Crysis

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Crytek
Genre
Shooter
PC: Crysis - Testbericht

Gesamtwertung

9/10

PC: Crysis - Testbericht

Die ersten 20 Minuten waren eine herbe Enttäuschung. Nach einem furiosen Start mit nahezu perfekten Gesichtstexturen und einer wuchtig designten Nanosuit, fühlte ich mich plötzlich ins Jahr 2004 versetzt. Die Landung am Strand, die Felsformationen, die Palmen und selbst das Gameplay erinnerte frappierend an den Vorgänger Far Cry.

Mein erster Durchgang mit den vom System vorgeschlagenen Details war auch optisch durchwachsen. Gerade zu Beginn geizt Crysis noch etwas mit seinen Reizen und ohne einen starken Rechner bewegt man sich nur selten auf Next-GenNiveau. Aufploppende Gegenstände, platte Texturen und mittelprächtige Lichteffekte sollten doch eigentlich der Vergangenheit angehören.

Aber der erste Eindruck täuscht. Mit etwas Feinarbeit und Geduld entpuppt sich Crysis mit der Zeit als der erwartete Grafikhammer, ein intelligentes Actionspiel und ganz großes Kino. Man muss nur die Details etwas weiter nach oben stellen und auch mal weniger als 30 Frames ertragen können. Im Gegenzug bekommt man eine prächtige Optik geliefert, die in puncto Realismus Zeichen setzt (Tuning-Tipps folgen).

Kaum erreiche ich nämlich den Urwald, wabern Nebelschwaden durch das Dickicht, die Pflanzen werden durch Berührung zur Seite gedrückt und mir rutscht gleich bei der ersten Zwischensequenz das Herz in die Hose. Mag die Umgebung in den ersten Stunden auch noch so vertraut sein, am Ende ist Crysis eben doch aus einem ganz anderen Holz geschnitzt als sein in die Jahre gekommener Vorgänger.

An dem grundlegenden Gameplay hat sich dabei wenig geändert. Gerade in der ersten Hälfte schlagt Ihr Euch durch verschiedene feindliche Stellungen, die mit ihrer offenen Architektur und den hochintelligenten Gegnern ständig Far Cry zitieren. Es gibt zwar eine deutlich besserer Geschichte, glaubhaftere Charaktere und ein kraftvoll in Szene gesetztes Exoskelett, an der non-linearen Vorgehensweise hat sich aber Gott sei Dank nichts geändert.

Wie es Crytek-Chef Cevat Yerli in seinem Review-Video passend erklärt, ist man in den ersten Stunden ständig in so genannten Action-Bubbles unterwegs. Diese folgen stets einem ähnlichen Ablauf, der sich aus Annäherung, Erkundung und Ausführung zusammensetzt. Im späteren Verlauf wird das Gameplay zwar auf eine dichtere Erzählstruktur und dramatischere Gefechte in engere Bahnen gelenkt, doch bis dahin stehen einem nahezu alle Wege offen. Um Euch dieses Sandkasten-System näher zu bringen, begleiten wir den Hauptdarsteller Nomad auf eines der größten Schlachtfelder, den Hafen der Insel Lingshan.

7. August 2020, Pazifik, Lingshan

Die Nordkoreaner haben ohne mit der Wimper zu zucken, die gesamte Insel besetzt. Nach der Entdeckung eines Artefakts durch ein paar Wissenschaftler haben sie im Eiltempo Truppen verlegt und wir müssen den Saustall nun aufräumen. Zusammen mit meinen Kollegen vom Marine Corps, sind wir in einer Nacht- und Nebel-Aktion über der Insel abgesprungen und mussten trotz unserer High-Tech-Rüstungen erste Verluste hinnehmen. Irgendwas auf der Insel läuft schief und die Koreaner sind nicht unser einziges Problem.

Natürlich gewinnt die Geschichte von Crysis keinen Orginalitätswettbewerb. Crytek hat ganz bewusst ein Best-Of des Science Fiction-Genres abgeliefert, das aber deutlich stimmiger ist als beim Vorgänger. Auch beim Design der Figuren und Charaktere wurden wild militärische Prototypen, „Krieg der Welten“ und „Alien“ miteinander vermischt. Dafür ist ihnen mit der Nanosuit ein großer Wurf gelungen, der dem Gameplay eine ordentliche Portion Innovation verpasst.

Diese High-Tech-Rüstung verpasst den Marines nahezu übermenschliche Fähigkeiten, ohne dass sie unverwundbar werden. Nicht jede der vier Einstellungen (Stärke = weiter springen, schwerer Tragen; Tarnung = nahezu unsichtbar; Rüstung = stärker gepanzert, Geschwindigkeit = schneller schießen/bewegen) ist zwar sinnvoll, das neue Spielzeug erweitert hingegen die Möglichkeiten enorm. Wer es unbedingt möchte, kann mit der Rüstungseinstellung auch recht klassisch durch die Gegend ballern.

Wir stecken mitten in einer Gegenoffensive. Amerikanische Truppen sind unterwegs und wir brauchen Luftunterstützung, um die nordkoreanischen Invasoren von der Insel zu vertreiben. Leider können unsere Bomber erst dann in den Kampf eingreifen, wenn wir den Störsender und die letzte Luftabwehreinheit beseitigt haben. Wie ist egal, hauptsache ich infiltriere den Hafen, schalte die Verteidiger aus und jage alles in die Luft.

Man fühlt sich bei Crysis an vielen Stellen zwar noch immer als Einzelkämpfer, doch es gibt auch gewaltige Schlachten, in denen man mit einer ganzen Truppe gegen den Feind zieht. So stellt sich schnell ein Call of Duty-Feeling ein, nur dass die eigentliche Spielmechanik deutlich intelligenter ausfällt. Leider sind nicht alle Action-Bubbles so genial designt wie der Hafen und man vermisst unter all dem Urwaldgestrüpp eine richtiges Stadtgebiet. Gerade Far Cry-Veteranen haben sich schnell satt gesehen, bekommen aber in der zweiten Hälfte frische Szenarien geliefert.

Bevor ich mich ins Gefecht stürze, sondiere ich erst einmal die Lage. Es gibt mehrere Wege in die Anlage. Mit der Stärke-Einstellung könnte ich einfach über die Mauer springen, mich mit der Tarnung von hinten hinein schleichen oder aber durch die Kanalisation direkt im Wespennest auftauchen. Natürlich gibt es auch den Haupteingang, dort aber warten Maschinengewehr-Nester und Scharfschützen auf mich. Ich wähle den Sprung über die Mauer und hoffe, dass ich mein erstes Ziel mit dem Raketenwerfer ausschalten kann.

Selbst auf „Normal“ macht es Sinn, sich genau zu überlegen, wie man eine solch große Anlage wie den Hafen angreift. Ohne Plan machen Euch die intelligenten Gegner das Leben zur Hölle. Crytek liefert verschiedene offensichtliche Zugänge und lässt Euch sehr viele Freiheiten. Kein Durchgang spielt sich so wie ein anderer. Ständig muss man auf der Hut sein. Nie weiß man, wo der nächste Feind auftauchen wird. Leider sind nicht alle Abschnitte so kongenial geworden. Gerade der Einstieg und eine der Alien-Missionen sind nur Durchschnitt, trotzdem hält das Spiel die Spannung über die gesamte Spielzeit.

Zwei Sprünge später sitze ich auf einem Container und sehe den Flakpanzer in nur 200 Meter Entfernung. Statt getarnt eine Sprengladung anzubringen, zücke ich den Panzerschreck, lege an und schalte mein erstes Ziel aus. Leider ging damit meine Tarnung flöten und ca. 200 Soldaten machen sich daran, mir die schicke Nanosuit vom Leib zu schälen. Von allen Seiten werde ich attackiert. Ein harter Kampf mit eingeschaltetem Rüstungs-Update entbrennt, bei dem ich mehrmals keuchend in der Deckung sitze und warte, bis meine Vitalzeichen wieder stabil sind.

Es ist erfrischend, dass ein Missionsziel eben nicht nur mit einem Sprengsatz in die Luft gejagt werden kann. Mit genug Feuerkraft bekommt man alles klein, es ist nur eine Frage der Zeit. Ein zweiter und sogar ein dritter Durchgang macht dadurch natürlich viel mehr Sinn. Echte Profis können sogar probieren, den Panzer mit dem Stärke-Upgrade zu Klump zu schlagen oder ihn mit explodierenden Tonnen zu bewerfen. Diese Offenheit hat nichts von ihrer Faszination eingebüßt und Crytek ist es diesmal noch weitaus besser gelungen, den Spieler an die Hand zu nehmen, damit er in den Optionen nicht ertrinkt.

Der harte Kampf in den Docks hat mich viele Nerven gekostet. Leider habe ich entdeckt, dass sich der Störsender in einem ausgewachsenen koreanischen Kreuzer versteckt. Nachdem ich mir in einem Lagerhaus Nachschub besorgt habe, werfe ich mich gegen die Verteidigungsstellungen und einen ausgewachsenen Kampfhubschrauber. Nach einem kurzen und heftigen Kampf im Kreuzer schalte ich den Sender aus und eine F-22 jagt den gesamten Kreuzer mit einem kräftigen Wums in die Luft. Mission erfüllt, weiter geht’s.

War also Far Cry „nur“ intelligent, kommt nun bei Crysis auch noch die kinoreife Inszenierung hinzu. Ingame-Zwischensequenzen, dramatische Geschehnisse und komplett unterschiedliche Szenarien machen den Titel zu dem deutlich besseren Spiel.

Crysis gewinnt die Spannung nicht nur aus dem langsamen Anschleichen und den brachialen Gefechten, sondern auch aus gewaltigen Schlachten, unterschiedlichen Gameplay-Ansätzen und einer stark veränderten Spielgeschwindigkeit. Crytek liefert zwar nicht immer Weltklasse ab, doch bis auf einen seltsamen Alien-Level mit prächtiger Grafik, aber fehlender Übersichtlichkeit machen die Entwickler kaum einen Fehler.

Seid Ihr zum Beispiel vom Wald gelangweilt, kommt ein Dorf oder ein Hafen. Habt Ihr genug vom ständigen Einzelkämpferdasein, bekommt Ihr einen dicken Panzer und Verstärkung vor die Nase gesetzt. Ausgedehnte Schlachten und intime Nahkämpfe wechseln sich ständig ab. Immer wieder werdet Ihr auf prächtige Missionen stoßen, die Euch für kurze Zeit den Atem rauben. Explodierende Berge, Nuklear-Explosionen und ein Kampf auf einem Flugzeugträger verleihen dem Titel eine epische Dimension.

Zur Grafik gibt es nicht viel zu sagen. Mit einem entsprechenden Rechner setzt der Titel zumindest technisch Zeichen und simuliert nahezu perfekt die Realität. Trotzdem sieht zum Beispiel Call of Duty 4 auf dem Testsystem (Athlon 4400+, Radeon 1950 XT, 2 Gigbyte RAM) nicht so viel schlechter aus. Mit den Mindestanforderungen erreicht Ihr sogar nur die Qualität des drei Jahre alten Far Cry. Das ändert natürlich nichts an der fantastischen Inszenierung oder dem klugen Gameplay, trotzdem hinterlassen diese Einstellungen einen faden Nachgeschmack. Immerhin gibt sich der Sound und die Musik keine Blöße.

Auch beim Gameplay ist der Titel keinesfalls perfekt. Die Steuerung der Nanosuit ist etwas sperrig, ein paar Level zu unübersichtlich, die sonst hervorragende KI hat ein paar Aussetzer und vollkommen Bug-frei ist der Titel auch in der Vollversion nicht. Immerhin drei Abstürze gab es in dem ca. 12-stündigen Test auf dem Schwierigkeitsgrad „Normal“, der übrigens mit etwas mehr Hirnschmalz etwas ausgefallen wäre.

Wichtiger Hinweis: In den bis zu 30-minütigen Auseinandersetzungen sollte man ruhig zwischendrin mal speichern, das erspart viel Ärger. Dank den unvorhersehbaren Gefechten macht der Kampf zwar auch beim dritten Anlauf Spaß, aber wenn man eine Deadline im Nacken hat, sollte man sich solche Spielereien sparen.

Wer auf gute Sprachausgabe und eine ordentliche Portion Blut Wert legt, kann ruhig auf die deutsche Fassung zurückgreifen. Die Sprecher sind routiniert und gekürzt wurde auf den ersten Blick kaum etwas. Die ekligen Einschusslöcher aus Far Cry gibt es auch in der US-Fassung nicht und das Herumschubsen von Leichen dürfte wirklich niemand mehr hinterm Ofen hervor locken.

Natürlich müsst Ihr nicht auf einen Mehrspieler-Modus verzichten, der mit Power Struggle sogar eine dicke Portion Innovation bereit hält. Die wilde Mischung aus Command & Conquer: Renegade, Battlefield und Quake Wars sorgt für spannende Gefechte, wirkt aber nach einer Weile recht sperrig. Eingehender haben wir uns damit bei unserer Multiplayer-Vorschau beschäftigt. Wer sich also an den recht komplexen Modus heranwagen möchte, kann ja mal hier

nachschauen.

Als Alternative hält das Spiel noch ein paar Deathmatch-Varianten parat, die dank der Nanosuit richtig spaßig ausfallen. Genau wie beim Power Struggle gibt es dabei aber eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Unter DirectX 9 werden ganz dreist die Physikeffekte runter gedreht, der Tag-Nacht-Wechsel und die zerlegbare Vegetation ausgeschaltet. High-End-Besitzer bleiben mit DirectX10 unter sich oder müssen sich mit den Schnitten abfinden.

Call of Duty 4 und Crysis erinnern mich ein wenig an die Werke der beiden Hollywood-Regisseure Michael Mann und Michael Bay. Während Mann mehr auf intelligente Geschichten setzt und komplexe Handlungsabläufe einbaut, ist bei Michael Bay alles Show. Ständig explodiert etwas, kurze Story-Fetzen treiben am Auge vorbei und die Handlung verkommt zu Nebensache.

Wie bei einem perfekt inszenierten Bay-Film, bleibt bei Call of Duty 4 keine Zeit zum Luftholen. Abseits von Moral und Stringenz wird ein erstklassig inszeniertes Spektakel abgeliefert, das den Zuschauer an den Sitz fesselt. Crysis ist da ein wenig sperriger, bietet aber beide Welten. Um wirklich Spaß zu haben, muss man gerade zu Beginn auch sein Gehirn einschalten. Im Gegenzug bekommt man ein ebenfalls hervorragend inszenierte Geschichte, intelligente Kämpfe und das deutlich abwechslungsreichere Gameplay.

Action-Fans müssen sich sowieso beide Titel zulegen. Obwohl mir am Ende Crysis doch mehr und vor allem länger Spaß gemacht hat. Nur wer kein Geld zum Aufrüsten hat, sollte vielleicht lieber bis zum nächsten Hardware-Update warten. Mit einem langsamen PC wird man diesem Meisterwerk einfach nicht gerecht und verpasst einfach zu viel von der einmaligen Optik. In zwei Wochen ist es bei mir so weit, dann werde ich eine weitere Runde mit meinem neuen Intel-Geschoss wagen.

Crysis ist ab dem 16. November für den PC erhältlich.

 

 

Ist der Artikel hilfreich? Dann bookmarken Sie ihn bei:

Hilfe?

 

 

Yahoo! Highlights:

Filmblog
Spiele Highlights
Video Suche
DFB Pokal
Autonews
Reiseplaner
Mehr...

 

Aktuelle Videospiele News:

War Rock
DS: Professor Layton kommt nach Europa
PS3: Kojima wünschte, die Leute würden n...
X360: Star Wars: Zu wenig Ehrgeiz verant...
HdRO: Die Minen von Moria
PC: Wrath of the Lich King erscheint eve...
10tacle Studios
PC: StarCraft II: Vierte Rasse denkbar
X360: Demo zu Ninja Blade eingeplant
PC: Mirror's Edge nicht PS3-exklusiv
Rock Revolution
All Points Bulletin
Warhammer 40K
Soul Calibur 4
X360: Microsoft senkt zeitweise DLC-Prei...

Weitere Spiele Reviews:

PC: Crazy Machines 2: Zurück in die Werk...
Unreal Tournament 3 [X360 , looki.de]
PS3: Ratchet & Clank: Quest for Boot...
Puzzle Quest [DS , looki.de]
DS: Etrian Odyssey
DS: Final Fantasy Tactics A2: Grimoire o...
WII: Boom Blox
WII: Hanabi 2: Star Parodier & Cho A...
Mario Kart Wii [WII , looki.de]
Die Geheimnisse der Spiderwicks [DS , lo...
PS3: Battlefield: Bad Company
Sega Superstar Tennis [DS , looki.de]
PC: Turning Point: Fall of Liberty
Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian ...
X360: SBK 08 - Superbike World Champions...

Vorschau auf neue Spiele:

WII: Metroid Prime 3: Corruption
PS3: Haze
PC: Huxley
X360: Age of Conan: Hyborian Adventures
PC: Treasure Island
PC: World in Conflict - Singleplayer
Civilization IV - Beyond The Sword [PC ,...
PS3: Silent Hill Homecoming
PC: Witches
Naruto: The Broken Bond [X360 , looki.de...
PC: Mirror's Edge
WII: Wii Music
PC: Das schwarze Auge: Drakensang
PS3: Brothers in Arms: Hell's Highway
PS3: Resistance 2