurück. Mit steigender Verwunderung ließ sich im Rückspiegel beobachten, wie der KI-Fahrer rückwärts die Fahrbahn verlies, durch das Sandbett heizte, um dann weit hinten in die Bande zu donnern. Nur um dann doch endlich wieder die Orientierung zu finden, zur Straße zurückzukehren und das Rennen fortzusetzen. Dieser kleine, völlig undurchsichtige Ausflug kostete ihn gute 15 Sekunden.
Nein, die KI hat seit 2005 nicht viel dazugelernt und seit Gran Turismo 5 Prologue, wo es deutlich schwieriger war, selber Hindernis zu spielen, einiges vergessen. Als es irgendwann mal hieß, dass Gran Turismo PSP ein Gran Turismo 4 in klein werden würde, hat man nicht gelogen. Genau das trifft es am besten. Mit allem Guten, was in dieser Analogie steckt, wie auch mit allen Schwächen, die der PS2-Renner damals so mitbrachte. Aber eigentlich stammen die ja gar nicht aus 2004. Es sind Mängel, die die Serie schon seit Ewigkeiten plagen und PSP Gran Turismo erinnert uns halt einmal mehr daran, dass die KI der Computergegner für „Künstliche Ignoranz“ steht.
Statt halbwegs sinnvoll zu reagieren, rammen sie euch gnadenlos zur Seite. Platz da, die Linie gehört mir. Leistet ihr euch mal einen kleinen Rutscher ins Sandbett und kommt deutlich langsamer, als es sein sollte, auf der Geraden heraus, dann meidet ihr besser die Linie. Aber tröstet euch damit, dass ihr vor der Kurve immer noch ohne Reue Autoscooter spielen dürft. Keine Schäden, kein Schadensmodell, keine falschen Hemmungen.
In bestenfalls der Hälfte der Fälle wird die KI, auch wenn mehr als genug Abstand und Reaktionszeit übrig ist, nicht in euch reinrauschen. Ihr habt es halt gewagt, auf der Linie zu sein. Das steigert auch die Freude bei den über 100, teilweise großartigen Challenges, früher noch Fahrschule genannt. Dort finden sich ein paar sehr knackige Überholmanöver. Rammt ihr ein Auto, seid ihr raus, verlasst ihr die Fahrbahn, auch. Man kennt das System ja von früher. Dass ihr aber auch rausfliegt, sobald euch einer der Zombies ins Heck rauscht, weil er sich mal wieder weigerte, zu bremsen, zerrt arg an den Nerven. Zumal es hier wirklich um kleinste Zeit und Bewegungsfenster geht.
Diese dramatischen KI-Mängel wären nicht mal so übel, könnte man wenigstens sagen, dass man eh nur online unterwegs ist und die KI nur anderen passiert. Aber wie es auf der PSP ja meist so ist, gibt es nur einen Ad-hoc-Modus. In Japan ist das bestimmt klasse, dort reicht man ja scheinbar eine PSP zum U-Bahn-Ticket dazu. Hierzulande ist die Verbreitung deutlich niedriger und solltet ihr nicht gerade drei Freunde mit drei Mal Gran Turismo PSP in direkter Verbindungsreichweite haben, dann seid ihr nun mal auf Zeit-, Drift- oder eben KI-Rennen angewiesen.
Ein weiterer Schwachpunkt ist die Beharrlichkeit Gran Turismos, euch möglichst lange Teile des Spiels vorzuenthalten. Das Geldsammeln für neue Autos geht dank hoher Siegprämien zwar deutlich schneller als sonst, aber Verkaufen dürft ihr im Gegenzug kaum noch etwas. Gran Turismo PSP begreift sich, ganz Japan, wie es denn ist, endgültig als Auto-Tamagotchi. Und was ihr nicht selber ergattert, tauscht ihr mit Freunden. Im Ad-hoc-Modus. Am besten in Japan.
Es bleibt also einiges an Ballast, Ärgernissen und auch echten Mängeln zu überwinden, wenn es jetzt an die Qualitäten von Gran Turismo PSP geht, und es sagt schon im ersten Zug eine Menge über das Spiel aus, wenn ihr es trotz dieser Schwächen als PSP-, Auto- und Rennfans auf keinen Fall ignorieren dürft. Ja, es ist eure heilige Pflicht, dieses Spiel zu würdigen, denn was hier auf einem technischen Level passiert, hätte wohl kaum jemand auf der PSP für möglich gehalten.
Damit sind noch nicht einmal nur die 60 Frames gemeint, auch wenn sie natürlich die größte Überraschung darstellen. Ein reineres, stimmigeres Bild von Bewegung und Beschleunigung findet ihr mit Sicherheit derzeit bei keinem anderen PSP-Spiel und ich wage zu prophezeien, dass es wohl ein Weilchen dauern wird, bis Gran Turismo PSP auf einem Handheld einen echten Rivalen finden wird.
Um dieses Wunder zu vollbringen, musste man nicht einmal große Kompromisse eingehen. Weder an den Fahrzeugmodellen, die wie immer wundervolle Ebenbilder ihrer nur minimal schöneren Originale darstellen, noch an den vielen Details der Strecken wurde gespart. Vier der schönsten Sportwagen der Welt ziehen durch Paris an der Oper vorbei, einem Stadtkurs voller feiner Einzelheiten, drehen elegant ihre Runden und das mit f…ing 60 Frames! Klar, der Screen einer PSP ist klein und vielleicht nicht unbedingt so aufsehenerregend wie einiges, was man auf einem 60-Zoll-TFT zu sehen bekommt. Dass das Unmögliche, also das hier, auf einer Konsole mit 333 Mhz CPU und 32/64 MB RAM vollbracht wurde, stellt trotzdem vieles, auf den ersten Blick spektakulärere in den Schatten. Hut ab und die Verbeugung ganz tief, Polyphony Digital. Ihr habt neu definiert, was auf der PSP möglich ist.
Die 60 Frames werden aber nicht nur für Show und Eye-Candy genutzt, die arbeiten auch Hand in Hand mit noch wesentlich höher aufgelösten Physikmodellen. Diese waren bei Gran Turismo ja schon immer Teil der Pflicht und auch Gran Turismo PSP macht nur minimale Kompromisse in Richtung fahrunfähiger Massenmarkt. Es lassen sich ein paar Lenkhilfen einschalten, die Fahrphysik ein wenig drosseln und die Ideallinie wird auch mit Bremshinweisen angezeigt, aber das war es schon. Keine Kompromisse, das gilt auch hier.
Die Physik überrascht dabei immer noch, wie sie perfekt mit der Kurvenfliehkraft, den verschiedenen Antriebsarten der einzelnen Wagen, ihren Reifenbeschaffenheiten und zahllosen anderen Faktoren umgeht, um im Ergebnis ein Gefühl zu schaffen, dem die meisten anderen Kokurrenten nur mit mäßigem Erfolg nacheifern können. Ob nun Drift-Rennen, in dem ihr die Bodenhaftung stets überreizt, oder im Nürburgring mit Tempo 300: Die Bodenunebenheiten fühlt ihr selbst auf dem kleinen Screen, ihr müsst sie nicht sehen. Durch sein Verhalten spricht das Auto während der Fahrt geradezu mit euch, und wenn ihr zuhört, könnt ihr Rundenzeiten und Manöver mit jedem der 800 Fahrzeuge optimal meistern.
Und es sind 800 verschiedene Sprachen, oder zumindest fast. Die Fahrzeuge, angefangen von kleinen europäischen und japanischen Einkaufstaschen – Clio Sport, Suzuki Swift - über die nicht enden wollenden Versuche der Amerikaner einen Sportwagen zu bauen, zahllose Nippon-Renner aller Jahrgänge und Güteklassen bis hin zu den Wagen der Firmen, die man als normaler Mensch nur selten im realen Leben sieht – Citroëns GT, Bugattis Übersportwagen Veyron, diverse Ferraris, Paganis und reichlich Konzeptwagen – differenzieren ihr Verhalten nicht nur zwischen den Klassen deutlich. Wirklich jedes Fahrzeug fühlt sich ein ganz klein wenig eigen an, selbst wenn sie doch recht nah aneinanderliegen.
Von dieser Warte her macht es sogar Sinn, virtuelles Geld für die beiden Suzuki Swift oder zwei Zondas verschiedener Jahrgänge auszugeben und zu studieren, wie weit sie auseinanderliegen. Das ist, zugegeben, totales Auto-Nerd-Tum. Aber darum geht es ja auch zu guten Teilen bei Gran Turismo. Und diese geistige Schwäche, weit verbreitet bei Männern, bedient Gran Turismo PSP genau so souverän wie man es von der Reihe gewohnt ist.
Der Kauf der Autos baut allerdings eine Hürde auf, die fast so sehr verblüfft wie das Freischalten der A-Rennen. Jedes Rennen stellt einen Renntag dar. Der Shop richtet sich ebenfalls nach diesen Tagen und scheinbar handelt es sich dabei um eine Art Wanderbasar, der jeden Tag vier andere Hersteller im Programm hat. Jeden virtuellen Tag habt ihr die Auswahl von vier Herstellern und nicht einmal alles von diesen. Statt einfach die Masse der 800 Schlitten in einem sinnvollen Menü zu strukturieren, heißt es bei jedem Besuch zu überlegen, ob ihr zuschlagt. Wer weiß, wann es wiederkommt.
Auch wären einfachere Hinweise, mit welchen Fahrzeugen man die Offroad-Pisten unsicher machen kann, oder wenigstens ob es nicht schon in eurer Garage steht, hilfreich. So klickt man sich mitunter ein wenig auf gut Glück durch, nur um immer kurz vor Kauf abzubrechen, wenn dann doch die Warnung erscheint, dass man schon einen Mini hat oder dass dies kein Offroadwagen wäre. Das Tuning dürfte besonders alteingesessene Gran Turismo'ler enttäuschen, denn ähnlich Gran Turismo 5 Prologue reduziert es sich auf ein paar Einstellungen am Wagen, aber auf das Kaufen, Tunen und Teiletauschen verzichtet Gran Turismo PSP.
Dafür könnt ihr euch mit einer unglaublichen Streckenvielfalt vergnügen. 45 verschiedene Pisten, wobei zu etwa gleichen Teilen Renn-, Stadt- und Offroadkurse vertreten sind. Für jeden Geschmack sollte sich etwas finden, egal ob ihr nun gern durch enge Gassen in Italien jagt, den Suzuka-Ring unsicher macht oder lieber die Ultimate Challenge des ungekürzten Nürburgring angeht. Und sollte der euch nicht schocken, dürft ihr ihn wie fast alle Kurse rückwärts und durch bis zu 99 Runden jagen - frei einstellbar selbstverständlich. Das Austesten der Strecken steht auch wieder klar im Vordergrund. Einen Karrieremodus sucht ihr vergeblich, was man aber nicht überbewerten soll. Es ist als Handheldspiel konzipiert, das man eben nicht Stunden am Stück, sondern in kleinen Portionen erlebt. Spielt ein, zwei Strecken, kauft ein Auto, fertig. Es geht einzig und allein um euch, die Kurse und vor allem die Autos, die Yamauchi so liebt.
Für Yamauchi, und damit auch Gran Turismo PSP, steht ganz klar der pure Spaß an einem schnellen Auto auf einer schönen Piste im Vordergrund. Alles, was an den Basics dazu nötig ist, wurde mit einer Besessenheit zum Perfektionismus umgesetzt, die einfach nur erstaunt. 60 Frames, 45 Strecken, 800 Fahrzeuge und beinahe ebenso viele Fahrphysiken, jede einzelne stimmig. Und alles auf der PSP. Einfach einmalig, faszinierend und konkurrenzlos. Harte Autonarren brauchen Gran Turismo PSP nicht weniger als jedes andere Gran Turismo. Es muss euch dann aber eben auch egal sein, dass die KI im Idiotentest durchrauscht, die Sammelverwaltung alles andere als optimal ausfiel, ein strukturierter Karrieremodus fehlt und Online auf der PSP in Japan immer noch ein Fremdwort zu sein scheint. Was übrigens besonders auf der komplett auf Internet ausgelegten PSP Go für erstaunt hochgezogenen Augenbrauen sorgt.
Als traditionelles Rennspiel mit spannenden Rennen gegen eine toughe, aber faire und vor allem halbwegs intelligente KI lässt selbst das vier Jahre alte TOCA 2 das technisch eigentlich weit überlegene Gran Turismo PSP im Regen stehen. Ideallinienzombies und nicht existente Schadensmodelle sind halt immer noch kein Tabuthema für Gran Turismo. Nur ihr, ein Sportwagen, die Piste und die Stoppuhr. Das ist die Bestimmung eines Gran Turismo und diese erfüllt auch Gran Turismo PSP mit gewohntem Elan. Aber über seinen Schatten kann oder will es nicht springen. Und vergisst dabei sehr viel von dem, was heutzutage in einem modernen Rennspiel selbstverständlich sein sollte.
Gran Turismo PSP ist ausschließlich - oh Wunder - für die PSP zu haben und wird am 1. Oktober erscheinen. Überraschenderweise braucht ihr keinesfalls eine PSP Go, der Test fand auf einem 2000er Modell statt, es läuft sogar ohne Probleme auf der ganz alten 1000. Als Download beansprucht GT PSP etwa 1 GB, eine UMD erscheint parallel dazu. Man kann davon ausgehen, dass der Download etwas preiswerter sein wird.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Gran Turismo im Test.
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