Gesamtwertung6/10 |
Drei aktive Jahre Counter-Strike haben mich einiges gekostet. Ein komplettes Jahr Universität etwa. Noch schlimmer: Eine damalige Beziehung. Echter E-sport ist eben zeitaufwändig, ein Hobby, das Eure sozialen Kontakte und Euren Job belastet. Deshalb fühlte ich mich um Jahre zurückversetzt, als ich die ersten Schritte mit SOCOM: Confrontation wagte. Sonys Online-Shooter ist komplett auf Clan-Auseinandersetzungen ausgelegt. Knallhart und Kompromisslos. Auf den Servern tummeln sich, vier Monate nach dem US-Start, nur Spieler mit wilden Clan-Abkürzungen. MGF, TME, AGE und natürlich LMAA. Statt entspannten Hobby-Spielern trifft man gestählte Profis, die sich durch die harte Anfangszeit gekämpft haben.
Wir Europäer mussten zwar lange auf SOCOM: Confrontation warten, bekommen dafür aber keinen Bug-verseuchten Beta-Test als Vollversion geliefert, der die Fangemeinde im letzten Winter wochenlang auf die Barrikaden scheuchte. Im Gegenteil: Nach mehreren Updates läuft die europäische Version recht gelungen. Während dem Test machte das moderne Räuber-und-Gendarm-Spiel (bzw. SOCOM gegen Söldner/Terroristen) nur wenig Zicken, überzeugte mit einer schnellen Verbindung und einigermaßen erträglichen Ladezeiten.
Leider hat die Wartezeit aber auch einen entscheidenden Nachtteil: Wer sich zum ersten Mal in eine Partie SOCOM wagt, ohne den Vorgänger zu kennen oder etwas wie Counter-Strike gespielt zu haben, wird fachgerecht auseinandergenommen. Die weitläufigen Karten verlangen den Spielern einige Ortskenntnis ab. Wer sich nicht auskennt, verbringt Stunden im Spectator-Modus, weil er gerade von hinten erledigt wurde und die meisten Spiel-Modi ohne Respawn auskommen. Anfänger müssen sich also auf eine harte, lehrreiche Anfangszeit gefasst machen, falls sie sich überhaupt für diesen Schritt in die Vergangenheit begeistern können.
Moderne Gameplay-Neuerungen, wie Erfahrungspunkte, Deckung, ungewöhnliche Spielmodi, Karten-Editoren oder Fahrzeuge? Fehlanzeige. SOCOM: Confrontation liefert so ziemlich die gleichen Bestandteile wie Counter Strike ab, nur eben 9 Jahre später und mit einer nicht immer zeitgemäßen, technischen Umsetzung.
Während die thematisch ausgefallenen Level durch viele Details und malerische Beleuchtung punkten, fühlt man sich beim Betrachten der Spieler-Modelle in die letzte Hardware-Generation zurück versetzt. Am ehesten erinnert die Darstellung an die Unreal Engine 3, bevor die Texturen geladen wurden. Kein schöner Anblick. Doof nur, dass der Titel nahezu komplett in der Third Person gespielt wird und Ihr auch noch die hölzernen Animationen ertragen müsst. Für ein gutes Multiplayer-Spiel - auf eine Singleplayer-Kampage wurde komplett verzichtet - sind solche grafischen Feinheiten zwar nicht unbedingt notwendig – siehe Counter Strike 1.6. Doch mit einer Konkurrenz wie Call of Duty 4 und Killzone 2 wirkt SOCOM auf den ersten Blick wie der kleine, hässliche Bruder, mit dem niemand spielen will.
Zum Glück relativiert sich dieser Eindruck nach einer Weile, da die Elemente, die den Vorgänger so erfolgreich machten, noch immer gut funktionieren. Dank der weitläufigen Karten, einer umfangreichen Waffenarsenal und der gelungenen Sprach-Kommunikation wird aus dem hässlichen Entlein kein Gameplay-Schwan, aber zumindest kann er fliegen.
Ein kleines Highlight, trotz der höchstens mittelprächtigen Darstellung, ist die Anpassbarkeit der Spielerfigur. Neben Eurer Ausrüstung könnt Ihr Eure Kleidung, Kopfbedeckung und das Aussehen verändern. Das umfangreich ausgestattete Arsenal muss nicht erst mühsam frei gespielt werden, sondern steht von Anfang an zur Verfügung. Ihr könnt die Schießprügel mit Accessoires aufmotzen, eine von drei Panzerungen auswählen und Euch alle möglichen Granaten in den Rucksack stecken. Wandelnde Kampfmaschinen mit schwerem Maschinengewehr, Granaten und dicker Body-Armor schleichen dann aber recht langsam über die Karte. Wer dagegen auf den ganzen unnützen Ballast verzichtet, jagt von Deckung zu Deckung und ist entsprechend schwerer zu treffen.
Virtuelle Waffen-Narren, wie meine Wenigkeit, bekommen nahezu jeden Schießprügel der aktuellen Produktion geliefert. Klassische Sturmgewehre wie HK G36, M4A1, AK47 und Famas sind genauso mit von der Partie wie diverse Schrotflinten, Scharfschützengewehre und sogar Raktenwerfer.
Jedes Tötungsinstrument besitzt glaubwürdige Charakteristiken, die es für eine spezielle Spielweise prädestinieren. Wer es nah und dreckig mag, setzt auf eine automatische Schrotflinte. Allrounder schnappen sich einen modernen Karabiner und Einzelkämpfer setzen auf ein dickes Scharfschützengewehr. Nun das Ganze noch auf die aktuelle Karte und den entsprechenden Spiel-Modus anpassen und fertig ist das Taktik-Meta-Game.
Apropo Spielmodus: Die meisten Varianten kennt man in der einen oder anderen Form schon vom Vorgänger bezienungsweise von der Konkurrenz. Ihr müsst VIPs zu einem Hubschrauberlandeplatz eskortieren, Bomben legen oder einfach nur das gegnerische Team ausschalten.
Bis zu 32 Spieler können sich dabei den Kopf einschlagen, für kleinere Partien gibt es Mini-Varianten der großen Karten. Die Schauplätze gestalten sich recht ungewöhnlich. So könnt Ihr einen Ausflug zur Akropolis (auf der Karte "Fallen") wagen, Euch in einer arabischen Kleinstadt (Karte "Crossroads") das Blei um die Ohren hauen oder eine futuristische Forschungsanlage (Karte
"Quarantine") in Schutt und Asche legen.
Richtig lebendig wird das Schlachtfeld, wenn Vögel am Himmel ihre Kreise ziehen, Rauch- und Staubfahnen durch die Straßen ziehen und das gekonnte Licht- und Schattenspiel für spannende Verfolgungsjagden sorgt. Drei der sieben Karten wurden in einer aufgehübschten Variante aus dem Vorgänger entliehen (Crossroads, Frostfire und Desert Glory). Jede einzelne ist gut durchdacht und erfüllt ihre Aufgabe. Dank der mehreren Ebenen gewinnt das Gameplay an Tiefe und Ihr müsst Euch vor Hinterhalten in Acht nehmen.
Eine wirklich erstklassige Arbeit liefert Entwickler Slant Six bei der Clan-Unterstützung ab. Es wurden zwar noch nicht alle Features integriert, doch die Anbringung von Clan-Abzeichen, die Organisation von Matches und periodisch abgehaltene Online-Turniere dürften all die E-sportler da draußen glücklich machen. Der Server-Browser lässt zwar etwas Komfort vermissen und bietet keine Favoritenliste, dafür sind immer genug Spieler online und Ihr könnt Euch rund um die Uhr digitale Kugeln um die Ohren jagen.
Ganz schön mutig von Sony, den Titel drei Tage nach dem Amoklauf von Winnenden in Deutschland zu veröffentlichen. Mal abgesehen von der Qualität, die eher durchwachsen ausfällt, ist die Gefahr groß, dass Politik und Medien SOCOM am Kragen packen und in das Licht der Öffentlichkeit zerren. Für mich steht dahinter zwar nur ein virtuelles Räuber und Gendarm-Spiel, aber mich fragt ja keiner.
Abseits dieses brisanten Zeitpunktes gibt es wenig aufregendes über SOCOM: Confrontation zu berichten. Inhaltlich wird weniger geboten als beim Mehrspieler-Part von Call of Duty, Killzone 2 oder Battlefield: Bad Company. Ohne Einzelspieler-Modus und mit gerade mal sieben Karten wirkt der Preis von ca. 39 Euro überteuert. Das Spiel an sich liefert zwar eine hervorragende Clan-Unterstützung, eine treue Fangemeinde und prächtige Karten, der Funke will aber nicht so richtig überspringen. Es fehlt einfach die zündende, frische Idee, das definierende Feature und einfach etwas mehr Umfang.
Wer sich aber die Zeit nimmt, aktiv in einem Clan spielen möchte und sich in die komplexen Spiel-Strategien einarbeitet, bekommt einen gerade noch guten Online-Shooter geliefert. Der Preis ist wie schon erwähnt etwas überteuert und die Konkurrenz nahezu in allen Belangen besser, die Hardcore-Fans werden sich aber trotzdem nicht vom Zugreifen abhalten lassen. Ohne Profi-Ambitionen ist der Titel gerade für Einsteiger ein Griff ins Klo. Sie sind bei anderen Titeln deutlich besser aufgehoben und bekommen als Bonus auch noch einen Einzelspielermodus geliefert.
SOCOM: Confrontation ist im Laden für ca. 39 Euro ohne und für 69 Euro mit Bluetooth-Headset exklusiv für die PS3 erhältlich. Alternativ direkt über das PSN für 39 Euro.
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SOCOM: Confrontation im Test.
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